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Die Fortis Marinemaster ist fester Bestandteil der Fortis-Geschichte: Seit den 1970er-Jahren taucht sie immer wieder im Portfolio des Schweizer Herstellers auf – zuletzt 2021 mit einer Neuauflage als moderne, sportliche Toolwatch. Mit der Fortis Marinemaster M-44 DLC, die Anfang 2026 neu lanciert wurde, schlägt Fortis nun ein weiteres Kapitel auf – eines, das nochmal eine Spur technischer ausfällt: Das schwarz DLC-beschichtete Gehäuse in der härtesten ta-C-Ausführung (dazu gleich mehr im Detail) verleiht der M-44 eine merkbar anderes Gesicht. Gleichzeitig spielt Fortis mit zwei unterschiedlichen Varianten mit warm-kühl Kontrasten.

Welche Rolle die spezielle ta-C-DLC-Beschichtung dabei spielt und wie sich die 44-Millimeter-Taucheruhr am Handgelenk tatsächlich schlägt, schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Eckdaten Fortis Marinemaster M-44:

  • Kaliber WERK11, Schweizer Automatik-Manufakturkaliber mit 70 Stunden Gangreserve, Chronometer-zertifiziert
  • Durchmesser 44 mm
  • Horn-zu-Horn 48 mm
  • Höhe 14,4 mm
  • Wasserdichtigkeit 50 bar
  • Gehäuse aus recyceltem Edelstahl
  • Bidirektionale Lünette („Gear Bezel“) mit Leuchtpunkt und Fortis Lock System (zum Patent angemeldet) / M-40: klassische einseitig drehbare Lünette
  • Saphirglas mit beidseitiger Antireflexbeschichtung
  • Verschraubte Krone mit dreifacher Dichtung
  • Super-LumiNova-Ring, Zeiger und applizierte Indizes mit Super-LumiNova, Fortis Logo mit Super-LumiNova
  • FKM-Kautschukband
  • Preis: ab 4950€, direkt bei Fortis oder verschiedenen Fachhändlern

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Fortis Marinemaster M-44 DLC im Test

Die Marinemaster ist grundsätzlich erst mal nichts Neues bei Fortis: Schon seit den 70er Jahren taucht der Name immer mal wieder im Sortiment der Schweizer auf, allerdings ohne echte „Design-Stringenz“. So gab es die Marinemaster beispielsweise als knallig-orangefarbenen Super-Compressor mit einer Dekompressionsskala, die quasi das komplette Zifferblatt füllt (Ref. 6237 oder 6337). Die Fortis Marinemaster ist übrigens weder verwandt noch verschwägert mit dem gleichnamigen Modell aus dem japanischen Hause Seiko.

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Ausschnitt aus einem Fortis-Katalog der 70er Jahre

So unterschiedlich sich die Optik der Marinemaster von Fortis in den letzten Jahrzehnten aber auch zeigte: Eine Gemeinsamkeit hatten alle Modelle – und zwar (kein Zufall bei dem Namen) der Schwerpunkt auf eine hohe Wasserdichtigkeit. Das ist auch bei der aktuellen Marinemaster M-44 nicht anders, die mit satten 50 bar bzw. 500 Meter Wasserdichtigkeit kommt und damit für so ziemlich alle von Normalsterblichen erreichbare Tauchtiefen geeignet sein dürfte.

In der hier betrachteten, Anfang 2026 neu lancierten Variante kommt die Marinemaster M-44 nunmehr mit DLC-beschichtetem Gehäuse. DLC steht für „Diamond Like Carbon“ – eine harte Beschichtung, die das Gehäuse widerstandsfähiger gegen Kratzer macht und optisch eine gewisse technische Kühle mitbringt. Schwarz ist hier allerdings nicht gleich Schwarz, sondern eher eine Art mattes Anthrazit.

In der DLC-beschichteten Version wirkt die M-44 auf den ersten Blick beinahe zurückhaltend: Das schwarze Gehäuse schluckt Licht, Konturen treten erst beim zweiten Hinsehen hervor.

Unten im Bild sieht man auch noch mal deutlich die merkbar unterschiedliche optische Wirkung zur unbeschichteten Variante.

Bei der neuen DLC-Marinemaster kommt ganz konkret dianoir, ein von der Schweizer Firma Argor-Aljba patentiertes System, zum Einsatz – keine gewöhnliche schwarze DLC-Beschichtung, sondern eine technisch anspruchsvolle, sogenannte ta-C-DLC-Schicht (tetrahedral amorphous carbon).

Dazu wollte ich natürlich mehr in Erfahrung bringen – und mit Blick auf wissenschaftliche Publikationen wie diese hier werden auch die Vorteile von ta-C deutlich, denn der Unterschied zu herkömmlichen DLC-Beschichtungen liegt tatsächlich in der Materialstruktur: So ist ta-C die härteste, verschleißfesteste und glatteste Form von DLC-Beschichtungen und kann als die „reine“ Form von DLC betrachtet werden, da sie fast ausschließlich aus gebundenen Kohlenstoffatomen besteht.

