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Kaum eine Taucheruhr sieht so eigenständig aus wie die Squale 2001. Doch ihr ungewöhnliches Design mit Kissengehäuse und versetzter Krone ist nur die halbe Geschichte. Denn hinter ihr steckt eine Verbindung zu Jacques-Yves Cousteau, zur italienischen Marine und eine spannende Taucheruhr aus den späten 1960er Jahren. Anno 2026 gibt’s Nachschub in Form einer neuen Marina Militare Edition – und die schauen wir uns hier einmal genauer an.

Eckdaten Squale 2001 Marina Militare:

  • Gehäuse: 41,5 mm Durchmesser x 13 mm Höhe x 47,2 mm Horn-zu-Horn
  • 316L Edelstahlgehäuse
  • flaches Saphirglas mit AR-Beschichtung
  • bidirektionaler Rahmen, Push-to-Release-System
  • Lünette mit Saphirglas-Einsatz, 60-min-Tauchskala mit leuchtenden Markierungen
  • 600 m Wasserdichtigkeit
  • Krone verschraubt
  • Zifferblatt: Sonnenstrahlenblau
  • Sellita SW 200-1 – Elaboré-Grad – Automatik – 28.800 Vibrationen/Stunde – 38 Stunden Gangreserve, Datum
  • Kautschukband 19/16mm, Dornschließe und zusätzliches Edelstahlarmband im „Ladder“-Stil
  • Limitiert auf 500 einzeln nummerierte Stücke
  • Preis: EUR 1.990, direkt über Squale.ch oder den deutschen Fachhändler Chronofactum.com

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Squale 2001: Die historischen Hintergründe

Die Squale 2001 hatte schon damals einen ziemlich prominenten Fan, namentlich Jacques-Yves Cousteau. Der Tiefseetaucher tauchte in Tiefen ab, die vor ihm noch niemand erforscht hatte. Mit Dokumentarfilmen brachte Cousteau die Tiefsee erstmals in die Wohnzimmer der Zuschauer. „Ich war in einem Dschungel, der noch nie von all denen erblickt worden ist, die sich auf der undurchsichtigen Erdoberfläche bewegen“, verkündete der Herr der Tiefe nach seinem ersten Tauchgang 1936. Bis dahin war die faszinierende Unterwasserwelt kaum über Schnorcheltiefe hinaus erforscht worden. Jacques-Yves Cousteau wagte sich dagegen immer weiter hinab: Ende der 1940er schaffte er den Weltrekord im Freitauchen. Die nötigen Geräte, um immer tiefe zu kommen, entwickelte er einfach selbst: Nach seinen Entwürfen wurde 1946 die „Aqualunge“, das erste Presslufttauchgerät, konstruiert. Später folgten Unterwasser-Scooter und Forschungs-U-Boote.

Cousteau jedenfalls hat damals die Squale 2001 als Geschenk auserkoren – und zwar für Michel Laval, den ersten Offizier der Calypso, zu Beginn der Antarktisexpedition 1972. Rotes Meer, Indischer Ozean, Persischer Golf, Antarktis – die Calypso brachte Jacques-Yves Cousteau überall hin. Fun Fact am Rande: 1950 hatte ihm der irische Bierbrauer Guinness das ausgemusterte Minensuchschiff für eine symbolische Miete von grade mal einem Franc pro Jahr überlassen.

Die Squale 2001 jedenfalls gewann durch die Personalisierung auf dem Gehäuseboden, Cousteaus Initialen (JYC) und der vollständige Name Lavals, eine noch tiefere Bedeutung. Der Hintergrund: Geschenke für wichtige Besatzungsmitglieder waren und sind eine feste Tradition auf Expeditionen und großen Reisen. Historisch betrachtet erhielten Kapitäne und Navigatoren bei erfolgreichem Abschluss oft Ehrensold, Landrechte, oder Wertgegenstände vom Königshaus oder den Auftraggebern. In der modernen Seefahrt und bei heutigen Expeditionskreuzfahrten ist es üblich, Trinkgeld in Umschlägen oder Aufmerksamkeiten wie lokal bezogene Präsente direkt an die Crew oder den Kapitän zu überreichen.

Nach dem Tod Lavals gelangte die Uhr wieder in die Hände von Cousteau, der sie seinem langjährigen Mitarbeiter und Freund André Laban anvertraute. Laban bewahrte die Uhr bis zu seinem Tod im Jahr 2018 auf, wonach sie gemäß seinem Wunsch an einen deutschen Sammler übergeben wurde, der sich für historische Taucheruhren begeisterte.

Squale hat sich mit der Wiederbelebung der 2001 erstaunlich viel Zeit gelassen: Erst anno 2024 im Rahmen des 65-jährigen Firmen-Jubiläums wurde das Modell als limitierte Edition neu aufgelegt – mit originalgetreuem Design und Proportionen des Originals, jedoch mit moderneren Materialien, insbesondere mit Blick auf die Lünette (dazu gleich mehr). 2025 ging es mit einem Serienmodell in drei Farbvarianten weiter.

