• Beitrags-Kategorie:Tests
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare
  • Beitrags-Autor:
  • Lesedauer:8 Min. Lesedauer

Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass eine Uhr natürlich nicht erst dann gut sein kann, wenn das Bankkonto bluten musste. Das Problem: Viele Uhrenhersteller kannten in den vergangenen Jahren nur eine Richtung der Preisspirale und (teilweise saftige) Preiserhöhungen wurden mit gestiegenen Materialkosten, Inflation und dergleichen begründet (wenn es denn überhaupt Begründungen gab). Die Oldenburger von VANDAAG schwimmen hier quasi demonstrativ gegen den Strom: Die neue, Mitte 2026 eingeführte Reev wird von dem norddeutschen Hersteller als erschwingliches, mechanisches Einstiegsmodell positioniert. Das wollen wir uns natürlich genauer anschauen!

Eckdaten VANDAAG Reev:

  • Made in Germany
  • Citizen-Miyota 8215 Automatik (reguliert in sechs Lagen)
  • Durchmesser 39 mm
  • Höhe 11,85 mm
  • Horn-zu-Horn 45 mm
  • Bandanstoß 20 mm
  • Gehäuse aus Edelstahl 316L, dreiteilige Konstruktion, handpoliert und gebürstet
  • Wasserdichtigkeit 20 bar / 200 Meter
  • Lünette Variante 1: 316L Edelstahl, einseitig drehbar, 120 Klicks, DLC beschichtet
  • Lünette Variante 2: 316L Edelstahl, fixiert, Stahlfarben oder Goldplatiert
  • massiver Schrauboden geschlossen, individuelle Seriennummer limitiert auf 999 je Farbe
  • Saphirglas, flach, Antireflexbeschichtung innen
  • Zifferblatt gekörnt oder Sonnenschliff, erhabene Stabindizes veredelt durch LumiNova Leuchtmasse NCW1000
  • Band 316L Edelstahl, massiv, Wechselglieder durch Schrauben fixiert, 20mm auf 18mm verjüngend, massive Faltschließe, Doppeldrücker
  • Alternativ Hybridband (Kautschuk-Segeltuch oder Kautschuk-Lederkombi), 20mm auf 18mm verjüngend, Dornschließe massiv
  • Preis: ab 299€ (Hybridband), direkt über vandaag.de

VANDAAG Reev im Test

VANDAAG ist nicht das, was Uhrenfreunde gemeinhin als Microbrand bezeichnen – also eine One-Man-Show mit einem CAD-Entwurf im Gepäck. Hinter dem plattdeutschen Namen für „heute“ steckt ein Familienunternehmen mit echter Industriewurzel: VANDAAG-Gründer Malte führt den Familienbetrieb im Bereich Private Label-Uhren schon seit über 20 Jahren, also eine Uhren-Firma für Design, Entwicklung, Prototyping, Produktion, Qualitätssicherung und After-Sales. Malte wuchs in diesem Umfeld auf, übernahm die Geschäftsführung des Familienbetriebs und holte Tim mit ins Boot. Die beiden setzten jahrelang Uhren für Marken aus aller Welt um – von der ersten Skizze bis zum fertigen Produkt. Dass sie irgendwann den Schritt zur eigenen Marke wagen würden, war wohl nur eine Frage der Zeit.

2020 mit den Einstandsmodellen Tiefsee und Schallmauer gestartet, steht VANDAAG mittlerweile mit der Reev bereits beim achten Modell. Die Norddeutsche DNA fängt schon beim Modellnamen an: Reev ist plattdeutsch und bedeutet so viel wie „Gerät“ oder „Ausrüstung“. Ich konnte das Modell auf der Uhrphoria bei einem Schnack mit Tim auch erstmalig selbst begutachten und war direkt angetan. Was sofort ins Auge sticht: Das Blatt ist typisch VANDAAG – unaufdringlich, funktional, nordisch-pragmatisch. Ein aufgeräumtes Zifferblatt, das genau das tut, was es soll – die Zeit anzeigen, ganz ohne Ablenkung.

