So viel vorweg: Mit der zweiten Generation der Helicoprion bleibt die schwäbische Microbrand HEINRICH sich und dem Sägezahn-Thema treu – wer schon mit Version Eins nicht viel anfangen konnte, wird daher hier wohl eher nicht abgeholt. Wer dagegen die erste Version mochte, aber hier und da leise Zweifel hatte, dürfte sich eher angesprochen fühlen. Die Mk II ist nämlich keine Revolution, sondern eher ein Nachschärfen (wer den Wortwitz findet, darf ihn behalten 😉 ): nichts gänzlich neu erfunden, aber vieles ein bisschen besser gemacht – und zwar genau dort, wo es Sinn ergibt, konkret insbesondere bei der Schließe und der Gehäusehöhe…




Eckdaten Heinrich Helicoprion Mk II:
- Made in Pforzheim
- Gebürstetes Edelstahlgehäuse mit polierten Kanten
- 40,5 mm Gehäusedurchmesser
- Radial gebürstetes Zifferblatt mit Sägezahnmuster
- Kastenförmiges Saphirglas mit beidseitiger Anti-Reflexionsbeschichtung
- Leuchtmasse: Swiss Super-LumiNova BGW9
- Horn-zu-Horn 47,8 mm
- Höhe 10,5 mm
- Lünette: vertikal gebürsteter Edelstahlring mit 12 Schrauben
- Swiss Made Sellita SW200-1 Elaboré (+/- 5 Sek/Tag)
- Verschraubte Krone
- Beads of Rice-Armband mit gebürsteten und polierten Stahlgliedern, Schließe mit Feinjustierung, Band verjüngt sich von 20mm auf 16mm
- Wasserdichtigkeit 200m (20 ATM)
- Seriennummer auf Gehäuseboden graviert
- Vorbestellbar ab 16.04. zum Preis von 1019€, direkt über heinrich.watch



HEINRICH Helicoprion Mk II im Test
Das namensgebende Buzzsaw-Zifferblatt ist der Helicoprion natürlich erhalten geblieben. Zum Glück, muss man sagen. Denn genau dieses ziemlich außergewöhnliche, an eine Kreissäge erinnernde Muster ist natürlich das prägende Merkmal der Helicoprion. Die Idee dahinter ist bekannt, nämlich Inspiration aus der Vintage-Ecke, konkret von Modellen wie der Universal Genève Unisonic oder der Jaeger-LeCoultre Master-Quartz – kombiniert mit einer ordentlichen Portion Eigenständigkeit. Und genau diese Balance funktioniert weiterhin richtig richtig gut. Das Blatt wirkt lebendig, fast ein bisschen unruhig – aber eben auf die gute Art.
Der namensgebende Helicoprion, ein prähistorischer Hai mit seinem spiralförmigen Sägegebiss, das an eine Kreissäge erinnert, liefert nach wie vor die passende Story dazu. Das ist irgendwo zwischen Nerdwissen und Marketing-Gag angesiedelt, funktioniert aber erstaunlich gut – weil es nicht aufgesetzt wirkt.


Wenig überraschend hat Wolfgang auch bei den Farben Feintuning betrieben – und hat in diesem Zusammenhang die Anzahl Varianten auf (vorerst) drei runtergedampft. Während es von der Mk I auch drei Varianten gab, bei denen das Sägezahnmuster durch Ton-in-Ton-wie „Blau auf Blau“ kaum noch zu erkennen war, setzt Wolfgang nun nur noch auf Varianten, bei denen das Muster die Optik durch einen hohen Kontrast zu einem silbrig-neutralen Bereich herstellt – gut so, denn zur Mk I habe ich damals geschrieben, das bei der Helicoprion meiner Meinung nach „wenn schon, denn schon“ gilt, da ich es einfach schade finde, wenn man das coole Muster kaum sieht.



