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Der Klassiker: Die liebgewonnene Automatikuhr lag für einige Zeit, zum Beispiel über das Wochenende, auf dem Nachtschrank und ist nach Ablauf der Gangreserve zum Stillstand gekommen. Klassischerweise lassen sich Automatikuhren dann wieder durch das Drehen der Krone in „Normalposition“ per Hand aufziehen und dadurch schnell wieder zum Laufen bringen.

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Bild: VANDAAG

So weit, so einfach? Nun, es gibt eine Menge Unsicherheiten beim Betätigen des Handaufzugs bzw. beim Aufziehen von Automatikuhren, wie diese E-Mail von CHRONONAUTIX-Leser Martin zeigt:

Eine Frage zum Selitta SW 200: Mir ist es schon mehrfach bei diesem Werk von diversen Herstellern passiert, dass ich beim Handaufzug via Krone auf einmal die zigfache Kraft aufbringen musste, und den Eindruck hatte, nicht mehr die Aufzugfeder aufzuziehen, aber das ganze Werk inklusive Rotor durchzudrehen. So schlimm, dass ich meine Alpina Seastrong Heritage Diver zum Service eingeschickt habe, weil ich mich nicht traute, die Krone gegen eine brutale Kraft einzuschrauben. Natürlich mit dem Ergebnis: was genau soll denn nicht stimmen?
Als Anmerkung: Nachdem ich Christopher Ward beim SW 200 geschrieben hatte, dass meine Uhr massiv vorgeht, kam als Lösung, dass ich nicht nur 40 mal aufziehen soll, wie TAG Heuer im Serciceheft allgemein angibt, sondern 60 mal, damit der Gang stimmt. Ergebnis: Durchdrehen des ganzen Werks, siehe oben.
Dein Rat?
Martin

Um Martins Problemstellung und einige weitere Fragen im Zusammenhang mit dem manuellen Aufziehen einer Automatikuhr zu klären, habe ich den WOSTEP-zertifizierten Uhrmacher Leon von ChronoRestore um eine ausführliche technische Erläuterung gebeten…

Automatikuhr aufziehen? Die technischen Hintergründe zum Handaufzug von Uhrmacher Leon

Liebe Leser der CHRONONAUTIX-Beiträge! Da von einigen Lesern immer mal wieder interessante technische Fragen bezüglich des Automatikaufzugs von Uhren gestellt wurden, hat mich Mario beauftragt, die meist gestellten Fragen nach bestem Wissen ausführlich zu beantworten. Das mache ich sehr gerne! Darunter befanden sich Fragen wie:

  • Wie oft darf man bei einem Automatikwerk an der Krone aufziehen?
  • Welchen Einfluss hat das auf die Ganggenauigkeit?
  • Was ist bei der Handhabung einer Automatikuhr zu beachten?
  • Wie groß ist der Verschleiß?
Leon Zihang Uhrmacher ChronoRestore

Außerdem gibt es da noch ein altbekanntes Problem der Automatikuhren beim Handaufzug: Sobald man an der Krone dreht, entsteht ein extrem großer Widerstand und die Uhr fängt an laut zu rattern und zu vibrieren, weil sich der Rotor auf der Rückseite mitdreht. Doch woran genau liegt das und was kann man dagegen tun?

Um diese Fragen zu klären, möchte ich etwas weiter ausholen und zunächst den Aufbau einer Automatikuhr erklären. Da es viele mögliche Bauarten für die Automatik gibt, gehe ich dabei hauptsächlich auf die meist genutzte Bauweise mit Freilauf-Kupplungsrädern, auch Klinkenräder genannt (Bild 1), wie zum Beispiel im SW200 von Sellita oder nahezu allen Werken von ETA, ein.

Dadurch, dass das Automatikwerk durch die ständige Armbewegung auch ständig aufgezogen wird, musste man sich schon beim Aufbau des Federhauses Gedanken machen. Ein Federhaken am äußeren Ende der Zugfeder wie bei einem reinen Handaufzug wie dem ETA Unitas war nun nicht mehr möglich (Bild 2). Durch den ständigen Aufzug würde dieser Haken einfach abreißen. Deshalb ist in einem Automatik-Federhaus eine Zugfeder mit Gleitzaum verbaut (Bild 3).

