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Hallo liebe Uhrenfreunde! Ich hoffe es geht euch allen gut! Heute möchte ich am letzten Bericht bzw. Teil 1 zur Revision des Kalibers 2824-2 anschließen und wie versprochen mit dem Federhaus und dem Räderwerk weiter machen.

[Beitrag von Leon Zihang,
Uhrmacher und Kopf hinter ChronoRestore.com]
Leon Zihang Uhrmacher ChronoRestore

Im letzten Bericht haben wir den Aufzugsmechanismus komplett montiert und gefettet. An dieser Stelle drehen wir das Werk im Werkhalter um, sodass es wie in Abbildung 1 im Werkhalter sitzt.

Als nächstes suchen wir uns die nächsten Komponenten für die Baugruppe „Antrieb“ heraus. Diese könnt ihr in Abbildung 2 sehen. Das Großbodenrad gehört eigentlich zum Räderwerk, muss aber in diesem Schritt bereits mit montiert werden, da man es sonst nicht mehr rein bekommt. Dazu aber gleich mehr.

Als erstes nehmen wir uns den Sekundenstopphebel und setzen diesen in die Nähe des Aufzugsmechanismus. Dort ist ein kleiner Butzen, auf dem der Hebel gelagert wird. Das kürzere Ärmchen des Hebels muss dabei in die Nut des Kupplungstriebes eingreifen. Sobald man nun an der Krone zieht, wird das Kupplungstrieb auf der Aufzugwelle verschoben und durch den Eingriff des Sekundenstopphebels in die Nut des Kupplungstriebes wird dieser auf seiner Lagerung verdreht. Die Lagerung des Sekundenstopphebels wird hier nicht gefettet, weil hier keine großartig belastende Kraft wirkt und das Fett an dieser Stelle mehr Probleme macht als dass es helfen könnte. Lediglich die Führung in der Nut des Kupplungstriebes ist gefettet, das haben wir aber bereits bei der Montage des Aufzugs erledigt. Der Sekundenstopphebel ist dadurch direkt mit gefettet. An dieser Stelle muss man aber aufpassen, dass man nicht mehr so oft an der Krone dreht, da der Hebel ohne die Federhausbrücke gerne wieder aus seiner Lagerung hüpft. Wie der Hebel eingesetzt wird, siehst du in Abbildung 3.

Dort siehst du auch schon das eingesetzte Großbodenrad. Dieses kannst du einfach an den Schenkeln der Messingradscheibe oder an dem großen Stahltrieb anfassen und mit dem unteren Zapfen in das darunter befindliche Lager hineinstellen. Fertig.

Anschließend nehmen wir uns das Federhaus zur Brust. Hierzu möchte ich noch etwas für unsere Hobbyuhrmacher anmerken: Lasst die Federhäuser bitte geschlossen. Diese sind mehr oder weniger für die Ewigkeit gebaut. Auch ich öffne das Federhaus nicht immer. Im inneren besteht es aus einer selbstschmierenden Zugfeder und lediglich die Wandung des Federhauses ist mit ein wenig Graphitfett überzogen. Das Federhaus ist fest verschlossen. Wo soll das ganze also hin? Die Federhäuser sind wirklich beständig und wenn ihr diese öffnet, die Feder rausnehmt, das Graphitfett an der Wandung erneuert und die Feder von Hand wieder einfädelt, dann erzeugt man damit mehr Probleme als alles andere. Baut das Federhaus bei der Demontage aus und legt es einfach nur zur Seite. Es soll auch nicht mit den anderen Teilen gereinigt werden. Es soll einfach nur trocken zur Seite gelegt werden. Wenn ihr das Uhrmacher-typische Ruddico besitzt (Abbildung 4: Das ist eigentlich nichts anderes als Knete, mit der man bei der Montage das Uhrwerk abtupfen kann, um Fett von falschen Stellen wieder abzutupfen oder Fusseln zu entfernen), dann könnt ihr dieses mehrmals auf die beiden Lagerzapfen drücken, so lange, bis das alte Öl von den Zapfen entfernt ist. Das ist eine völlig legitime Reinigung und mehr sollte ein Anfänger auch nicht machen. Alles andere macht nur mehr Probleme, als dass es Vorteile bringt. Lediglich zwischen dem Federkern und dem Federhaus kann man dann ein ganz kleines bisschen Öl (Moebius SHP 1300) hineinfließen lassen. Aber wirklich nur ein kleines bisschen.
Der Kapillareffekt zieht das Öl richtig nach unten. Wenn das nicht passiert, dann ist definitiv noch genug Öl dazwischen und so leicht bekommt man das durch Abtupfen mit Ruddico auch nicht heraus gesaugt.

Wir nehmen also das Federhaus und ölen da direkt den unteren Lagerbutzen. Am besten nimmt man das Federhaus dafür mit der Pinzette und gibt mit dem Ölgeber kleine Ölpunkte (Moebius SHP 1300) an den Zapfen – bis es so aussieht wie in Abbildung 5. Da dürfen ruhig mehrere Ölgeber Ladungen ran.

