• Beitrags-Kategorie:Tests
  • Beitrags-Kommentare:1 Kommentar
  • Beitrags-Autor:
  • Lesedauer:15 Min. Lesezeit

Ich bin grundsätzlich durchaus ein Freund von Reissues, also originalgetreuen Neuauflagen von historischen Modellen. Manchmal denke aber auch ich mir: Puh, muss man dieses oder jenes Pferd jetzt wirklich totreiten? Nun, davon kann hier nicht die Rede sein: die Anfang 2026 lancierte traser P65 Tactical Mission hat mir persönlich definitiv ein na endlich! entlockt. Denn: Mit Blick auf die historische, 1989er P6500 Type 6, dürften so einige Einsatzuhren-begeisterte Uhrenfreunde aufhorchen (und da inkludiere ich mich ausdrücklich): Denn obwohl zahlreiche traser-Modelle über die Jahrzehnte hinweg Designelemente der historischen P6500 weitergetragen haben (z.B. Lünette und Blatt-Gestaltung) fehlte bislang eines: eine wirklich authentische Neuauflage der Mil-Spec-Uhr, mit der damals alles begann. Dass dieses Reissue nun kommt, ist gleichzeitig die Rückkehr zu einem Moment, der nicht nur eine Uhr hervorgebracht hat, sondern die Marke traser an sich. Das Reissue habe ich zum Anlass genommen, um die Geschichte von traser und die untrennbar damit verbundene Mil-Spec nochmal im Detail zu beleuchten – dabei sind einige spannende Einblicke zutage getreten, die der Uhrenwelt bisher mehr oder weniger verborgen geblieben sind – wir starten diesen Beitrag also mit einem detaillierten geschichtlichen Einblick, bevor wir uns natürlich die P65 Tactical Mission im Detail anschauen.

Eckdaten traser P65 Tactical Mission:

  • trigalight Selbstleuchttechnologie in Orange (12-Uhr-Index) und Grün auf den Zeigern, Indizes und als Insert in der Lünette
  • Saphirglas
  • Ronda 715 Quarzwerk, Swiss Made
  • kohlefaserverstärktes Polymergehäuse mit Stahlboden bzw. Reintitangehäuse (Titan Grade 2) mit verschraubter Krone Lünette beidseitig drehbar, ergonomisch profiliert
  • Titan-, Textil- oder Kautschukarmband
  • Wasserdichtigkeit 10 atm / 10 bar (kohlefaserverstärktes Polymergehäuse) bzw. 20 atm / 20 bar (Titangehäuse mit verschraubter Krone)
  • 455€ Polymergehäuse mit Textilarmband, 485€ Polymergehäuse mit Kautschukarmband schwarz, 635€ Titangehäuse mit Textilarmband schwarz, 665€ Titangehäuse mit Kautschukarmband schwarz, 785€ Titangehäuse mit Titanarmband
  • Referenzen: 111829 (Polymergehäuse, Textilband), 111830 (Polymergehäuse, Kautschuk), 111831 (Polymergehäuse, Textilband Camo), 111832 (Titan, Textilband), 111833 (Titan, Kautschuk), 111834 (Titan, Titanband)

Tipp: Die Inhalte dieses Beitrags gibt’s auch bei uns auf YouTube:

Wanted: Eine Uhr für den Ernstfall

Am Anfang der Geschichte von trigalight, mb-microtec und letztendlich auch traser stehen die zwei Berner Chemiker Walter Merz und Alfred Benteli, die 1918 die Firma merz+benteli gründeten. Begonnen hatten die Jungunternehmer mit Radium-Leuchtmitteln für die Uhrenindustrie – als noch niemand ahnte, wie brandgefährlich der radioaktive Stoff sein kann. Fast über Nacht wurde dieser später verboten und die Firma musste sich neu erfinden. Die Lösung: Was bisher als Decklack für die radioaktive Leuchtfarbe gedient hatte, erwies sich als hervorragender Leim – heute bekannt als der Schweizer Alleskleber Cementit.

