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Manchmal sind es gar nicht die komplett neuen Modelle, die einen nochmal aufhorchen lassen, sondern Varianten, die Bekanntes und Bewährtes einfach in ein anderes Licht rücken. Oder – wie im Fall der hier gezeigten Variante – eher in ein sehr dunkles Licht mit ein paar gezielten, ziemlich auffälligen Akzenten. Die Rede ist von einer neuen limitierten Version der Seascoper 300, die voll auf Kontraste setzt: schwarzes Blatt, ein tiefschwarzes DLC-Gehäuse, dazu kontrastreich-orange Details. Wer Titoni verfolgt, für den klingt das erstmal ein bisschen nach déjà-vu mit Blick auf die orange Version von 2023. Das ist es aber nur auf den ersten Blick.

Eckdaten Titoni Seascoper 300 DLC Orange:

  • Ref. 83300 B-BKRY-702
  • Swiss Made
  • Gehäuse aus Edelstahl, DLC-beschichtet
  • Saphirglas, flach, beidseitig entspiegelt
  • Wasserdicht bis 300 Meter / 30 bar
  • Sellita SW200-1 Automatikwerk, Chronometer-zertifiziert (COSC)
  • Durchmesser 42 mm
  • Horn-zu-Horn 52 mm
  • Höhe 12,5 mm
  • Lünette mit Keramikeinlage, unidirektional drehbar, poliert
  • Verschraubte Krone
  • Verschraubter Gehäuseboden
  • Vollintegriertes Kautschukband
  • Limitiert auf 100 Stück
  • Listenpreis: 1700€, direkt bei titoni.ch oder verschiedenen Fachhändlern

Tipp: Bewegte Bilder zur neuen Seascoper 300 gibt’s bei uns auf YouTube:

Titoni Seascoper 300 DLC (2026) im Test

Denn während damals das Zifferblatt selbst im knalligen Orange gehalten war und damit ziemlich offensiv auf Sommer, Sonne und gute Laune gemacht hat, geht man beim familiengeführten Schweizer Traditionshersteller aus Grenchen nun einen etwas dezenteren Weg: Das Blatt ist nun schwarz lackiert und wirkt dadurch naturgemäß deutlich sachlicher bzw. klassischer. Übrigens auch im Vergleich zum „großen Bruder“, der Seascoper 600 mit ihren XXL-Ziffern. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen (oder für die Taucher unter uns: unter Wasser) oder einfach beim schnellen Blick aufs Handgelenk spielt der hohe Kontrast mit den applizierten Indexen seine Stärken aus. Titoni-typisch sorgt eine geniale, farblose und beidseitige Saphirglasentspiegelung für eine Optik, bei der man sich manchmal fragt, ob das Glas überhaupt noch vorhanden ist. Die Ablesbarkeit ist in der Summe absolut perfekt.

Die wohldosierten orangenen Blatt-Akzente (Sekundenzeiger-Spitze und „300M/1000FT“-Schriftzug) übernehmen in Verbindung mit dem Band gleichzeitig die Rolle des „visuellen Wachrüttlers“. Das Ganze erinnert ein bisschen an einen schwarz lackierten Sportwagen mit farbigen Bremssätteln: eigentlich zurückhaltend, aber eben doch nicht so ganz. Und genau das macht viel vom Reiz der neuen Seascoper 300 aus: Die Uhr wirkt deutlich weniger verspielt als die frühere Variante mit orangem Blatt und schwarzem Band, gleichzeitig aber keineswegs langweilig.

Fun Fact am Rande: Der historisch-funktionale Hintergrund der Farbe Orange im Tauchsport ist durchaus spannend und geht auf eine Entwicklung des Uhrenherstellers Doxa in den 60ern zurück, da Orange (angeblich) unter Wasser besser ablesbar sein sollen. Der Hintergrund: Taucheruhren waren damals schließlich kein schickes Accessoire, um Shirt und Jeans abzurunden, sondern überlebenswichtige Grundlage für den Tauchgang. Doxa testete daher damals verschiedene grelle Farben wie Orange oder Gelb im trüben Neuenburgersee, um diejenige Farbe mit der besten Ablesbarkeit beim Tauchgang herauszufischen. Und die Entscheidung fiel eben damals auf die Farbe Orange.

Aber zurück zur neuen Seascoper 300 – kleines, aber feines Detail: Die die in die glänzend-schwarze Keramik eingefrästen Indexe sind nicht schneeweiß gehalten wie die Stundenindexe und Zeiger, sondern leicht gräulich, wodurch die Lünette gegenüber dem Zifferblatt visuell etwas in den Hintergrund rückt. Das weiß gehaltene Datum wiederum fügt sich nahtlos ins Blatt ein.

