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Die Orient Bambino wird von vielen Uhrenfreunden ja als der perfekte Einstieg in die Welt der mechanischen Uhren genannt. Der Konsens: Wer einen erschwinglichen, mechanischen Klassiker sucht, findet kaum eine andere Uhr, die den Einstieg hinsichtlich Preis-Leistung so leicht macht wie die Orient Bambino – zumal, kein Witz, ein Inhouse produziertes Automatik-Kaliber an Bord ist. Doch ist die Orient Bambino auch im Jahre 2026 noch ein heißer Tipp?

Im Laufe der Jahre hat sich die Bambino stetig weiterentwickelt, insbesondere mit der 2022 eingeführten 38 mm-Bambino. Während die klassischen Bambino-Modelle mit ihren knapp über 40 Millimetern Durchmesser zwar nie riesig wirkten, traf die später nachgeschobene kleinere Variante den Nerv vieler Uhrenfreunde. Nun präsentiert Orient die Bambino 38 ohne Datumsanzeige. Und ja, man glaubt es kaum, es handelt sich um wirklich die allererste Bambino ohne Datum überhaupt. Aber auch die klassische Date-Bambino (40,5 mm) wurde 2026 mit neuen Farben aufgefrischt. Schauen wir mal genauer hin. 

Orient Bambino: Premiere der „NoDate“

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die Uhrenfreunde erstaunlich lange beschäftigen – also nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich – zum Beispiel eben ein wenige Millimeter kleines Fensterchen, das den Blick auf die darunterliegende Datumsscheibe ermöglicht. Während die einen darauf keineswegs verzichten möchten, betrachten andere es eher als störend (ich persönlich bin übrigens Team „NoDate“) – und tatsächlich bekleckern sich viele Uhrenhersteller ja auch nicht grade mit Ruhm, wenn es um eine optisch ansprechende, nahtlose Integration des Datums in das Blatt geht (das ist – Spoiler – auch ein kleiner Kritikpunkt an der hier gezeigten Bambino, dazu aber gleich mehr). Nun, so oder so hat die anno 1950 gegründete japanische Traditionsmarke das Thema Date/NoDate scheinbar aufmerksam verfolgt – und zieht bei der Bambino nun die Konsequenz und erweitert die unter Uhrenfreunden überaus beliebte Reihe um entsprechende neue Varianten.

Bei den neuen 38 Millimeter-Modellen der Bambino verschwindet das Datum vollständig – tatsächlich, wie gesagt und man glaubt es kaum, ein Novum bei der Bambino. Das Zifferblattdesign stellt dadurch die Symmetrie her und konzentriert sich ausschließlich auf seine eigentliche Aufgabe: die analoge Anzeige der Zeit. Keine Datumsöffnung, keine zusätzliche Komplikation (auch nicht die für Orient typische Gangreserveanzeige), kein sonstiges visuelles Ablenkungsmanöver. Stattdessen stehen klassische Merkmale im Mittelpunkt: römische Ziffern, die sich mit Stabindizes abwechseln sowie ein stark hochgewölbte Glas, das die Gestaltung unterstreicht, die irgendwo zwischen retro und zeitlos pendelt.

Den Retro-Dresswatch-Charakter unterstreicht Orient mit einem filigran wirkenden Gehäuse mit einer Höhe von sehr schmalen 7 mm (!). Nimmt man noch das sehr stark gewölbte Mineralglas hinzu kommt die Uhr auf eine Höhe von ca. 12,5 mm. Die Abmessungen wirken in der Summe sehr stimmig – die Uhr wirkt sehr filigran am Handgelenk, was insbesondere Herren mit schmaleren Handgelenken freuen dürfte (und manche Dame). Natürlich stolpert man an dieser Stelle über das Mineralglas – im Jahre 2026 kommen eigentlich sogar Einsteigermodelle mit kratzfestem Saphirglas. Allerdings ist ein so stark hochgewölbtes Glas mit Saphir nicht banal hinsichtlich des Produktionsaufwandes – ein unverhältnismäßig starker Preisanstieg wäre wohl die Folge.

Bei den Farbvarianten bleibt Orient bodenständig: Weiß und Elfenbein bzw. Creme (wie hier gezeigt) decken die klassische Fraktion ab, während beispielsweise Grün (mit Türkis-Einschlag) und lila Farbe ins Spiel bringen. Dazu gesellt sich eine graue Variante, die auf 3.300 Exemplare limitiert ist. Je nach Zifferblattfarbe sind die Zeiger blau lackiert oder goldfarben. Die Farben wirken insgesamt angenehm zurückhaltend und vermeiden den Weg vieler aktueller Trenduhren, die mit möglichst spektakulären Zifferblättern um Aufmerksamkeit buhlen. Hier wird nicht geschrien, sondern eher höflich geräuspert.