2026 folgt nun eine Sonderedition, die ursprünglich für Militärangehörige der italienischen Marine gedacht war und nun in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren auf dem freien Markt landet. Die Zusammenarbeit zwischen Squale, geführt von der italienischen Unternehmerfamilie Maggi, und der Marina Militare ist nichts Neues: Schon vor über 40 Jahren war Squale offizieller Lieferant der Marina Militare-Einheiten in La Spezia, und zwar mit verschiedenen Varianten der Squale 50 Atmos.

Zuletzt gab’s 2023 außerdem eine Kooperationsuhr für die Comando interforze per le Operazioni delle Forze Speciali (COFS), konkret die GOS (Gruppo Operativo Subacquei), eine Einheit aus Tauchern der italienischen Marine, die unter anderem auf die Beseitigung von Kampfmitteln auf hoher See und auf Rettungseinsätze spezialisierte ist – Sondereinsatzkräfte, ähnlich der deutschen KSK oder der britischen SAS, die streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit operieren.

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Squale 2001 Marina Militare im Test

Das Zifferblatt der neuen 2001 Marina Militare entspricht im Wesentlichen der funktionalen, schnörkellosen, klassischen Diver-Optik der Squale-Taucheruhr, die beispielsweise schon in den 80er Jahre offiziell an die im Hafen von La Spezia stationierten Einheiten der Marina Militare geliefert wurde (hier einige Originalbilder). Die italienische Marine hatte bei der Entwicklung aber offenbar ein paar eigene Vorstellungen – besonders deutlich wird das bei der Farbe in Verbindung mit dem schicken Sonnenschliff, wobei sich das Blau laut Squale an den Uniformfarben der Marina Militare orientiert. Ob man diese Verbindung nun sofort erkennt oder nicht, sei dahingestellt. Blau ist aber ja so oder so eine beliebte Farbe bei Taucheruhren und im Falle der 2001 Marina Militare wirkt es schön satt-dunkel – genug für einen professionellen Auftritt, es bringt aber gleichzeitig ausreichend Leben ins Spiel.

Besonders ins Auge sticht dabei der orangefarbene Minutenzeiger, der fast schon neonartig leuchtet. Das ist kein Design-Gag, sondern folgt einer alten Taucheruhrenlogik: Unter Wasser ist das Wissen um die verstrichene Zeit naheliegenderweise das A und O, weshalb der Minutenzeiger möglichst schnell erkennbar sein sollte. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Farbe Orange in größeren Tauchtiefen schwindet, da unter Wasser Licht bekanntlich gefiltert wird, d.h. die Wahrnehmung von Farben durch das menschliche Auge verringert sich mit zunehmender Tauchtiefe, da unter Wasser Farben mit großer Wellenlänge schon nach wenigen Metern absorbiert werden.

Mehr: Oranges Zifferblatt bei Taucheruhren: Marketing-Masche oder echter Benefit? [Wissenshäppchen] | CHRONONAUTIX Uhren-Blog

Squale hat wenig überraschend das typische Merkmal, die Kissen-Gehäuseform der historischen 2001, beibehalten. Das Gehäuse wirkt dabei wie ein glatt geschliffener Kieselstein, den man irgendwo an der ligurischen Küste aufgelesen haben könnte. Kanten sucht man weitgehend vergeblich. Alles ist rund, weich und fließend gestaltet. Die Krone ist tief an versetzter Stelle eingelassen.

Interessant wird es bei den Proportionen: Die Marina-Militare-Version kommt mit einem neuen, leicht „aufgepumpten“ Gehäuse, das in dieser Form bei keiner anderen aktuellen Squale 2001 zu finden ist – die 2025 neu eingeführte 2001 in der Basisvariante kommt auf 40 mm Durchmesser und knapp 44 mm Horn-zu-Horn, während die neue Marina Militare 41,5 Millimetern Durchmesser und knapp 47 mm Horn-zu-Horn misst. An meinem Handgelenk mit ca. 18 cm Umfang empfinde ich die neuen Dimensionen der Marina Militare etwas stimmiger, wobei ich dazu sagen will, dass ich tendentiell eher größere Uhren trage. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Squale dem Gehäuse der 2001 Marina Militare außerdem dezent satinierte Flanken spendiert hat, was etwas vom Blingbling im Vergleich zur Standardversion in 40 mm nimmt, die rundum auf Hochglanz poliert ist. Die Flanke wirkt dadurch außerdem etwas schmaler. Die Höhe ist aber verschwindend gering mitgewachsen, auf ziemlich genau 13 mm. Alles in allem finde ich die Proportionen der Marina Militare wirklich perfekt!

In jedem Fall wirkt die 2001 Marina Militare am Arm auch überraschend kompakt. Dazu trägt die charakteristische Krone bei, die auf vier Uhr sitzt. Heute ist das ein markantes Designmerkmal, das damals wie heute gleichzeitig auch praktisch ist: Die Krone drückte weniger in den Handrücken und blieb bei Tauchgängen besser geschützt.

