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Manchmal reicht ein einziger Begriff auf eBay, Kleinanzeigen oder dergleichen, um gut informierte Sammler mit den Augen rollen zu lassen. „Sicura by Breitling“. Zack – da ist er wieder, dieser hartnäckige Vintage-Mythos, der sich durch das Internet bewegt. Oder, ebenfalls aus der Kategorie „ziemlich Banane“: Die Behauptung, dass Sicura-Uhren von Breitling hergestellt wurden bzw., dass eine Sicura-Uhr im Grunde eine verkappte Breitling-Uhr ist. Zugegeben: Wenn man sich mit Sicura beschäftigt, landet man unweigerlich auch beim Namen Breitling. Dennoch, um es gleich vorweg zu nehmen und mit dem Mythos aufzuräumen: Sicura war nie die günstige Zweitlinie von Breitling. Keine Schwester, keine Tarnidentität, kein „Breitling für schlaue Sparfüchse“. Punkt.

Und trotzdem: Die Geschichte dahinter ist ziemlich spannend, denn statt sich an klassisch-konservativen Uhren abzuarbeiten, baute Sicura genau die Art von Zeitmessern, die heute vermutlich unter „herrlich schräg“ laufen würden – Stichwort: Uhren mit eingebautem Taschenmesser oder Zeitmesser mit speziellen Anzeigen für Raucher als Zielgruppe (mit Fluppen-Counter an Bord).

Ironischerweise sorgte genau der Mann, der Sicura einst zum Erfolg führte, später dafür, dass Sicura praktisch verschwand. Sicura findet aber nun anno 2026 mit der Wiederbelebung der Marke ein neues Kapitel, das wir uns hier näher anschauen wollen.

Eckdaten Sicura Hexa 400:

  • Gehäuse: 316L-Edelstahl, 40 mm Durchmesser (Lünette: 41 mm), Höhe 14 mm, Lug-to-Lug 46 mm
  • Lünette: Keramik, 120 Klicks, einseitig drehbar
  • Innenlünette: Zweite Zeitzone über obere Krone verstellbar
  • Glas: Saphirglas mit Entspiegelung und Anti-Fingerprint-Beschichtung
  • Wasserdichtigkeit: 400 Meter (40 ATM)
  • Werk: Sellita SW200-1 Automatik
  • Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum, zweite Zeitzone
  • Gangreserve: ca. 38 Stunden
  • Armband: Edelstahl mit werkzeugloser Feinverstellung
  • Farben: Schwarz, Blau oder Orange
  • Preis: 1.450 Euro

Über Sicura, Schneider und Breitling

Wie gesagt: Wenn man sich mit Sicura beschäftigt, landet man unweigerlich auch bei Breitling. Und das liegt an einem ganz bestimmten Mann, dessen Namen die meisten Uhrenfreunde kennen: Ernest Schneider, seines Zeichens Offizier, Unternehmer, Flugzeugliebhaber und – das wird gleich klar – ein ziemlicher Pragmatiker.

Aber zunächst nochmal zurück: Sicura wurde 1939 in Granges von Johann Gobber gegründet – ein Hersteller von Roskopf-Uhren, preiswerten Modellen also mit einfachen Uhrwerken und Stiftankerhemmung. 1955 trat dann eben ein gewisser Ernest Schneider dem Vorstand des Unternehmens bei – und der sollte in den folgenden Jahren eine Schlüsselrolle spielen. Nach Johann Gobbers Ausscheiden Mitte der 50er übernahm Ernest Schneider die Leitung und wurde 1959 deren Eigentümer.

In den Folgejahren macht er aus der Marke keine Manufaktur für uhrmacherische Feinkost. Ganz im Gegenteil. Sicura bediente den Markt, wonach er verlangte: erschwingliche Uhren, produziert im großen Stil. Laut Broschüren aus den 1970er Jahren produzierte Sicura jährlich etwa 1 Million Uhren. Sie wurden in vier Fabriken in Grenchen, Bonfold, Salvan und Melano von insgesamt rund 500 Arbeitern montiert. Es ist kein Geheimnis, dass Schneider Flugzeuge liebte und mit seinem Privatflugzeug zwischen den Fabriken hin und her düste – genauso wenig wie es kein Geheimnis ist, dass die Uhren, die die Sicura-Fabriken verließen, meist aus messingbeschichtetem Metall mit günstigen Standardwerken bestanden, um Produktionskosten und Endkundenpreise niedrig zu halten.