Auch das Federhaus wurde leicht abgeändert und hat keinen großen Vorsprung mehr, in dem sich der Federhaken beim Handaufzugswerk eingehakt hat. Vielmehr gibt es feine abgerundete Dellen in der Innenwand der Federhaustrommel, damit an diesen Stellen eine größere Reibung zwischen Feder und Federhaustrommel entsteht. So kann die benötigte Kraft für die Funktion der Uhr aufgebracht werden. Dieser Gleitzaum spreizt sich am Ende der Feder zwischen der um den Federkern gewickelten Feder und der Federhaus-Innenwand auf und kann immer weiter durchrutschen. Somit ist die Feder nicht mehr komplett fest und kann auch nicht mehr reißen.

Bild 2 Bestandteile Federhaus
Bild 2
Bild 3 Zugfeder Unterschiede
Bild 3

Mit diesem Wissen sind wir mit den Änderungen an dem Antrieb der Uhr (reiner Handaufzug vs. Autonatik) auch schon fertig. Nun wird bei weit verbreiteten Automatikkalibern wie dem Sellita SW200 oder dem ETA 2824 nur noch das Automatikgetriebe aufgesetzt und festgeschraubt. Dieses greift dann mit seinem letzten Trieb (Mitnehmerrad für Sperrrad) direkt in das Sperrrad und dreht damit den Federkern um sich selbst. Gleichzeitig wird die Zugfeder aufgezogen und die Federhaustrommel hinterhergezogen.

Mit den schon genannten Klinkenrädern im Automatikgetriebe lässt sich ein Aufzug in beide Drehrichtungen des Rotors realisieren. Dies nennt man dann den Zweiseitigen Aufzug. Zusätzlich kommt der Aufzug mit diesen beiden Klinkenrädern ohne ein zusätzliches Gesperr aus und hat demzufolge nur das Gesperr am Sperrrad bzw. Kronrad, je nach Bauausführung.

Bild 4 Funktionsbeschreibung Automatikuhr
Funktionsbeschreibung eines zweiseitigen Automatikaufzugs (Bild 4):

Bei einer Rotordrehung (1) im Uhrzeigersinn treibt das Rotortrieb- (2) das Klinkenrad 1 (3) an. Seine Sperrklinke (5) stemmt sich in die Sägeverzahnung des Kupplungstriebes (4) und treibt es an. Das Kupplungstriebrad überträgt anschließend die Kraft auf das erste Reduktionsrad (9), welches nur in Pfeilrichtung drehen darf.

Das zweite Freilauf-Kupplungsrad (6), ständig verbunden mit dem ersten (3), wird angetrieben und seine Sperrklinke (8) wird aus der Sägeverzahnung des Kupplungstriebes (7) ausgeklinkt. Es dreht frei durch und bewegt sich entsprechend der Richtung des ersten Reduktionsrades (9).

Wenn die Schwungmasse in die andere Richtung dreht, kuppelt sich das erste Kupplungsrad aus und das Kupplungstriebrad (7) des zweiten Kupplungsrades treibt das erste Reduktionsrad (9) des Reduktionsgetriebes an.

Aber wenn sowohl der Automatikaufzug als auch der Handaufzug fest in das Sperrrad eingreifen, warum dreht sich bei Armbewegungen die Krone nicht mit und beim Handaufzug der Rotor nicht? Das ist im Falle des Handaufzugs einfach erklärt: Sobald man von Hand aufzieht, dreht sich das Automatikgetriebe nur bis zum 2. Klinkenrad mit, da dieses dann in die Richtung betrieben wird, dass die kleinen Sperrklinken nicht greifen und die obere Hälfte des Klinkenrades aufgrund des Gewichtes des Rotors stehenbleibt (Bild 5).

Bild 5 Entkopplung des Rotors bei manuellem Aufzug
Bild 5

In der anderen Richtung, also im Falle eines wirkenden Automatikaufzugs (Bild 6), wird der Handaufzug entkoppelt, indem das Kronrad (6) auf einem olivierten Zapfen (7) gelagert ist. Wenn nun das Mitnehmerrad für Sperrrad (5) aus dem Automatikgetriebe das Sperrrad (4) antreibt, wird das Kronrad (1) automatisch aus der Verzahnung geschoben. Deshalb dreht sich die Krone an unserer Uhr nicht mit, wenn wir unseren Arm schütteln und der Automatikaufzug wirkt.