Technisch bleibt vieles beim Alten – was in diesem Fall keine schlechte Nachricht ist. Die Seascoper 300 ist seit der Einführung so etwas wie der bodenständigere Einstieg in die Welt der Titoni-Diver: 42 Millimeter Durchmesser, 300 Meter Wasserdichtigkeit, verschraubte Krone, Keramiklünette – eine Taucheruhr, die nicht so tut, als würde sie den Marianengraben sehen wollen, aber für alles, was man realistisch damit anstellt (Bürotäter wie ich sowieso), mehr als ausreichend gerüstet ist.

Das Gehäuse kommt mit einer sogenannten DLC-Beschichtung, also „Diamond-like Carbon“ – eine überaus harte Kohlenstoffschicht, die auf den Stahl aufgebracht wird und die Eigenschaften hat, die an Diamant erinnern – wie der Name ja schon sagt. Vor allem in Sachen Kratzfestigkeit und Widerstandsfähigkeit. Das Ergebnis: eine Oberfläche, die deutlich weniger empfänglich für Kratzer ist, auch wenn sie natürlich nicht unverwundbar ist – wer seine Uhr wie einen Vorschlaghammer behandelt, wird auch hier irgendwann Spuren sehen. Aber im Alltag werden mit hochwertigen DLC-Beschichtungen meiner Erfahrung nach auf jeden Fall viele typische „Deskdiving“-Kratzer ferngehalten, wie auch ein Blick auf die Vickershärte von mindestens Faktor 15 zeigt, wenn man Edelstahl (knapp über 200 HV) und DLC-beschichteten Edelstahl (rund 3000 HV) vergleicht.

Positiv bei der DLC-Beschichtung der Seascoper 300 fällt auch auf, dass die feine Satinierung an den Flanken trotzdem wunderbar zur Geltung kommt, wie man bei genauerem Hinsehen erkennt. Und wo wir grade beim Gehäuse sind: Da finden wir im Zentrum des Bodens keine spiegelartig auf Hochglanz polierte Fläche (wie bei den Nicht-DLC-Varianten der Seascoper 300), sondern eine sehr auffällige Gravur, die auf die Limitierung hinweist. Kleiner Wermutstropfen: Eine individuelle Limitierungsnummer gibt es leider nicht – stattdessen nur „One Out of One Hundred“, das sich unter vielen Herstellern, die Limited Editions anbieten, mittlerweile eingebürgert hat.

Mehr: HART im Nehmen? Typische Materialien bei Uhren und ihre Härte nach Vickers

Im Inneren arbeitet weiterhin das bewährte Sellita SW200-1 – ein zuverlässiger Dauerläufer, wie man ihn aus unzähligen Modellen kennt. Im Falle der Seascoper 300 DLC allerdings mit Chronometer-Zertifizierung. Bedeutet: Das Werk wurde offiziell durch die COSC auf seine Ganggenauigkeit geprüft und bewegt sich innerhalb enger Toleranzen von -4 bis +6 Sekunden pro Tag. In dieser Preisklasse ist das alles andere als selbstverständlich und daher ein Punkt, den ich hier definitiv betonen möchte.

Notiz am Rande: Wie man in der Branche vernimmt, planen einige Hersteller im erschwinglicheren Preisbereich (und dazu zähle ich Titoni ausdrücklich) die Umstellung auf das Sellita SW200-2 (Sinn aus Frankfurt hat mit der 544 als eine der ersten Hersteller vorgelegt), das die Gangreserve auf 65 Stunden hochschraubt – ein Upgrade, das auch zukünftigen Varianten der Seascoper 300 gut stehen würde.

Und am Handgelenk? Nun, die Maße sind unverändert, der Durchmesser mit 42 mm bei 52 mm Horn-zu-Horn und die Höhe mit 12,5 mm bleiben eher sportlich, aber für die meisten Herrenhandgelenke wohl gut tragbar, und das vollintegrierte Kautschukband samt Faltschließe macht genau das, was es soll: bequem sitzen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich kein großer Fan von solchen „Andrück“-Mechanismen bin, um das Band zu fixieren und jederzeit feinzuverstellen, da das Reingefriemel des Bandes und auch das Feinverstellen an sich manchmal etwas hakelig ist. Eine klassische Löcher-Lösung wäre mir ehrlich gesagt lieber, auch, wenn die Optik solcher Lösungen wie bei der Titoni Seascoper 300 naturgemäß deutlich „cleaner“ ist.