Besonders verrückte Modelle waren die Sicura Safari mit eingebautem Victorinox-Taschenmesser (kein Scherz) oder die Smoke Watcher mit (und das ist ebenfalls ausdrücklich kein Scherz!) separaten Minutenzähler, den der Raucher nach dem Ausdrücken einer Zigarette aktivieren konnte, um die verstrichene Zeit bis zum erneuten Anzünden überprüfen bzw. ein erneutes Anzünden zu vermeiden, bevor der Zeiger die markierten Bereiche des Zifferblatts passiert hat. Die roten und gelben Segmente kennzeichneten dabei gefährliche Zeiträume, denn offenbar ist das Anzünden einer neuen Zigarette innerhalb von zwei Minuten extrem gefährlich, nach fünf Minuten hingegen wieder unbedenklich… oder so. Ein weiteres irres Feature: ein separater Knopf, der einrastet und die Dezimalskala schrittweise weiterschaltet, um die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten nachzuvollziehen.

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Während sich Schneider mit Sicura auch während der Quarzkrise mehr oder weniger behaupten konnte, geriet Breitling schwer ins Straucheln: Vor dem Verkauf der Marke Breitling als Ganzes entschied sich Breitling insbesondere, die mit der Navitimer verbundenen Vermögenswerte an zwei andere Unternehmen zu veräußern. Sämtliche unfertigen Lagerbestände, Ersatzteile und Designrechte aus der Zeit vor Produktionsbeginn der Navitimer im Jahr 1979 gingen an die Zürcher Uhrenmanufaktur Ollec & Wajs – diese produzierte die Uhren fortan unter dem Markennamen Aviation. Helmut Sinn erwarb alle fertigen Modelle sowie die Rechte an den Designs der Navitimer-Referenzen 806 und 809. Bis heute produziert Sinn diese Uhr unter vollem rechtlichen Schutz als eigene Referenz 903. Willy Breitling verkaufte schließlich den Namen und die Markenrechte von Breitling an Ernest Schneider. So verließ das Erbe von Breitling nach 95 Jahren, im Jahr 1979, den Schoß der Familie und ruhte bis 1982 mit der Gründung der Breitling Montres SA mit Firmensitz in Grenchen.

Kurzum: Schneider sah – ähnlich wie damals bei der Übernahme von Sicura – einfach eine große Geschäftschance und sicherte sich die Markenrechte. Ein Schritt, der damals in der Quarzkrise alles anderes als ein risikofreier „Nobrainer“ war. Das Knowhow aus den Jahren in der Führung von Sicura waren aber sicherlich bei den Überlegungen zur Übernahme von Vorteil.

Entscheidend ist aber – und das soll hier einfach betont werden -, dass Schneider nicht einfach Sicura-Uhren nahm, „Breitling“ aufs Zifferblatt druckte und die Sache für erledigt erklärte. Vielmehr begann ein schrittweiser Markenumbau: Irgendwann kam Herr Schneider dann zu der Einsicht, dass der Breitling-Markenname wertvoller und bekannter war als die Marke Sicura – er entschied sich, die Marke Sicura schrittweise einzustellen und sich ausschließlich auf Breitling zu konzentrieren. Heißt: Sicura verschwand nach und nach aus dem Fokus, während Breitling als stärker positionierte, prestigeträchtigere Marke (wieder)aufgebaut wurde. Ohne Schneider wäre Breitling womöglich heute eine historische Fußnote irgendwo zwischen all den anderen großen Namen, die den Strukturwandel nicht überlebt haben. Das macht Sicura als Firma von Schneider historisch betrachtet rückblickend durchaus bedeutsam, aber nicht zu „Sicura by Breitling“.

Und sowieso finde ich, dass, wer alte Sicura-Uhren heute ausschließlich unter dem Blickwinkel „by Breitling“ betrachtet, der Marke ziemlich Unrecht tut. Sicura war nie die Qualitäts-Elite, positionierte sich aber erfrischend anders. Schneider zeigte sich mit Sicura sehr kreativ und achtete besonders auf Details, die andere nicht taten.

Sein Erfolgsrezept hatte nämlich (neben erschwinglichen Preisen) eine weitere wesentliche Komponente: Design. Denn während manche Schweizer Hersteller damals noch aussahen, als würden sie ihre Designabteilung im Keller verstecken, drehte Sicura merkbar am Lautstärke-Regler: Größere Gehäuse, verspielte Zifferblätter, eigenwillige Skalen, mutige Lünetten.

Das Vorgehen war von Erfolg gekrönt – Beweis gefällig? Im Chronosport-Katalog aus den späten 1960er Jahren tauchen gleich mehrere Sicura-Uhren zwischen einer sorgfältigen Auswahl der besten Sportuhren der damaligen Zeit auf. Sicura-Uhren liegen wie selbstverständlich zusammen mit Modellen wie der Rolex GMT Master oder der Heuer Camaro.