Geblieben sind dabei eine Variante mit anthrazitfarbenen sowie blauen Sägezähnen, wobei das Blau merkbar dunkler ist als bei der Mk I. Gänzlich neu ist die orange Variante, die mein persönlicher Favorit ist. Gut: Die Datumsscheibe ist auf die jeweiligen Zifferblattfarben abgestimmt – auch bei der Variante mit orangem Zentrum und orangem Rehaut, die hier naturgemäß am meisten raussticht. Ein kleines „Easter Egg“ ist auch die Schriftart für den „AUTOMATIK“-Schriftzug im 70er Jahre-Stil, der an die Retro-LED-Streifenschrift erinnert, die damals Geschäfts- und Ladenfronten, Discotheken etc. für Aufmerksamkeit sorgten.


Auch im Detail wurde nachgeschärft: Die Indexe – also die Stundenmarkierungen – sind jetzt abgeschrägt. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass ihre Kanten leicht geneigt sind. Klingt unspektakulär, sorgt aber dafür, dass das Licht anders reflektiert wird. Die Uhr wirkt dadurch hochwertiger, ohne dass man sofort sagen kann, warum eigentlich. Es ist so ein klassischer Fall von „merkt man erst, wenn es fehlt“.


Die mit weißer Super-LumiNova BGW9 gefüllten Zeiger sind unverändert spitz zulaufend bzw. Dauphine-förmig – und damit durch ihre Schnörkellosigkeit ein sinnvoller Gegenpol zum Buzzsaw-Muster.
Spannender als das, was geblieben ist, ist aber ohnehin das, was HEINRICH angefasst hat – und da sticht vor allem das Gehäuse heraus. Die Mk I war mit ihren gut 13 Millimetern Höhe natürlich kein Klopper, aber eben auch kein Flachmann. Die Mk II geht hier einen deutlichen Schritt nach unten – auf 10,5 Millimeter. Das klingt erstmal nach einer Zahl für Datenblätter, ist im Alltag am Handgelenk aber sofort spürbar. Die Uhr sitzt tiefer, schmiegt sich besser an und verschwindet eher mal unter der Hemdmanschette. Man merkt schnell: Weniger Höhe ist hier nicht nur eine kosmetische Korrektur, sondern ein echter Komfortgewinn, auch in Verbindung mit der neuen Schließe (dazu gleich mehr).



Interessant ist dabei, dass HEINRICH gleichzeitig den Durchmesser minimal erhöht hat. Statt 40 sind es jetzt 40,5 Millimeter bei (unverändert) 47,8 mm Horn-zu-Horn. Das ist so wenig, dass es niemand bewusst wahrnimmt – aber offenbar genug, um die Proportionen auszugleichen. Die Mk II wirkt insgesamt auf jeden Fall noch einen Tick stimmiger.
Dem Gehäuse erhalten geblieben ist eine Prise Gérald Genta: Die Designerlegende fand für die Audemars Piguet Royal Oak, die anno 1972 mit charakteristischen Schrauben auf der Lünette kam, die Inspiration bei wuchtigen Bronze-Taucherhelmen – so kam es zur achteckigen Lünette mit sichtbaren Schrauben. Eine Lünette in diesem Stil finden wir unverändert auch bei der Helicoprion – und zwar mit 12 perfekt ausgerichteten Schrauben, eine zu jeder Stunde.


