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Wenn gut informierte Uhrenfreunde an Vulcain denken, haben sie wohl sofort die legendäre „President Watch“ im Kopf – die Cricket mit ihrer ikonischen Weckfunktion. Ein echter Exot unter den Komplikationen! Aber: Die Marke aus dem Jahre 1858 hat weit mehr drauf als nur Präsidenten aus dem Schlaf zu klingeln. Ab den 60ern ging es für Vulcain nämlich auch in die Tiefe – mit Modellen wie der Cricket Nautical oder dem Skindiver. Und genau da wird’s spannend: Nach der Neuauflage des klassischen Dreizeiger-Skindivers bekam auch der (größere) Bruder sein Comeback – der Skindiver Chronograph. Und: Im Frühjahr 2026 gibt’s davon eine exklusive Edition für den deutschen Fachhändler Chronofactum – mit einem deutlich moderneren Racing-Look.

Eckdaten:

  • Gehäuse: Vertikal gebürsteter 316L-Edelstahl
  • Beidseitig stufenlos drehbare Lünette mit schwarzem Keramikeinsatz
  • Durchmesser: 39,7 mm
  • Horn-zu-Horn: 44,5 mm
  • Höhe: 13 mm (14,9 mm inkl. Glas)
  • Gewölbtes Saphirglas
  • Wasserdichtigkeit 200 m
  • Edelstahlschließe mit werkzeugfreier Feinjustierung
  • Schweizer ETA 7753 (C088), Stunden, Minuten und Sekunden, Chronograph, 28.800 Schwingungen pro Stunde (4 Hz), Gangreserve: 42 Stunden
  • Preis: ab 2650 Euro (Retro) bzw. 2860€ (1973 Chronofactum-Edition)

Tipp: Bewegte Bilder zur Uhr gibt’s hier:

Vulcain Skindiver Chronograph im Test

Dank Guillaume Laidet, ein echter Vintage-Detektiv und unter anderem auch Chef bei Nivada Grenchen, der ein Auge für seltene, „uhrige“ Schätze hat, kehrte eine fast vergessene Chronographen-Variante des Skindivers aus den 1960ern zurück – ein sportlicher Tauchbegleiter mit damals kompakten 37mm Durchmesser und einem schmalen Drehring, der vor allem für Aktivitäten entwickelt wurde, bei denen der Taucher vor dem Abtauchen einatmet und (im Gegensatz zum Gerätetauchen) für den Tauchgang nur diesen einen Atemzug nutzt. Daher auch der Name „Skin Diver“, vom englischen Begriff für Freitauchen. Und so sieht die historische Vorlage aus:

Mehr zur Geschichte von Vulcain: Vulcain Nautique Skindiver x Chronofactum – zurück in die 60er | CHRONONAUTIX Uhren-Blog

Die Neuauflage des Skindiver Chronographen bleibt dem Original visuell treu, bekommt aber einen moderneren Antrieb spendiert und ein etwas zeitgemäßer dimensioniertes, größeres Gehäuse verpasst. Das Resultat: 39,7mm Durchmesser und 13mm Höhe – das ist immer noch vergleichsweise schlank für einen mechanischen Taucher-Chronographen mit 200 Metern Wasserdichtigkeit und dürfte alle Uhrenfreunde mit schmaleren Handgelenken freuen (dazu auch später mehr).

Das Edelstahlgehäuse in 316L zeigt sich weitgehend schnörkellos-funktional, mit vorrangig gebürsteten Oberflächen und schmalen polierten Fasen. Das Saphirglas ist leicht gewölbt und ragt wie ein Mini-Dom über die Lünette hinaus, die jetzt nicht mehr aus Aluminium, sondern aus schwarzer, hochglänzender, kratzfester Keramik besteht. Die Lünette dreht sich stufenlos-feinfühlig – und zwar bidirektional, was für einen Taucher eher ungewöhnlich ist, aber auch den Retro-Charakter unterstreicht, da die unidirektional-rastenden Lünetten, die ein versehentliches Verlängern der angenommenen Tauchzeit verhindern, erst später Einzug in die Welt der Taucheruhren erhalten haben. Die Lünette bietet ferner zwei Skalen: eine 60-Minuten- und eine 12-Stunden-Skala – geeignet also zum Stoppen oder auch als „GMT-Funktion Light“, wobei man für die kleinen 12-Stunden-Ziffern schon ziemliche Adleraugen haben muss.

