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Manchmal braucht es gar keine 180°-Wendung, um ein Modell plötzlich wieder spannend zu machen. Genau hier setzt Wolfgang Heinrich mit seiner Microbrand und dem Modell Radiance Guilloche an, das jetzt in dunklem Cyan und kühlem Grau kommt. Und ich gebe zu: Beim ersten Blick dachte ich „okay, nur neue Farben“. Beim zweiten Blick war ich dann schon etwas neugieriger, denn auch das Guilloché-Muster ist neu und deutlich ruhiger im Vergleich zum Muster des Vorgängers.

HEINRICH Radiance Guilloche Wave im Hands-On

Die Radiance selbst war ja ohnehin so etwas wie der kleine Ausbruch aus der Komfortzone für Wolfgang Heinrich. Bis dahin kannte man die Marke vor allem für ihre durchaus kernigen Taucheruhren – eher toolig und funktional als „geschniegelt“. Und dann kommt plötzlich eine überdurchschnittlich flache Dresswatch um die Ecke, die nicht nur unter die Hemdmanschette passt, sondern dabei auch noch mit einem klassischen Gestaltungselement spielt: ein Guilloché-Muster.

Das klingt erstmal nach feinem Uhrmacherhandwerk – und ja, genau da kommt der Begriff auch her. Guilloché beschreibt diese feinen, sich wiederholenden Muster auf dem Zifferblatt, die je nach Lichteinfall anfangen zu leben. Früher wurde das Ganze mit mechanischen Maschinen und viel Handarbeit umgesetzt (Modelle wie die Circula x Jochen Benzinger Facet sind die Ausnahme), heute läuft es in vielen Fällen computergesteuert bzw. vollautomatisiert. Das Ergebnis kann aber trotzdem ziemlich beeindruckend sein wie die Radiance meiner Meinung nach auch absolut beweisen kann.

Was mir bei der ersten Version der Radiance Guilloche gefallen hat: Das Muster bekommt richtig viel Raum auf dem Zifferblatt, um sich zu entfalten. Es „fächert“ sich quasi auf. Das ist auch bei der neuen Guilloche Wave nicht anders. Das Guilloché-Muster unterscheidet sich dabei aber recht deutlich von dem des „ersten Schwungs“ (in den Farben Burgund und Türkisblau): Die „alte“, mittlerweile um den Zusatz „Swirl“ ergänzte Radiance Guilloche zog einen auf fast psychodelische Art und Weise in das Zentrum hinein, das neue Muster der Cyan- und der Grau-Variante hingegen erstreckt sich auf deutlich ruhigere, feiner akzentuierte Art und Weise aus dem Zentrum und wird ergänzt um eine Art Sektoren, die wir schon bei der allerersten „non-Guilloche“-Radiance gesehen haben – ein Sektor für jede Stunde in konzentrischer Anordnung. Das soll laut Wolfgang an historische Modelle erinnern, die Uhrenfreunde als sogenannte Sector Dials kennen.

Heinrich ergänzt die Sektoren-Idee aber eben noch um ein Guilloche-Muster, das an Wellen erinnert – der naheliegende neue Beiname des Modells: „Wave“. Hier sieht man auch noch mal die Unterschied im direkten Vergleich aller drei Varianten:

Dazu auch noch eine Info aus erster Hand von Wolfgang: Die Radiance Guilloche ist als eine Art Serie geplant, bei der immer zwei neue Blattfarben hinzukommen, aber nicht „nur“ in anderen Farben, sondern auch mit einer gewissen Abwandlung des Musters. Eine dritte Variante ist auch bereits in Planung und für etwa Ende 2026 vorgesehen – von der liegen mir bereits technische Zeichnungen vor, die ich aber leider noch nicht zeigen darf (aber so viel kann ich sagen: das sieht erneut vielversprechend aus!).

Nun aber zu den neuen Farben: Das dunkle Cyan ist dabei so ein typischer Kandidat für „auf Fotos schwer einzufangen“, angesiedelt irgendwo zwischen Petrol und Türkis. Allerdings kein lautes Sommer-Türkis, sondern eher die Variante für Leute, die es etwas gedeckter mögen. Am Handgelenk wirkt die Uhr auch entsprechend fast schon ein bisschen zurückhaltend, obwohl die Farbe an sich alles andere als langweilig ist. Schön ist hier übrigens auch die farblich abgestimmte Kontrastnaht des optional zusätzlich erhältlichen, schwarzen Lederbandes.

