Chrononautix-Jahresrückblick: Resterampe 2019 – meine Flop-Artikel

Greta Thunberg wäre sicherlich stolz: Auch Chrononautix recycelt jetzt – und zwar alte Artikel, die eigentlich keiner mehr haben will! Da soll noch mal einer sagen, dass man als Blogger nicht auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann, oder? 😉

Während meine Top-Artikel im Jahre 2019 mehrere Zehntausend mal gelesen wurden, gibt es – seit Chrononautix vor rund drei Jahren an den Start ging – einige Kandidaten in meinen fast 300 Beiträgen, die irgendwie keiner (mehr) 2019 lesen möchte. Ich habe daher einige olle Kamellen für euch aus den hinterletzten Ecken meines Artikel-Archivs ausgegraben und noch mal (selbst)kritisch rekapituliert.

Ich wünsche allen meinen Lesern einen grandiosen Start ins neue Jahr 2020!

Flop #7: Die E-Strap-Gehversuche

Ich mag Uhren von Sinn – und meine Leser offensichtlich auch: Mein ausführlicher Artikel über die Sinn U1 gehört zu den meistgelesenen Artikeln 2019 auf Chrononautix. Genau umgekehrt ist es mit meinem Artikel über die „Erfindung“ eines dualen Bandsystems im Jahre 2016 durch die Frankfurter Spezialuhrenschmiede, welches das Tragen einer Apple Watch an der Unterseite des Handgelenkes und (gleichzeitig wohlgemerkt) das Tragen einer „normalen“ Uhr an der Oberseite ermöglichen soll. Sinn hat das Band zwar immer noch im Sortiment, so richtig scheint es aber niemand haben, geschweige denn darüber lesen zu wollen ;-). Das wundert mich kaum, denn – wie ich schon damals kritisch angemerkt habe – sieht die Kombination ziemlich Banane aus. Wenn man viel am PC mit Maus und Tastatur arbeitet dürfte die Kombination auch noch sehr unpraktisch sein (außer man schwebt gerne unnatürlich mit dem Arm über der Tastatur, sodass nur die Finger eben diese berühren).

Sinn Duales Bandsystem Doppelarmband Apple Watch
Bild: Sinn

Die Alternative, die ich damals genannt habe, das E-Strap vom Kölner Start-Up Wotch, war übrigens offenbar eine Totgeburt: Seit Ewigkeiten kann man sich zwar für Early Bird-Preise anmelden, passiert ist aber: Nix! Stattdessen haben die Uhrenhersteller Frederique Constant und Alpina (beide Citizen-Gruppe) 2017 Nägel mit Köpfen gemacht und ein E-Strap rausgebracht, welches sich nahtlos in eine Uhrenschließe einfügt und Zusatzfunktionen wie Aktivitätstracking oder Schlaf-Überwachung mitbringt. Da das E-Strap quasi „nur“ Daten über eingebaute Sensoren sammelt und kein Display hat (das funktioniert logischerweise alles über eine App), beträgt die Batterielebensdauer immerhin 7 Tage. Eigentlich ein ziemlich cooles Konzept, welches aber leider ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt war: Auf den Seiten von Alpina und Frederique Constant erwartet den Interessenten, wenn man auf „Buy“ klickt, nur ein „NO PRODUCTS WERE FOUND“. Außer über Restposten bei diversen Händlern ist das E-Strap offenbar nicht mehr käuflich erwerbbar. Schade, aber es scheint, dass solche dualen Systeme keinen Anklang finden – selbst, wenn sie so dezent umgesetzt sind wie von Alpina und Frederique Constant.

Flop #6: Lieblos, liebloser, TAG Heuer Bundesliga-Uhr

TAG Heuer und die DFL – die Bundesliga-Kooperation lief immerhin ein paar Jahre. Fußball-Fans dürfte das TAG Heuer-Logo neben der verbleibenden Spieldauer eines Bundesliga-Spiels nicht entgangen sein (in der aktuellen Saison 2019/2020 ist das allerdings nicht mehr der Fall). TAG Heuer hat zu Beginn der Kooperation mit der DFL (Saison 2015/2016) noch geschwind eine Sonderedition auf Basis des Modells TAG Heuer Formula 1 auf den Markt geworfen, über die ich geschrieben habe.