Das heißt aber nicht, dass das Blatt langweilig ist. Ganz im Gegenteil: Bemerkenswert ist, dass die Reev zur Einführung mit satten Elf Blatt-Varianten kommt – das ist überraschend viel und bietet neben klassischen Farbkombinationen (z.B. monochrome Varianten) auch Spielraum für den einen oder anderen designtechnischen „Ausreißer“, wobei hier bei den Varianten Reev Sport mit klassischer, schwarz PVD-beschichteter Diver-Lünette neben der eisblauen Blatt-Variante (Cyan) tatsächlich die Varianten mit kräftig-dunkelgrünem bzw. dunkelblauem Blatt mit lila-Stich herausstechen – einfach aufgrund des genial getroffenen Farbtons in Verbindung mit der kontrastreichen Farbgebung der Indexe und Zeiger (hier in Rot), wobei die Indexe auch noch in direktem Licht ziemlich genial metallisch schimmern. Hinzu kommt eine tolle Struktur, eine Art Körnung, die die plastisch-hochwertige Optik unterstreicht. Fazit: Eins mit Sternchen! Hier zeige ich euch diese Variante, die auch mein absoluter Liebling ist.

Sechs der elf Varianten mit dem Namen Reev Elegant kommen außerdem mit feststehender, unbeschichteter Edelstahl-Lünette und klassischem Sonnenschliff-Blatt. Neben der hier gezeigten lilafarbenen Varianten stechen auch noch zwei der sechs Varianten durch ihre IPG-Beschichtung, also Ionenplattiertes Gold, heraus (Gold-Harmonie und Gold-Eleganz) – Fun Fact am Rande: dat gollen Reev heißt auf Plattdeutsch auch so viel wie „Goldschmuck“ – da passt der Name doch gleich doppelt. Da die Elegant-Subvarianten sicherlich etwas weniger aufwändig in der Produktion sind (Stichwort: drehbare Lünette), sind diese auch etwas günstiger als die Reev Sport – los geht’s bei grade mal 299€ (gleich mehr zur Preisstaffelung).

Wenig überraschend teilen sich alle 11 Varianten dieselbe Gehäusekonstruktion mit einem kompakten Durchmesser von 39 Millimeter, 45 Millimeter Horn-zu-Horn und einer Bauhöhe von knapp unter 12 Millimeter. Das sind Maße, die am Handgelenk angenehm unaufgeregt sind – zum Vergleich: Mein Handgelenkumfang beträgt rund 18 cm. Die Uhr hat – auch wegen der kompakteren Abmessungen – auf jeden Fall „Daily Rocker“-Charakter.

Das massive Stahlband verjüngt sich von 20 auf 18 Millimeter und kommt mit geschraubten, also nicht verstifteten Gliedern – ein lobenswertes Detail, das bei diesem Preisbereich nicht selbstverständlich ist (ich musste schon bei deutlich teureren Uhren den Hammer ansetzen, um irgendwie die Pins rauszukloppen). Das Stahlband ist ferner über Schnellwechselfederstege ruckzuck demontiert, um Platz für ein anderes Band zu machen, zum Beispiel für das VANDAAG-Hybridband, das zum Zeitpunkt dieses Tests aber leider noch nicht vorlag.

Man beachte: Es handelt sich bei den hier gezeigten Uhren um zwei Prototypen. Diese heben sich am Endstück vom Original ab, d.h. der hier gezeigte Prototyp hat ein minimal zu kurzes und flaches Endstück.

Die Schließe kommt leider ohne die tolle werkzeugfreie Feinjustierung aus, die wir beispielsweise bei der VANDAAG Schallmauer Automatik „Zwo Punkt Null“ vorfinden. Man kann die Länge zwar über klassische Bohrungen an der Schließenseite feinjustieren, dennoch muss man dies ehrlicherweise als Minuspunkt verbuchen, da das Rumpopeln in den Bohrungen mit einem Federstegwerkzeug oder einer Büroklammer nur so semi Spaß macht. Unter Berücksichtigung der Preisklasse und der anderen Parameter (Made in Germany, Reglage in sechs Lagen etc.) ist dies aber akzeptabel und nachvollziehbar.