Danach setzen wir das Federhaus wie in Abbildung 6 neben dem Großbodenrad in die Grundplatine ein. Hier sieht man nun auch, warum wir das Großbodenrad direkt mit einsetzen müssen. Das Federhaus sitzt über dem Großbodenrad und wir würden es sonst nicht mehr eingefädelt bekommen.

Als nächstes ölen wir noch den oberen Zapfen des Federhauses. Hier ist darauf zu achten, dass am besten kein Öl an den oberen 4 Kant gelangt, da dieses Öl dann meist über das Sperrrad weggezogen wird. Wenn alles geklappt hat, sollte es wie in Abbildung 7 aussehen. Eine kleine Öl- Wulst (Moebius SHP 1300) um den Zapfen herum und der Vierkant oben bleibt ölfrei.

Bevor wir nun zum letzten Schritt kommen, solltest du nochmal prüfen, ob der Sekundenstoppzeiger noch richtig sitzt oder ob er sich doch irgendwie verschoben hat. Im Notfall nochmal richtig einlegen und dann, wie in Abbildung 8, die Federhausbrücke aufsetzen und mit den 3 Schrauben befestigen. Nun ist die Baugruppe „Antrieb“ auch schon fertig montiert und wir machen mit dem Räderwerk weiter.

Für das Räderwerk benötigen wir die Teile aus Abbildung 9. Hiervon nehmen wir uns als nächstes das Kleinbodenrad und das Hemmrad zur Pinzette und setzen sie, wie in Abbildung 10, in die Grundplatine ein. Wichtig ist hier, dass die kleinen Zapfen wirklich richtig in den Lagerstellen sitzen und nicht irgendwo daneben. Gerade beim Kleinbodenrad ist das etwas schwer zu erkennen. Hier also gut aufpassen.

Als nächstes nehmen wir das Sekundenrad mit dem langen Zapfen. Dieses muss direkt geölt werden, da wir später nicht mehr richtig rankommen und sich das Öl auf diese Art und Weise direkt gut verteilt. Der lange Zapfen wird nämlich in der Mitte der Platine in das Sekundenrohr eingesetzt. Durch das Ölen vor dem Einsetzen, verteilt sich das Öl ( Moebius SAL 9010) direkt vollständig im Rohr. In Abbildung 11 seht ihr die Menge an Öl, die an den kleinen Kragen des Sekundenrades angebracht werden sollte.

Nun kann man das Sekundenrad bequem an den Schenkeln der Radscheibe nehmen und in das Zentrumrohr einfädeln. Am besten sollte man dabei mit einer anderen Pinzette das Kleinbodenrad etwas von der Lagerstelle weg neigen, damit das Öl nicht an die Zähne des Kleinbodenrades gelangen kann. Danach sollte es aussehen wie in Abbildung 12.

Zu guter Letzt muss nur noch die Räderwerksbrücke aufgesetzt werden. Vorher bitte noch einmal kontrollieren, ob die unteren Zapfen des Hemmrades und des Kleinbodenrades noch in ihren Lagerstellen sitzen. Danach vorsichtig die Brücke aufsetzen und die Zapfen der Zahnräder auch in die Lagerstellen der Räderwerksbrücke einfädeln. Das kann gerne auch mal zu einer Geduldsprobe werden. Aber hier bitte immer Ruhe bewahren und notfalls eine kleine Pause einlegen. Bitte auch nicht mit zu viel Druck arbeiten. Man darf leicht von oben auf die Brücke drücken, aber nicht zu viel da sonst die dünnen Zapfen der Räder abbrechen können. Wenn du glaubst, dass alle Zapfen ordentlich sitzen, kannst du mit der Pinzette oder einem Kunststoffstab an der Verzahnung des Federhauses anschieben. Wenn sich alle Räder des Räderwerks leicht drehen, dann hast du es geschafft und kannst die Brücke mit den Schrauben festziehen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Die Räderwerksbrücke kann sich dabei nochmal leicht verschieben und wenn man das nicht bemerkt, brechen die Zapfen beim festschrauben ab.

Abschließend müssen die Lagerstellen noch geölt werden. Für das Großbodenrad und das Kleinbodenrad verwenden wir das dickflüssige Öl Moebius SHP 1300 und für das Sekundenrad und das Hemmrad verwenden wir das dünnflüssige Moebius SAL 9010. Das dickflüssige Öl ist durch seine rote Farbe auch gut zu unterscheiden. Diese Öle haben sich bei uns in der Werkstatt etabliert und bieten beste Leistungen. Seit der Ausbildung bei Glashütte Original arbeite ich mit diesen Ölen und hatte nie Probleme damit. Hier scheiden sich aber die Uhrmachergeister und jeder hat da vermutlich seine eigene Philosophie.

Ich hoffe, dass auch dieses Mal meine Erläuterungen verständlich waren und wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen. Wir hören uns beim nächsten Teil, in dem es um das Gesperr und die Hemmung geht. 🙂

Bis dahin!
Euer Leon von ChronoRestore

[Beitrag von Leon Zihang,
Uhrmacher und Kopf hinter ChronoRestore.com]
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