Circula hat mit der Facet 38 anno 2024 ein Modell vorgestellt, das sich in der ziemlich überfüllten Welt der Stahl-Sport-Uhren tatsächlich merkbar abheben konnte. Die Präsenz der Uhr entsteht dabei vor allem durch das Zusammenspiel vielzähliger kleinerer, liebevoller Details. Durch die Art, wie Licht über die Kanten wandert. Durch die mosaikartige Struktur des Zifferblatts. Durch die Geometrie, die aus nahezu jedem Blickwinkel anders wirkt. Gleichzeitig vernahm man aber auch immer wieder Einwände wie: „Schöne Uhr, aber 38 Millimeter sind mir einen Tick zu klein“ (so ging es auch mir). Im August 2026 schiebt der unabhängige und familiengeführte Pforzheimer Hersteller nun mit der Facet 41 eine (merkbar) größere Variante nach. Wir schauen uns an, was sich (neben der Größe) noch geändert hat und wie sich das Ganze auch über die reine Zahl im Modellnamen hinaus qualitativ schlägt – natürlich inklusive direktem Vergleich mit der Facet 38.

Eckdaten Circula Facet 41:
- Made in Germany
- Gestaltet in Zusammenarbeit mit Guy Bove, ehemals Creative Director von TAG Heuer
- Krone Verschraubt (Facet 38: Unverschraubt)
- 41mm Durchmesser, 47,5mm Horn-zu-Horn, 10,4mm Höhe (zum Vergleich: Facet 38: 38mm Durchmesser, 44,5mm Horn-zu-Horn, 9,9mm Höhe)
- 316L Edelstahlgehäuse mit vierfach verschraubtem Saphirglas-Sichtboden
- Flaches und dreifach innen entspiegeltes Saphirglas
- Palladiumbeschichtete Zeiger und Indexe gefüllt mit Swiss Super-LumiNova
- 100 Meter wasserdicht
- Wildlederband mit Schnellwechselsystem oder massives, integriertes Stahlband mit Schnellwechselsystem und optionaler Sicherheitsschließe mit Schnellverstellung
- Schweizer Automatikwerk La Joux-Perret G100, Soigné Ausführung, 68h Gangreserve
- Preis: Ab 1690€, über verschiedene Fachhändler oder direkt über circulawatches.com

Mehr zur Uhr auf YouTube:
Circula Facet 41 im Test
Das grundsätzliche Konzept der Facet bleibt – wenig überraschend – unangetastet: Auch hier ziehen sich die namensgebenden Facetten, also die kantigen Flächen, wie man sie sonst von Edelsteinen kennt, konsequent durch das gesamte Design. Insbesondere das Gehäuse und das Band besteht weiterhin aus einer Vielzahl gerader Flächen, die sich gegenseitig „schneiden“ und von abwechselnd (händisch) satinierten und polierten Bereichen geprägt werden. Solche Geometrien sehen auf Renderings oder Fotos oft einfacher aus als sie in Wirklichkeit sind und man muss auch ergänzend sagen, dass die zahlreichen Übergänge einen durchaus beachtlichen Aufwand bzw. viele Fertigungsschritte erfordern.
Alles in allem ist die Gesamtoptik auch bei der Facet 41 unverändert hochwertig und äußerst abwechslungsreich: Je nach Lichteinfall verändert die Uhr, insbesondere am Stahlband mit seinem kantig-erhöhten Mittelteil, ihren Charakter beinahe permanent. Man erwischt sich dabei, die Facet immer wieder leicht zu drehen, nur um zu sehen, wie sich die Reflexionen verändern. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, macht aber einen wesentlichen Teil des Reizes hochwertiger Gehäusegestaltung aus. Apropos Band: Das kommt weiterhin optional mit einer Schließe mit werkzeugfreier Feinjustierung, über die ich insbesondere mit Blick auf die deutlich zunehmende Anzahl an Hitzetagen gottfroh bin – und diese Schließe passt aufgrund ihrer relativ großen Bauart (Breite des sichtbaren Teils = ca. 38 mm) auch optisch deutlich besser zur größer dimensionierten Facet 41 (Stichwort: „Gleichgewicht“). Dank halber Bandglieder lässt sich das Band außerdem absolut perfekt anpassen.
Neu ist übrigens, dass in das Gehäuse der Facet 41 eine verschraubte Krone Einzug erhalten hat. Klingt erstmal nach einer Petitesse, ist aber durchaus praxisrelevant: Eine verschraubte Krone verhindert, dass diese versehentlich herausgezogen wird – etwa wenn man irgendwo hängenbleibt bzw. unabsichtlich gegen sie stößt. Bei einer Uhr, die als GADA-Uhr („Go Anywhere Do Anything“) positioniert ist, ist das ein durchaus sinnvolles Detail.