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Grundsätzlich ist man ja die inflationären Sondereditionen von TAG Heuer gewohnt, aber die Bundesliga-Uhr war wirklich besonders lieblos umgesetzt: Ein Zifferblatt mit Fußball-Muster, Bundesliga-Gravur auf dem Stahlboden und ein Nato-Band in der jeweiligen Vereinsfarbe. Feddisch! Ich meine – was hat sich TAG Heuer denn gedacht wie viel Stadionbier und Stadionwurst ein durchschnittlicher Fußball-Fan konsumieren muss, um im Foodkoma und mit 3 Promille diesen Quarzer für knapp 1000€ kaufen zu wollen? Jedenfalls wundert es mich nicht, dass auch mein Artikel über die TAG Heuer Bundesliga-Uhr kaum gelesen wurde… 😉

Flop #4 und #5: TAG Heuer goes to Space – oder versucht es jedenfalls

TAG Heuer will offenbar sein kosmisches Markenimage etwas aufpolieren und ein Stück von der Moonwatch-Faszination für sich pachten – zumindest versuchen es die Schweizer: Im Sommer 2016 berichtete ich über die TAG Heuer Formula 1 S3 ZeroG Special Edition und eine Kooperation von TAG Heuer mit dem Chinas Mars Exploration Program. Historisch betrachtet ist Heuer kein unbeschriebenes Blatt im Weltraum: Heuer war der erste Schweizer Uhrenhersteller im Weltraum, konkret am Handgelenk von Astronaut John Glenn bei der Friendship 7-Mission im Jahre 1962. Viel mehr kam dann allerdings nicht – Omega war bei der NASA offensichtlich einen Tick beliebter 😉

Von der TAG Heuer’schen Kooperation mit der chinesischen Mars-Mission hat man seitdem nicht mehr wirklich viel gehört, weshalb mein entsprechender Artikel leider kaum Beachtung findet 🙁 Das sei aber verziehen, schließlich startet die Mission erst 2020. Da kommt doch bestimmt noch was, TAG Heuer, oder? ODER? 🙂 Immerhin gab es im Dezember 2019 sogar ein Update von der chinesischen Weltraumbehörde (die mediale Aufmerksamkeit in Fernost ist ziemlich groß): Der erfolgreiche Start der Long March 5-Rakete mit einem Test-Satelliten als Vorbereitung auf die Mars-Mission wurde vermeldet. Ich persönlich hoffe ja nach wie vor auf die „Mars Watch“ von TAG Heuer – aber bitte keine lieblos umgesetzte Limited- bzw. Sonderedition 😉 Guten Flug!

Mein Flop-Artikel Numero 4 betrifft ebenfalls TAG Heuer – kurz vor der Bekanntgabe der Kooperation mit der chinesischen Raumfahrtbehörde habe ich über ein anderes TAG Heuer-Projekt berichtet: Die Kooperation mit dem Swiss Space Systems (S3)-Programm, welches ab Ende 2016 Schwerelosigkeitsflüge in einem Airbus A340-300 in TAG Heuer-Lackierung stattfinden wollte (man beachte die Zeitform in diesem Satz).

Die Ticket-Preise für solch einen Flug starteten ab 2000€. Für ein paar Tausender mehr für Premium- oder VIP-Tickets wurde auch noch eine brandneue TAG Heuer Formula 1 S3 ZeroG Special Edition als Eintrittskarte spendiert. Klingt alles schon ziemlich cool, oder? Nun, laut SRF-Meldung (nur wenige Monate nach Bekanntgabe der Kooperation) war S3 hochverschuldet, wie der TAG Heuer-Airbus bezahlt werden sollte völlig unklar. Selbst Claude Nicollier, technischer Berater von S3 und Freund des Gründers, hielt einen Start der Flüge in 2017 für völlig unrealistisch: „Es ist absolut unmöglich, Flüge bereits im Januar 2017 durchzuführen. Es braucht dazu eine behördliche Bewilligung und das geht Monate, wenn nicht Jahre.“ Seit Anfang 2017 ist S3 insolvent. Da hat TAG Heuer offensichtlich ziemlich daneben gelangt – und ich natürlich auch mit diesem kaum gelesenen Artikel 😉