Jetzt, 47 Jahre später, kehrt die Marke zurück – unter dem Dach der niederländischen D Group, die bereits mehrere andere Uhrenmarken betreut…

Sicura Reloaded: Hexa 400 im Test

Etwas überrascht war ich ja schon als ich von den Verantwortlichen kontaktiert wurde, ob ich nicht über die Wiederbelebung von Sicura berichten möchte. Das kam für mich wirklich aus dem nichts. Ich fand den Ansatz aber sofort ziemlich gut: Die neue Hexa 400 orientiert sich grob an den 60er Jahre-Modellen Sicura SuperWaterProof 400 und Sicura Diver Compressor, die Wiederbelebung erfolgt aber nicht stoisch dem Gedanken an eine Retro-Kopie. Heißt: Kein nostalgisches Reissue mit Old Radium-Super-LumiNova. Kein historisches Modell, das penibel ausgemessen wurde und ins Hier und Jetzt verpflanz wurde. Und, obwohl ich Reissues durchaus mag, sage ich auch – Hand aufs Herz: Der Uhrenmarkt hat derzeit keinen Mangel an perfekt kalkulierten Vintage-Neuauflagen. Was ihm gelegentlich fehlt, ist Charakter mit Ecken und Kanten. Sicura hatte davon historisch nie zu wenig, und das ist auch bei der Neuauflage nicht anders.

Technisch ist die Hexa 400 mit der namensgebenden 400 Meter Wasserdichtigkeit, verschraubte Kronen, verschraubter Boden für so ziemlich jedes denkbare Unterwasserabenteuer gewappnet. Interessanter wird es bei der Bedienung, denn eines der auffälligsten Merkmale der historischen Diver 400 durfte bleiben: die beiden Kronen auf der rechten Gehäuseseite. Während die untere ganz klassisch Uhrzeit, Datum und Aufzug übernimmt, steuert die obere einen innenliegenden Drehring. Dieser dient als Skala für eine zweite Zeitzone. Man dreht den inneren Ring einfach entsprechend der Zeitverschiebung (also zum Beispiel New York -6 Stunden) und kann so eine zweite Ortszeit ablesen.

In Kombination mit der ziemlich breiten äußeren Lünette mit Keramikeinlage und klassischer 60 Minuten-Taucheinteilung ergibt sich eine Kombination, die man heute alles andere als häufig findet. Die eine Skala misst klassische Tauch- oder Zeitintervalle, die andere hilft beim Blick auf eine zweite Zeitzone.

Allerdings hat dieses Konzept auch seine Eigenheiten. Zwei drehbare Skalen bedeuten zwangsläufig, dass ein Pedant wie ich beide manchmal sauber bzw. zentral ausrichten will. Das geht natürlich auch bei der Hexa 400, gerade wenn es schnell gehen soll, braucht das etwas Konzentration, denn das Verschrauben der oberen Krone verlangt ein klein wenig Fingerspitzengefühl – drückt man beim Zuschrauben etwas zu kräftig, verstellt sich der Innenring gerne noch einmal minimal nach vorne. Das ist sicher keine Katastrophe und spätestens nach ein paar Tagen hat man den Dreh raus – im wahrsten Sinne des Wortes –, dennoch gehört es zu den kleinen Eigenheiten dieser Uhr, die einen manchmal fuchsig machen.

Beim Zifferblatt verfolgt Sicura einen erfreulich aufgeräumten Ansatz. Wie beim historischen Vorbild wird auch hier die eigentliche Aufgabe einer Taucheruhr in den Mittelpunkt gerückt: gute Ablesbarkeit. Große applizierte Stundenindizes mit üppiger Super-LumiNova, markante Zeiger und die auffällige Zwölf sorgen dafür, dass die Uhrzeit auch auf einen flüchtigen Blick problemlos erfasst werden kann. Ein kleines, aber feines Detail ist die moderne Typographie, die beispielsweise beim „A“ den Querstrich auslässt – konsequenterweise sogar beim ganz kleinen „Swiss Made“-Schriftzug.

Zur Auswahl stehen schwarze, blaue und orangefarbene Zifferblätter. Schwarz und Blau sind dabei naturgemäß klassisch-zurückhaltender, durch den sehr breiten Drehring, bei dem die Hälfte in knalligem Gelb kommt, wirken diese gleichzeitig ziemlich sportlich. Die orange Variante sticht heraus und spaltet naturgemäß die Gemüter. Aber wie ja aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, gibt es auch zur Farbe Orange im Bereich Taucheruhren eine spannende historische Geschichte (Stichwort: Doxa und die angeblich bessere Ablesbarkeit im Dunkeln unter Wasser). Und natürlich passt genau diese Variante richtig gut zur extrovertierten Vergangenheit der Marke. Die historischen Modelle Sicura SuperWaterProof 400 und Sicura Diver Compressor aus den 60ern hatte ja auch den einen oder anderen Farbtupfer. Viele andere Vintage-Modelle von Sicura sowieso.