Was sich natürlich insbesondere deutlich geändert hat, sind – na klar – die Abmessungen: Statt der ursprünglichen 38 Millimeter Durchmesser bringt es die Facet 41 nun, wie der Name schon unmissverständlich klar macht, auf 41 Millimeter. Auch andere Maße sind „mitgewachsen“ – logisch, denn die meiner Meinung nach perfekten Proportionen der Facet wollte Circula sicherlich wahren. So haben wir nun 47,5 Millimeter von Horn-zu-Horn und eine Bauhöhe von 10,4 Millimetern (gegenüber 44,5mm Horn-zu-Horn und 9,9 mm Höhe bei der Facet 38). Dass hier die Höhe nicht wesentlich größer ausfällt, ist auf jeden Fall ein Pluspunkt – auch die 41er Facet ist ein echter Handgelenkschmeichler mit hohem Tragekomfort.



Uhrenfreunde mit kräftigeren Handgelenken, die schon immer fanden, dass die kompaktere Facet etwas verloren am Handgelenk wirkte, dürften mit der 41er-Version nun also sicherlich deutlich besser bedient sein – ich hatte beim Test zur Facet 38 damals, anno 2024, ja ebenfalls angemerkt, dass die Uhr mir persönlich bei meinem (damaligen) Handgelenkumfang von rund 19 Zentimetern zu klein ist.
Nun habe ich mittlerweile 25 Kilo abgenommen und tatsächlich ist auch mein Handgelenkumfang deutlich geschrumpft (auf unter 18 cm), sodass ich bei allen meinen Uhren mit Stahlband mindestens ein Glied entfernen musste. Und ja, auch die Facet 38 wirkt deswegen nun insgesamt an meinem Handgelenk deutlich stimmiger – dennoch fühle ich mich persönlich mit der Facet 41 noch etwas wohler, was aber sicherlich auch an meinen Tragegewohnheiten liegt. Hier in der Dreier-Bilderreihe oben (von links: Facet 41, Facet 38 und IWC Ingenieur 40) sieht man den Größenvergleich ebenfalls noch mal sehr gut:




Wir kommen zum Blatt – die zusätzlichen Millimeter geben dem Zifferblatt-Design deutlich mehr „Raum zum Atmen“: Unverändert geblieben sind die Palladium-beschichteten, applizierten Indizes und facettierten, diamantgeschnittene Zeiger – gerade bei seitlich einfallendem Licht entsteht durch diese ein schönes Hell-Dunkel-Spiel, das dem Blatt eine tolle Wertigkeit verleiht. Die Facet kam ja ursprünglich mit diesen kleinen, konzentrisch angeordneten Kacheln, die wie ein Mosaik wirkten – ein echter Hingucker, der (wenig verwunderlich) auch bei der Facet 41 wieder mit an Bord ist – allerdings nur bei zwei der vier Varianten (zum Launch Ende August 2026). Gleichzeitig schmeckt diese Kachelung naturgemäß sicherlich nicht jedem Uhrenfreund. Bei der Facet 41 gibt es daher nun zusätzlich zwei neue Blattvarianten in Grau und Blau, die stattdessen auf eine deutlich ruhigere, dezent „körnige“ bzw. sandigartige Struktur setzen. Das ist ein interessanter Bruch mit dem bisherigen Konzept, schließlich war die Mosaik-Optik – neben der Gehäuse-Facettierung – eigentlich das Alleinstellungsmerkmal der Modellreihe. Ob das körnige (und ja, wir können sagen „einfachere“) Zifferblatt zu viel vom Charakter der Facet einbüßen lässt, darüber lässt sich trefflich streiten – ich finde, es steht der Uhr ganz hervorragend und es gibt sicherlich Uhrenfreunde, die die dezentere Machart begrüßen. Ich persönlich bin dennoch eher „Team Mosaikmuster“. Schaden tut die zusätzliche, unauffälligere Option im Programm aber natürlich niemandem. Übrigens Grau und Blau wurden zuvor auch bereits bei der Facet 38 ergänzt – allerdings inklusive Mosaik-Muster.



