BA111OD aus der französischsprachigen Hauptstadt des schweizerischen Kantons Neuenburg hat sich insbesondere einen Namen für ungewöhnliche analoge Anzeigen bzw. besondere mechanische Komplikationen gemacht – und zwar zu ziemlich fairen Preisen, bei denen man nicht gleich den Kreditkartenrahmen ausschöpfen muss. Mit der BA111OD Chapter 8 Moonphase bekommen Uhrenfreunde nun eine etwas andere Seite der jungen (und gleichzeitig alten) Schweizer Uhrenmarke zu sehen: Statt optisch möglichst laut aufzutreten, gibt sich die Neuheit klassischer und mit einem Hauch retro. Dass retro am Handgelenk nach wie vor sehr beliebt ist, das weiß auch BA111OD. So viel aber vorweg: Die Chapter 8 bietet weit mehr als die Kopie eines Designs aus den eigenen Archiven und liefert etwas angenehm Eigenständiges ab. Das Konzept hebt sich deutlich vom Markt ab und das scheint auch ziemlich gut anzukommen: Seit ich das Modell erstmals auf der Inhorgenta Anfang 2026 in Augenschein nehmen konnte, war es immer wieder ratzfatz ausverkauft – das ist auch der Grund, warum ich erst jetzt gegen Ende des Jahres eine Uhr zum Review bekommen konnte.



- Swiss Made
- Schweizer Automatikkaliber Soprod C105 mit Mondphase, 42 Stunden Gangreserve
- Durchmesser 41 mm
- Horn-zu-Horn 48 mm
- Höhe 12,75 mm (inklusive Saphirglas)
- Wasserdichtigkeit 5 bar
- Bandanstoß 20 mm
- Lederband mit Faltschließe oder Milaneseband, Schnellwechselfederstege
- Listenpreis 1440€
Zurück in die Zukunft – ohne Staub auf dem Zifferblatt
BA111OD verfolgt seit der Gründung durch den aus La Chaux-de-Fonds stammenden Thomas Baillod anno 2019 einen stringenten Ansatz, bei dem insbesondere komplexere mechanische Konstruktionen zum Programm gehören, darunter ganz konkret ein Schweizer Flying Tourbillon vom bekannten französischen Uhrmacher Olivier Mory (Chapter 4) und – besonders exotisch – eine Deltoid-Anzeige bei der CHPTR_Δ. Aber auch vergleichsweise „einfache“ Stahl-Sport-Einsteigeruhren wie die Stahl-Sport-Uhr Chapter 7 haben die Neuenburger mittlerweile nachgeschoben.
Die Chapter 8 schlägt im Vergleich zu den bisherigen Modellen deutlich klassischere Töne an. Neben der schlichten Chapter 8 Automatic mit Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger sowie Datumsanzeige gibt es die hier vorgestellte Chapter 8 Moonphase – und die ergänzt das Grundkonzept um eine kleine Sekunde und eine Mondphasenanzeige.




Die Inspiration für die Chapter 8 rührt grundsätzlich von alten Baillod-Taschenuhren her: Auf der Inhorgenta 2026 zeigte mir Thomas Baillod eine Taschenuhr aus dem Jahr 1880, die von seiner Uhrmacherfamilie stammt. Die älteste bekannte Baillod-Uhr datiert sogar auf 1793. Mit der neuen Chapter 8-Modellreihe sucht die Marke nun gewissermaßen den Schulterschluss zur eigenen Historie. Insbesondere die Modellvariante Family Legacy (siehe Bild unten von der Inhorgenta) übernimmt zahlreiche gestalterische Details dieser alten Taschenuhr wie die römischen Ziffern, ohne altmodisch zu wirken.




BA111OD greift außerdem Elemente wie die kleine Sekunde auf und übersetzt diese in eine modernere Form. Insbesondere die hier gezeigte Chapter 8 Moonphase Sand hebt sich erfrischend ab: Im Mittelpunkt steht das fein gekörnte, von BA111OD-Chefdesignerin Liliane Murenzi in Neuchâtel gestaltete Zifferblatt mit seiner sandgestrahlten, matten, strukturierten Oberfläche, die an feines Sandpapier erinnert. Der Farbton ist dezent und erinnert farblich an Champagner, ohne dabei in Richtung „Old Radium“ oder dergleichen abzudriften. Mir gefällt der Farbton richtig richtig gut. Das graue Moonphase-Modell gibt sich deutlich nüchterner und setzt mit einem roten Sekundenzeiger einen sportlichen Farbakzent. Die weiße Ausführung wiederum wirkt am klarsten und reduziertesten.