Durch die Design-Brille betrachtet ist das Band durch seine orange Farbe naturgemäß sehr dominant und die Uhr wirkt insgesamt sehr viel sportlicher, wobei der Orangeton eher gedämpft und nicht grell ist – mir gefällt’s! Der Kontrast ist hier einfach richtig genial und man ist in dieser Kombination bestens gewappnet für den Sommer (und ja man darf das horologisch-nerdige Konzept von Sommer- vs. Winteruhr durchaus auch kritisch hinterfragen 😉 ).

Abschließende Gedanken

Was bleibt also nach ein paar Test-Tagen mit der neuen Seascoper 300 DLC Limited? Auf jeden Fall ein ziemlich stimmiges Gesamtbild. Die Uhr erfindet das Rad nicht neu, will sie auch gar nicht. Stattdessen nimmt sie ein funktionierendes Konzept und dreht an gezielten Stellschrauben. Weniger laut als die orange Variante von damals, dafür naturgemäß auch vielseitiger und potentiell alltagstauglicher – wenn man sich an dem orangen Band satt gesehen hat, so kann man es natürlich jederzeit problemlos tauschen, z.B. auf das separat erhältliche vollintegrierte schwarze Rubber oder das aus Ozeanplastik recycelte #tide-Band von Titoni oder natürlich auch Bänder von Drittanbietern (seitens Titoni leider nicht werkzeugfrei, d.h. man muss ganz klassisch die Federstege mit einem Bandwechselwerkzeug bzw. einem kleinen Schraubendreher wegdrücken). Und ja, natürlich darf man kritisch einwenden, dass Titoni hier natürlich einen designtechnisch nicht grade mutigen Weg geht (beispielsweise auch mit Blick auf das nicht mehr erhältliche DLC-Schwestermodell 83300 B-BK-R-716, das sich im Prinzip nur durch die Super-LumiNova und das Band unterscheidet).

Gleichzeitig passt die neue Seascoper 300 DLC natürlich perfekt zur eher klassisch orientierten Marken-DNA des Grenchner Familienbetriebes. So oder so: Uhrenfreunde, die unabhängige, inhabergeführten Schweizer Hersteller genauso feiern wie ich (und dass es sowas heute überhaupt noch gibt ist mit Blick auf die XXL-Konzerne wie Swatch, LVMH & Co. eine betonenswerte Besonderheit), die sollten sich die Seascoper 300 im Allgemeinen und die neue, auf 100 Stück limitierte DLC-Variante im Speziellen, die Stand Ende April 2026 noch zum Preis von 1700€ Liste erwerbbar ist, definitiv näher anschauen.


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Lars
2 Tage zurück

„Ich habe den Eindruck, dass sich diese ‚One-of-…‘-Politik vor allem bei Herstellern durchgesetzt hat, die Limitierungen in erster Linie als Verkaufsinstrument nutzen. Die vermeintliche Exklusivität entsteht dabei weniger durch das Produkt selbst als durch künstliche Verknappung. Für ernsthafte Sammler spielt jedoch oft die konkrete Limitierungsnummer eine Rolle – bestimmte Zahlen sind begehrt, andere weniger. Indem manche Marken auf eine individuelle Nummerierung verzichten oder sie relativieren, umgehen sie dieses Spannungsfeld elegant und machen ihre Modelle leichter vermarktbar.
Es gibt allerdings auch Hersteller, die an einer klaren, nachvollziehbaren Nummerierung festhalten und damit eher einen Sammlerkreis ansprechen, dem es tatsächlich um Differenzierung und nicht nur um Verfügbarkeit geht. Marken wie z.B. Breitling, die diese Politik auf betreiben, positioniere ich persönlich eher auf der stärker marketinggetriebenen Seite dieses Spektrums.“

Horsti
16 Stunden zurück
Antworten...  Lars

wie heißt es doch so schön, nach der Sonderedition ist nach der Sonderedition :D. Ist schon in Ordnung das sie sowas raus bringen, aber mich holt sowas so gut wie nie ab. Es gibt für mich zwei gute Beispiele. Omega Speedmaster hat gefühlt 1000 Sondereditionen und dann noch die Seiko 5 Sports Serie, die hat ja gefühlt 1000000 Sondereditionen. Sie sehen ja nicht alle schlecht aus, aber ich würde keine einzige €uro mehr ausgeben wollen, oder sie deswegen kaufen.

Zu Titoni selbst, sie habenso coole Uhren und deren Facelift find ich so gut, aber deren „Terminator“ Schrift auf dem Ziffernblatt find ich so extrem unpassend. Das Wort Titoni ist super gut geschrieben, wieso nimmt nicht die schrift, andere größe und schreibt das aufs Blatt?