Aber nochmal zurück: In der industriellen Fertigung spielt Reibung eine entscheidende Rolle – überall dort, wo Materialien aneinander entlanggleiten, entstehen Widerstand, Verschleiß und letztlich Qualitätsverluste. Genau hier setzt der Werkstoff ta-C an, eine spezielle Form von amorphem Kohlenstoff, die in ihren Eigenschaften dem Diamanten nahekommt. Ursprünglich wurde ta-C entwickelt, um Werkzeuge beim Umformen von Metallen robuster zu machen: Die extrem harte und zugleich sehr glatte Beschichtung reduziert die Reibung deutlich, schützt Oberflächen vor Abnutzung und macht den Einsatz von Schmierstoffen oft überflüssig. Das Ergebnis: Geringerer Materialverschleiß und eine deutlich längere Lebensdauer der beschichteten Bauteile.

Diese Eigenschaften sind jedoch nicht nur für industrielle Werkzeuge interessant, sondern eröffnen natürlich auch Möglichkeiten für hochwertige Uhrengehäuse. Überträgt man das Prinzip auf eine Uhr, wird schnell klar, wo die Vorteile liegen: Ein mit ta-C beschichtetes Gehäuse ist sehr widerstandsfähig gegen Kratzer und Abrieb. Alltägliche Belastungen – das Streifen an einer Tischkante, unliebsamer Kontakt mit der Glastür, der Sandstrand & Co. – hinterlassen einfach deutlich weniger Spuren als bei unbeschichtetem Stahl- oder herkömmlich beschichteten Oberflächen.

Auch mit Blick auf einen industriellen Versuch durch das Fraunhofer-Institut wird der Härtevorteil deutlich – Zitat aus dem Fraunhofer IWS Jahresbericht: „Mit Härten von bis zu 70 GPa reichen die ta-C-Schichten nahe an die Härte von nanokristallinen Diamantschichten heran. Daraus resultiert eine außerordentlich hohe Beständigkeit gegen Abrasivverschleiß* […]“ Argor Aljba spricht übrigens selbst von einer Härte von ca. 4500 HV – merkbar mehr als klassische DLC-Schichten, die nach meinen Recherchen bei bis zu 3000 HV liegen.

* Materialverlust durch schleifende oder kratzende mechanische Einwirkung, meist verursacht durch harte Fremdpartikel (Sand, Schmutz)

Mehr: HART im Nehmen? Typische Materialien bei Uhren und ihre Härte nach Vickers

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Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Beständigkeit: ta-C ist chemisch stabil und reagiert nicht nennenswert auf Schweiß, Feuchtigkeit oder Umwelteinflüsse. Für den Alltag bedeutet das: Das Gehäuse behält sein Aussehen über lange Zeit, ohne beispielsweise an Glanz zu verlieren.

Spannend wird es auch beim Blick aufs Zifferblatt, denn Fortis spielt hier bewusst mit Kontrasten. Es gibt die sachlich-kühle Version mit applizierten Edelstahl-Indexen und weißer Super-LumiNova sowie die wärmere Interpretation: goldfarbene Indizes, kombiniert mit sogenannter „Old Radium“-Lume in einem leicht bräunlichen Ton, der an alte Tritium- bzw. Radium-Zifferblätter erinnert. Warm trifft kalt, Retro-Anklang trifft moderne Technik – das ist ein bewusst gesetzter Stilbruch, der erstaunlich gut funktioniert.

Beide Super-LumiNova-Farben kommen dabei in der Qualitätsstufe X1, welche die Nachleuchtperformance nach zwei Stunden im Dunkeln deutlich verbessert (der Super-LumiNova-Experte RC Tritec spricht von einer Verbesserung um den Faktor 1,6) und erstrahlen dabei in einem satten Blau.

Ansonsten bleibt das Zifferblatt typisch Marinemaster: klar strukturiert, mit applizierten Indizes, Datum bei „drei Uhr“ und einem geprägten Muster, das auf den ersten Blick, bei „normalem“ Blickabstand, eher dezenterer Natur ist. Schaut man genauer hin, erkennt man die sich wiederholende, rechteckige „O“-Form aus dem Fortis-Schriftlogo. Ein Detail, das Freude macht, wenn man es entdeckt.

Dank der genialen Entspiegelung des Saphirglases, für die Fortis bekannt ist und die in ihrer Preisklasse seinesgleichen sucht, wirkt das Blatt offen und tief, fast so, als gäbe es gar kein Glas darüber. Gerade bei direktem Licht ist ein echter Pluspunkt im Alltag. Und nicht zuletzt zahlt eine Entspiegelung in dieser Qualität meiner Meinung nach beachtlich auf die qualitative Anmutung ein.