Charakteristisch ist, wie merkbar anders BA111OD die verschiedenen Anzeigen auf dem Zifferblatt verteilt: Die Mondphase als gestalterisches Herzstück sitzt bei zehn Uhr, die kleine Sekunde zwischen sechs und acht Uhr, während das Datumsfenster bei vier Uhr untergebracht ist. Das Fenster für die Mondphasenanzeige ist dabei klassisch sichelförmig gestaltet.
Die Symmetrie einer „normalen“ Mondphasenuhr, die die Mondphase typischerweise auf sechs Uhr oder zwölf Uhr beheimatet, bricht BA111OD augenscheinlich auf. Das klingt zunächst nach einem Rezept für optisches Durcheinander, funktioniert in der Summe aber ziemlich gut. Die Anzeigen sind klar voneinander abgegrenzt und bilden eine asymmetrische, dennoch nachvollziehbare Anordnung. Alle drei Anzeigeelemente heben sich zudem durch ihre schwarze Färbung deutlich vor dem sandfarbenen Hintergrund ab.
Die Stundenindizes sind aufgesetzt und facettiert, also mit unterschiedlich bearbeiteten Flächen versehen, was auf die hochwertige Optik einzahlt und wodurch ein schönes Lichtspielt entsteht. Dazu kommen schlanke, spitz zulaufende und mit Super-LumiNova gefüllte Stunden- und Minutenzeiger. Die Ablesbarkeit ist in der Summe ganz hervorragend.



Noch ein paar Worte zur Mondphasen-Anzeige im Allgemeinen: Um alle Mondphasen (beispielsweise abnehmender Halbmond) zu durchlaufen, braucht der Mond einen knappen Monat – genauer: die Zeitspanne zwischen zwei aufeinander folgenden gleichen Mondphasen beträgt 29 ½ Tage. Es handelt sich dabei um den sogenannten synodischen Monat.
Dass der Mond auf die Erde einwirkt, ist unstrittig: Mond und Erde ziehen einander an und dieser „Schwerkrafteffekt“ führt zu Ebbe und Flut. Auch der Einfluss der Mondphasen auf unser alltägliches Leben wird von vielen Menschen zelebriert – die am weitesten verbreitete Mondthese lautet sinngemäß: Alles, was zunehmen soll, tue man bei zunehmendem Mond – so wie die Investition von Geld. Alles, was abnehmen soll, tue man dagegen bei abnehmendem Mond, zum Beispiel der Beginn einer Diät. Über die Sinnhaftigkeit einer solchen „spirituellen“ Lebensweise kann man sich natürlich vortrefflich streiten (und ich persönlich halte auch wirklich gar nichts davon), festhalten kann man aber in jedem Fall, dass die Mondphase als Komplikation bei höherwertigeren Armbanduhren immer beliebter wird und natürlich ein schöner „Eye Catcher“ auf dem Blatt ist.
Die Mondphasenanzeige lässt sich dabei übrigens über einen relativ unscheinbaren, eingelassenen Drücker an der Gehäuseseite einstellen – zum Beispiel mit einem Zahnstocher (und ja, das ist ein wenig mühselig, weshalb eventuell ein Uhrenbeweger keine schlechte Idee ist):

Alle Chapter-8-Varianten teilen sich das gleiche Edelstahlgehäuse mit auffällig weichen Rundungen (siehe z.B. die Hörner) und einer Kombination aus polierten Oberflächen (z.B. Hörner-Oberseite) und fein satinierten Flanken. Besonders die konkav geformte, d.h. nach innen gewölbte, polierte Lünette, sticht ins Auge. Dadurch entsteht ein dezenter optischer Übergang zwischen Glas und Gehäuse, der die Uhr etwas filigraner und auch etwas kleiner erscheinen lässt, als es die nackten Zahlen vermuten lassen.
Mit 41 Millimeter Durchmesser, 48 Millimeter Horn-zu-Horn und einer Bauhöhe von 12,75 Millimetern (inklusive Saphirglas) bringt die Chapter 8 Moonphase keine ausufernden Abmessungen mit, gleichzeitig ist das Modell auch keine zierliche Dresswatch – ich finde die Proportionen auf jeden Fall goldrichtig, denn eine Verkleinerung des Durchmessers hätte die Uhr vermutlich zu „pummelig“ am Arm aussehen lassen (Stichwort: Verhältnis Höhe zu Durchmesser). Mein Handgelenkumfang beträgt im Übrigen 18 cm.
Die Krone sitzt ungewöhnlicherweise bei vier Uhr statt auf der üblichen drei Uhr-Position – das ist sowas wie das Markenzeichen von BA111OD, das in allen Modellen Einzug erhält. Das verleiht der Chapter 8 einen eigenen Akzent und kann erfahrungsgemäß auch den Tragekomfort verbessern, weil die Krone weniger direkt auf den Handrücken drückt, wenn man das Handgelenk beugt.



Soprod C105 an Bord
Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber Soprod C105. Soprod wurde 1966 gegründet und gehört fest zur Schweizer Zulieferlandschaft und ist damit ein etablierter Name, auch wenn das Unternehmen unter Uhrenfreunden nicht denselben Bekanntheitsgrad genießt wie insbesondere Sellita.
Das C105 basiert auf einer modularen Konstruktion. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass eine zusätzliche Funktionseinheit mit dem grundlegenden Basiswerk kombiniert wird, statt sämtliche Funktionen von Grund auf zu integrieren. Bei der Chapter 8 Moonphase ermöglicht diese Architektur die Verbindung von automatischem Aufzug, kleiner Sekunde, Datum und Mondphasenanzeige.