Etwas exotisch ist die Handhabung der Lünette, also der unidirektional drehbare Ring zur Messung von Tauchzeiten: Während die meisten Taucheruhren auf eine klassische Rastung setzen, verwendet Squale hier ein ungewöhnliches System: Zum Verstellen muss die Lünette zunächst heruntergedrückt werden – erst dann lässt sie sich drehen, und zwar ohne spürbares Rasten. Lässt man sie los, „verriegelt“ sie wieder („Push-to-Release“). Das mag zunächst etwas ungewohnt wirken, ist aber mit Blick auf den professionellen Anspruch der Uhr natürlich ein weiteres Sicherheitsmerkmal, damit sich die Lünette nicht ungewollt verstellt. Die Lünette, anders als die historische Bakelit-Version, verfügt ferner nun über einen kratzfesten Saphirglaseinsatz, der für eine schöne, tiefe Optik sorgt und eine tolle optische Abwechslung zu Keramik ist. Oberhalb der Lünette sorgt außerdem eine Art Schutzring dafür, dass das Saphirglas tief eingelassen und somit zusätzlich geschützt ist. Kleines, aber feines Detail, das ebenfalls unter der Überschrift „Safety first“ zu verbuchen ist: Die Kronendichtung ist rot, sodass es ins Auge sticht, wenn die Krone nicht korrekt verschraubt ist und dadurch zum Einfallstor für Wasser werden könnte.

Mit 600 Metern bzw. 60 bar Wasserdichtigkeit bewegt sich die Squale weit jenseits dessen, was die meisten Otto Normal-Uhrenfreunde jemals benötigen werden. Dennoch gehört diese technische Reserve zum Charakter solcher Uhren – wohl kaum jemand kauft einen Geländewagen ausschließlich wegen seiner Bodenfreiheit, und kaum jemand benötigt tatsächlich 600 Meter Wasserdichtigkeit. Aber wo „Marina Militare“ drauf steht, darf auch ruhig etwas mehr dahinter stecken als 20 bar, die man standardmäßig sonst im Diver-Kontext antrifft.

Im Inneren arbeitet das Schweizer Automatikwerk Sellita SW200-1, das in so ziemlich allen Squale-Uhren tickt. Es sorgt selten für Begeisterungsstürme, aber ebenso selten für Probleme. Zum Einsatz kommt dabei, wie man es von Squale gewohnt ist, die höhere Qualitätsstufe Elaboré mit 7 ±7 s/d Ganggenauigkeit und Incabloc-Stoßsicherung. Mit rund 38 Stunden Gangreserve wirkt das Kaliber im Jahr 2026 zwar nicht mehr ganz taufrisch im Vergleich zum SW200-2 mit deutlich erhöhter Gangreserve, dafür gilt es als robust, servicefreundlich und bewährt.

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Abschließende Gedanken

Die 2001 im Allgemeinen punktet vor allem mit ihrer Eigenständigkeit und gleichzeitig Squale-typisch hervorragender Verarbeitung – darin liegt wohl ihre größte Stärke. Die Squale 2001 ist definitiv aus der Kategorie „ein wenig eigenwillig“ und irgendwie „Squale-untypisch“. Wer Freude an einer Uhr mit Geschichte, Persönlichkeit und einer ordentlichen Portion italienischer Eigenwilligkeit hat, sollte sich diese limitierte Variante genauer ansehen.

Die Marina Militare-Variante im Speziellen versucht dabei nicht, ihre militärischen Wurzeln übertrieben zur Schau zu stellen. Zwar findet sich das Wappen der Marina Militare auf dem Gehäuseboden, also ein Schild, das in Viertel geteilt ist, von denen jedes vom Wappen einer bedeutenden Seerepublik (Amalfi, Genua, Pisa und Venedig) besetzt ist. Einen Marina Militare-Schriftzug auf dem Blatt gibt’s obendrauf (bei der Squale Master für die Marina Militare-Spezialeinheit COMSUBIN haben wir übrigens auch das Logo auf dem Blatt vorgefunden). Doch die Uhr bleibt weit entfernt von einer martialischen Inszenierung wie das beispielsweise bei den Panerai Navy Seals-Modellen der Fall ist.

Squale versichert übrigens, dass sich zwischen der an die italienischen Marine ausgegebenen Uhr und dieser Endkunden-Variante nichts geändert hat. Alle Spezifikationen, Maße und Details sind genau gleich. Sogar die Art und Weise wie die Seriennummer der Uhr graviert wird, ist laut Squale genau wie bei der Militärversion.

Bleibt die Frage, ob die Uhr ihren Preis von knapp unter 2.000 Euro rechtfertigt – die Standardvariante der 2001 liegt bei 1770€ am Stahlband, die erwähnte, längst ausverkaufte Squale Master Marina Militare COMSUBIN mit Titan Grad 5-Gehäuse lag anno 2023 bei knapp 1800€. In der Hinsicht sind die knapp 2000€ für die Marina Militare ehrlicherweise schon eher sportlicher Natur, trotz der Tatsache, dass diese neben dem Stahlband im Ladder-Stil „on top“ noch mit einem blauen Kautschukarmband (exklusiv für diese Edition) kommt.

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