Bild 6 Entkopplung des Handaufzug bei Automatikaufzug
Bild 6

Automatikuhr aufziehen: Wie oft die Krone drehen?

Anhand dieses Hintergrundwissens können wir die Eingangs aufgelisteten Fragen klären: Zur ersten Frage kann man sagen, dass es grundsätzlich egal ist, wie oft man beim manuellen Aufzug an der Krone dreht. Durch den Federzaum an der Zugfeder rutscht die Feder im Federhaus immer weiter nach, wenn man mehr Umdrehungen als bis zum Vollaufzug macht. Der einzige Grund, warum man nicht den ganzen Tag an seiner Krone drehen sollte, ist, dass sich beim manuellen Aufzug das Automatikgetriebe mit hoher Geschwindigkeit bis zu den Klinkenrädern mitdreht und somit bei ständiger Drehung an der Krone die Zapfen dieser Räder schon belastet werden. Sollte eine Automatikuhr also mal stehengeblieben sein, muss man nicht die Kronenumdrehungen mitzählen. Ich selbst ziehe meine Uhren immer so lange auf, bis ich keine Lust mehr habe und die Uhr ordentlich läuft. Wenn man jedoch täglich in Bewegung ist, macht das Automatikgetriebe den Rest und bringt die Zugfeder von allein in den Vollaufzug, um den stabilsten Gang zu erhalten.

Somit sind wir auch schon bei Frage Nummer 2…

Welchen Einfluss haben meine Kronenumdrehungen auf die Ganggenauigkeit?

Hinsichtlich dieser Fragestellung werfen wir zunächst einen Blick auf ein Federkraftdiagramm (Bild 7).

Bild 7 Federkraftdiagramm
Bild 7

Hier ist das Kraftmoment, das an das Räderwerk der Uhr übertragen wird, auf den Diagrammachsen „Anzahl der Federhaus-/Sperrradumdrehungen“ abgebildet. Man sieht also, je mehr Umdrehungen das Sperrrad beim Aufziehen gemacht hat, desto mehr Kraftmoment wird an das Räderwerk übertragen. Mittlerweile sind die Zugfedern aufgrund der S-Form so gut, dass beim Ablaufen der Uhr das Kraftmoment bis kurz vorm Stehenbleiben des Schwingsystems kaum abnimmt. Dennoch bleibt das Problem, dass das Schwingsystem für einen konstanten Gang eine gleichmäßige Kraftzufuhr benötigt. Je weiter die Uhr also abläuft, ohne aufgezogen zu werden, desto instabiler schwingt das Schwingsystem, was zu einem ungenaueren Gang führen kann. Somit ist es ein riesiger Vorteil für die Automatikuhr, dass diese durch die Bewegung ständig wieder aufgezogen wird.

Der im Federkraftdiagramm als „Schleppfeder“ bezeichnete Bereich zeigt das Verhalten des Federzaums: Die Feder wird immer weiter gespannt, bis die Reibkraft zwischen der Feder und der Federhauswand nicht mehr ausreicht und die Feder schlagartig nachrutscht. Durch die Automatik wird die Feder dann wieder gespannt und das Spiel beginnt von vorne. Dies hat den Vorteil, dass sich eine Mittlere Kraft Mgl einstellt, die an das Räderwerk und somit an das Schwingsystem übertragen wird. Wie oft wir also an der Krone drehen, hat nur Einfluss auf den Gang, wenn wir die Uhr nicht vollständig aufziehen oder sie nach dem Anlaufen nicht gleich tragen, damit sie vollständig aufgezogen wird. Wenn ich möchte, dass meine Uhr nach dem Stillstand gleich wieder beste Gangergebnisse zeigt, ziehe ich also lieber ein paar Kronenumdrehungen zu viel als zu wenig auf. Dieses Thema würde bei einer Erklärung des Schwingsystems deutlicher werden.

Nun zur dritten Frage…

Automatikuhr aufziehen: Was sollte man auf keinen Fall tun?

