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Der 22. September ist eine Erinnerung an die historische hamburgische Zugehörigkeit bzw. den mittelalterlichen Erwerb der Insel Neuwerk – passend zu diesem Datum bringt die Hamburger Marke Sternglas drei Modelle an den Start, benannt nach eben dieser Insel, die die meisten Deutschen vermutlich nicht auf Anhieb auf der Karte finden würden. Und die Insel Neuwerk ist tatsächlich ein ziemlich passender Namenspatron für eine Uhr…

Die Insel, die nach der Uhrzeit lebt

Rund zehn Kilometer nordwestlich vor dem niedersächsischen Cuxhaven, im südöstlichen Teil der Helgoländer Bucht und mitten im Wattenmeer, liegt ein kleines Fleckchen Land, das mit grade mal 3,3 Quadratkilometern kaum größer ist als ein mittelgroßer Stadtpark – und trotzdem seit über 700 Jahren zu Hamburg gehört (ebenso wie die Nachbarinseln Scharhörn und Nigehörn). Neuwerk ist offiziell der kleinste und zugleich entlegenste Stadtteil der Hansestadt, mit eigener Postleitzahl und allem Drum und Dran, aber ohne Auto, ohne Kino, ohne den ganzen Trubel, den man aus der Großstadt kennt. Etwa 20 Menschen leben dauerhaft auf Neuwerk. Erreichbar ist die Insel bis heute nur bei Ebbe – der Weg in Hamburgs nördlichsten Stadtteil führt unter anderem mit Pferden und Kutschen über den Meeresgrund: Rund 100.000 Besucher pro Jahr kommen auf die kleine Nordseeinsel Neuwerk – ein großer Teil davon bei einer Fahrt im traditionellen Wattwagen.

Heißt: Wer nach Neuwerk will, muss sich zwangsläufig nach der Uhr richten. Zweimal am Tag öffnet und schließt die Natur das Tor zur Insel, und wer den Zeitpunkt verpasst, bleibt entweder auf dem Festland oder dort stecken. Die kleine Insel führt also ganz praktisch vor, was Pünktlichkeit bedeutet. Insofern passt der Name ziemlich gut zu einer Uhr. Fun Fact am Rande: am 20. September 2026 hat der Red Bull Wattlauf stattgefunden, der bis zur Insel Neuwerk gehen sollte – der kräftige Westwind der vergangenen Tage hatte allerdings viel Wasser in die Südwestseite der deutschen Bucht gedrückt, sodass der Streckenverlauf angepasst werden musste.

Die Basis: Hamburg Edition Neuwerk 2.0 (299 Euro)

Das Einstiegsmodell der Neuwerk-Serie kommt mit einem Quarzwerk, konkret dem japanischen Miyota GM12 (Batterie: SR621SW) mit dem – wie wir gleich sehen werden – passenden Zusatz „Slim“. Ein Quarzwerk arbeitet mit einem batteriebetriebenen Schwingquarz, der mit hoher Präzision einen Impuls erzeugt und darüber die Zeiger antreibt – genau, wartungsarm und günstiger als die anderen Varianten, zu denen wir gleich noch kommen. Wer eine zuverlässige und robuste Alltagsuhr sucht, die nicht ständig nachgestellt werden muss, bekommt hier genau das. Optisch orientiert sich das Modell offensichtlich stringent an der Sternglas-typischen Designsprache: reduziertes Zifferblatt, klare Indizes und all das gepaart mit ein paar wohldosierten farblichen Akzenten, die auf dem sturmgrauen Blatt schön herausstechen.

Mit 8 mm (gemessen ohne das leicht gewölbte Saphirglas) ist die Quarz-Variante übrigens deutlich flacher als die Automatik-Variante, die wir uns gleich noch näher anschauen. Anders als die Automatik-Variante ist das 42 mm große Gehäuse der Quarz-Variante übrigens rundum poliert. Ich persönlich mag die schön feine Satinierung der Automatik-Variante lieber, aber das ist natürlich auch Geschmackssache. Ein weiterer Unterschied: Das Datumsfenster der Quarz-Variante kommt ohne die schicke metallische Umrandung der Automatikvariante. Die Ziffern im Fenster sind außerdem deutlich kleiner – hier ein direkter Vergleich:

Exkurs: Quarz-Uhrwerke – ein kurzer historischer Abriss

Die Japaner haben beim Thema Quarztechnologie eine Vorreiterrolle eingenommen: Nach rund zehn Jahren gemeinsamer Entwicklung durch Suwa Seikosha (die heutige Seiko Epson) und K. Hattori & Co. (heute Seiko Watch Corp.) im “Projekt 59A” wurde die Seiko Astron 35SQ am 25. Dezember 1969 als allererste kommerziell erhältliche Quarzuhr der Welt lanciert.