Es war der Schwiegersohn von Walter Merz, Oskar Thüler, der merz+benteli quasi ein weiteres Mal neu erfand und ab 1969 die Grundlage für die heute bekannten trigalight-Röhrli, also selbstleuchtende und mit Tritiumgas gefüllte Borosilikatglas-Röhrchen, schuf: Die Firma mb-microtec (mb steht für Merz und Benteli) wurde als Schwesterunternehmen gegründet. Spannender Fun Fact am Rande: Bereits 1978 hat merz+benteli die Beleuchtungstechnologie „TRASER-lights“ als eine Art passive Hintergrundbeleuchtung für LCD-Displays beworben – ein Neologismus aus Tritium und Laser und damals wie heute batterielos. Von der filigranen Umsetzung heutiger, teilweise winziger trigalights, die insbesondere als Uhrenindexe fungieren, war man damals aber offenbar noch recht weit entfernt.

Fast 10 Jahre später – einen Meilenstein erreichte die mb-microtec anno 1987: Das Bundesamt für Gesundheit erteilte die Zulassung für analoge Uhren mit Tritiumgaslichtquellen. Im Folgejahr wurde das nächste Hindernis für den Verkauf von Tritium-Uhren überwunden, indem die US Nuclear Regulatory Commission (NRC), also die US-amerikanische Behörde zur Regulierung und Überwachung der zivilen Nutzung von Kernenergie, die Bewilligung für den Verkauf in den USA erteilte.

Das sollte sich wenig später als überaus wichtig herausstellen, denn: Die US-Army saß auf einem üppigen Lager voller Armbanduhren, deren Zeiger ganz „Old School“ mit einer dünnen Schicht tritiumhaltiger Leuchtfarbe bepinselt waren. Bei routinemäßigen Tests stellte die Armee fest, dass die Regale, in denen die Uhren lagerten, unzulässig hohe Strahlungswerte aufwiesen.

Und so sah die im Mai 1989 erlassene militärische Spezifikation MIL-W-46374E für Armbanduhren plötzlich vor, dass die – Zitat – „Leuchterscheinung“ fortan nur noch durch „Leuchtgläser aus glasgekapseltem Leuchtstoff“ hervorgerufen werden darf, „die durch Tritium in gasförmigem Zustand angeregt wird“. Oder anders gesagt: Aufgrund der hohen Strahlungsemission der Tritium-Leuchtmasse sollte diese durch hermetisch verschlossene Tritium-Röhrli ersetzt werden. Vorab: Entscheidend dabei ist zu wissen, dass mb-microtec nicht als Uhrenhersteller auftrat, sondern „nur“ als (natürlich entscheidender) Komponentenlieferant – zumindest erstmal, dazu aber gleich mehr.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1989 tüftelte insbesondere Stocker & Yale fieberhaft an der Entwicklung der erforderlichen Muster, um überhaupt an der späteren Ausschreibung der MIL-W-46374E teilnehmen zu dürfen: So entstanden die Stocker & Yale-Modelle SandY 490 Type I, Type II und SandY 590 Type III (Type I und II waren mechanisch, Type III Quarz).

Doch die Konkurrenz schlief nicht: Auch die Marathon Watch Company aus Kanada wollte sich im Rahmen der neuen Spezifikation Mil-W-46374E mit einem entsprechenden Modell qualifizieren. Wie Stocker & Yale war Marathon bereits seit Jahren Lieferant der US Army. Die Kanadier ließen ihre Militäruhr ebenfalls in der Schweiz fertigen, und zwar zu Beginn bei der Gallet S.A. (heute Teil der Breitling-Gruppe). Der Entscheidende Punkt: Im Herbst 1989 bestellte Gallet bei mb-microtec Tritium-Röhrli für Marathon-Uhren und erkundigt sich, welcher Klebstoff sich für die Fixierung auf den Zeigern am besten eignete. Die Lieferung verzögerte sich allerdings bis Februar 1990, weil Gallet noch nicht die erforderliche Bewilligung für die Verarbeitung von der Tritiumgas-Röhrli verfügte.