Da fällt mir eigentlich kaum was ein. Meiner Meinung nach ist unter den mechanischen Uhren die Automatikuhr diejenige, die am wenigsten Vorsicht benötigt. Im Gegensatz zum Handaufzugkaliber kann man hier nicht zu viel aufziehen und damit den Federhaken abbrechen, da der Federzaum einfach nachrutscht.

Grundsätzlich sollte man wie bei jeder mechanischen Uhr unbedingt darauf achten, sie niemals fallen zu lassen: Es sind zwar viele Sicherungsmechanismen wie beispielsweise Stoßsicherungen eingebaut, aber ein Zapfen mit 1/10 mm Dicke wie beispielsweise vom Schwingsystem ist dann doch sehr schnell abgebrochen. Zudem gäbe es bei der Bedienung der Datumschnellschaltung noch einiges zu beachten, wenn man die dahinterstehende Mechanik kennt (dazu gerne mehr in einem separaten Beitrag). Das hat aber alles überhaupt nichts mit dem Automatikmechanismus zu tun.

Deshalb weiter zur nächsten Frage…

Wie sieht es mit dem Verschleiß aus?

Bezüglich des Federhauses braucht man sich überhaupt keine Gedanken zu machen. Gerade bei Sellita und ETA sind diese für die Ewigkeit gebaut. Beide verbauen Nivaflex-Zugfedern, welche zu den Marktführern gehören.

Diese speziellen S-förmigen Federn bestehen aus einem selbstschmierenden Material und müssen deshalb nicht einmal geschmiert werden. Lediglich die Federhaustrommel-Innenwand wird bei einer Revision mit ein wenig Graphitfett versorgt.

Größere Probleme gibt es da eher bei den Klinkenrädern. Hier kann nicht einfach ein bisschen Öl an die kleinen Klinken gegeben werden. Dieses würde sich aufgrund des Kapillareffekts sofort unter die Klinke ziehen und eher klebend als schmierend wirken. Die Klinkenräder müssen so freigängig wie möglich sein. Deshalb wird hierfür eine spezielle Tauchschmierlösung verwendet, die über die kleinen Sperrklinken und das gesamte Rad einen hauchfeinen Schmierfilm zieht. Dieser feine Film kann durch die dauerhafte Bewegung dieser Räder auch gerne mal abreißen. Wenn dies passiert, „frisst“ sich die Klinke in das Sperrrad und sie laufen nicht mehr freigängig. Dieses „Einfressen“ sowie normaler Abrieb und Verschleiß durch die jahrelange Nutzung ohne Service kann an den feinen Klinken im Inneren der Klinkenräder zu dem bereits erwähnten Problem führen, dass sich der Rotor beim manuellen Aufziehen mitdreht. Wie in Bild 6 oben erklärt, funktioniert hier nämlich die Entkopplung des Rotors vom manuellen Aufzug nicht mehr. Hier schafft meist eine Revision, also eine Reinigung mit neuer Tauchschmierung, Abhilfe. Sollten sich die Klinken zu sehr eingefressen haben oder stark eingelaufene Zapfen erkennbar sein, müssen diese komplett getauscht werden.

Ich hoffe, euch hat der kleine Exkurs in die Uhrentechnik gefallen. Gerne nehme ich über ChronoRestore.com oder über Mario weitere Fragen entgegen. Wir freuen uns über euer Feedback!

Bis bald! Euer Leon von ChronoRestore.

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Jochen
6. August 2022 20:50

Hallo, ich hätte auch eine Frage (die technischen Details im Artikel verstehe ich nur bedingt). Ich habe eine Seiko (5 Sports) mit 41h Gangreserve, die ich jedoch nur alle drei bis vier Tage trage. Weil mir das Einstellen lästig ist, ziehe ich die jeden Morgen per Hand auf, damit sie nicht stehen bleibt. Schadet dies der Uhr nun oder nicht?
Dass der Schaden nicht hoch ist, wenn sie deshalb nach ein paar Jahren kaputt geht, weiß ich.
Aber muss ja nicht sein. Danke.