Die Quarztechnologie im Allgemeinen und die Astron im Speziellen war damals eine bahnbrechende Innovation, an dessen immensen nachhaltigen Erfolg Seiko keinerlei Zweifel hatte – das zeigt sich beispielsweise in selbstbewussten Werbeanzeigen aus den Anfängen des Quarz-Zeitalters (“Someday all watches will be made this way”).

“Someday all watches will be made this way.”

Ganz unrecht hatten die Japaner ja nicht: Die internationale Nachfrage nach Quarzuhren zog rasant an, schnell sprach man in der Branche von der Quarzrevolution (aus der Sicht der Schweizer war es die Quarzkrise). So war im Jahre 1982 schon jede zweite weltweit produzierte Uhr eine Quarzuhr.

Insbesondere die Schweizer Uhrenindustrie litt massiv unter der verschlafenen Technologie, denn die Quarz-betriebene Seiko Astron hatte (nüchtern betrachtet) in allen technischen Aspekten die Nase vor klassischen mechanischen Uhren, insbesondere in puncto Ganggenauigkeit: Durch die Verwendung eines Quarz-Oszillators als Taktgeber kam man nunmehr auf monatliche Gangwerte, die viele mechanische Kaliber damals grade so pro Tag schafften. Diesen immensen Präzisionsvorteil wusste Seiko innovativ und frisch zu vermarkten.

Heute arbeiten die meisten modernen Quarze mit 32.768 Hz. Diese Hertz-Zahlen beziehen sich auf Schwingungen pro Sekunde – bei mechanischen Uhren sind das die Schwingungen von Unruh und Hemmung, bei Quarzuhren die Schwingung des Quarzkristalls. Bei Quarzuhren erkennt ein integrierter Schaltkreis diese Schwingungen und sendet auf der Grundlage jede Sekunde ein genaues Zeitsignal an den Schrittmotor. Gemäß des Zeitsignals wird der Schrittmotor aktiviert, der eine Reihe von Zahnrädern und die Uhrzeiger bewegt.

Mit diesen theoretischen Wissen im Hinterkopf sollte klar sein, warum Quarzuhren so viel präziser sind als mechanische Uhren – konkret kommt das Miyota GM12 in der hier gezeigten Sternglas auf ±20 Sekunden pro Monat bei drei Jahren Batterielaufzeit.

Mehr: Quarz-Uhrwerke: Ein Plädoyer für mehr Quarzliebe

Der Mittelweg: Hamburg Chrono Neuwerk 2.0 Mecaquarz (379 Euro)

Sternglas bietet von der Neuwerk auch eine 42 mm große Chronographen-Variante, die mit einem sogenannten Meca-Quarz-Werk ausgestattet ist. Meca-Quarz-Werke galten vor vielen Jahren mal als total “hipp”, weshalb viele große Hersteller wie Breitling, IWC, Omega oder Hublot Meca-Quarz-Werke verbaut haben. Heute sind Meca-Quarz-Werke eher Nischenwerke, die aber vor allem als günstigere Alternative zu mechanischen Werken mit Chrongraphen-Komplikation zum Einsatz kommen – Automatikkaliber wie das Sellita SW500 nämlich kosten eine ganze Stange im Einkauf und verteuern die entsprechenden Uhrenmodelle (das Chronographenkaliber Sellita SW500 beispielsweise liegt bei über 400€ bis 500€).

Aber was ist der Gedanke hinter Mecaquarz-Werken? Nun, die Kaliber wie eben das von Sternglas verbaute Seiko Instruments Inc. (SII) VK64, wollen letztendlich das Beste aus der Welt der mechanischen Werke und der Quarzwerke verbinden: Es handelt sich dabei quasi um Hybrid-Werke, die die Standardfunktion einer Uhr per Quarz antreiben (also im Prinzip das Drehen des Minuten- und Stundenzeigers), während die Chronographenfunktionen mit einem mechanischen Modul betrieben werden.