Um es an dieser Stelle noch mal zusammenzufassen: Die ersten selbstleuchtenden Uhren mit Tritium-Röhrli kamen der Faktenlage nach von merz+benteli, dem Vorgängerunternehmen von mb-microtec – in Form von LCD-Uhren anno 1978, wie bereits erwähnt. Die ersten analogen Militäruhren kamen abernicht von mb-microtec bzw. traser, sondern von Marathon und Stocker & Yale auf Basis der MIL-W-46374E. Die (entscheidenden!) Komponenten, die Tritium-Röhrli, kamen dabei aber von der mb-microtec, dem heutigen Mutterhaus der Uhrenmarke traser.

Type 6 Navigator, P650 und P6500

Im Januar 1991 kam richtig Druck auf den Kessel: Mit Ausbruch des Ersten Golfkriegs, brauchte die US-Armee nicht irgendwann Uhren – sondern sofort. Zwei Hersteller standen bereit. Nur einer konnte schneller liefern: Marathon überquerte als Erster die Ziellinie und erhielt den ersten Auftrag über satte 60.000 Uhren, die gemäß Spezifikation gefertigt wurden. Ein entscheidender Faktor: Marathon bot eine frühere Lieferung als sein amerikanischer Wettbewerber an. An Bord – na klar -: Tritium-Röhrli von der mb-microtec. Später durfte aber auch Stocker & Yale liefern (SandY 490 Type I).

Im Oktober 1991 wurde die Fertigungsspezifikation für Militärarmbanduhren von den Behörden auf die Version „F“ aktualisiert (Mil-W-46374F). Und so mussten die dort definierten neuen Navigator-Armbanduhren des Typs 6 zusätzliche Anforderungen in Bezug auf Höhenbeständigkeit, Schutz vor Magnetfeldern sowie Widerstandsfähigkeit gegen Salznebel und Schweiß erfüllen. Außerdem musste die Uhr einem Luftdruck in 35.000 Fuß Höhe mindestens 60 Minuten lang standhalten, ohne Schaden zu nehmen. Die magnetische Schutzklasse wurde von 15,5 auf 125 ± 1 Gauß erhöht – das bedeutet, dass die Uhr antimagnetisch sein musste und dadurch keine Minen zur Detonation bringen kann. Marathon und auch Stocker & Yale qualifizierten sich für die Navigator Type 6-Anforderungen mit ihren Modellen 211 bzw. SandY P 650, beides Quarzuhren mit schwarzem Kunststoffgehäuse und bidirektional drehbarer GMT-Lünette.

Ab hier wird es nun ehrlich gesagt etwas undurchsichtig, denn neben der SandY P650 gab es auch noch eine P6500 Type 6 Navigator – hergestellt von *Trommelwirbel* mb-microtec und die Geburtsstunde von traser als eigenständige Uhrenmarke.

Die fast identische Benennung der P6500 im Vergleich zur SandY (Stocker & Yale) P650 Type 6 Navigator ist vor diesem Hintergrund vermutlich kein Zufall: Die P650 war wie beschrieben bereits etabliert – und Stocker & Yale wurde damals mit Tritium-Komponenten von der mb microtec beliefert. mb-microtec wollte vermutlich einfach nur zeigen, dass man auf derselben militärischen „Plattform“ unterwegs ist. Darum: P650 → P6500.

Die Stocker & Yale Sandy P650 und die traser bzw. mb-microtec Navigator P6500 sind optisch im Wesentlichen identisch. In einschlägigen Communities ist manchmal zu lesen, dass die P650 stets als NoDate kam, die P6500 hingegen stets als Date. Aus erster Hand habe ich aber die Info, dass die P6500 sowohl als Date als auch als NoDate hergestellt wurde. Ein Unterscheidungsmerkmal ist am ehesten die Typographie der Ziffern: die SandY-Ziffern sind etwas dicker. Anstelle des 1 Jewel ISA1198 Quarzwerkes bei der SandY, setzte traser damals wie heute auf Ronda.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Über die ursprüngliche Auslieferungsmenge von Uhren durch die mb-microtec an die US Army gibt es nicht ganz eindeutige Aussagen: In einem Artikel aus 1992 ist beispielsweise die Rede davon, dass die US-Regierung 20.000 Uhren mit „Traser-Lights“ für die Operation Desert Storm geordert hat:

Einige Jahre später waren es schon deutlich mehr – es gibt aber widersprüchlich erscheinende Angaben: Mal ist die Rede von 300.000 Stück, die an die US Army gingen und 100.000 Stück an Zivilisten (Basler Zeitung 1998). Dann wieder ist die Rede von „nur“ 100.000 Stück für die US Army seit 1990 und einer Gesamtproduktionsmenge von traser-Uhren in Höhe von 300.000 Stück (europastar 1997). So oder so kann man wohl sagen: Es waren eine Menge Uhren für die US Army, die mb-microtec auslieferte. Fun Fact am Rande: Der zivile Verkauf wurde sicherlich dadurch befeuert, dass Demi Moore in ihrer prägenden Rolle als G.I. Jane (1997) eine traser-Uhr trug.

In einer (französischsprachigen) Anzeige aus 1995 ist übrigens außerdem davon die Rede, dass auch die Spezialeinheit Navy SEALs traser-Uhren trägt. Auch die Basler Zeitung vom 25./26. April 1998 (Ausgabe Nr. 96) spricht davon im Zusammenhang mit der Operation Desert Storm, also dem Zweiten Golfkrieg.

2026: Die DNA der „Ur“-traser P6500 als Reissue in Form der P65 Tactical Mission

Die Eckdaten der P6500 Type 6 lesen sich auch heute noch wie eine Blaupause für klassisch-analoge Einsatzuhren: Schweizer Quarzkaliber, drei Zeiger, Kunststoffgehäuse, NATO Strap und – na klar – trigalights in der Farbe grün (außer dem „12-Uhr-Index“, der zur besseren Orientierung im Dunkeln orange leuchtet).

Ein entscheidender Reiz des neuen traser-Reissues in Form der 2026er P65 Tactical Mission liegt darin, dass die Schweizer neben den „harten“ Eckdaten auch die Optik unverändert übernimmt, darunter insbesondere die markante Lünette (dazu gleich mehr) und natürlich das Zifferblatt, das auffällig tief versenkt ist, sodass das Rehaut mit den zwölf trigalights entsprechend „hoch anliegt“: Insbesondere der charakteristische Innenring mit den Ziffern 13 bis 24, welche die Stundenziffern 1-12 ergänzen, definiert die Optik des Blattes. Schönes Detail auf Nahaufnahmen: Die feinen Serifen bei den Stundenziffern 1-12 – genau wie bei der historischen Vorlage.

Aber welcher Mensch braucht eine „Übersetzung“ von beispielsweise 3 Uhr auf 15 Uhr? Nun, das sind global betrachtet eine ganze Menge: Anders als in Deutschland sind es beispielsweise Menschen in den USA gewohnt einfach nur von „3 Uhr“ zu reden, egal ob es Nachts oder Nachmittags ist (3 AM vs. 3 PM). Beim US-amerikanischen Militär ist allerdings traditionell beispielsweise die Rede von 1500 (Fifteen Hundred). Der Innenring soll entsprechend als Hilfestellung dienen, um die Zeit richtig zu „übersetzen“.

Augenscheinliche Veränderungen gegenüber der historischen Vorlage sind, dass wir bei der Neuauflage P65 Tactical Mission das traser H3-Schriftlogo vorfinden – bei der Vorlage fehlt dieses komplett, was für echte military-issued-Uhren absolut üblich ist. Auch das Symbol für Radioktivität (☢️) ist nicht mehr bei der Neuauflage vorhanden – schade eigentlich, denn grade das hat meiner Meinung nach einen gewissen nostalgischen Charme. Weniger augenscheinlich, aber erwähnenswert ist, dass die rechteckige „Umkästelung“ der quer sitzenden trigalights zu jeder vollen Stunde etwas feiner bzw. weniger kräftig ausfällt, dafür sind die Kästen etwas breiter.