Michael M. aus W. an der W. in NRW/D/EU
8. Juli 2022 10:16

Bravo, Mario, damit hast Du ein extrem interessantes Thema angesprochen und mit Leon einen exzellenten Fachmann mit ins Boot geholt. Dessen sehr lehrreiche Ausführungen habe ich mit großem Interesse gelesen und ich habe sogar einiges verstanden(was aber nicht an Leons Erläuterungen liegt, sondern an meinem beschränkten Vorstellungsvermögen eines automatischen Uhrwerks samt seiner zahlreichen, mitunter skurilen Einzelteile). Selbst die Kommentare sind von erlesener Güte , interessant und hilfreich. Auch großen Dank an Leon für seine Zeilen und erhellende Antworten auf Fragen der Leser. Bis jetzt mein Artikel des Jahres!

Frank T. aus MZ
1. Juli 2022 23:44

Interessante Sache, danke an Leon und Mario! Den, beim manuellen Aufziehen, kurzzeitig mitdrehenden Rotor habe ich bei meinen Uhren mit Lemania 5100 Werk (Sinn 142 und 156) öfters mal. Das passiert bei denen auch gerne während ich die Krone verschraube. Was hier nicht erwähnt wurde, was aber manche praktizieren, ist das „Anschütteln“ von stehenden Automatikwerken durch Armbewegungen. Ich denke jedoch, dass das schädlicher ist, als das Werk über die Krone ein paar Umdrehungen aufzuziehen. Es gibt jedoch ein paar japanische Exoten ohne manuelle Aufzugsmöglichkeit, bei denen letzlich nur „Anschütteln“ infrage kommt.

Franky
2. Juli 2022 10:30
Antworten...  Frank T. aus MZ

Hallo Frank
Du denkst richtig. Certina schreibt folgendes in der Bedienungsanleitung: „Bewegen Sie das Handgelenk nicht absichtlich hin und her, um die Uhr aufzuziehen, denn dies ist nicht wirksam und könnte Ihre Uhr beschädigen.“
Beste Grüsse

Leon
2. Juli 2022 15:32
Antworten...  Franky

Hey Frank und Franky!
Das mit dem „Anschütteln“ ist so nicht ganz richtig. Ich denke, das Certina das nur zur Sicherheit rein schreibt, damit niemand wie verrückt seinen Arm durch die Luft schleudert.
Wie Frank schon schreibt gibt es sogar Uhren die gar keinen Handaufzug besitzen und nur über die Automatik aufgezogen werden können. Der Uhr ist es tatsächlich auch völlig egal, ob die Sperradumdrehungen aus der Richtung des Rotors oder der Krone kommen.
Es geht Certina vermutlich nur darum, dass sich bei starkem Schütteln der Uhr, der Rotor, wegen seiner verhältnismäßig schweren Schwungmasse, verbiegen kann bzw. am Werk oder Gehäuse anstoßen kann. Es ist aber keineswegs schädlich die unaufgezogene Uhr an sein Handgelenk zu legen und einfach ein paar Minuten zu tragen bis sie wieder läuft und man wieder die richtige Zeit einstellt.

LG Leon von ChronoRestore

Franky
8. August 2022 17:26
Antworten...  Leon

Danke Leon für die ausführliche Bemerkung.
LG
Franky

Wladimir
1. Juli 2022 19:40

Vielen Dank für den tiefen Einblick in unser aller Lieblingsthema. Verständlich und zugänglich erklärt. Weiter so.

Matteo
1. Juli 2022 19:30

Herzlichen Dank für den ausführlichen Beitrag, in etwa so habe ich mir das vorgestellt. Als mein Vater mir zum 20. Geburtstag seine Omega Seamaster Automatic vermachte, war ich vor 42 Jahren stolzer Träger eines dieser begehrten Zeitmesser, es ging dann auch nicht lange, so dass die Omega eine komplett Überholung verlangte, nach gut zwei Jahren war es dann wieder so weit. Ich, als noch immer Student (wieder) konnte mir den Luxus einer Revision nicht mehr leisten, also habe ich mir in den 70er eine Certina DS-2 Automatik aus dem Pfandhaus angeschafft, diese dann mein Daily Rocker bis in 90er war, vielleicht läuft sie ja heute noch, so genau weiss ich das nicht, denn sie wurde mir irgendwo in Südamerika abgenommen. Später habe ich mir eine Tissot und noch eine Longines erworben, alle unter 2K Franken (bin Schweizer), beide mit ETA Kaliber laufen zuverlässig mit einer Gangabweichung von -+5 Sekunden pro Tag, ohne Chronometer Zertifizierung. Die Tissot ist jetzt nach 11 Jahren noch immer gangenau und beide waren noch nie beim Uhrenmacher.