Verschiedene limitierte und unlimitierte Varianten des Chronos sind zu haben: Aus der Kategorie „Retro pur“ ist die unten noch mal im Detail zu sehende Vintage-inspirierte schwarze Variante mit silbernen Totalisatoren und warmem „Vintage-Lume“ auf Zeigern und Indexen, also Super-LumiNova in der Farbe „Old Radium“, die die Brauntöne von Uhren mit Radium-Leuchtmasse imitiert.

Charakteristisch sind auch die orangefarbenen Akzent auf dem 30-Minuten-Zähler rechts und der 100er-Skala auf dem äußeren Ring, wobei der Farbton eher „dreckig“ ist und nicht so „knallt“, was wiederum hervorragend zum Gesamterscheinungsbild passt.

Die orange Hunderterskala dient dabei zur Messung der Industriezeit – was hat es damit auf sich? Nun, die Skala soll natürlich nicht nur hübsch aussehen – sie tickt nach Industrie-Logik. Denn hier wird Zeit dezimal gerechnet: Aus 1 Stunde und 15 Minuten wird beispielsweise 1,25 Stunden, und 45 Minuten verwandeln sich in 0,75 Stunden. Klingt ein bisschen nach Matheunterricht, ergibt aber total Sinn – vor allem, wenn’s um die Berechnung von Arbeitszeiten, Löhne oder Produktionskosten geht.

Am äußeren Rand finden wir noch eine klassische Tachymeter-Skala, mit der sich Einheiten pro Stunde (Units per Hour) messen lassen. Eine klassische Anwendung ist die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit, zum Beispiel bei Autorennen.

Neben der hier im Detail gezeigten schwarzen Variante wäre da beispielsweise auch noch die „Panda“-Variante mit silber-weißem Zifferblatt, schwarzen Hilfszifferblättern und strahlend weißer Leuchtmasse. Nachgeschoben hat Vulcain unter anderem auch noch limitierte Varianten wie eine Salmon und eine deutlich moderner anmutende Meteorite.

Vulcain X Chronofactum Skindiver Chronograph 1973 Orange

Ganz neu ist Mitte 2026 außerdem eine weitere moderne Variante des Skindiver Chronographen lanciert worden – und zwar in Zusammenarbeit mit dem offiziellen deutschen Fachhändler Chronofactum. Ins Auge sticht hier natürlich sofort das orangefarbene Zifferblatt mit seinem plastischen Waffel-Muster.

Das erinnert ein bisschen an die Cricket Nautical aus Ende der 60er, die wir unten in der Anzeige sehen.

Bei der neuen Chronofactum-Edition kommen die ersten 15 Minuten der inneren Einteilung auf dem Rehaut mit einer farblich auf das Zifferblatt abgestimmten Markierung. Ein solch farblich abgesetzte Teil bei Taucheruhren (meistens von 0 bis 15 oder 0 bis 20 Minuten) ist ein zusätzliches analoges, visuelles Hilfsmittel für Taucher, um eine grobe Übersicht zu haben, wann es wieder Zeit ist stressfrei aufzutauchen. Nun haben wir beim neuen Vulcain Skindiver Chronographen die orange abgesetzte Markierung aber nicht auf der Lünette, sondern auf dem Rehaut – das ist ziemlich untypisch und nicht mehr in diesem historisch-funktionalen Kontext zu sehen, sondern vor allem eher als designtechnisches Merkmal.

Aufgrund des moderneren Erscheinungsbildes gefällt mir die Chronofactum-Edition übrigens deutlich besser am (löblicherweise vollintegriert erhältlichen) Kautschukband oder am Büffellederband mit oranger Kontrastnaht (letzteres lag mir zum Test leider nicht vor) – das hat dann schon was von einem waschechten Racing-Chrono. Kein Zufall: Die Inspiration laut Chronofactum-Kopf Tom ist der knallig-blutorangefarbene 1973er Porsche Targa – das ist auch der Grund dafür, warum der Stahlboden mit der schön plastischen Gravur eines Tauchers, den wir bei den sonstigen Vulcain Skindiver Chronographen vorfinden, bei der Chronofactum-Edition einer anderen Gravur gewichen ist (lag zum Zeitpunkt dieses Tests allerdings nicht vor).

ETA Valjoux 7753 an Bord

Gemeinsam haben alle Varianten: Im Inneren tickt das bewährte ETA Valjoux 7753, ein zuverlässiges und robustes Automatikkaliber mit zwei Totalisatoren (Minute und Sekunde) – und ohne Datum. Der Chronograph läuft mit 4 Hz und bringt etwa 42 Stunden Gangreserve mit. Hervorzuheben ist die Anordnung der Totalisatoren nach dem symmetrischen Bicompax-Schema, im Gegensatz zum bekannteren Kaliber ETA 7750 mit drei Totalisatoren. Die technische Basis ist aber natürlich dieselbe.

