Circula zeigt sich in Kooperationslaune: Nach der Laco x Circula ProLab, tut sich Cornelius Huber, Kopf des Familienunternehmens in dritter Generation, nun mit einem weiteren Pforzheimer Urgestein zusammen: Jochen Benzinger, seines Zeichens heute weltweit als einer der besten seines Faches im Bereich des handgeführten Guillochierens und Gravierens.
Die Ausgangsbasis ist bekannt: die Facet, Circulas kompakte Stahl-Sportuhr, die von Licht lebt – von Flächen, Kanten, Übergängen. Schon das serienmäßige Zifferblatt spielt mit Struktur und Tiefe, mit einem geometrischen Muster. Und genau hier kommt Jochen Benzinger ins Spiel, mit einem neuen Sterling-Silber-Zifferblatt und detaillierter Guilloche – nicht CNC-gefräst, nicht gestanzt, sondern komplett mit ruhiger Hand umgesetzt.
Dieses neue Modell wollen wir zum Anlass nehmen uns zunächst das Thema Guillochieren im Detail anzuschauen.


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Über das Guillochieren von Uhren
Guillochieren ist eine Gravurtechnik, die keine Erfindung der modernen Luxusindustrie ist, sondern eine jahrhundertealte Verzierungstechnik, die Überlieferungen zufolge ursprünglich überhaupt gar nichts mit Uhren zu tun hatte: Anfangs wurde die Technik auf weiche Materialien wie Holz und Elfenbein angewendet, bevor sie später auch auf Metallen Anwendung fand, insbesondere im Handwerk von Gold- und Silberschmieden. Das Guillochieren von Zifferblättern wurde dann ab 1768 vor allem durch niemand geringerem als Abraham-Louis Breguet bekannt.
Fun Fact am Rande: Guillochen wurden und werden auch als Sicherheitsmerkmal beim Druck von Banknoten, Ausweispapieren und dergleichen eingesetzt, um eine Fälschung zu erschweren, da sich die Guillochen nicht ohne Weiteres identisch reproduzieren ließen.
Die Begriffsherkunft ist ein wenig nebulös. Ob er auf einen gewissen Herrn Guillot zurückgeht, einen mutmaßlichen Erfinder einer frühen Graviermaschine, oder auf sprachliche Wurzeln im Italienischen oder Französischen – gesichert ist keine dieser Theorien. Gesichert ist hingegen, dass das Guillochieren nichts mit freihändigem Gravieren zu tun hat, d.h. die Linien werden nicht mit dem Stichel „aus dem Handgelenk“ gezogen. Stattdessen kommen spezielle Drehbänke zum Einsatz (im Deutschen existieren auch die Ausdrücke Rund- und Geradzugmaschine; im Englischen rose engine und straight line engine.). Und trotz dieses Hilfsmittels ist Guillochieren eines der handwerklich anspruchsvollsten Felder der Uhrmacherei.

Der entscheidende Punkt ist nämlich: Die Maschine arbeitet natürlich nicht selbstständig. Sie ist keine vollautomatische CNC-Maschine, kein Knopfdrück-und-fertig-Werkzeug, sondern ein Instrument. Und wie bei einem Musikinstrument entscheidet vorrangig nicht das Gerät über das Ergebnis, sondern der Mensch, der es bedient.
Klassischerweise dreht der Handwerker beim Guillochieren mit einer Hand das Werkstück mit einer Kurbel, während er mit der anderen das Schneidwerkzeug steuert. Die Bewegung hängt dabei natürlich von dem jeweiligen Muster ab. Wie beim Holzhobeln entsteht dabei ein Span und etwas Material wird abgetragen.
Der gleichbleibende Abstand zwischen den Linien und die konstante Eindringtiefe des Stichels in das Metall (bei der Circula Facet: Sterling-Silber) sind entscheidend für ein regelmäßiges Bild – ein Moment der Unachtsamkeit, ein minimal falscher Druck, und oftmals viele Stunden Präzisionsarbeit sind ruiniert, wobei deutlich weniger komplexe Guilloche-Muster wie hier im Video von Audemars Piguet auch schon mal „nur“ unter eine Stunde dauern können:
Das Werkzeug selbst schneidet das Material tatsächlich aus dem Metall heraus. Dadurch entstehen scharfe, klare Kanten und feine Rillen, die das Licht auf eine Weise brechen, die man beispielsweise mit gestanzten Mustern schlicht nicht erreicht. Handguillochierte Flächen wirken lebendig, sie changieren, sie reagieren sensibel auf Licht und Blickwinkel.
Klassische Muster-Varianten sind etwa Clous de Paris, also ein Noppenmuster, das man beispielsweise von Breguet oder Audemars Piguet kennt, Wellenmuster wie Flinqué oder Gerstenkorn-Muster, das sogenannte Grain d’orge. Daneben gibt es unzählige Abwandlungen, Kombinationen, Eigenkreationen. Manche Uhrmacher entwickeln über Jahre hinweg ganz eigene Muster, die zu ihrem Markenzeichen werden. Joshua Shapiros „Infinity Weave“ (26.000 USD plus Steuern) ist so ein Beispiel – ein Muster im Muster, technisch anspruchsvoll und praktisch wohl kaum reproduzierbar.

