Noch ganz dicht? Wasserdichte Uhren: Geschichte, DIN-Normen und der Marianengraben-Krieg zwischen Omega und Rolex

Platsch! In diesem Artikel tauchen wir zunächst ab in die Geschichte wasserdichter Uhren, bei der Rolex als treibende Kraft tätig war. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Rolex‘ erste wasserdichte Uhr mit zwei Gehäusen (ein Innen- und ein Außengehäuse) kam und damit völlig unpraktisch war? Weiter geht’s anschließend mit den Grundlagen moderner, wasserdichter Uhren (bar, atm, Meter, DIN-Normen, Dichtungen, Technologien wie das Ring Lock System oder die Triplock-krone etc.). Abschließend werfen wir noch einen Blick durch das Bullauge auf den Marianengraben-Krieg zwischen den Marketingabteilungen von Omega und Rolex… 😉

Sinn U1 Kratzer Tegimentierung Sand

Wasserdichte Uhren: Geschichte und Grundlagen nach DIN-Norm

„Wir müssen einen Weg finden, wie wir eine wasserdichte Armbanduhr entwickeln können!“, forderte Rolex-Gründer Hans Wilsdorf forsch im Jahre 1914. Der Grund: Als Uhren Anfang des 19. Jahrhunderts so langsam von den Taschen an die Handgelenke der Menschen wanderten, wurden auch Anforderungen an die Wasserdichtigkeit lauter – insbesondere mit Blick auf Militäruhren, die besonders schwierigen Bedingungen in den Schützengräben dieser Welt standhalten mussten.

Hans Wilsdorf hat aber nicht nur große Reden geschwungen – Rolex war Innovator und treibende Kraft hinter wasserdichten Uhren. Was heute bei vielen Uhren als selbstverständlich angesehen wird, prägte Rolex vor rund 100 Jahren maßgeblich: Mit dem Modell Submarine (sic! – ohne „r“ ;-)) brachte Rolex bereits 1922 seinen ersten Versuch einer wasserdichten Armbanduhr auf den Markt. Das besondere war die Gehäuse-Konstruktion, bei dem das Hauptgehäuse durch ein zweites, äußeres Gehäuse vor Wasser geschützt wurde. In Ermangelung von Automatikwerken (damals wurde noch jede Uhr per Hand aufgezogen) war diese – an sich pfiffige Idee – kaum praxistauglich, da das Außengehäuse regelmäßig zum Aufziehen der Uhr geöffnet werden wusste, was wiederum die Dichtungen stark beanspruchte.

Die allererste wasserdichte Uhr von Rolex – die Konstruktion war allerdings kaum alltagstauglich, Bild: Rolex

Mit dem Modell Oyster (englisch für „Auster“) schaffte Rolex dann im Jahre 1926 mit der weltweit allerersten wasserdichten (und diesmal auch praxistauglichen) Uhr den Durchbruch – ein verschraubter Gehäuseboden und eine verschraubte Krone waren damals die technischen Merkmale, die auch heute noch Standard bei hochwertigen Uhren sind und einen wesentlichen Beitrag zur Wasserdichtigkeit leisten.

Die allererste Rolex Oyster (1926), Bild: Rolex

Im Jahr 1927 erbrachte Rolex marketingwirksam den Beweis der Wasserdichtigkeit, indem die Rolex Oyster am Arm der 26 Jahre alten, britischen Sekretärin Mercedes Gleitze bei der 10-stündigen Überquerung des Ärmelkanals getragen wurde. Auch wenn Mercedes Gleitze kurz vor dem Ziel wegen starken Wellengangs abbrechen musste, sorgte der der Versuch für großes mediales Aufsehen – ein gefundenes Fressen für die Rolex’sche Werbeabteilung: „The Wonder Watch that Defies the Elements“ (die Wunder-Uhr, die den Elementen trotzt) titelte der Schweizer Hersteller selbstbewusst auf Seite Eins der großen Londoner Tageszeitung „Daily Mail“. Man beachte auch den in der rechten unteren Ecke besonders auffälligen Hinweis: „Waterproof Watch“ (wasserdichte Uhr) – heute fast schon selbstverständlich, damals aber eine echte Besonderheit.