Das Reissue von 2026 übernimmt neben der Optik wie gesagt auch alle wesentlichen „harten“ Spezifikationen, mit zwei Ausnahmen: Das Reissue ersetzt das damalige Mineralglas durch kratzfestes Saphirglas – ein Upgrade, das heutzutage quasi ein Nobrainer ist.

Was ebenfalls ein Upgrade bekommen hat, ist das Innenleben: das damals zum Einsatz kommende Schweizer Ronda 515 wurde durch das Ronda 715 Quarzwerk ersetzt. Das besondere an dem Werk ist ein sogenannter EOL-Indikator (End of Life), der praktischerweise einen anstehenden Batteriewechsel ankündigt, indem der Sekundenzeiger nicht mehr im Sekundentakt seinen Bahnen zieht, sondern alle paar Sekunden springt.

Davon mal abgesehen: Ein Quarzwerk ist in einer Uhr, die historisch gesehen eine waschechte Einsatzuhr ist, grundsätzlich mehr als nachvollziehbar, denn nüchtern betrachtet gibt es gegenüber mechanischen Kalibern quasi nur Vorteile (Stichwort: Robustheit und Präzision).

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war davon die Rede, dass traser auf ein Ronda 515 setzt. Es handelte sich dabei leider um eine Falschinfo, die ich nun korrigiert habe.

Mehr: Damit der Saft nicht ausgeht: „Longlife“-Batterien für Quarz-Uhren? [Leserbrief] | CHRONONAUTIX Uhren-Blog

Überhaupt nicht überraschend ist natürlich auch, dass das Reissue damals wie heute Tritium-Röhrli an Bord hat (Fun Fact am Rande: Es ist tatsächlich so, dass die trigalights der Neuauflage P65 Tactical Mission nicht geklebt sind und stattdessen in den kleinen Kästchen wie in einem Käfig gehalten sind – genau wie bei der P6500 damals).

Denn: Die mb microtec AG ist bis heute der weltweit führende Hersteller von Tritium-Röhrchen – und stattet nicht nur die eigene Marke traser damit aus. Nahezu alle Uhrenhersteller, die Tritiumröhrchen einsetzen, beziehen diese Komponenten heute von mb-microtec – genau wie damals schon Marathon und Stocker & Yale. Auch viele andere Produkte im militärischen oder zivilen Bereich kommen mit dieser sogenannten GTLS-Technologie. Der Grund ist simpel: Die Produktion dieser Mini-Lichtquellen ist technisch komplex und erfordert spezielles Know-how. Vom sicheren Umgang mit Tritium bis zur hermetischen Versiegelung der Glasröhrchen ist jeder Schritt anspruchsvoll. Kurz gesagt: Diese Technologie lässt sich nicht einfach kopieren.

Wer mehr über diese Technologie erfahren möchte, für den empfehle ich ein Blick in meinen ausführlichen Blog-Artikel und das dazugehörige Video:

Tritium H3-Uhren (trigalight): Funktionsprinzip & Beispiele

Wenig überraschend ist unverändert, dass das die P65 Tactical Mission in der „Basisvariante“ weiterhin auf ein Gehäuse aus mattschwarzem kohlefaserverstärktem Kunststoff und Stahlboden setzt, genau wie von der Mil-Spec gefordert („the case shall be fabricated of acetal plastic material, or of corrosion resistant steel“). Das klingt zunächst wenig spektakulär. Doch aus militärischer Sicht ist es eine logische Wahl, denn glasfaserverstärkte Kunststoffe bieten gleich mehrere Vorteile, denn sie sind antimagnetisch, korrosionsbeständig, sehr leicht und stoßresistent.

