Mit Microbrands, also eher kleineren und unabhängigen Uhrenmarken, verbinden viele Uhrenfreunde Modelle im Preisbereich von Pi mal Daumen 500€. Das war bei der Schweizer Marke CODE41 (zumindest am Anfang) auch nicht anders: Mit den Einstands-Modellen ANOMALY-01 und ANOMALY-02 (die mittlerweile in Form der ANOMALY EVOLUTION „zusammengeführt“ wurden) lag CODE41 damals, anno 2016/2017, preislich ebenfalls bei deutlich unter 1000€. Kein Zufall: Wenn eine Microbrand mal die 1000€-Marke mit einem Modell knackt, hört und liest man schnell reflexartig Sätze wie „schöne Uhr, aber zu teuer“. Auch ich habe zunächst noch mal meine Brille geputzt, als ich Anfang 2019 erstmals den Preis der per Vorbestellung abgewickelten CODE41 X41 gesehen habe: Die Schweizer haben an den typischen Microbrand-Preis mal eben geschwind eine „Null“ ran gehängt, was vor allem in einer Besonderheit des Automatikkalibers begründet liegt (dazu gleich mehr). Der vergleichsweise knackige Preise hat aber bereits über 1600 Uhrenfreunde auf der ganzen Welt nicht davon abgeschreckt die X41 zu erwerben, weshalb das Modell nun im Rahmen einer am 23. Juni 2021 startenden Vorbestellerphase schon in der fünften Edition aufgelegt wird – mit an Bord sind dabei eine Reihe von Verbesserungen wie beispielsweise ein härteres Titan-Gehäuse und höhere Wasserdichtigkeit sowie weitere Farbvarianten…
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Eckdaten der CODE41 X41 (Edition 5):
- 100% in der Schweiz entworfenes, hergestelltes und montiertes Automatikwerk mit peripherem Aufzug, 45 Stunden Gangreserve, 28.800 bph, Ganggenauigkeit -2 bis +10 Sekunden pro Tag (getestet und reguliert in 5 Positionen)
- Durchmesser: 42 mm / Höhe: 11,7 mm
- Gehäuse aus Titan Grade 5 oder Carbon
- Saphirglas (Vorder- und Rückseite)
- Wasserdichtigkeit 10 bar
- Lederband, Anstoß 24mm / Austausch ganz ohne Werkzeuge möglich
- Preis (5. Edition): ab 5398 Euro
- Produktionsmenge: 3 Chargen à 150 Uhren
- Geplante Auslieferung: März/April 2022
- Vorbestellungen möglich vom 23. Juni bis 15. Juli 2021, direkt auf code41watches.com
Quanta costa? CODE41 X41 Edition 5 und der periphere Aufzug
Die CODE41 X41 hat – trotz eines vergleichsweise hohen Preises – bereits einige Käufer gefunden: Von der Creator Edition und der Edition 2 wurden insgesamt 700 Stück für eine Gesamtsumme von immerhin rund 2,8 Millionen Schweizer Franken verkauft. Die folgenden Editionen waren ähnlich erfolgreich: Im November 2019 (Edition 3) verkaufte CODE41 450 Stück der X41 für insgesamt rund 2,6 Millionen CHF und im Juli 2020 (Edition 4) 500 Stück für knapp über 3 Millionen CHF. Kassensturz: Ein Absatz von 1650 Stück und rund 8,4 Millionen Franken Umsatz.
Das sind faktisch Dimensionen, welche die allermeisten Microbrands niemals erreichen. Man kann außerdem festhalten, dass sich das Wagnis für CODE41, auf ein hochpreisiges Modell zu setzen und damit in derselben Preisklasse wie die gestandenen Marken Omega, Breitling & Co. zu spielen, mehr als gelohnt haben dürfte. Und ja: Man darf aufgrund des nachhaltigen Erfolgs und der Umsatz-Dimensionen, in denen sich CODE41 bewegt, natürlich kritisch hinterfragen, ob CODE41 per Definition überhaupt noch als Microbrand angesehen werden kann.
Auch bei der X41 Edition 5 bleibt CODE41 bei dem Alleinstellungsmerkmal, das die Uhr maßgeblich vom Wettbewerb in dieser Preisklasse unterscheidet und die charakteristische Optik prägt: Ein Automatikkaliber mit unscheinbarem, kugelgelagerten Aufzug, der sich wie auf einer Art Schienen auf Rollen am äußeren Rand bewegt und für die nötige Energie sorgt.