Kleines, aber feines Detail: Die Variante mit goldfarbenen Indexen und Zeigern hat auch bei den beiden Kronen und dem verschraubten Boden eine DLC-Beschichtung spendiert bekommen. Die Variante mit Edelstahl-Zeigern und -Indexen wiederum setzt mit unbeschichteten Kronen und Boden zusätzliche Kontraste – eine Besonderheit, die für Liebe zum Detail spricht und die sich gut mit der kühleren Zifferblatt-Variante mit seinen Edelstahl-Indexen ergänzt.

Apropos Kronen: Ein markantes Detail ist die zweite Krone bei zehn Uhr. Wo andere Hersteller hier ein Heliumventil verbauen – etwas, das außerhalb von Sättigungstauchern praktisch niemand braucht – hat Fortis etwas Eigenes daraus gemacht. Über diese Krone lässt sich die Lünette ver- und entriegeln. Die sogenannte „Gear Bezel“ ist bidirektional drehbar, lässt sich aber fixieren, damit sie sich nicht versehentlich verstellt. Klingt nach Spielerei, ist in der Praxis aber erstaunlich sinnvoll. Die Mechanik wirkt durchdacht und passt zum Werkzeugcharakter der Uhr. Die Lünette rastet richtig schön satt, die Bedienung geht nach kurzer Eingewöhnung intuitiv von der Hand.

Mit 44 Millimetern Durchmesser klingt die M-44 zunächst nach einem ordentlichen Brocken. Am Handgelenk relativiert sich das schnell. Fortis verzichtet auf klassische Hörner, das FKM-Kautschukband dockt nahtlos bzw. direkt an das Gehäuse mit seiner tonneauförmigen Konstruktion an, und das Horn-zu-Horn-Maß bleibt mit 48 Millimetern überraschend moderat. Dadurch trägt sich die Uhr deutlich kompakter, als es die nackten Zahlen vermuten lassen. Die Marinemaster hat dennoch ordentlich Präsenz. Wer seine Uhr gern „fühlt“, wird hier nicht enttäuscht.

Im Inneren arbeitet das Fortis WERK 11. Hinter dem sachlichen Namen verbirgt sich ein Automatikwerk von der Kenissi SA, hinter der prominente Namen stecken: Rolex bzw. Tudor und Mitanteilseigner Chanel. Ganggenauigkeitsfans dürfen sich freuen: Das WERK 11 bringt (neben der Chronometer-Zertifizierung von der COSC), auf jeden Fall einige gute Argumente mit, mit denen sich Fortis von Standardkalibern wie dem SW 200-1 abheben kann – vor allem eine mehr als ordentliche â€žWeekend-proof“-Gangreserve in Höhe von 70 Stunden sowie eine Art Brücke mit Zwei-Punkt-Fixierung über der Unruh, welche die Stoßfestigkeit erhöhen soll (siehe Bild von der nicht-DLC-Variante unten). Die Dekoration des WERK 11 fällt nicht allzu üppig bzw. „zweckdienlich“ aus. Macht aber nix, denn Fortis versteckt das Kaliber ohnehin hinter einem massiven, verschraubten Stahlboden.

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Abschließende Gedanken

Sie ist präsent und sie polarisiert ein Stück weit mit ihrem markanten, eigenständigen Design – aber genau das macht den Reiz der Marinemaster aus: Gerade in der neuen, 2026 lancierten DLC-Version mit dem warm-kalten Spiel aus Gold- oder Stahlindexen und unterschiedlich gefärbter Leuchtmasse zeigt die M-44 ein merkbar anderes Gesicht.

Bei aller Wertschätzung für das DLC-beschichtete Stahlgehäuse in der wohl so ziemlich unschlagbaren ta-C-Ausführung ertappte ich mich allerdings immer wieder bei dem Gedanken, dass der Marinemaster M-44 sicherlich auch ein schwarzes Keramikgehäuse gut gestanden hätte. Das hätte auch gut in das Selbstverständnis von Fortis gepasst, bei der Novonaut beispielsweise setzen die Grenchner mittlerweile auch auf Titan-Varianten. Natürlich ist Keramik kein Selbstläufer. Die Fertigung ist aufwendig, Ausschuss teuer. Ein entsprechender Aufpreis wäre also wohl unvermeidbar gewesen – und vermutlich auch nicht gering ausgefallen. Nun, das ist kein echter Kritikpunkt, eher ein Gedankenspiel. Und das ändert nichts daran, dass die neuen ta-C-DLC-Varianten in der Summe eine designtechnisch gelungene, hochwillkommene Ergänzung der Marinemaster-Reihe sind.


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