Die Polymer-Variante kommt mit alltagstauglichen 10 bar Wasserdichtigkeit (Schwimmen, Schnorcheln) und das charakteristische, „mehrschichtige“ Gehäuse entspricht im Prinzip 1:1 dem Original, insbesondere hinsichtlich des üppigen Durchmessers von 43 mm und mit Blick auf die markante Optik der Lünette mit ihrem Mini-trigalight hinter einem Glasfenster in zentraler Position. Spannend: Die damaligen, historische Navigator Type 6-Uhren kamen nach meinen Recherchen mindestens zeitweise mit einer einseitig drehbaren Lünette – das ist eigentlich ein Merkmal von Taucheruhren, damit der Taucher die (angenommene) verbliebene Tauchzeit nicht verlängern kann. Bei Fliegeruhren – und die Navigator Type 6 ist am Ende des Tages eine Fliegeruhr – ist eigentlich eine bidirektional drehbare Machart üblich, um die Navigation des Piloten zu unterstützen. Gut finde ich in dem Sinne hier eine Abweichung vom Original: Bei der P65 Tactical Mission ist die Lünette tatsächlich bidirektional drehbar.

Die Polymer-Variante der P65 Tactical Mission lag mir für diesen Test nicht vor, weshalb ich an dieser Stelle auf Pressematerial zurückgreife:

Gleichzeitig bin ich auch froh um eine P65-Variante aus Titan, die mir hier für diesen Beitrag „live und in Farbe vorlag“. Denn so gut verarbeitet (verstärkte) Kunststoffgehäuse heutzutage auch sein können: Optisch hochwertiger wirkt Titan allemal.

Mit nur 65 Gramm (am NATO Strap) ist die Titan-Variante der neuen P65 Tactical Mission, trotz ihrer nicht grade kleinen Größe von 43 mm Durchmesser, bemerkenswert leicht, was auf den Tragekomfort einzahlt – kein Wunder, denn Titan kommt auf Dichte von etwa 4,5 g/cm³, während Edelstahl bei knapp 8 g/cm³ liegt. Titan ist also etwa 40 % leichter als Edelstahl bei vergleichbarem Volumen. Es gibt übrigens auch Varianten mit Titan- oder Kautschukband, die mir für den Test aber nicht vorlagen.

Es handelt sich übrigens um Titan Grade 2, ein sogenanntes Alpha-Reintitan. Titan Grade 2 besteht hauptsächlich aus reinem Titan (>99%) mit geringen Mengen von Kohlenstoff, Stickstoff und dergleichen. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Herstellungsprozess leicht variieren. Mit einer Vickers-Härte von rund 200 HV liegt Titan Grade 2 in etwa auf demselben Niveau wie 316L-Edelstahl. Und ja: Das hinsichtlich der Vickers-Härte bessere Titan Grade 5 wäre mir ehrlicherweise lieber gewesen.

Mehr: HART im Nehmen? Typische Materialien bei Uhren und ihre Härte nach Vickers

Vom Durchmesser braucht man sich außerdem nicht abschrecken lassen: Am Arm wirkt die Uhr deutlich kleiner, was zum einen an der recht flachen Bauweise von knapp unter 10 mm liegt. Zum anderen ist das Horn-zu-Horn-Maß mit 45 mm sehr „human“. Durch die präsente Lünette wird das Zifferblatt außerdem recht stark verkleinert, wodurch die Uhr insgesamt kleiner wirkt.

Um den Premium-Charakter der Titan-P65 zu unterstreichen, fällt außerdem die Wasserdichtigkeit mit 20 bar höher aus (zum Tauchen geeignet). Ganz im Geiste der von der damals in der Mil-Spec geforderten antimagnetischen Eigenschaften der P6500 soll außerdem nicht unerwähnt bleiben, dass auch Titan nur extrem schwache magnetische Eigenschaften aufweist. Die P65 Titan ist außerdem durchgängig fein satiniert – so wie es sich für eine Einsatzuhr gehört, um Reflexionen zu minimieren.