Eckdaten Orient Bambino RA-BB: 38,4 mm Durchmesser x 12,5 mm Höhe x 44 mm Horn-zu-Horn – Edelstahlgehäuse – gewölbtes Mineralglas – Sichtboden – wasserdicht bis 30 m – Zifferblatt in Weiß, Elfenbein, Grün, Braun oder Grau (limitierte Auflage 3.300 Stück) – abwechselnd römische Ziffern und Stabindizes – zentrale Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger – Manufakturkaliber F6524, Automatikwerk – Handaufzug und Sekundenstopp – ca. 40 Stunden Gangreserve – Ganggenauigkeit +25 / -15 Sek./Tag – 20 mm Lederarmband mit Dornschließe – ab 340 EUR

Überarbeitung der Date-Bambino 2026

Ich persönlich bin ehrlicherweise kein großer Freund von römischen Ziffern. Und auch die knapp über 38 Millimeter der neuen NoDate-Bambino sind für mein 18 cm-Handgelenk einfach gefühlt einen Tick zu klein – daher habe ich persönlich die größere Bambino-Version mit 40,5 Millimetern Durchmesser und ihren neuen Varianten als grundsätzlich spannender empfunden. Dort bleibt auch das Datumsfenster erhalten, wobei das weiße Datum bei der hier gezeigten cremefarbenen Variante ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt – bei den anderen Varianten empfinde ich dies als weniger dramatisch, zumindest mit Blick auf die Pressefotos (Creme und Reinweiß beißen sich halt einfach ein Stück weit). Eine NoDate-Variante in Verbindung mit der 40,5 mm Gehäusegröße gibt es Stand Mitte 2026 übrigens nicht, was ich ehrlich gesagt schade finde, da ich grundsätzlich gerne auf ein Datum verzichte, vor allem, wenn die Datumsscheibe nicht farblich abgestimmt ist – aber nun gut.

Mit den Durchmessern wächst auch das Horn-zu-Horn-Maß passend von 44 auf 46,5 mm mit. Die Höhe (wie gesagt ca. 7 bzw. 12,5 mm) ist bei beiden Varianten quasi identisch, genauso wie die Gehäusebearbeitung, wobei da insbesondere eine gefällige feine Satinierung an den Flanken und die kontrastreiche, völlig verzerrungsfreie Politur an der Oberseite der Hörner und auf der Lünette auffällt – das ist qualitativ für diese Preisklasse schon außergewöhnlich gut.

So schlicht die Date-Bambino auf den ersten Blick wirkt, umso schöner sind aber die Details bei genauerem Hinsehen: Die polierten Indizes sind plastisch-metallisch gehalten, mit einer gefrästen Linie in der Mitte. Die Zeiger in „Dauphine“-Form sind ebenfalls in der Mitte „geknickt“ und ergänzen die Indizes hervorragend. Sogar das Orient-Logo, ein Wappen mit Orient-„O“, das von zwei Löwen flankiert wird, ist nicht einfach nur gedruckt, sondern fügt sich plastisch in das Zifferblatt ein. Toll!

Insgesamt sieben neue Zifferblattfarben mit teilweise dezenten Farbverläufen sind Stand Mitte 2026 im Programm. Besonders die Varianten in Grün, Hellblau und Violett in Verbindung mit einem dezenten Sonnenschliff zeigen, dass selbst eine traditionsbewusste Kollektion gelegentlich Lust auf etwas Experimentierfreude haben darf. Die hier gezeigte Creme-Variante hat übrigens als Ausnahme keinen Sonnenschliff.

Eckdaten Bambino RA-AC: 40,5 mm Durchmesser x 12,3 mm Höhe x 46,5 mm Horn-zu-Horn – Edelstahl – gewölbtes Mineralglas – Sichtboden – wasserdicht bis 30 m – Datumsanzeige bei 3 Uhr – Manufakturkaliber F6724, Automatikwerk – Handaufzug und Sekundenstopp – 22 Steine ​​– ca. 40 Stunden Gangreserve – Ganggenauigkeit +25 / -15 Sek./Tag – 21 mm Lederarmband mit Dornschließe – ab 340 EUR

Die Kaliber: F6724 (Date) und F6524 (NoDate)

Die „NoDate“-38-Millimeter-Modelle erhalten das neue Kaliber F6524, während in den größeren Versionen mit Datum weiterhin das bekannte F6724 arbeitet. Sowohl das F6724 als auch das F6524 lassen keine Komfortfunktionen vermissen (Sekundenstopp, optionaler Handaufzug), die Frequenz beträgt allerdings „nur“ 21600 bph (= 6 Schritte pro Sekunde), wodurch der Sekundenzeiger nicht ganz so schön flüssig schleicht wie bei einem Werk mit 28800 bph (= 8 Schritte pro Sekunde).