Die Gangreserve fällt mit 42 Stunden aus heutiger Sicht nicht grade üppig aus, allerdings ist mir auch kein Standardkaliber mit Mondphase bekannt, das deutlich mehr liefert. Hier seien im Vergleich Beispiel-Modelle mit dem proprietären Kaliber Frederique Constant FC-716 und 72 Stunden Gangreserve genannt – aber hier sprechen wir dann auch von einem Preis von rund Faktor 3 bei Uhren mit diesem Kaliber. Auch das Sellita SW285-1 (Mondphase, kleine Sekunde, Datum, Tag-/Nacht-Indikator) kommt auf einen ähnlichen Gangreservebereich, die Automatikvariante baut mit 5,40 mm aber sogar noch etwas höher als das Soprod C105 mit 5,1 mm. Insofern ist das C105 eine absolut nachvollziehbare Wahl für eine Schweizer Automatikuhr in dieser Preisklasse. Ein Millimeterchen hätte man aber noch mit dem Sellita SW285-1 M a einsparen können – dank reiner Handaufzugskonstruktion. Hinsichtlich Ganggenauigkeit zeigte die Testuhr auf der Zeitwaage einen Nachgang von ein paar Sekunden pro Tag.
Der Blick auf die Mechanik durch den Glasboden gehört zum Gesamtpaket. Eine allzu aufwendige Finissierung – also eine besonders anspruchsvolle dekorative Oberflächenbearbeitung – sollte man in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwarten, allerdings sind die Perlage und die Genfer Streifen auf dem Rotor der Chapter 8 Moonphase durchaus ansehnlich, aber eben auch nicht spektakulär.



Bei den Armbändern lässt BA111OD die Wahl zwischen einem feinmaschigen Milanaiseband und Lederoptionen. Insbesondere das Mesh bzw. das Milanaise passt ausgesprochen gut zum Retro-Charakter der Chapter 8 Moonphase. Wer es klassischer und auch etwas leichter am Arm mag, greift zum Lederband – so wie hier gezeigt mit braunem Nubuk-Leder mit kontrastierenden Nähten. Alle Lederoptionen sind mit einer Faltschließe ausgestattet. Schnellwechselstege bei allen Bändern machen den Austausch in Eigenregie besonders bequem, sodass man nicht gleich das Uhrmacher-Werkzeug zücken muss, wenn die Uhr mal einen optisch anderen „Anstrich“ bekommen soll.



Abschließende Gedanken
Schon auf der Inhorgenta ist mir die BA111OD Chapter 8 Moonphase besonders positiv ins Auge gestochen – durch ein schlüssiges Konzept und die eigenständige Gestaltung. Das Design wirkt insgesamt mit Blick auf den Zifferblattfarbton, die kleine Sekunde und natürlich die Mondphasenanzeige klassisch, gleichzeitig hat das Modell durch verschiedene Details wie die Anordnung der Anzeigen und die versetzte Krone einen modernen, frischeren Charakter. Die Uhr ist dadurch quasi das Spiegelbild der Markengeschichte an sich: BA111OD ist zwar eine relativ junge, moderne Marke, hat seine Ursprünge aber schon im 18. Jahrhundert – wie bereits eingangs ausgeführt.
In Kombination mit dem Schweizer Automatikwerk (mit eher durchschnittlicher Gangreserve, wie gesagt aber alternativlos) und dem moderatem Preis wird die Chapter 8 Moonphase zu einer interessanten, erschwinglichen Swiss Made-Option, die sich merkbar am Markt differenziert. Und für alle Uhrenfreunde, die es etwas „cleaner“ mögen: Die einfachere Dreizeiger-Chapter 8 Automatic mit Datum ist mit 765 Euro deutlich günstiger – und ebenfalls in einer „Sand“-Variante erhältlich.









Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über ein Like bei Facebook, Instagram, YouTube oder melde dich zum kostenfreien CHRONONAUTIX-Newsletter an.
Auch über WhatsApp kannst du immer auf dem neuesten Stand bleiben – jetzt abonnieren:

Darüber hinaus freue ich mich über Kommentare immer sehr (Kommentare werden in der Regel innerhalb kurzer Zeit geprüft und freigeschaltet). Vielen Dank!

Hi Mario,
was mir direkt ins Gesicht gesprungen ist, wirklich wie als würde mir jemand Stopschild auf die Nase hauen, sind die Bilder von der Uhr mit der Zeigerstellung. Da würd ich ja direkt die Kriese bekommen. Der Stundenzeiger zeigt schon auf einem Bild deutlich erkennbar auf NACHT 3 Uhr, während der Mintenzeiger noch deutlich VOR 12 steht. Sowas geht ÜBERHAUPT NICHT. Nicht mal eine FlicFlac Uhr darf sowas haben. Ist ansonsten eine nette Uhr vom Design die bestimmt ihre Käufer findet, aber das Thema QS find ich wirklich schlimm und das dort SWISS Made steht, zeigt das am Ende doch alle nur mit Wasser kochen.
Heyho, Grad nochmal geprüft. Der Minutenzeiger ist ja wirklich nur minimal weiter vorn – wäre mir nie im Leben aufgefallen😅