Das Werk, das in der Reev schlägt, ist das Miyota 8215 – und das ist in dieser Preisklasse von rund 300€ meiner Meinung nach absolut kein Grund die Nase zu rümpfen. Das japanische Automatikkaliber hat sich über Jahrzehnte als zuverlässiges Arbeitspferd bewiesen. Kein Prestige, aber ein Werk, das läuft und läuft und läuft. VANDAAG hat sich übrigens dabei bewusst gegen die 9000er-Serie von Miyota entschieden, die nüchtern betrachtet mit ein paar Vorteilen kommt – die Reev wäre dann laut VANDAAG preislich schnell in Richtung Sellita-Territorium gewandert, und dann hätte man sich die Reev als eigenständige Linie auch sparen können. Stattdessen klare Differenzierung: die 8er Serie für den Einstieg, Sellita für die höheren Preissegmente, zum Beispiel für die nach wie vor erhältliche VANDAAG Baas (ab 799€). Das ist konsequent gedacht und nachvollziehbar. Übrigens, da diese Frage recht häufig kommt: das Miyota 8215 hat seit einigen Jahren einen Sekundenstopp verbaut und dieses Upgrade kommt natürlich auch bei der Reev zum Tragen – also die Funktion, den Sekundenzeiger beim Herausziehen der Krone anzuhalten, um die Uhr sekundengenau stellen zu können. Klingt selbstverständlich, war bei Miyota aber lange nicht Standard. Das rote Datum, das sowas wie das Markenzeichen von VANDAAG ist, finden wir bei der Reev übrigens in keiner der Varianten vor – sicherlich ebenfalls aus Preisüberlegungsgründen heraus, denn eine custom Datumsscheibe verursacht natürlich ebenfalls zusätzliche Kosten in der Produktion. Zu einigen der Varianten hätte das rote Datum auch nicht wirklich gepasst, zum Beispiel zur lilafarbenen Reev Elegant. Von daher ist die Entscheidung nachvollziehbar.

Noch viel wichtiger für viele Uhrenfreunde, ist sicherlich die Ganggenauigkeit: VANDAAG verspricht – dank hauseigener Uhrmacher – die Werke in satten sechs Lagen reguliert auszuliefern – also eben nicht einfach Werk rein, Deckel drauf, fertig. Das klingt nach einem Detail, macht in der Praxis aber den Unterschied zwischen „läuft irgendwie“ und „läuft ordentlich“, insbesondere, da das Miyota 8215 ab Werk laut Spezifikation eine Ganggenauigkeit von nicht grade phänomenalen -20 ~ +40 Sekunden pro Tag mitbringt. In der Preisklasse der Reev ist eine solch umfangreiche Feinregulierung auf jeden Fall alles andere als eine Selbstverständlichkeit und ein dicker Pluspunkt. Daumen hoch!

Abschließende Gedanken

Was bleibt? Die Reev ist kein revolutionärer Wurf, sie erfindet das Rad nicht neu – und das ist völlig in Ordnung. Sie ist ein ehrlicher Zeitmesser zu einem ehrlichen Preis, gemacht von erfahrenen Köpfen für Uhrenfreunde, die ein mechanisches Modell wollen, ohne sich dafür in Unkosten zu stürzen. Dass hinter ihr ein Team steht, das weiß, wie gute Uhren gemacht werden, merkt man der Reev sofort an – das Modell sieht deutlich hochwertiger aus, als es der Preis suggeriert (und das sage ich wirklich nicht oft!), wobei ich an dieser Stelle insbesondere noch mal die genialen, überaus hochwertig verarbeiteten Zifferblätter und die Farben hervorheben möchte.

In der Summe ist die Reev meiner Meinung nach der perfekte Einstieg in die Welt der mechanischen Uhren, der den Geldbeutel nicht allzu stark belastet – der Einstiegspreis der Reev liegt bei mehr als fairen 299 Euro, für die Reev Sport sind’s 40€ mehr, jeweils am Hybridband. Die Preise liste ich unten aber auch noch mal für euch auf.

Reev Sport:

Edelstahlvariante auf Hybridband – 339,- €
Edelstahlvariante auf Stahlband – 399,- €
DLC-Variante auf Hybridband – 369,- €
DLC-Variante auf Stahlband (DLC-beschichtet) – 429,- €

Reev Elegant:

Edelstahlvariante auf Hybridband – 299,- €
Edelstahlvariante auf Stahlband – 359,- €
IPG-Variante auf Hybridband – 339,- €
IPG-Variante auf Stahlband (IPG-beschichtet) – 399,- €

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei FacebookInstagram, YouTube oder

Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

DSxOAUB0raA (1)

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei...
0 Kommentare
Neueste Kommentare
Älteste Kommentare Kommentare mit den meisten Votings