Das Grau hingegen geht einen komplett anderen Weg: Kühler und deutlich sachlicher. Aber auch das passt ziemlich gut zum Charakter der Uhr. In Kombination mit dem Guilloché-Muster bekommt das Ganze eine fast technische Anmutung, ohne – dank des Lichtspiels mit dem Muster – steril zu wirken. Das macht die Radiance Guilloche Wave zu so einer Uhr, die man morgens anlegt und sich nicht groß Gedanken machen muss, denn sie lässt sich optisch quasi zu allem kombinieren. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Ablesbarkeit bei der grauen Variante je nach Lichteinfall etwas eingeschränkt sein kann, da die Zeiger und Indexe nicht ganz so kontrastreich daher kommen – das liegt bei dieser Farbgebung aber in der Natur der Sache.

Was bei all dem Farbspiel nicht untergehen soll ist, dass die „Basis“ bei der Radiance Guilloche Wave (wenig überraschend) nach wie vor stimmt: 38,5 Millimeter Durchmesser, schlanke 8 Millimeter Gehäuse-Höhe – das ist genau die Art von perfekten Proportion, die man sich bei einer waschechten Dresswatch wünscht. „Manschettenfreundlich“ ist so ein typischer Begriff, der oft bemüht wird, aber hier trifft er tatsächlich 100% zu. Die Uhr verschwindet problemlos unter dem Hemd, ohne dass man das Gefühl hat, etwas Kompromissbehaftetes zu tragen.

Ein Teil der flachen Bauweise geht auf das verbaute Kaliber zurück, das ETA Peseux 7001 – ein mit 2,5 mm unglaublich schlankes Kaliber mit 17 Steinen, Incabloc-Stoßsicherung, 42 Stunden Gangreserve ​​und eine Frequenz von 21.600 Halbschwingungen (3 Hz). Zum Vergleich: Eine 2€-Münze ist rund 2 mm hoch, das Sellita SW200-1 Automatik ist 4,6 mm hoch. Der Aufzugsmechanismus erfolgt per Hand, kommt also mit dieser leicht nostalgischen Eigenart, dass man die Uhr eben regelmäßig selbst aufziehen muss. Für manche ist das ein Ritual, für andere vielleicht ein kleiner Nervfaktor – ich persönlich finde, es passt gut zum Charakter der Radiance. Es entschleunigt auch ein bisschen. Und nebenbei sorgt das Werk dafür, dass die Uhr nicht unnötig in die Höhe baut, was man ihr im Alltag sofort anmerkt. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, kann ich auch nicht wirklich die pauschale Meinung anderer Blogger nachvollziehen, die sagen, dass ein (eingekauftes) Standardkaliber mit Handaufzug nur in Uhren eingeschalt werden „darf“, die dazu „historisch berechtigt“ sind (so wie die Omega Speedmaster Moonwatch). Das erscheint mir doch ziemlich engstirnig, zumal im Falle der Radiance die flache Bauweise als objektives Argument glasklar auf der Hand liegt.

Beim Stahlband bleibt es ebenfalls beim Bekannten: Feingliedrig, recht bequem, mit einer flachen Schmetterlingsschließe – also einer Faltschließe, die sich symmetrisch öffnet. Das trägt sich angenehm, gerade am Schreibtisch. Was fehlt, ist eine werkzeuglose Feinverstellung, was bei dieser Konstruktion üblich ist. Das ist jetzt kein Drama, aber eben so ein Detail, bei dem man kurz denkt: „Wäre noch das i-Tüpfelchen gewesen.“

Summa summarum: Die neuen Farben geben der Radiance Guilloche einen kleinen, aber spürbaren Frischekick, ohne das Konzept zu verbiegen. Sicherlich kein radikaler Neustart, eher ein kluges Nachschärfen. Wer die Radiance Guilloche bisher interessant, aber die Farben der ersten Version (Burgund und Türkisblau) bzw. dessen Muster vielleicht ein bisschen zu „laut“ fand, könnte jetzt nochmal genauer hinschauen. Der Preis, direkt über heinrich.watch, liegt unverändert bei 1249€.

Eckdaten HEINRICH Radiance Guilloche:

  • Made in Germany
  • Durchmesser: 38,5 mm
  • Horn-zu-Horn 46 mm
  • Höhe: 8 mm
  • Material: Edelstahl, poliert und gebürstet
  • Gehäuseboden: Verschraubt, mit Sichtfenster
  • Wasserdichtigkeit: 10 atm / 100 m
  • Kaliber ETA Peseux 7001 (Handaufzug), Gangreserve: ca. 42 Stunden, Genfer Streifen, Anzeige: Stunde, Minute, kleine Sekunde bei 6 Uhr
  • Zifferblatt mit Guilloche-Muster, applizierte Stabindizes und Leuchtblöcke (BGW9)
  • Edelstahlarmband mit Schnellwechselsystem und Schmetterlingsschließe, optional: Leder- und Kautschukband (gegen Aufpreis)
  • Preis inkl. Edelstahlarmband: 1249€, direkt über heinrich.watch

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