Mit 40 Millimetern Durchmesser (bzw. 41 sind’s bei der Lünette) und 46 Millimetern Lug-to-Lug bewegt sich die Hexa 400 auf dem Papier in einem Bereich, den viele heute als angenehm tragbar bezeichnen würden. Am Handgelenk wirkt sie allerdings deutlich präsenter, als diese Zahlen vermuten lassen. Das liegt einerseits an den stattlichen 14 Millimetern Höhe, andererseits aber auch an der kantigen Gehäuseform mit ihrem charakteristischen „Mittelknick“, der aus dem Gehäuse eine Art Sechseck bzw. Hexagon macht – okay, etwas Fantasie braucht man schon, aber jetzt sollte natürlich klar sein, wo der Modellname herrührt und das Gehäusedesign ist in jedem Fall erfrischen anders. Weiterhin ist wichtig anzumerken, dass das Gehäuse ohne klassische Hörner auskommt – und ja, das bedeutet auch, dass sich das Stahlband nicht gegen ein Kautschuk oder dergleichen von einem Drittanbieter tauschen lässt.

Das Stahlband hinterlässt zwar einen haptisch überzeugenden Eindruck. Dennoch ist es schade, dass es zum Stahlband Stand September 2026 leider keine Alternative von Sicura gibt, weshalb Freunde des gepflegten Bandwechsels erstmal in die Röhre schauen. Grade mit Blick auf das Gewicht wäre ein Rubber aus FKM oder dergleichen sinnvoll: Mit rund 195 Gramm (mit allen Stahlgliedern) bringt die Hexa 400 ordentlich was auf die Waage. Wer das Gefühl mag, tatsächlich ein massives Stück Stahl am Arm zu tragen, dürfte sich schnell mit der Hexa 400 anfreunden.

Erfreulich ist in dem Zusammenhang die werkzeuglose Feinverstellung der Schließe, wenngleich die Lösung über ein herausfahrendes Teil nicht so richtig sexy und auch nicht mehr ganz State-of-the-Art ist. Dennoch: Gerade im Sommer oder bei längeren Tagen merkt man schnell, wie angenehm sich das Band spontan um ein paar Millimeter erweitern oder enger stellen lässt, ohne gleich nach einem Schraubendreher suchen zu müssen.

Beim Blick auf die Technik gibt es keine Experimente: Im Inneren arbeitet das Sellita SW200-1, eines der etabliertesten Schweizer Automatikwerke überhaupt. Es bietet Stunden, Minuten, Zentralsekunde und Datum sowie rund 38 Stunden Gangreserve. Sicher, spektakulär ist das nicht. Muss es aber auch gar nicht sein mit Blick auf den historischen Charakter von Sicura hätte etwas Exotischeres, Preistreibendes auch einfach nicht gepasst – Stichwort: Preis/Leistung. Dennoch wäre natürlich auch ein SW200-2 mit höherer Gangreserve eine feine Sache gewesen.

Abschließende Gedanken

Mit einem Preis von 1.450 Euro bewegt sich die Hexa 400 in einem hart umkämpften Segment. Konkurrenz im Bereich Swiss Made-Diver gibt es reichlich, und viele etablierte Marken und Microbrands bieten dort ebenfalls solide Taucheruhren an. Genau deshalb musste Sicura etwas Eigenständiges liefern – und das gelingt durchaus. Nicht über spektakuläre Materialien oder technische Rekorde, sondern über Charakter.

Denn die Hexa 400 bringt vor allem eine Eigenschaft mit, die in dieser Preisklasse längst nicht selbstverständlich ist: ein eigenständiges, modernes, frisch wirkendes Design – in Verbindung mit richtig richtig guter Qualität. Genau das ist sicherlich der größte Pluspunkt dieser Neuauflage. Sicura versucht gar nicht erst, eine weitere Retro-Kopie oder „weichgespülten“ Diver im Dunstkreis von Submariner & Co. auf den Markt zu bringen. Stattdessen erinnert die Marke daran, dass Werkzeuguhren früher durchaus eigenwillig sein durften. Für ein Comeback nach 47 Jahren ist das ein bemerkenswert souveräner Einstand – und macht durchaus neugierig darauf, ob Sicura künftig noch mehr Mut findet, wieder etwas von jener sympathischen Verrücktheit auszupacken, für die die Marke einst bekannt war.

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