Am 9. September 2026 startet wieder die NFL. Für Fans bedeutet das: endlich wieder Touchdowns, Quarterback-Duelle und Tage, an denen man bereut, dass man schon wieder bis tief in die Nacht vor dem Fernseher gehockt hat. Für viele ist American Football aber nach wie vor ein ziemlich amerikanisches Phänomen, bei dem man ohne Regelbuch ungefähr so viel versteht wie die Technik hinter einer Ewigen Kalender-Komplikation. Ich gehöre übrigens zu letzterer Kategorie und konnte mit American Football noch nie besonders viel anfangen.
Trotzdem entlockte es mir ein anerkennendes Nicken als ich die neue Helicoprion Football Edition erstmalig in der Hand hielt. Denn genau zum Start der neuen NFL-Saison 2026 bringt die Stuttgarter Microbrand HEINRICH eine Uhr, bei der American Football nicht bloß als Logo irgendwo auf dem Zifferblatt oder dem Gehäuseboden auftaucht – so wie das ja beispielsweise die Schweizer Größe Breitling tut. Stattdessen landet der Sport buchstäblich auf der Uhr: Das Zifferblatt der neuen Helicoprion Football Edition besteht aus echtem Football-Leder – ja, richtig gelesen. Nicht etwa aus einer Prägung, die nach Football aussieht oder dergleichen, sondern aus dem Material, das tatsächlich beim original NFL-Spielball von Wilson, „The Duke“, zum Einsatz kommt.
Eckdaten Heinrich Helicoprion Football Edition:
- Made in Pforzheim
- Swiss Made Sellita SW200-1 Elaboré oder SW200-2 Power+
- Zifferblatt aus echtem NFL-Football-Leder
- Gebürstetes Edelstahlgehäuse mit polierten Kanten
- 40mm Gehäusedurchmesser
- Kastenförmiges Saphirglas mit beidseitiger Anti-Reflexionsbeschichtung
- Leuchtmasse: Swiss Super-LumiNova BGW9
- Horn-zu-Horn 47,8 mm
- Höhe 12,9mm (gemessen ohne Saphirglas)
- Gewicht (am Stahlband): 154 Gramm
- Lünette: vertikal gebürsteter Edelstahlring mit 12 Schrauben
- Verschraubte Krone
- Beads of Rice-Armband mit gebürsteten und polierten Stahlgliedern, Schließe mit Feinjustierung
- Wasserdichtigkeit 200m (20 ATM)
- Seriennummer auf Gehäuseboden graviert
- Bestellbar ab 9.9.2026, 50+50 Stück, Preis: 1199€ mit SW200-1 oder 1299€ mit SW200-2, direkt über heinrich.watch

Tipp: Die Inhalte dieses Videos gibt’s auch bei uns im YouTube-Kanal:
Wolfgang Heinrich und die Lust am ungewöhnlichen Zifferblatt
Wer HEINRICH Watches seit der Gründung 2020 ein wenig verfolgt hat, weiß, dass der gebürtige Schwabe Wolfgang Heinrich öfters mal nicht unbedingt den bequemsten Weg nimmt, wenn es um Zifferblätter geht. Bei der Helicoprion gab es beispielsweise bereits Varianten mit ungewöhnlichen Materialien wie Karneol, Tigerauge oder grünem Aventurin. Auch die Helicoprion „Buzzsaw“ ist ziemlich speziell. Gerade die Edelstein-Zifferblätter waren dabei interessant, weil jedes Stück durch die natürlichen Strukturen des Materials seinen eigenen Charakter bekommt.
Die Football Edition geht nun in eine völlig andere Richtung. Edelstein raus, NFL-Sportgerät rein. Das Prinzip bleibt allerdings ähnlich: Das Material soll nicht einfach nur Dekoration sein, sondern einen Teil der Geschichte der Uhr erzählen. Bei einem Stein funktioniert das über Maserungen, Einschlüsse und Farbverläufe.