Das Aufkommen des (militärischen) Gerätetauchens sorgte in den 1950ern für einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung wasserdichter Uhren: Die Rolex Oyster Perpetual Submariner mit einer Wasserdichtigkeit von 30 bar (300 Meter) erblickte das Licht der Welt. Im Jahre 1954 belieferte Rolex auf Basis der Anforderungen des britischen Militärs die Royal Navy mit der berühmten Rolex Submariner 6538. Ein Jahrzehnt später wurde die Rolex Submariner 5513 an das britische Militär ausgeliefert, auch bekannt als „MilSub„. Eine hohe Wasserdichtigkeit verstand sich dabei von selbst, was auch haargenau in sogenannten Mil-Specs (Military Specifications) festgehalten wurde. Über die Jahrzehnte wurde die maximal mögliche Wasserdichtigkeit aufgrund technologischer Fortschritte immer besser: Im Jahre 1967, mit Einführung der ersten Sea-Dweller, erweiterte Rolex die Wasserdichtigkeit auf 610 Meter. 1978 waren es dann schon 1220 Meter…

Wasserdichte Uhren heute: DIN 8310 und DIN 8306 für Taucheruhren – bar? Meter? atm? Ja, was denn nun?

Wann sich eine Uhr wasserdicht nennen darf, ist auf den ersten Blick ganz einfach – der Teufel steckt allerdings im Detail. Kommen wir zunächst zum offiziellen Part: Gemäß der Norm DIN 8310 (Zeitmesstechnik – Wasserdichtheit von Kleinuhren – Anforderungen und Prüfungen) muss eine Uhr, die sich „wasserdicht“ nennen will, für 30 Minuten in 1 Meter Wassertiefe sowie 90 Sekunden in 20 Meter Wassertiefe verweilen und dabei natürlich funktionsfähig bleiben.

Die Wasserdichtigkeitsangabe von Uhren nach DIN 8310 wird in Meter oder bar bzw. atm („Atmosphären“) angegeben. Die Umrechnung ist ganz einfach: Pro 10 m Wassertiefe herrschen zusätzlich zum atmosphärischen Luftdruck ca. 1 bar (hydrostatischer) Wasserdruck. Oder anders gesagt: Eine Uhr wird pro 10 Meter Tauchtiefe einem Überdruck von einem bar ausgesetzt.

„WATER RESISTANT 10 BAR“ – die Casio AE-1000W für spottbillige 20€
Mühle-Glashütte Weltzeit-Uhr – wasserdicht bis 10 atm (10 bar)

So viel zur Theorie. Der Begriff „wasserdicht“ ist mit Blick auf diese Minimalanforderungen allerdings hochgradig verwirrend. Erst letztens habe ich es wieder erlebt: Ein Kollege zeigt mir stolz seine neue Uhr und behauptet selbstbewusst, dass diese bis zu 30 Meter Wassertiefe aushält. Kein Problem beim Hobby-Gerätetauchen, oder? MÖÖÖP – Falsch! Es handelt sich bei der Angabe „Wasserdicht 30 Meter / 3 bar“ um den bestätigten Prüfdruck, d.h. einem künstlich erzeugten Druck in einer Wasserröhre, und keineswegs um die Wassertiefe, die die Uhr de facto aushält. Denn: In der Praxis variiert der Wasserdruck enorm, beispielsweise durch Schwimmbewegungen oder Strömungen. Mit anderen Worten sorgen sogenannte dynamischen Druckspitzen für eine vielfaches der Belastung auf den Dichtungen als unter Laborbedingungen. Uhren, die auf 20 Meter (bzw. 2 atm / 2 bar) getestet wurden sind grade mal spritzwassergeschützt (z.B. Regen, Wassertropfen beim Händewaschen). Nicht mal eine bis 5 bar / atm bzw. 50 Meter getestete Uhr darf zum Schwimmen mitgenommen werden (höchstens Duschen ist erlaubt).