Es handelt sich dabei um einen sogenannten peripheren Aufzug, von griechisch peripherḗs ‘sich herumbewegend, sich herumdrehend, kreis-, kugelförmig’ (anstelle der gängigen zentralen Schwungmasse, die typischerweise in mechanischen Uhrwerken zum Einsatz kommt).
Nur sehr wenige Hersteller setzen auf einen peripheren Aufzug, da die Technik dahinter nicht banal ist. Ein vergleichsweise „günstiges“ Modell mit peripherem Rotor ist die Bvlgari Octo Finissimo Chrono für 18.200€. Modelle anderer Hersteller wie der Audemars Piguet Royal Oak Offshore Tourbillon Chronograph knacken schnell sogar mal die 100.000€ Marke (wenngleich dieser Vergleich natürlich nicht fair ist, da diese Modelle mit zusätzlichen Komplikationen, Tourbillon, Diamantbesatz etc. kommen).
Für das periphere Kaliber in der X41 zeichnet sich die Schweizer Timeless Manufacture SA verantwortlich, die seit über 10 Jahren mechanische Uhrwerke mit besonderen technischen Features produziert. Rund 50 Timeless-Mitarbeiter tüfteln im Kanton Jura an Komplikationen wie Minute-Repeater oder dem genannten peripheren Aufzug. Alle 297 Komponenten des X41-Werkes (mit Ausnahme der Unruh) werden direkt bei Timeless vor Ort gefertigt. Auch die Montage erfolgt in Genf. Ich betone dies an dieser Stelle, da das absolut keine Selbstverständlichkeit ist: Viele „Schweizer“ Kaliber kommen hauptsächlich mit Komponenten aus Niedriglohnländern in Asien und dürfen sich nur wegen gewisser Handgriffe im Hochlohnland Schweiz Swiss Made-Kaliber nennen – das ist offiziell völlig legal und in einer globalisierten Welt auch absolut Usus, entspricht aber – wenn man ehrlich ist – nicht wirklich dem Geiste des Schweizer Uhrmacherhandwerks. Und genau aus dem Grund verzichtet CODE41 auch grundsätzlich darauf, das Swiss Made-Label an irgendeiner Stelle zu propagieren (auch, wenn sie es aus genannten Gründen problemlos dürften).
Der Vorteil eines peripheren Aufzugs ist, dass der Blick auf die Mechanik nicht behindert wird. CODE41 spielt diesen Vorteil besonders gut aus, indem auch das Zifferblatt skelettiert ist und einen unverbauten Blick auf die Mechanik erlaubt – von oben wohlgemerkt. Nur einige asymmetrische „Stege“ durchbrechen die Skelettierung. Oder anders gesagt: Die Grenzen zwischen Automatikwerk und Zifferblatt verschwimmen dank des Automatikkalibers mit peripherem Aufzug.
An solch stark skelettierten Uhren scheiden sich die Geister – am Ende des Tages wird das Design nicht jedem gefallen, muss es aber auch nicht. Festhalten kann man aber definitiv, dass CODE41 mit der X41 ein sehr modernes Design mit hohem Wiedererkennungswert in petto hat.
Das Uhrwerk mit peripherem Aufzug ist mit Blick auf die von CODE41 transparent kommunizierten Herstellungskosten mit Abstand der größte Kostenfaktor der X41 (ca. 80%). Man beachte mit Blick auf die Tabellen unten, dass die Kosten für „Design und Entwicklung“ natürlich nicht insgesamt 55€ betragen haben – es handelt sich hierbei um sogenannte Gemeinkosten, die einem Kostenträger (hier: der Uhr) nicht sinnvollerweise direkt zugerechnet werden können und daher auf die produzierten Stückzahlen „umgelegt“ werden.