Das tickende Innenleben bleibt unverändert: Unter der Haube arbeitet nach wie vor das Schweizer La Joux-Perret G100, das imagetechnisch durchaus mehr Exklusivität als Sellita versprüht und ebenfalls als sehr zuverlässig und robust gilt. Das G100 kommt in der Soigné-Variante (Elaboré) und wird so von den Pforzheimer Uhrmachern einreguliert, dass es in der Praxis auf eine sehr ordentliche Ganggenauigkeit von -5 bis +7 Sekunden pro Tag kommt. Die Besonderheit: Der kugelgelagerte Rotor der Facet ist aus Wolfram – Wolfram ist bei gleichem Volumen mehr als doppelt so schwer wie Edelstahl, was auf die Aufzugseffizienz einzahlt (19 g/cm³ vs. ca. 8 g/cm³).
Dazu kommt eine Gangreserve von 68 Stunden – gegenüber rund 40 Stunden beim Sellita SW200-1, das in der Preisklasse der Facet (nach wie vor) weit verbreitet ist. Mich würde es aber nicht wundern, wenn Circula irgendwann auch mal die Facet (38 und 41) auf das neue SW200-2 mit kaum geringerer Gangreserve von 65 Stunden umrüstet – Circula ist hier ja mit Blick auf die Modelle ProTrail und ProFlight ohnehin schon sehr zügig unterwegs was die Adaption der neuen Technik angeht.
Optisch macht das Kaliber ebenfalls gut was daher ohne dabei ein Spektakel zu entfachen: thermisch gebläute Schrauben sorgen für Farbakzente, abgerundet wird die Optik von klassischen Genfer Streifen und einem schick dekorierten Circula-Rotor, der die Mosaik-Optik des Blattes aufgreift.





Abschließende Gedanken
Alles in allem ist die Facet 41 eine logische Erweiterung der Reihe: Circula reagiert mit dem größeren Durchmesser auf Stimmen, denen die ursprüngliche Facet zu klein geraten war, und packt mit der verschraubten Krone gleich noch ein sinnvolles Detail dazu. Wo die 38er eher elegant wirkt, entwickelt die 41 nun etwas mehr Selbstbewusstsein. Gleichzeitig bleibt die aufwändige Verarbeitung und die hochwertige Anmutung unverändert eine der großen Stärken der Facet.
Beim Zifferblatt bin ich persönlich etwas zwiegespalten: die „körnigen“ Blattvarianten in Blau und Grau sind ebenfalls toll umgesetzt, aber eben auch nicht so besonders wie das ursprüngliche Mosaik-Muster. Wer aber natürlich ohnehin auf eher dezentere, klassischere Blätter steht bzw. das Mosaik-Muster vielleicht als zu unruhig empfindet, wird mit den neuen Varianten sicher glücklich(er) – und für alle anderen ist das Mosaik-Muster ja auch bei der Facet 41 erhältlich (allerdings zum Start eben nur in Petrol und Schneeweiß). Am Ende bleibt die Facet damit, was sie schon vorher war: eine spannende Made in Germany-Option im Stahl-Sport-Segment von unter 2000 Euro – nun jetzt eben in zwei Größen und mit etwas mehr Auswahl beim Zifferblatt.
Die neue Facet 41 ist ab dem 27. August 2026 direkt online bei Circula erhältlich. Der Preis startet, unabhängig von der Gehäusegröße, bei 1690 EUR am Velourslederarmband. Das optionale, integrierte und ebenfalls facettierte Stahlband mit Schmetterlingsschließe, das ich jedem wärmstens ans Herz lege, kostet 300 EUR zusätzlich – mit Faltschließe und werkzeugloser Schnellverstellung (wie hier im Artikel gezeigt und ebenfalls meine Empfehlung) sind’s nochmal 50 EUR mehr.


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