Oder anders gesagt: Beim Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen kann schnell Wasser in eine Uhr eindringen, die nicht mindestens 10 bar bzw. 100 Meter Wasserdichtigkeit aufweist, indem zum Beispiel durch die Bewegungen des Armes im Wasser großer dynamischer Druck auf die Dichtungen wirkt. Lässt man eine eigentlich nicht zum Schwimmen geeignete Uhr beim Sprung ins kühle Nass am Handgelenk riskiert man teure Schäden am Uhrwerk…

Mit 10 bar WaDi eigentlich NICHT (!) zum Tauchen geeignet: Die traser P68 Pathfinder am schwabbelig wirkenden Blogger 😉 Ausgehalten hat die Uhr den Tauchgang zwar trotzdem, Nachmachen ist aber keineswegs empfehlenswert.

Was bedeutet die Wasserdichtigkeit ganz praktisch? Hier eine Übersicht über die Wasserdichtigkeit von Uhren:

  • 2 bar = 2 atm = 20 m: Spritzwassergeschützt (z.B. Spritzer beim Händewaschen)
  • 5 bar = 5 atm = 50 m: Die Uhr darf beim Duschen anbehalten werden
  • 10 bar = 10 atm = 100 m: Die Uhr ist zum Schwimmen und Schnorcheln geeignet
  • 20 bar = 20 atm = 200 m: Die Uhr darf mit auf Tauchstation
Darf dank 20 bar Wasserdichtigkeit problemlos beim Schnorcheln am Handgelenk bleiben: Der traser P96 OdP Evolution Chronograph

Schwachstellen einer Uhr, durch die Wasser ins Innere gelangen und somit die Funktionalität beeinträchtigen kann, sind insbesondere der Gehäuseboden, das Uhrglas und natürlich die Krone. Insbesondere letztere ist kritisch, da die Krone naturgemäß über ein kleines Röhrchen, den sogenannten Tubus, eine direkte Verbindung zum Uhrwerk herstellt, um die Uhrzeit einstellen zu können. Dichtungsringe, z.B. O-Ringe aus Silikon, sorgen dafür, dass Wasser diese Schwachstellen nicht passieren kann.

Man beachte allerdings, dass Kunststoff-Dichtungen naturgemäß nicht ewig halten und zum Beispiel durch äußere Einflüsse wie Schweiß, Salzwasser, Chlorwasser, Sonnencreme, Parfüm (wegen des Alkoholgehaltes) oder feinste Schmutzpartikel angegriffen werden können und somit nach einer gewissen Zeit nicht mehr richtig abdichten.

Chlorwasser kann die Dichtungen angreifen und somit die Uhr anfällig für eindringendes Wasser machen

Aus diesem Grund sollte man wasserdichte Uhren zum Beispiel vor einem Strandurlaub oder einem Tag am Baggersee noch mal vom Uhrmacher auf Wasserdichtigkeit checken lassen – Uhrmacher empfehlen in der Regel eine jährliche Prüfung. Im Zweifelsfall hilft nur der Tausch der Dichtung.

Schöne Aussicht auf den Strand von Hammamet, aber ist auch die Uhr wasserdicht? Die SINN U1 ist es allemal… 😉

Uhrenhersteller überprüfen die Wasserdichtigkeit ihrer Uhren natürlich nicht, indem sie diese mit auf Tauchstation nehmen 😉 Zu diesem zweck gibt es natürlich Prüfgeräte – und auch hier wird deutlich, welche entscheidende Rolle Rolex in der Geschichte wasserdichter Uhren gespielt hat: Schon in den 1930er-Jahren meldete Rolex eine Testapparatur zum Patent an, mit der die Wasserdichtheit geprüft werden konnte.