Kosten der X41 AeroCarbon-Variante:
Kosten-Typ | Kosten | Herkunft |
---|---|---|
Uhrwerk von Timeless Manufacture | 1817 € | Schweiz |
AeroCarbon-Gehäuse | 370 € | Frankreich/Ukraine |
Lederarmband, Faltschließe | 31 € | Italien/China |
Montage | 34 € | Schweiz |
Verpackung | 22 € | China |
Logistik | 44 € | Schweiz |
Design und Entwicklung | 55 € | Schweiz |
Gesamte Produktionskosten Inkl. | 2373 € |
Kosten der X41 Titan-Variante:
Kosten-Typ | Kosten | Herkunft |
---|---|---|
Uhrwerk von Timeless Manufacture | 1817 € | Schweiz |
Gehäuse aus Titan Grade 5 | 163 € | China |
Lederarmband, Faltschließe | 31 € | Italien/China |
Montage | 34 € | Schweiz |
Verpackung | 22 € | China |
Logistik | 44 € | Schweiz |
Design und Entwicklung | 55 € | Schweiz |
Gesamtkosten | 2166 € |
CODE41 X41 Edition 5: Verbesserungen gegenüber vorherigen Editionen
Gegenüber den vorherigen Editionen bringt die CODE41 X41 Edition 5 eine Reihe von Verbesserungen mit. Zum einen wäre da das Gehäusematerial: Frühere CODE41-Editionen kamen mit einem Gehäuse aus Titan Grade 2. Titan ist grundsätzlich deutlich leichter als Edelstahl (ungefähr Faktor 0,5), Titan Grade 2 bietet hinsichtlich Härte (und damit der Kratzunempfindlichkeit) aber keinen Vorteil gegenüber dem typischerweise eingesetzten 316L-Edelstahl (Härte nach Vickers jeweils ca. 200 HV).
Die neue CODE41 X41 Edition 5 kommt nunmehr mit einem Gehäuse aus Titan Grade 5, das ebenfalls sehr leicht ist, aber mit ca. 350 HV deutlich unempfindlicher gegenüber Kratzer ist. Man beachte außerdem: Titan wirkt optisch naturgemäß deutlich grauer als Edelstahl, was den modernen, „industriellen“ Charakter der X41 noch weiter unterstreicht. Titan ist außerdem amagnetisch und nickelfrei. Wegen letzterer Eigenschaft ist das Modell daher auch eine Option für Uhren-Freunde, die Probleme mit Allergien haben.
Eine weitere Verbesserung betrifft die Wasserdichtigkeit: Gegenüber den 5 bar früherer Editionen (Spritzwasserschutz), kommt die neue Edition 5 mit einer Wasserdichtigkeit von 10 bar (zum Schwimmen geeignet) – einem Sprung ins kühle Nass spricht also nichts entgegen.
Die CODE41 X41 Edition 5 ist – neben der Titan Grade 5-Variante – auch wieder im Carbon-Gehäuse erhältlich. Carbon ist sogar noch mal halb so schwer wie Titan (bzw. nur ein Viertel so schwer wie Edelstahl) und zeichnet sich vor allem durch eine charakteristische Schwarz-Grau-„Maserung“ aus, welche die hochmoderne Optik der X41 passend unterstreicht.
Die Kohlefaser-Blöcke, die für die Herstellung der X41-Carbon-Gehäuse genutzt werden, werden laut CODE41 sonst nur exklusiv in der Luft- und Raumfahrt verwendet und stammen aus der französischen Stadt Toulouse, die eine lange Tradition in der Luftfahrtindustrie hat und Hauptsitz des europäischen Flugzeugherstellers Airbus ist. CODE41 tauft die Modellvariante nicht zufällig „AeroCarbon“.
CODE41 spendiert außerdem zwei neue Farbvarianten für die AeroCarbon-Modelle: mit blauen sowie in unbeschichtetem Edelstahl gehaltener „Stegen“ über dem Zifferblatt:

Die CODE41 X41 Edition 5 kann vom 23. Juni bis zum 15. Juli 2021 auf code41watches.com vorbestellt werden. Die Preise starten bei 5.398€, was mit Blick auf die Herstellungskosten einer Marge von ca. Faktor 2,5 entspricht – und das ist im Industrie-Schnitt definitiv unterdurchschnittlich. Uhren von traditionellen Herstellern mit ähnlichen Stückkosten landen schnell mal bei 10.000€ aufwärts (Faktor 5+).
Es sollen nur drei Chargen á 150 Stück, also insgesamt 450 Stück, der X41 Edition 5 angeboten werden. Die Auslieferung soll im März/April 2022 erfolgen (je nach dem wie schnell man bei der Vorbestellung ist – first come, first serve). So oder so braucht man aber eine ordentliche Portion Geduld, bis man die X41 in den Händen halten kann. Aufgrund der Vielzahl erfolgreich abgewickelter Projekte und der langjährigen Erfahrung von CODE41 (80% des Umsatzes werden durch Projektvorbestellungen generiert) kann man aber davon ausgehen, dass die Schweizer zuverlässig liefern werden.
In jedem Fall gibt es außerdem die Möglichkeit, die (Vor)bestellung jederzeit kostenlos zu stornieren. Für ausgelieferte Uhren gibt’s ein 30-tägiges Rückgaberecht und 3 Jahre Garantie.
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