Aber auch bei einem natürlichen Material wie Leder ist naheliegenderweise die natürliche Struktur des Materials ein wesentlicher optischer Faktor. Kein Zifferblatt gleicht exakt dem anderen. Das Material bringt seine eigene Oberfläche und damit einen individuellen Charakter mit. Das ist einer der Punkte, die ich an solchen Materialexperimenten im Allgemeinen spannend finde. Ein Sonnenschliff oder eine lackierte Oberfläche lässt sich industriell ziemlich genau reproduzieren. Bei echtem Naturmaterial ist dagegen immer ein bisschen Zufall im Spiel.
Das Leder des offiziellen NFL-Balls mit dem Namen „The Duke“ von Wilson besteht übrigens aus 100% Rindsleder (Cowhide). Da natürliches Rindsleder für den American Football viel zu glatt wäre, wird das Leder in der traditionsreichen, 1905 gegründeten Gerberei Horween aus Chicago mit einer schweren, erhitzten Metallwalze bzw. einer Presse bearbeitet. Diese drückt das markante, kieselförmige Muster dauerhaft in das Material (im Englischen „pebble-grain texture“ genannt) . Diese künstliche Struktur maximiert den Grip des Balls und zusammen mit einer speziellen, in das Leder gegerbten Wachsschicht („Tanned in Tack“) sorgt die Prägung dafür, dass Quarterbacks, Receiver & Co. den Ball auch bei Regen fest in den Händen halten können.
Die Idee zum Blatt aus NFL-Ballleder kam Wolfgang übrigens durch seinen Sohn: der nämlich macht gerade einen Austausch an einer Highschool und durfte natürlich auch direkt mit Football loslegen.





Noch ein paar Worte zur Farbe: Die geht beim Zifferblatt und dem Band deutlich ins Rotbraune. Das liegt einfach daran, dass HEINRICH Leder von brandneuen Wilson-Bällen verwendet, die eben so aussehen wie sie aussehen. Der Ball wird in Vorbereitung zu Spielen aber typischerweise mit einer speziellen Football-Bürste (Wilson-Brushing-Methode) gebürstet, um die Oberfläche des Leders etwas zu öffnen und den natürlichen Grip noch zu verstärken. Des Weiteren kommt sogar eine Art Conditioner und Football Mud zum Einsatz, wie man hier im Video gut sehen kann. Durch all diese Schritte verliert der Ball schnell seine fabrikneue Optik und verliert den Rotstich. Idee am Rande: Cool wäre es natürlich, wenn Wolfgang vielleicht irgendwann mal noch eine Edition nachschiebt, die einen tatsächlich verwendeten Matchball verwendet.


Ganz ohne historische Vorbilder kommt die Football Edition von HEINRICH übrigens nicht daher. Leder und Uhren gehören natürlich seit langer Zeit zusammen – meistens allerdings in Form des Armbandes. Leder auf dem Zifferblatt ist da schon wesentlich exotischer. Ein historisches Beispiel ist die Spaceman Audacieuse aus dem Jahr 1974, die von dem Schweizer Designer André Le Marquand entworfen wurde und in einzelnen Varianten echtes Leder als Zifferblattmaterial verwendete. Jahrzehnte später griff Hublot gemeinsam mit dem Pariser Modelabel Berluti die Idee erneut auf und präsentierte 2016 eine Classic Fusion mit patiniertem Venezia-Leder auf Zifferblatt und Armband.