Bei Laco in Pforzheim beispielsweise konnte ich eine Test-Maschine von hormec, bei der jede einzelne Laco-Uhr auf Wasserdichtigkeit getestet wird, unter die Lupe nehmen. Zehn Uhren lassen sich hier parallel gemäß den Normen NIHS 92-10 bzw. ISO 2281 / ISO 22810:2010 testen. Bei solchen Tests wird natürlich nicht die Uhr geflutet, um zu schauen, ob sie danach noch funktioniert – das wäre auf Dauer dann doch ein ziemlich teurer Spaß für den Hersteller 😉 Prüfgeräte wie die bei Laco arbeiten ganz einfach mit Druckluft (Pneumatik): Entweicht durch den künstlich erzeugten Druck im Prüfgerät Luft aus einer undichten Uhr, so kann man das am Flüssigkeits-Stand der Reagenzglas-artigen Säulen ablesen (im Bild: die rote Flüssigkeit).

Aber zurück zu wasserdichten Uhren: Die Norm DIN 8306 für Taucheruhren geht noch einige Schritte weiter und beschreibt im Detail, welche Anforderungen an eine Uhr gestellt werden, damit diese „Taucheruhr“ genannt werden darf. Das betrifft zum einen praktische Dinge wie zum Beispiel die Möglichkeit Zeitspannen über eine Lünette ablesen oder die Uhr auch bei Dunkelheit bei einem Abstand von 25 cm ablesen zu können. Zum anderen macht die DIN 8306 natürlich auch Vorgaben hinsichtlich Wasserdichtigkeit: mindestens 20 bar werden verlangt. Hochwertige Taucheruhren halten aber in der Regel noch weit mehr Wasserdruck stand: Die SINN U1 Taucheruhr beispielsweise ist druckfest bis 1000 m (= 100 bar), zertifiziert durch DNV GL gemäß den technischen Anforderungen der Taucheruhrnorm DIN 8306…

Sinn U1 Salzwasser Meer
Sinn U1 Salzwasser Meerwasser Rost U-Boot-stahl
Die SINN U1 im Mittelmeer

Steigen wir nun ein in den Grabenkrieg, genauer den Marianengrabenkrieg, zwischen Omega und Rolex und die Frage, wer nun bei den wasserdichten Uhren die Nase vorn hat… 😉

Marketing-Krieg im Marianengraben: Rolex Deepsea Challenge vs. Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep Professional

Wer in Erdkunde aufgepasst hat, wird sofort wissend nicken: Im 2400 km langen Marianengraben, gelegen im Pazifischen Ozean, befindet sich ist mit rund 11 Kilometern die tiefste Stelle des Weltmeeres, das sogenannte Challengertief, welches sich rund 320 Kilometer südwestlich von Guam (vor der Küste der Philippinen) befindet. Irre: Würde Chuck Norris den Mount Everest in das Challengertief verpflanzen, befände sich dessen Gipfel immer noch über 2 km unterhalb der Wasseroberfläche. Benannt wurde das Challengertief übrigens nach der HMS Challenger, einem Schifff der Britischen Flotte im Jahre 1858, welches Tiefenmessungen mit Gewichten durchführte und schon damals feststellte, dass der Marianengraben verdammt tief ist.

Im Jahre 1960 waren erstmals Menschen am Grund des Marianengrabens unterwegs: der US-Navy Lieutenant Don Walsh und der Schweizer Ozeanograf Jacques Piccard tauchten mit dem 150 Tonnen schweren Tiefseeboot Trieste in unglaubliche 10916 Meter Tiefe ab und stellten damit einen gefeierten Weltrekord auf.

Auch eine Uhr durfte bei diesem Weltrekord natürlich nicht fehlen: Niemand geringeres als der Schweizer Uhren-Experte Rolex sponsorte den Ausflug in die Tiefe mit einer extra konstruierten Taucheruhr, der Rolex Deep Sea Special, auch bekannt als „The Old Lady“. Das Engagement war natürlich kein Zufall: Rolex galt – wie oben beschrieben – damals als absoluter Experte für wasserdichte Uhren bzw. Taucheruhren. Die Rolex Deep Sea Special wurde an der Außenseite (!) der Trieste befestigt und somit rund 9 Stunden dem Tiefseedruck ausgesetzt.

Augenscheinlichstes Merkmal dieser Sonderkonstruktion ist zum einen das massive Erscheinungsbild: Mit 36 mm war die „Old Lady“ so hoch wie die meisten Uhren damals „breit“ 😉 Mit 42,7 mm war der Durchmesser aber deutlich geringer als bei der Rolex, die im Jahre 2012 auf den Boden des Marianengrabens geschickt wurde (hierzu gleich mehr).