Beim Band im Beads of Rice-Stil (Reiskorn) zeigt sich ein weiteres Upgrade: Die stärkere Verjüngung von 20 auf 16 Millimeter (zuvor 20 mm → 18 mm) sorgt dafür, dass die Uhr am Handgelenk noch etwas graziler wirkt. Gerade im Vergleich zur ersten Version wirkt das deutlich eleganter, fast schon ein bisschen dressiger, ohne die sportliche Note zu verlieren. Ob man das mag, ist Geschmackssache – aber es ist meiner Meinung nach noch etwas stimmiger.
Ein echter Knaller ist die neue Schließe, die nicht nur etwas flacher ausfällt, sondern nunmehr mit einer unscheinbar integrierten Feinverstellung kommt, die sich direkt am Handgelenk bedienen lässt. Heißt konkret: Wenn das Handgelenk im Sommer anschwillt oder im Winter schrumpft, kann man das Band schnell anpassen, ohne Werkzeug und ohne Gefummel. Das ist grundsätzlich kein revolutionäres Feature, aber in der HEINRICH-Umsetzung in der Welt der Microbrands meines Wissens nach komplett neu: Ähnlich wie bei Titoni oder den Luxus-Schwergewichten IWC oder Glashütte Original lässt sich die Feinjustierung über Drücken auf das dezent erhabene HEINRICH-Bildlogo in der Schließenmitte auslösen und das Band somit in vier Positionen feinjustieren. Prädikat: Optisch und funktional genial!

Abschließende Gedanken
Das Design, die Idee, der Charakter der Helicoprion – alles klar wiedererkennbar bei der Mk II. Aber die Summe der Änderungen ist groß genug, dass sich das Gesamtpaket durchaus anders anfühlt.
Der Preis ist leicht gestiegen, von 989 auf 1.019 Euro. Das ist weiterhin in einem Bereich, in dem Microbrands wie HEINRICH interessant bleiben. Insbesondere angesichts der tollen neuen Schließe, der feiner verarbeiteten Stundenindexe und der flacheren Bauhöhe (bei unveränderter Wasserdichtigkeit) wirkt der kleine Aufpreis vertretbar. Auf meinem Wunschzettel für die Helicoprion steht im Prinzip nur noch ein Upgrade auf das frisch Anfang 2026 in Serienproduktion gestartete Schweizer Kaliber Sellita SW200-2 mit merkbar aufgebohrter Gangreserve (65 Stunden) – auch, wenn das einen gewissen Preisaufschlag zur Folge haben würde (Sellita lässt sich das Upgrade natürlich auch bezahlen). Was nicht ist, kann aber ja noch werden.
Trotzdem: Unterm Strich macht die Mk II genau das, was man sich von einer zweiten Generation wünscht. Sie räumt die kleinen Schwächen der ersten Version aus dem Weg, ohne deren Eigenheiten „glattzubügeln“ oder „weichzuspülen“.
Die Helicoprion Mk II ist ab dem 16. April 2026, 19.00 Uhr, bestellbar. Die Lieferung soll ab Ende April bzw. Anfang Mai erfolgen.







Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei Facebook, Instagram, YouTube oder
Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Ich kann meinem Vorredner ganz und gar nicht zustimmen.
Aber Schönheit liegt halt im Auge des Betrachters.
Zur Uhr.
Kann mich an Version I gut erinnern, da das Zifferblatt mal was anderes ist.
Schön, dass man möglicherweise meine Kritik zum Firmenname/ Logo gehört hat und nun diese „reduzierte“ Version aufgelegt hat.
Gefällt mir deutlich besser.👍
Ich muss aber Mario zustimmen, in der neuen Version wäre das Selitta mit der höheren Gangreserve Pflicht gewesen.
Immer noch stört mich aber die zu mächtig wirkende Krone, gerade jetzt, wo das Gehäuse noch flacher ist.
Die Schliesse ist sehr viel besser geworden, nur passt sie aus meiner Sicht immer noch nicht zu einem beads-of-rice Armband.
Ein anderes, eher optisch passenderes Band – ebenfalls im „Genta Style“ – könnte ich mir gut vorstellen, so will es mich einfach optisch nicht als Gesamtpaket überzeugen.
Schade.
Grüsse nach Pforzheim.
Ein Name wie eine Geschlechtskrankheit, und das Design ist fugly. Dass das Teil aus Pforzheim kommt, passt da ins Bild. Und der Kampfpreis hilft auch nicht. Lepov sagt: Nein, danke. Aber sagt danke für die Berichterstattung.