Eine handguillochierte Oberfläche ist nie perfekt. Und genau das ist der Punkt. Kleine Unregelmäßigkeiten, minimale Abweichungen im Schnitt, eine Linie, die minimal anders glänzt als die nächste. Das Auge nimmt das (unbewusst) wahr, auch wenn man es nicht sofort benennen kann. Eine solche Oberfläche lebt – und das ist gewollt, denn sie verrät, dass hier jemand viele Stunden lang konzentriert gearbeitet hat. Und dass ein Fehler gereicht hätte, alles zu ruinieren. Umgekehrt: Ein zu perfektes Guilloché deutet darauf hin, dass hier nicht die Hand, sondern eine vollautomatische Maschine das letzte Wort hatte.

Denn natürlich gibt es Alternativen: vollautomatisch CNC-gefräste Guilloché-Muster sind heute weit verbreitet, gerade im gehobeneren, aber noch bezahlbaren Segment – siehe zum Beispiel die HEINRICH Radiance Guilloche und auch diese (perfekt reproduzierbaren) Muster können natürlich beeindruckend aussehen.
Selbst Zifferblätter, die ihr Muster durch ein Stanzverfahren erhalten, bei dem die Zifferblattbasis (meist Messing) gepresst wird und Materialverformung durch Druck erfolgt, können sehr ordentlich wirken. Aber all diesen Methoden fehlt eben im Vergleich eben noch eine gewisse Lebendigkeit – das Licht verhält sich anders, die Oberfläche wirkt flacher, gleichmäßiger und etwas „steriler“.
Ein händisch umgesetztes Guilloche-Muster dagegen trägt immer auch die ganz eigene Handschrift desjenigen, der sie ausgeführt hat. Selbst wenn zwei Zifferblätter nach demselben Muster gefertigt werden, sind sie nie völlig identisch – und für viele Sammler ist genau das der Reiz.
Warum sind solche manuellen Guillochen heute so selten? Ganz einfach: weil dieses Handwerk kaum noch jemand beherrscht. Weltweit gibt es nur eine sehr kleine Zahl an Guillocheuren, die traditionell, also wirklich von Hand, arbeiten. In der Schweiz sind das nach Schätzungen weniger als 100. Die Maschinen sind alt, oft über hundert Jahre, Ersatzteile sind rar. Wer sie reparieren will, muss oftmals selbst Hand anlegen. Auch eine formale Ausbildung existiert nicht: Das Wissen wird von Mensch zu Mensch weitergegeben, über Jahre, manchmal Jahrzehnte. Bis man diese Technik wirklich beherrscht, vergehen gut fünf Jahre oder mehr. Und selbst dann lernt man vermutlich wohl nie aus.
Und spätestens jetzt sollte auch klar sein warum man echtes Handguilloché fast ausschließlich in sehr hochpreisigen Uhren von Luxusuhrenherstellern vorfindet.



Jochen Benzinger x Circula Facet
Und da sind wir auch bei der neuen Circula Facet, die zusammen mit Jochen Benzinger entstanden ist: Seit 1978 arbeitet der Kooperationspartner in Pforzheim mit höchster Spezialisierung auf ein Handwerk: das – na klar – Guillochieren mit ausschließlich per Hand geführten Maschinen. Benzinger begann seine Karriere Ende der 1970er Jahre als Graveur von Goldschmuck. Zu dieser Zeit arbeiteten einige Zehntausend Personen im Uhren- und Schmucksektor der Goldstadt Pforzheim. Unter anderem wegen der Quarzkrise ist es heute nur noch ein Bruchteil. Als die verschiedenen Fabriken und Werkstätten in Benzingers Heimatstadt im Laufe der Jahrzehnte allmählich geschlossen haben, machte Benzinger aus der Not eine Tugend und kaufte die liquidierten Maschinen, Werkzeuge und Drehbänke. Heute hat er etwa 20 verschiedene Maschinen in seiner Werkstatt, wo er die meiste Arbeit an jedem Zifferblatt und jedem Uhrwerk selbst erledigt.


Insgesamt produziert Benzinger wenige Dutzend Uhren unter seiner eigenen „Hausmarke“ pro Jahr. Er fertigt außerdem jährlich weniger als 200 Zifferblätter (oder andere gravierte/Guilloché-Flächen) für externe Partner (wie eben Circula) an. Er hat beispielsweise schon Zifferblätter für IWC, Chronoswiss, Glashütte Original, Moritz Grossmann, Staudt und unzählige andere Uhrenmarken hergestellt. Rolls-Royce engagierte ihn vor einigen Jahren sogar, um die Guilloché an den Armaturenbrettuhren ausgewählter Fahrzeuge der achten Generation der Phantom-Reihe zu übernehmen.