Auch das extrem gewölbte Plexiglas sticht ins Auge: Dieses hielt zwar – aufgrund der guten Verteilung des Drucks auf der großen Glas-Oberfläche – dem enormen Wasserdruck in 11 km Tiefe stand, das Ablesen der Uhrzeit hätte sich praktisch aber eher schwierig gestaltet (was allerdings ohnehin kein Thema war, da die Herren Walsh und Piccard es ja vorzogen im Trockenen zu verweilen 😉

Im März 2012, 52 Jahre nach dem Ausflug der Trieste, tauchte der Filmemacher und Hobbyforscher James Cameron (ja, genau DER James Cameron, der sich u.a. für Titanic und Avatar verantwortlich zeichnet) in einem eigens hierfür entworfenen Tauchboot, der „Deepsea Challenger“, hinab zum Marianengraben – und zwar mutterseelenallein! Außen am Tiefseeboot, genauer am robotergesteuerten Greifarm, war erneut eine Rolex befestigt – eine experimentelle, satte 51 mm große Sonderanfertigung mit dem Namen „Deepsea Challenge“.

(Bilder / Video: Rolex)

Die Tiefe von 1960 hat Cameron allerdings knapp nicht geknackt – der Kanadier kam „nur“ bis zu einer Tiefe von 10908 Meter und verfehlte den Rekord von Walsh und Piccard um 8 Meter. Bei diesem Tiefseeausflug hielt auch die Rolex Deepsea Challenge dem krassen Wasserdruck stand. Basis für das experimentelle Sonderanfertigung war die für Otto Normal-Verbraucher kaufbare und optisch ähnliche Rolex Sea-Dweller Deepsea, die immerhin eine Wasserdichtigkeit von 390 bar (3900 Meter) aufweist – wer auch immer solch eine extrem hohe Wasserdichtigkeit in der Praxis braucht… 😉 Die Rolex Sea-Dweller Deepsea und die Rolex Deepsea Challenge haben als technische Merkmale u.a. das Ring Lock System und die TRIPLOCK-Krone gemeinsam, um die Uhr vor dem Eindringen von Wasser zu schützen.

(Bilder: Rolex)

Das von Rolex patentierte Ring Lock-System sorgt dafür, dass das Glas und der Gehäuseboden durch den Druck in großer Tiefe an einen innen im Gehäuse liegenden Ring gedrückt wird. Dieser Druck auf den Ring stärkt wiederum die Dichtungen von Innen heraus. Da der Ring natürlich eine Menge aushalten muss, ist er aus BioDur 108 gefertigt, einem sogenannten austenitischen Stahl, der eine besondere Gefügestruktur aufweist und dadurch eine deutlich höhere Beständigkeit gegen aggressive Umgebungsbedingungen, insbesondere eine Resistenz gegenüber Korrosion (Rost), aufweist. Der Stahl wird z.B. in der Raumfahrt oder in Implantaten eingesetzt wird. Die Taucheruhr SINN U1 beispielsweise besteht aus austenitischen U-Boot-Stahl.

Ring Lock System, Bild: Rolex

Auch die 1970 eingeführte und auch heute noch eingesetzte Triplock-Technologie trägt seinen Teil dazu bei, dass Rolex-Taucheruhren wasserdicht sind und hoffentlich lange bleiben: Die Triplock-Krone verfügt über zwei Dichtungsbereiche im Inneren des Kronentubus und einen dritten Dichtungsbereich in der Aufzugskrone selbst. Rolex-Uhren mit Triplock-System haben als Erkennungsmerkmal drei Punkte unterhalb des Logos:

Rolex Submariner mit Triplock-Krone, gut zu erkennen an den drei Punkten unterhalb des Rolex-Logos