Der Vorteil: Ein Meca-Quarz-Werk vereint die Ganggenauigkeit eines Quarzwerkes (laut SII weniger als +/- 20 Sekunden pro Monat) mit einem schleichenden zentralen Sekundenzähler. Gut ist auch, dass der Chrono-Reset bei einem Mecaquarz-Werk eine sofortige Nullstellung des Sekundenzählers bewirkt (Instant Zero Reset) und nicht wie bei einem reinen Quarz-Werk die kompletten bisherigen Umdrehungen wieder zurücklaufen muss.

Ein netter Nebeneffekt ist auch ein satter, spürbarer Drücker-Klick, wie man ihn sonst nur von deutlich teureren mechanischen Chronographen kennt, kombiniert mit der Ganggenauigkeit eines Quarzwerks. Ein cleverer Kompromiss, den viele Marken aus genau diesem Grund gerne einsetzen, wenn ein „richtiges“ mechanisches Chronographenwerk preislich nicht darstellbar ist.

Bei der Neuwerk-Ausführung stechen die zusätzlichen Hilfszifferblätter im Bicompax-Design ins Auge, die für etwas mehr optische Tiefe sorgen, ohne dabei überladen zu wirken. In Verbindung mit den zusätzlichen roten Akzenten am Start-Drücker und dem 60-Minuten-Zähler ergibt sich eine deutlich sportlichere Optik.

Kurzum: Letztendlich ist eine Uhr mit einem Mecaquarz-Werk im Alltag kaum von einem mechanischen Chronographen zu unterscheiden – bei der Sternglas sogar überhaupt nicht, denn das Werk kommt ohne kleine Sekunde und stattdessen mit 60-Minuten-Zähler im Totalisator bzw. Hilfszifferblatt links und 24-Stunden-Anzeige im Totalisator rechts.

Das Gehäuse ist mit knapp unter 10 mm Höhe (auch hier gemessen ohne Saphirglas) merkbar höher als die Quarz-Variante der Neuwerk – ähnlich wie bei der Automatik-Variante (dazu gleich mehr) bedingt durch das Mecaquarz-Werk, das ebenfalls relativ hoch baut. Beim hier gezeigten Chronographen passt eine höhere Bauweise aber durchaus, da die sportliche Optik unterstrichen wird. Das Gehäuse hat richtig Präsenz – auch, dank der Gehäusebeschichtung: Wie üblich setzt Sternglas auch beim Neuwerk Chronographen nicht etwa auf Vollbronze (also eine Legierung aus Kupfer und Zinn), sondern auf ein fein gebürstetes Edelstahlgehäuse, das bronzefarben PVD-beschichtet ist (physikalische Gasphasenabscheidung; englisch: Physical Vapour Deposition, kurz PVD).

Je nach Reaktivgaszusammensetzung entstehen bei PVD-Beschichtungen als Schichten Nitride und Karbide bzw. Mischungen derselben, die neben einer hohen Härte (rund 2000 Härte nach Vickers, kurz HV) eine sehr gute Kratz- und Verschleißfestigkeit bieten – deutlich mehr als das bei Edelstahl der Fall ist (knapp über 200 HV).

Man beachte: Im Gegensatz zu Vollbronze-Gehäusen setzen bronzefarben PVD-beschichtete Gehäuse wie bei der Sternglas Naos keine oder kaum nennenswerte Patina an. Ob man das nun für sich persönlich als Vor- oder Nachteil betrachtet, ist reine Geschmackssache – bevor man sich aber natürlich eine Vollbronze-Uhr anschafft, die man dann regelmäßig von Patina befreit, um die glänzende Optik zu bewahren, ist eine Bronzefarben-beschichtete Uhr sicherlich die sinnvollere Wahl.

Die Mechanische: Hamburg Automatik Edition Neuwerk (499 Euro)

Das dritte Modell der Reihe setzt auf ein Automatikwerk. Hier gibt es keine Batterie mehr, stattdessen übernimmt ein Rotor im Inneren des Gehäuses die Energieversorgung: Bewegt sich das Handgelenk, dreht sich der Rotor mit, der optisch übrigens ein richtiger Leckerbissen ist und (wie bei der Sternglas Hamburg Edition Küste 2.0) in Form eines PVD-beschichteten Steuerrades kommt – das ist auch thematisch natürlich passend zum Neuwerk-Leitthema. Da die Optik von einem Quarz-Werk oder einem Mecaquarz-Werk in der Regel nicht so Besonders ist, kommt bei diesen beiden übrigens kein Glasboden zum Einsatz, sondern ein geschlossener, verschraubter Boden in Verbindung mit einer hübschen, detaillierten Gravur, die das Wahrzeichen der namensgebenden Insel, den Neuwerker Turm, zeigt.