Des Weiteren bieten die Kaliber eine offiziell angegebene Ganggenauigkeit zwischen plus 25 und minus 15 Sekunden pro Tag. Das klingt zunächst nach einer ziemlich großen Spanne, entspricht aber durchaus dem üblichen Rahmen vieler mechanischer Uhren dieser Preisklasse. In der Praxis laufen viele Exemplare meiner Erfahrung nach genauer als die Werksangaben vermuten lassen. Meine praktische Messung der Ganggenauigkeit der beiden Test-Uhren ergab einen ordentlichen Wert von +10 bzw. einen „semi-guten“ Wert von +19 Sekunden pro Tag.

Die Gangreserve ist mit 40 Stunden nach heutigen Maßstäben okay – in der Preisklasse der Orient sowieso. Gleichzeitig würde ich mir von Orient perspektivisch eine Entwicklung mit merkbar höherer Gangreserve wünschen – das 2021 eingeführte Kaliber F6N47 beispielsweise geht mit 50 Stunden da auf jeden Fall in die richtige Richtung. Der Blick durch das Sichtfenster ist nicht besonders spektakulär, die Orient-Gravur in Verbindung mit der Rotor-Skelettierung ist aber durchaus ansehnlich (bei beiden Kalibern identisch).

Übrigens: beide Automatikkaliber stammen aus hauseigener Fertigung – etwas, das in dieser Preisklasse bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist und definitiv hervorgehoben werden muss. Eine Uhr mit Inhouse-Kaliber in dieser Preisklasse ist einfach eine absolute Seltenheit. Ein kleines „Aber“ darf aber nicht unerwähnt bleiben: Tatsächlich nutzt Orient als mechanische Basiskonstruktion die vor einigen Jahrzehnten per Lizenz erworbenen Kaliber 7006 und 6600 vom heutigen Mutterhaus Seiko. Orient hat diese Werke stetig weiterentwickelt und beispielsweise um eine Gangreserveanzeige-Komplikation ergänzt (siehe Orient Sport-Modelle). Die Produktion diverser Werkskomponenten erfolgt bei Seiko, vieles wird aber In-House, direkt bei Orient hergestellt. In dem Zusammenhang auch erwähnenswert ist, dass wir auf dem Gehäuseboden auch transparent den Schriftzug „Made in Thailand“ vorfinden – die thailändische Orient-Fabrik wurde vor ein paar Jahren in Betrieb genommen und erstreckt sich über eine Fläche von rund 49.000 Quadratmetern und arbeitet laut Orient nach denselben Qualitätsstandards wie im japanischen Hauptsitz. Die Produktion der Fabrik umfasst alle Schritte, von der Montage der Automatikwerke bis zum letzten Schliff.

Mehr dazu: Orient Stretto: Der nächste Preis-Leistungs-Kracher? | CHRONONAUTIX Uhren-Blog

Eine sinnvolle Neuerung findet sich bei allen Varianten am Lederband. Dieses lässt sich nun werkzeuglos über Schnellwechselfederstege entfernen. Was zunächst wie ein kleines Detail wirkt, dürfte viele Uhrenfreunde freuen, schließlich gehört das Experimentieren mit unterschiedlichen Bändern für viele zum Hobby dazu. Die Bambino am dunkelbraunen Kalbslederband mit Krokoprägung (wie hier gezeigt) wirkt sicherlich völlig anders als dieselbe Uhr am Canvas oder dergleichen.

Abschließende Gedanken

Orient hat erkannt, dass manchmal weniger eben tatsächlich mehr sein kann. Selbst wenn dieses „weniger“ nur aus einem kleinen Fenster auf „drei Uhr“ besteht. Aber egal, ob Date oder NoDate: An den grundsätzlichen Tugenden der Bambino ändert Orient erfreulicherweise nichts. Das Modell bleibt das, was es seit Jahren erfolgreich macht: eine mechanische Einsteiger-Uhr ohne Allüren – quasi Uhr pur. Die Bambino setzt weiterhin auf klassische Proportionen und ein Erscheinungsbild, das nicht übermorgen wieder aus der Mode geraten ist.

Eine Sache fehlt aber dennoch, die ist aber wohl aus der Kategorie „Was nicht ist, kann ja noch werden“: die 40,5mm-Bambino ist Stand Mitte 2026 nicht als NoDate-Variante erhältlich – leider! Warum? Das bleibt wohl das Geheimnis von Orient. Dennoch: Die Bambino ist auch anno 2026 zweifellos ein heißer Tipp, insbesondere auch mit Blick auf die üblichen „Straßenpreise“, die sich bei einigen Händlern bei mittlerweile deutlich unter 300€ eingependelt haben.

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Thomas
35 Minuten zurück

Guten Abend!
Ich mag Deine Webseite!
Ich kann mir zwar nicht erklären, wie man soviel Aufwand in ein für mich nicht relevantes Thema stecken kann, aber gerade das beeindruckt!
Vielen Dank für die Infos und Tests – und v.a. für Deine Mühen!!
Wegen Dir werde ich mir nun eine Orient Classic Bambino zulegen! 🙂
Eine klassisch-schöne Automatik mit Geschichte und einem vertretbaren Preis….
Schönen Abend!