Flop #3: Pacemasters Paddock Formel 1-Chrongraph

Auch ich kann mich natürlich mal irren: In einer spontanen Aktion habe ich mich 2018 mit dem Russen Eugene in der Nähe des Stuttgarter Flughafens auf dessen Durchreise getroffen, um die brandneuen Prototypen des Pacemasters Paddock Formel 1-Chronographen live begutachten zu können. Ich war damals ziemlich angetan und war überzeugt, dass die Kickstarter-Kampagne ein Erfolg wird. Das Projekt ist allerdings leider sang- und klanglos gescheitert. Mehr noch: Auf der Website von Pacemasters wird schon seit Monaten ein Pre-Order-Preis genannt, aber es passiert – nichts. Die Social Media-Aktivitäten sind ebenfalls tot. Fazit: Ein cooles Konzept, gute Qualität und ambitionierte Köpfe hinter einer neuen Uhrenmarke, die via Kickstarter finanziert werden soll, sind noch lange kein Erfolgsgarant. Trotzdem hat es im Jahre 2019 immerhin 81 Leser auf diesen Artikel verschlagen – wieso auch immer 😉

Flop #2: Neues TAG Heuer Store-Konzept

Mitte 2016 ging ein neues Store-Konzept von TAG Heuer an den Start und wurde zu allererst in „Down Under“ verprobt. Mein Artikel über den funkelnagelneuen Flagship-Store in der Millionenstadt Sydney und das frische architektonische Konzept wurden von satten 12 meiner Leser gelesen (und hoffentlich gewürdigt)! Das sind exakt 0,0014117647058824% aller Chrononautix-Aufrufe im Gesamtjahr 2019! ‬Irre! Vielleicht habe ich mich damals bei der Erstellung des Artikels einfach zu sehr von den Messehostessen auf den Pressebildern blenden lassen? (na, wer klickt aufgrund dieses letzten Satzes in den Artikel? Na? NA? 😉 ).

Und jetzt kommen wir endlich zum Top-Flop des Jahres 2019 (man denke sich an dieser Stelle einen pompösen Trommelwirbel)…

Flop #1: Das Omega-Haus bei den Olympischen Spielen in Rio

Satte 11 (in Worten: Elf!) mal wurde mein kritischer Artikel über das dekadente Schickimicki-Haus von Omega, welches Dreh- und Angelpunkt der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war, gelesen.

Der Knüller: In der Pressemitteilung, die damals in mein Postfach geflattert kam, wurde mir sogar mitgeteilt, was die prominenten Gäste (wie beispielsweise das Supermodel Alessandra Ambrosio oder Schwimmstar Michael Phelps) alles so getrunken und gegessen haben – lecker klang das alles ja schon, aber ganz ehrlich – who the fuc* cares? Und wenn schon solche Infos, dann doch bitte konsequent: Wo bleibt die Strichliste zu den Toilettengängen der Stars?

Omega Haus House Brazil Rio de Janeiro 2016

Ohne die fette Moralkeule herausholen zu wollen kam auch noch ein ganz anderer Aspekt hinzu: Ist solch ein Schickimicki-Markenauftritt wirklich angemessen in einem Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich kaum größer sein könnte? Die Olympischen Spiele 2016 sollten zumindest der Metropole Rio de Janeiro mehr Sauberkeit, Sicherheit und Mobilität bringen. Die Realität in den Favelas nach den Olympischen Spielen: Armut und Widerstand.

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8 Gedanken zu “Chrononautix-Jahresrückblick: Resterampe 2019 – meine Flop-Artikel”