Und wenn ich mir die Bilder der Hublot beispielsweise hier so anschaue, möchte ich ganz klar sagen – da finde ich die Leder-Zifferblatt-Umsetzung bei der HEINRICH schon wesentlich hochwertiger in der Anmutung, vor allem dank der applizierten Indexe und dem plastisch-metallischen Bildlogo (ein Löwe in einer Krone in Anlehnung an das baden-württembergische Wappen), das im Inneren farblich perfekt abgestimmt mit Lack ausgegossen wurde.
Bei aller Football-Idee bleibt die Basis eine Konstante: das Modell HEINRICH Helicoprion bleibt unverändert – zumindest äußerlich (dazu gleich mehr). Das 40,5 Millimeter große Edelstahlgehäuse der Stahl-Sportuhr bleibt mit 10,5 Millimetern Höhe inklusive Glas erfreulich flach. Hinzu kommen 200 Meter Wasserdichtigkeit (zum Tauchen geeignet), eine verschraubte Krone und ein kratzfestes Saphirglas in wunderschöner box-shaped, also zum Rand hochgewölbter, Form.
Der Gehäuseboden der Football Edition wurde neu gestaltet und beinhaltet das Zitat „Never Die Easy“. Der Satz wird mit Walter Payton verbunden und steht sinngemäß für die Haltung, nicht den einfachsten Weg zu nehmen und sich nicht ohne Weiteres geschlagen zu geben.

Auch die markante Lünette bleibt erhalten. Sie ist vertikal gebürstet und wird von zwölf sichtbaren, perfekt ausgerichteten Schrauben geprägt. Das Ganze erinnert unverkennbar an die Designwelt der 1970er-Jahre und damit an jene Ästhetik, die man mit Gérald Genta und Uhren wie der Audemars Piguet Royal Oak verbindet.
Am Handgelenk entsteht in der Summe ein interessanter Kontrast: Das Gehäuse wirkt massiv und technisch, während das Lederzifferblatt Wärme und eine natürlich-organische Anmutung hineinbringt. Stahl trifft Leder – und zwar nicht nur am Armband.


Von Chicago nach Pforzheim
Die Materialgeschichte endet bei der Football Edition übrigens nicht am Zifferblatt. Das echte Horween Football-Leder wird auch für ein zusätzliches Armband bei der HEINRICH Helicroprion Football Edition verwendet. Das Material wird dabei vom bekannten Armbandhersteller Fluco in Deutschland verarbeitet.
Zum Lieferumfang gehören also zwei Armbänder: Neben dem Football-Lederband gibt es das bekannte, feingliedrige Beads-of-Rice-Edelstahlband – das verändert sich die Wirkung der Uhr natürlich deutlich. Gut: Beide Bänder lassen sich über Schnellwechselfederstege ruckzuck entfernen bzw. tauschen. Noch besser: Das BoR-Band hat eine werkzeugfreie Feinjustierung an Bord, die sich pfiffig über das kreisrunde HEINRICH-Bildlogo auslösen lässt, auch, wenn die Uhr am Arm ist. In der Preisklasse der Helicroprion ist das alles andere als eine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in dieser genialen Umsetzung (am ehesten finden wir eine solche Lösung noch eine halbe Preisetage höher bei Titoni).



Technisch spielt die Helicoprion in einem ziemlich bodenständigen Bereich. Die Uhr arbeitet mit einem Schweizer Sellita SW200-1 in der Qualitätsstufe Elaboré. Das Werk wird in vier Lagen reguliert und tickt bei etwa +/- 7 Sekunden pro Tag. So weit so unspektakulär – das Kaliber ist in dieser Preisklasse absolut Gang und Gäbe. Was nicht Gang und Gäbe ist, ist das SW200-2 Power+ – viele Hersteller kommen zum Stand Spätsommer 2026 noch gar nicht in akzeptablen Mengen an das Kaliber, das mit einer aufgebohrten Gangreserve von 65 Stunden punktet. Wolfgang hat es aber irgendwie geschafft und ich muss klar sagen: Wenn ihr die Uhr wollt, nehmt auch das Power+ für 100€ Aufpreis. Mehr dazu: Mehr Saft im Sellita: SW200-2 Power+ vs. SW200-1 – und erste Modelle von Circula
Abschließende Gedanken
Eine Uhr wie diese wäre vor einigen Jahren in Deutschland vermutlich noch deutlich erklärungsbedürftiger gewesen. American Football hatte hier zwar schon lange eine gewisse Fangemeinde, aber die durchaus beachtliche mediale Präsenz der NFL ist vergleichsweise neu. Heute sieht das ein bisschen anders aus: Die NFL ist hierzulande längst kein völliges Nischenprogramm mehr, manch deutsche Spieler schaffen den Karrieresprung über den großen Teich und spätestens beim Super Bowl fiebert selbst so mancher Nicht-Football-Fan plötzlich mit. Der Sport ist also ein Stück weit auch hierzulande angekommen.
Deutsche Spieler wie Marlin Klein, den HEINRICH als Markenbotschafter gewinnen konnte, machen die Verbindung noch greifbarer: Klein wuchs in Köln auf, ging als Teenager in die USA, spielte später für die Michigan Wolverines und gewann mit dem Team 2023 die National Championship. Aktuell spielt er bei den Houston Texans. Das ist schon eine ziemlich beachtliche Karriere.