Für die Facet bedeuten die vorangegangenen erklärenden Worte über Guilloche-Muster von Zifferblättern: Das bei der Standardvariante ohnehin schon stark strukturierte, ziemlich imposante Zifferblatt wird nun zur Bühne für echtes Kunsthandwerk. Benzinger erschafft das sogenannte Moirée-Muster Linie für Linie auf dem Zifferblatt aus Sterling-Silber. Das Muster erinnert an eine Mischung aus den Guilloche-Mustern Soleil-Inca (Inka-Sonne), Paon (Pfau) und Glacier (Gletscher), wobei hier insbesondere die Hinführung zum Datum in der „6 Uhr“-Position ins Auge sticht – laut Circula symbolisch inspiriert davon, dass in Pforzheim drei Flüsse zusammenfließen (Enz, Nagold und Würm).



Das Gehäuse der Facet bleibt unverändert und wie es sich für eine Stahl-Sportuhr gehört, hat Circula dem bis 10 bar bzw. 100 Meter wasserdichten Gehäuse sowie dem Band eine Menge Aufmerksamkeit gewidmet. Die modern-kantige Geometrie des Gehäuses sorgt, analog zu Zeigern und Indizes, für ein wunderschönes Spiel von Licht und Schatten. Augenscheinlich ist auch die hundertprozentige Symmetrie, die durch die beiden Flanken mit ihrer zulaufenden Geometrie geprägt wird.
Das Gehäuse passt in der Summe richtig gut zum künstlerischen Ansatz bzw. dem Guilloche-Muster. Die vielen Facetten, die wechselnden Finishes, das Spiel aus polierten und gebürsteten Flächen – all das harmoniert richtig richtig gut mit dem Blatt und wirkt zu keinem Zeitpunkt überladen oder dergleichen. Seine volle Stärke spielt das Gehäuse aber nur mit dem Stahlband aus, wenngleich mir die Benzinger-Facet auch am Lederband erstaunlich gut gefällt (und ich bin normalerweise eigentlich kein Lederband-Fan).






Mit 38 mm Durchmesser und 44 mm Horn-zu-Horn ist die Circula Facet ziemlich kompakt dimensioniert, was für eine Uhr diesen Typs nicht unüblich ist. Besonders angenehm mit Blick auf den Tragekomfort ist die flache Höhe (knapp unter 10 mm). Die Proportionen sind rundum gelungen. Mit Blick auf die Wristshots unten sei noch ergänzend erwähnt, dass mein Handgelenkumfang circa 18 cm beträgt – da wirkt die Facet meiner Meinung nach durchaus stimmig, wenngleich ich in der Regel etwas größere Uhren trage.



Abschließende Gedanken
Trägt man die Facet, merkt man schnell: Das ist keine Uhr für den schnellen Blick zwischendurch. Eher eine, bei der man sich ertappt, wie man sie im richtigen Licht kippt. Am Fenster. Draußen. Drinnen. Man sucht förmlich nach neuen Reflexionen. Und man fragt sich unweigerlich, wie viele Stunden Arbeit da wohl in diesem Blatt stecken.
Insgesamt ist es für mich persönlich unfassbar, wie ein Muster in dieser geometrischen Perfektion von menschlicher Hand hergestellt werden kann – ganz ehrlich: Das sprengt meine Vorstellungen. Vor allem auch, da es bei der Erstellung von Guilloche-Mustern natürlich keine Wiederholung, keinen „Reset“-Knopf, gibt: Einmal im ungünstigen Moment genießt und das war’s. Das erklärt auch, warum es bei der extremen Limitierung von nur sieben Stück bleibt. Und warum der Preis der Facet von knapp 2000€ auf über 5000€ klettert.


Das ist auch der Punkt, an dem man kurz innehalten darf. Über 5.000 Euro für eine Uhr von Circula? Das sind ehrlicherweise ungewohnte Preisgefilde, in die die Pforzheimer aufbrechen. Nicht, weil plötzlich Gold im Spiel ist oder ein Manufakturwerk mit fünf Komplikationen (technisch bleibt die Grundlage das sehr gute La Joux-Perret G100, Soigné Grade mit 68 Stunden Gangreserve) – sondern weil Zeit heute einer der teuersten Rohstoffe ist und weil Handarbeit dieser Art schlicht von nur wenigen in dieser Perfektion beherrscht wird. Und zur Wahrheit gehört auch: Für eine Uhr der Hausmarke von Jochen Benzinger ist man definitiv schnell im fünfstelligen Bereich.
Die ab Februar 2026 zum Preis von 5.340 EUR ausschließlich über den Circula Online-Shop erhältliche Benzinger-Facet ist auf sieben Stück limitiert.






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