Last edited 1 Monat zurück by Matteo
Konrad
28. Juni 2022 20:21

Hallo Mario, Gratulation zu Deinem Artikel. Herzlichen Dank auch an Leon, der sehr plakativ geschildert hat, dass die Konstruktion eines mechanischen in weiten Teilen keine „Raketenwissenschaft“ ist, auch wenn es immer noch namhafte Hersteller gibt, die uns in ihren Werdetexten dies glaubhaft machen wollen.
Mich würde einmal darüber hinaus interessieren, ob es bestimmte Uhrwerke gibt, die hinsichtlich der Serviceintervalle gutmütiger sind als andere, da Leon bersonders bei den Klinkenrädern auf das durchaus komplexe Problem der Schmiermittelhaltung hingewiesen hat.
Hintergrund meiner Frage ist, das ich seit Oktober 1982 eine Seiko mit Kaliber 6309 in meinem Besitz habe. In 40(!) Jahren war diese Uhr (damalige Kaufpreis nicht unbedingt billige 170 DM), das ist mein privater „Langzeitversuch“, nur ein einziges Mal beim Service (dummerweise waren nach einem Sturz 11 der 12 Indices vom Zifferblatt abgefallen und mein freundlicher Uhrmacher musste sie wieder einkleben). Diese Uhr ist mein „daily rocker“, die ich selbst beim Badminton Spiel als Linkshänder nicht ablege.
Das Werk ist wahrlich keine Schönheit – es sind sogar Kunststoffteile darin verbaut. Es ist gänzlich unverziert und man kann es noch nicht einmal mit der Krone aufziehen aber es tut mit beindruckender Genauigkeit bei einem täglichen Gang innerhalb von +10s/d genau das, was es soll – es läuft zuverlässig ohne „Mucken“
Wenn ich mir mache aktuellen Uhrwerke anschaue, bin ich zwar hingerissen und begeister von deren Schönheit, frage mich aber regelmäßig ob derart filigrane Konstruktionen ebenso langlebig sind oder ob sie im Alltagsgebrauch nicht schon nach relativ kurzer Zeit „in Schönheit sterben“.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bewundere diese mechanischen und künstlerischen Meisterwerke – sie haben wie andere Luxusgüter durchaus ihre Existenzberechtigung. Nur leider ist mein Eindruck, dass es heute nur zwei Gruppen von Uhren gibt: Für Normalverdiener fast unbezahlbare Luxusware und überbezahlte Billigware. Die Klassischen Uhren „für’s Leben“ scheinen als Neuware ausgestorben.

Leon
30. Juni 2022 14:09
Antworten...  Konrad

Hey Konrad! Erstmal vielen lieben Dank für dein Lob!
Um deine Frage kurz und knackig zu beantworten: Ja es gibt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Werken in Bezug auf die Serviceintervalle. 

Grundlegend werden bei Uhren aus dem Luxussegment, welche aufgrund der gewählten Materialien und Bearbeitungsweisen meist deutlich empfindlicher sind, Serviceintervalle von ca 3-5 Jahren angesetzt. Dabei spreche ich von Marken wie Rolex, Glashütte Original, Lange und Söhne, Omega usw.
Man muss aber auch sagen, dass diese oft deutlich länger durchhalten können. Allerdings wird das meist nicht ohne größeren Verschleiß möglich sein. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel!

Bei Uhren mit ETA oder SELLITA Werken ist das anders. Das sind die absoluten Panzer unter den mechanischen Armbanduhren. Sie wurden darauf ausgelegt zumindest nach der Auslieferung bis zu 10 Jahre ohne Service zu laufen. Danach bin ich der Meinung, dass man auch hier die 3-5 Jahre einhalten sollte, wenn man auf ewig etwas von seiner Uhr haben möchte. Das liegt daran, dass die druckpolierten Zapfen der Wellen nach 10 Jahren Laufzeit schon lange nicht mehr „druckpoliert“ sind. Sie sind über die Jahre etwas rauer geworden und das ist dann wie ein Teufelskreis des Verschleiß, den man nur mit dem regelmäßigen Service eindämmen kann. 

LG Leon von ChronoRestore