Aber zurück zum Automatikaufzug: Mit dem genannten Mechanismus bringen wir die Energie in das Uhrwerk – die Zugfeder spannt sich auf. Das Federhaus dient dabei als Energiespeicher. Wir haben also die Feder im Federhaus gespannt und die Federhauswelle wird über das Sperrrad sowie der Sperrfeder festgehalten. Die Zugfeder möchte sich aber wieder entspannen und zieht deshalb das Federhausgehäuse hinter sich her. An diesem Gehäuse befindet sich eine Verzahnung, die in das Räderwerk der Uhr eingreift. Damit das Räderwerk beim Aufziehen der Uhr nicht einfach durchdreht, kommt außerdem die sogenannte Hemmung zum Einsatz. Die Hemmung besteht aus einem sogenannten Anker, greift in die Verzahnung des Hemmrades ein und blockiert dessen Drehung. In Verbindung mit dem Schwingsystems wird ein zeitlich geregelter Ablauf des Getriebes geschaffen.

Bei regelmäßigem Tragen der Uhr muss man sich natürlich auch um nichts kümmern – auch nicht bei etwas längeren Pausen: bei dem in der Sternglas Neuwerk Automatik verbauten Miyota 8215 sind’s 42 Stunden Gangautonomie. Bleibt die Uhr irgendwann stehen, muss sie natürlich neu gestellt werden – ein Kompromiss, den Mechanikfreunde aber ohnehin gerne in Kauf nehmen, weil die kleine Choreografie aus Rädchen und Federn im Inneren einfach ihren eigenen Charme hat.

Übrigens: Es ist grundsätzlich egal, wie oft man beim manuellen Aufzug an der Krone dreht. Durch den Federzaum an der Zugfeder rutscht die Feder im Federhaus immer weiter nach, wenn man mehr Umdrehungen als bis zum Vollaufzug macht. Der einzige Grund, warum man nicht den ganzen Tag an seiner Krone drehen sollte, ist, dass sich beim manuellen Aufzug das Automatikgetriebe mit hoher Geschwindigkeit bis zu den Klinkenrädern mitdreht und somit bei ständiger Drehung an der Krone die Zapfen dieser Räder schon belastet werden. Sollte eine Automatikuhr also mal stehengeblieben sein, muss man nicht die Kronenumdrehungen mitzählen

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Automatikkaliber mehr Platz im Gehäuse fordert als ein Quarzwerk – so kommt die Neuwerk Automatik auf knapp über 13mm, während die Quarz bei 8 mm (ohne Saphirglas gemessen) liegt. Der Durchmesser ist mit 42 mm bei allen Varianten identisch (bei kompakten 45 bzw. 46 mm Horn-zu-Horn). Hier im Seitenprofil am Arm sieht man den Unterschied in der Höhe zwischen Quarz und Automatik noch mal ganz gut. Erwähnenswert ist hierbei auch, dass Sternglas die Höhe geschickt mit einem stark zum Boden hin zulaufenden Flanken kaschiert:

Mehr:

Wie funktioniert eigentlich eine mechanische Uhr?

Automatikuhr aufziehen: Technische Hintergründe zum Handaufzug über die Krone

Abschließende Gedanken

Summa summarum bleiben drei technisch klar unterscheidbare Uhren in gewohnt hoher Sternglas-Qualität, die preislich sauber gestaffelt sind und sich nicht gegenseitig kannibalisieren. Hinzu kommt das Neuwerk-Leitthema, das besser passt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Ob bzw. welche der Uhren man am Ende kauft, sollte trotzdem natürlich weniger von der Geschichte und mehr davon abhängen, welches Werk zum eigenen Nutzungsverhalten passt: Quarz für alle, die einfach nur eine zuverlässige Uhr am Arm wollen, Meca-Quarz für alle mit einem Faible für sportlichere Optik und Automatik für alle, die Mechanik so lieben wie ich.

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