Der einfachste Weg wäre sicherlich gewesen, ein Football-Motiv auf ein Standard-Zifferblatt zu drucken. Fertig. Stattdessen muss echtes Leder in eine völlig andere Anwendung gebracht werden. Das ist technisch und handwerklich mindestens mal deutlich interessanter – und macht die Uhr letztlich zu weit mehr als einer Fan-Spielerei.
Natürlich stellt sich bei einem Zifferblatt aus echtem Leder die Frage nach der Langzeitbeständigkeit. Das ist allerdings weniger eine Sache, die man nach ein paar Tagen am Handgelenk seriös beurteilen könnte, sondern etwas, das sich erst über Jahre zeigen wird.

Im Alltag sitzt das Material allerdings gut geschützt unter dem Saphirglas: Saphirglas blockiert einen erheblichen Teil der UV-Strahlung, wobei die genaue Transmission vom Glas und insbesondere von Beschichtungen bzw. dessen Materialausführung abhängt. Für einen normalen Uhrenträger würde ich in der Summe aber kein besonderes UV-Risiko für das Zifferblatt konstruieren (Stichwort: Ausbleichen).
Und mit 200 Metern Wasserdichtigkeit, verschraubter Krone und einem entsprechend abgedichteten Gehäuse gibt es auch keinen offensichtlichen Grund, weshalb Feuchtigkeit im normalen Gebrauch an das Leder gelangen sollte (und Feuchtigkeit im Gehäuse ist für so ziemlich jedes Material immer blöd).
Echte Langzeiterkenntnisse zum Leder-Blatt kann man aber natürlich ehrlicherweise nicht herbeizaubern. Und vielleicht ist genau das sogar Teil des Reizes, denn es bringt nicht nur eine charakteristische Struktur mit, sondern es dürfte seine Geschichte auch in Form von (vermutlich überschaubarer) Patina sicherlich ein Stück weit individueller erzählen als ein klassisches Metallblatt – das sollte einem einfach bewusst sein.



Ob man für die Uhr nun unbedingt Football-Fan sein muss? Nun, ich bin es persönlich auch nicht, und ich feiere die Idee trotzdem. Die Optik des Leder-Blattes ist einfach ziemlich genial. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vielen Uhrenfreunden so geht wie mir. Mich persönlich würde als Fußball-Fan aber natürlich eine weitere Edition mit echtem Fußball-Leder eher anfixen – aber es würde mich doch sehr wundern, wenn Wolfgang Heinrich darüber nicht schon mindestens einmal nachgedacht hätte. Auf der anderen Seite hat ein Fußball aber natürlich keine so charakteristische Oberfläche wie der NFL-Ball.
Die erste Produktion der Helicoprion Football Edition umfasst 100 individuell nummerierte Uhren. Die ersten 50 Stück gehen dabei ab Ende Oktober in den Versand. Weitere 50 Stück sind für Anfang 2027 geplant. Die ersten 25 Uhren erhalten zusätzlich eine persönlich von Marlin Klein signierte Sammlerkarte. Der Preis beläuft sich auf 1199 EUR mit SW200-1 (+100€ für das SW200-2).

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