„Omega taucht tiefer“: Omega und die Five Deeps Mission

Walsh, Piccard und Cameron waren die einzigen Menschen, die bis auf den Grund des Challengertiefs getaucht sind – bis zum Jahre 2019 jedenfalls: Im Mai 2019 stellte Victor Vescovo im Rahmen der „Five Deeps“-Expedition in seinem Tiefseeboot DSV (Deep Submergence Vehicle) Limiting Factor von Hersteller Triton einen neuen Weltrekord auf: Er gelang in eine Tiefe von 10.928 Meter und damit 12 Meter tiefer als Walsh und Piccard im Jahre 1960. Die Vorarbeit für den Tauchgang hat übrigens die DSSV Pressure Drop gemacht – ein Schiff, ausgerüstet mit moderner Sonar-Technik, um die tiefste Stelle im Marianengraben zu finden…

DSSV Pressure Drop, Bild: Omega

An sich ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – wen interessieren popelige 12 Meter bei einer Gesamttiefe von fast 11 km? Ah, Moment, da fällt mir doch jemand ein – Rolex dürfte das interessieren 😉 Denn: Victor Vescovo schnallte sich eine Sonderkonstruktion aus dem Hause des Schweizer Uhrenherstellers Omega an sein Tiefseeboot. Dabei dachte sich Omega wohl doppelt, dreifach, hält besser: Gleich drei Zeitmesser des Typs Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep waren beim Tauchgang dabei: Zwei waren an den Greifarmen des Tauchboots fixiert, eine an einem Lander.

Die drei Exemplare haben den Tauchgang nicht nur unbeschadet überstanden, sondern sogar noch direkt nach dem Marianengraben-Ausflug die Master-Chronometer-Zertifikate für eine besonders hohe Ganggenauigkeit von der METAS verliehen bekommen. In der Marketingkommunikations-Abteilung bei Omega dürfte der eine oder andere Sektkorken durch’s Büro gezischt sein.

Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep am Greifarm der DSV Limiting Factor, Bild: Omega

Mit Taucheruhren-Ikonen wie beispielsweise der Omega Seamaster 300 (1957) oder der Omega Ploprof (1970) ist Omega kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um besonders wasserdichte Uhren geht – marketingtechnisch ist Omegas Ausflug in den Marianengraben im Rahmen des neu aufgestellten Weltrekordes nicht nur passend, sondern auch mehr als geschickt: „Omega taucht tiefer“ schreibt der Schweizer Hersteller selbstbewusst in einer Pressemittelung und schickt damit einen kleinen Seitenhieb Richtung Erzrivale Rolex.

Vintage-Anzeige der Omega Seamaster

Alle drei Sonderkonstruktionen wurden im Werk von Triton in Barcelona unter Anwesenheit eines DNV-GL-Experten druckgeprüft – um auf Nummer sicher zu gehen wurde die Konzeptuhr sogar bis 1500 bar getestet. Vielleicht gräbt ja mal irgendwann jemand ein Loch im Challengertief, um die Uhr in noch größerer Tiefe zu testen – theoretisch sollte sie das ja aushalten… oder vielleicht wäre das ja eine Idee für Rolex, um den alten Rekord wiederherzustellen? 😉

Witziges Detail: Lünette, Gehäuse, Gehäuseboden und Krone bestehen aus Ausschussteilen vom Rumpf des Tauchboots „Limiting Factor“. Konkret handelt es sich um Titan Grade 5. Um die Belastung auf das Uhrglas möglichst breit zu verteilen, hat Omega eine recht starke, Bullaugen-artige Wölbung berücksichtigt. Außerdem wurde Liquidmetal verwendet, um eine robuste und flexible Verbindung von Saphirglas und Gehäuse sicherzustellen. Dank dieser zum Patent angemeldeten Heissformbindung konnte auf den Einsatz von klassischen Kunststoff-Dichtungen verzichtet und die Dicke des Saphirglases reduziert werden. Mit einer Gehäusehöhe von satten 28 mm ist die Omega Seamaster Ultra Deep aber immer noch ein ziemlicher Brummer, den man wohl kaum gerne im Alltag am Handgelenk haben will…

Ein ganz schöner Brocken: Die 28 mm hoch bauende Omega Seamaster Ultra Deep, Bild: Omega

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