Es ist durchaus bemerkenswert, das Vulcain es hier geschafft hat noch irgendwo ETA-Kaliber zu „finden“, denn Drittmarken sind von der Versorgung mittlerweile ja abgeschnitten und müssen zu Sellita greifen, also in diesem Fall dem Sellita SW510.

Am Arm schmiegt sich der Skindiver Chronograph mit seinen kompakten Maßen und der geschwungenen Bandanstößen angenehm an, ohne dabei zu pummelig zu wirken – dafür sorgt auch die Bauhöhe von 13 mm (ohne das hochgewölbte Glas gemessen), was für einen mechanischen Chrono überdurchschnittlich flach ist. Dennoch wirkt der Chrono durchaus etwas größer am Handgelenk als die knapp 40mm Durchmesser es vermuten lassen, was wohl auf die schmale Lünette und das damit recht großgefächerte Zifferblatt zurückzuführen ist.

Und das Stahlband? Hier gibt’s einen echten Vintage-Kracher: ein in dieser Form wohl einmaliges, flaches Edelstahlband mit Gliedern, die ein wenig an die Stahlplatten einer Ritterrüstung erinnern – insbesondere zur oben gezeigten schwarzen Retro-Variante passt dieses hervorragend (zur Chronofactum-Edition passt wie gesagt das Kautschuk irgendwie besser).

Das Stahlband ist in jedem Fall auch eine eine willkommene optische Abwechslung zum fast ubiquitär eingesetzten Stahlband im Oyster-Stil. Und obwohl des Band historisch betrachtet bei der Cricket zum Einsatz kam (siehe unten), so passt es mit seinem Vintage-Charakter auch wunderbar zur Skindiver.

Auch die Haptik der verschraubten Glieder ist tiptop. Zum Einsatz kommt darüber hinaus eine massive, fein satinierte und am Rande polierte Schließe mit werkzeugfreier Feinjustierung über einen Drücker an der Unterseite, der insbesondere im Sommer wertvoll ist, um dem Handgelenk flexibel Luft zu machen.

Kleine Kritik am Rande: Die Glieder des Stahlbands sind recht groß und dadurch logischerweise weniger „anschmiegsam“ als beispielsweise bei einem feingliedrigen Jubilee-Band. In der Summe empfand ich den Tragekomfort aber dennoch als sehr ordentlich. Ich kann auch so manche kritische Stimme nicht nachvollziehen, bei denen von „scharfen Kanten“ die Rede ist. Wer’s aber „softer“ mag, dem empfehle ich insbesondere das bereits erwähnte vollintegrierte Rubber. Sicherlich etwas anschmiegsamer ist außerdem das optional erhältliche Stahlband im Beads of Rice-Stil.

Abschließende Gedanken

Der Vulcain Skindiver Chronograph ist durch sein doch eher zierlicheres Erscheinungsbild sicherlich kein Hardcore-Tauchinstrument, aber er wurde ja auch ursprünglich nicht als solches konzipiert (siehe historischer Skindiver-Hintergrund). Vielmehr ist er ein vielseitiger Sportbegleiter mit mehr als alltagstauglichen 200 Metern Wasserdichtigkeit, der durch seine Komplikation und die diversen Skalen mehr kann als nur die Zeit zu zeigen. Alles in allem ist das Modell durch seine originalgetreue Umsetzung bei gleichzeitiger Verwendung moderner Materialien (Saphirglas, Keramik) und insbesondere in Verbindung mit dem genialen Stahlband ein wahres Fest für Vintage- bzw. Retro-Freunde.

Kurzum: Der Vulcain Skindiver Chronograph bietet ein absolut rundes Paket und ist eine gelungene begrüßenswerte Erweiterung der Skindiver-Familie. Der Preis ab 2650€ für die Retro-Variante bzw. ab 2860€ für die Chronofactum-Edition ist – auch mit Blick auf den Wettbewerb wie Oris (Divers Sixty-Five), Mido (Ocean Star Diver) oder die Titoni Seascoper in der Chronographen-Variante – in einem wettbewerbsfähigen Rahmen.

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Beeker Michael
2 Stunden zurück

Beide sehr hübsch. Für eine Uhr mit ETA Werk finde ich den Preis eher ambitioniert.