Abschließende Gedanken

Dass traser erst 2026 ein weitgehend authentisches Reissue der P6500 Type 6 präsentiert, ist eigentlich mehr als erstaunlich. Über Jahrzehnte hinweg haben zahlreiche Modelle der Marke Elemente der Ur-P6500 zitiert – besonders die charakteristische Lünette und das Zifferblatt. Doch ein echtes Reissue fehlte bislang. Mit der P65 Tactical Mission schließt sich nun der Kreis mit einer Uhr, der man auf jeden Fall eine gewisse historische Bedeutsamkeit attestieren darf und die den Startschuss für die „Hausmarke“ der mb-microtec AG markierte. Richtig gut ist insbesondere auch das Upgrade beim tickenden Innenleben, dem Ronda 715 mit EoL-Indikator. Dennoch: Wer Neo-Vintage gegenüber Vorbehalte hat, hat nun mit der Neuauflage nun gute Alternativen – die Kunststoffvariante als originalgetreue Neuauflage oder die Titanvariante als Premium-„Abstecher“. Die Preise für die P65 Tactical Mission starten bei 455€ (Polymergehäuse mit Textilarmband). Die Uhr gibt’s ab Ende April 2026 direkt bei traser oder vielen Fachhändlern.



Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagram, YouTube oder

Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

DSxOAUB0raA (1)

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei...
1 Kommentar
Neueste Kommentare
Älteste Kommentare Kommentare mit den meisten Votings
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Frank T. aus MZ
22 Tage zurück

Moin Mario!
Schön mal wieder was über traser zu lesen. Als traser-Fan zählt seit ca. drei Jahren auch die Ur-traser „The Original“ zu meiner Sammlung. Ich habe die Uhr aus den 1990ern im NOS-Zustand für irgendwas um EUR 80 geschossen. Die Uhr ist nur 3 bar wasserdicht! Diese Tatsache wird oft verschwiegen. Zudem besitzt sie ein kratzeranfälliges Mineralglas. Für mich eine reine Sammleruhr, keine ernsthafte Einsatzuhr. Nach knapp 30 Jahren leuchtet die Uhr übrigens nahezu nicht mehr.

Mit der P6506 Commander Force besitze ich jedoch auch die Endstufe der Baureihe mit Titangehäuse, Saphirglas, 20 bar wd und RONDA 715. Bis auf den schwarzen Polymer-Drehring entspricht diese der Neuauflage. Wobei es die „Neuauflage“ mit Titanlünette auch bereits als P6506 Commander 100 Force gab. Mir gefällt der schwarze Drehring besser, da er die recht zierlich wirkende Uhr optisch vergrößert.

Im Gegensatz zur „The Original“ halte ich die P6506 Commander 100 Force und damit auch ihre Neuauflage für eine sehr gute Einsatzuhr, insbesondere durch ihre sehr kompakte Bauart, welche die offiziellen 43mm Durchmesser nicht vermuten lassen. Die Uhr wirkt am Arm deutlich kleiner, besitzt einen kleinen L2L-Abstand und ist ultraflach. Man spürt die Uhr nahezu nicht. Diese Uhr gehört für mich unbedingt an ein Natoband. Ich trage sie an einem praktischen Nato-Kautschukband von BONETTO CINTURINI.

Das einzige, geringfügige Manko sehe ich in dem leicht überstehenden facettierten Saphirglas, was optisch jedoch sehr reizvoll ist. Um die Wasserdichtigkeit von 20 bar zu erreichen, musste traser das Deckglas dicker gestalten. Da das Gehäuse jedoch zu wenig Futter besitzt, musste man das plane Glas leicht facettiert montieren. Da die Uhr ultraflach ist, denke ich nicht, dass dies zu Problemen hinsichtlich Anschlagen mit Splittern führt.

Die P65xx passen im Gegensatz zu Panzern wie der P69 (welche ich, mit modifiziertem, nun schwergängigerem Drehring, auch sehr schätze) auch an kleinere Arme ab ca. 16,5 cm HGU.

Sorry, wurde wieder etwas länger 😉.

Beste Grüße aus Määnz,
Frank