Rolex Deep Sea Special 1960

Rolex Taucheruhren: Geschichte mit Höhen und Tiefen

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Wir müssen einen Weg finden, wie wir eine wasserdichte Armbanduhr entwickeln können!“, forderte Rolex-Gründer Hans Wilsdorf forsch im Jahre 1914. Der Grund: Als Uhren Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich von den Hosentaschen an die Handgelenke der Menschen wanderten, wurden auch Anforderungen an die Wasserdichtigkeit lauter. Insbesondere Militäruhren, die besonders schwierigen Bedingungen in den Schützengräben dieser Welt standhalten mussten, sollten eine verbesserte Wasserdichtigkeit mitbringen.

Treibende Kraft hinter der Entwicklung von wasserdichten Uhren (und später Taucheruhren; engl. Diver Watch) war dabei unter anderem die Schweizer Rolex SA (neben Blancpain, Panerai und weiteren). Aber selbst Rolex musste damals Lehrgeld zahlen und Fehlschläge in Kauf nehmen: Wusstet ihr zum Beispiel, dass Rolex erste Entwicklung einer wasserdichten Uhr mit zwei Gehäusen (ein Innen- und ein Außengehäuse) kam und damit total unpraktisch war? Der Flop war vorprogrammiert. Davon ließen sich die Schweizer aber nicht unterkriegen…

In diesem Artikel tauchen wir zunächst ab in die Geschichte wasserdichter Uhren bzw. Taucheruhren aus dem Blickwinkel von Rolex. Abschließend werfen wir noch einen Blick auf den Marianengraben-Krieg zwischen den Marketingabteilungen von Omega und Rolex…

Rolex Taucheruhren: Geschichte und Grundlagen

Rolex als treibende Kraft hinter Taucheruhren

Rolex-Kopf Hans Wilsdorf hat damals, im Jahre 1914, nicht nur große Reden geschwungen, sondern auch Nägel mit Köpfen gemacht: Rolex war einer von wenigen Innovatoren und treibende Kraft hinter der Entwicklung den allerersten wasserdichten Armbanduhren der Welt.

Was heute bei vielen Uhren als selbstverständlich angesehen wird, prägte Rolex vor rund 100 Jahren maßgeblich: Mit dem Modell Submarine (ohne „r“) brachte Rolex bereits 1922 seinen ersten Versuch einer wasserdichten Armbanduhr auf den Markt. Das besondere war die Gehäuse-Konstruktion, bei der das Hauptgehäuse durch ein zweites, äußeres Gehäuse vor Wasser geschützt wurde. In Ermangelung von Automatikwerken (damals wurde noch jede Uhr per Hand aufgezogen) war diese – an sich pfiffige Idee – kaum praxistauglich, da das Außengehäuse regelmäßig zum Aufziehen der Uhr geöffnet werden wusste, was wiederum die Dichtungen stark beanspruchte.

Die allererste wasserdichte Uhr von Rolex – die Konstruktion war allerdings kaum alltagstauglich, Bild: Rolex

Mit dem Modell Oyster (englisch für „Auster“) schaffte Rolex dann im Jahre 1926 mit der weltweit allerersten wasserdichten (und diesmal auch praxistauglichen) Uhr den Durchbruch – ein verschraubter Gehäuseboden und eine verschraubte Krone waren damals die technischen Merkmale, die auch heute noch Standard bei hochwertigen Uhren sind und einen wesentlichen Beitrag zur Wasserdichtigkeit leisten.

Die allererste Rolex Oyster (1926), Bild: Rolex

Rolex Oyster Taucheruhr und die (gescheiterte) Überquerung des Ärmelkanals

Im Jahr 1927 erbrachte Rolex marketingwirksam den Beweis der Wasserdichtigkeit, indem die Rolex Oyster am Arm der 26 Jahre alten, britischen Sekretärin Mercedes Gleitze bei der 10-stündigen Überquerung des Ärmelkanals getragen wurde. Auch wenn Mercedes Gleitze kurz vor dem Ziel wegen starken Wellengangs abbrechen musste, sorgte der der Versuch für großes mediales Aufsehen – ein gefundenes Fressen für die Rolex’sche Werbeabteilung: „The Wonder Watch that Defies the Elements“ (die Wunder-Uhr, die den Elementen trotzt) titelte der Schweizer Hersteller selbstbewusst auf Seite Eins der großen Londoner Tageszeitung „Daily Mail“. Man beachte auch den in der rechten unteren Ecke besonders auffälligen Hinweis: „Waterproof Watch“ (wasserdichte Uhr) – heute fast schon selbstverständlich, damals aber eine echte Besonderheit.

Titelseite der „Daily Mail“

Militärisches Gerätetauchen x Rolex Taucheruhren

Das Aufkommen des (militärischen) Gerätetauchens sorgte in den 1950ern für einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung wasserdichter Uhren: Die Rolex Oyster Perpetual Submariner mit einer Wasserdichtigkeit von 10 bar (100 Meter) erblickte 1953 das Licht der Welt. Schon ein Jahr später betrug die Wasserdichtigkeit der „Sub“ 200 Meter. Im Jahre 1954 belieferte Rolex auf Basis der Anforderungen des britischen Militärs die Royal Navy mit der berühmten Rolex Submariner 6538.

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Ein Jahrzehnt später wurde die Rolex Submariner 5513 an das britische Militär ausgeliefert, auch bekannt als „MilSub„. Eine hohe Wasserdichtigkeit verstand sich dabei von selbst, was auch haargenau in sogenannten Mil-Specs (Military Specifications) festgehalten wurde.

Über die Jahrzehnte wurde die maximal mögliche Wasserdichtigkeit aufgrund technologischer Fortschritte immer besser: Im Jahre 1967, mit Einführung der ersten Sea-Dweller („Single Red“), erweiterte Rolex die Wasserdichtigkeit auf 500 Meter, noch im selben Jahr bekam die Sea-Dweller ein Upgrade auf 610 Meter („Double Red“). 1978 waren es dann schon 1220 Meter…

Marketing-Krieg im Marianengraben: Rolex vs. Omega Taucheruhren

Wer in Erdkunde aufgepasst hat, wird sofort wissend nicken: Im 2400 km langen Marianengraben, gelegen im Pazifischen Ozean, befindet sich ist mit rund 11 Kilometern die tiefste Stelle des Weltmeeres – das sogenannte Challengertief, welches sich rund 320 Kilometer südwestlich von Guam (vor der Küste der Philippinen) befindet. Irre: Würde Chuck Norris den Mount Everest in das Challengertief verpflanzen, befände sich dessen Gipfel immer noch über 2 km unterhalb der Wasseroberfläche. Benannt wurde das Challengertief übrigens nach der HMS Challenger, einem Schifff der Britischen Flotte im Jahre 1858, welches Tiefenmessungen mit Gewichten durchführte und schon damals feststellte, dass der Marianengraben verdammt tief ist.

Walsh, Piccard und die Rolex Deep Sea Special

Im Jahre 1960 waren erstmals Menschen am Grund des Marianengrabens unterwegs: der US-Navy Lieutenant Don Walsh und der Schweizer Ozeanograf Jacques Piccard tauchten mit dem 150 Tonnen schweren Tiefseeboot Trieste in unglaubliche 10916 Meter Tiefe ab und stellten damit einen gefeierten Weltrekord auf.

Auch eine Uhr durfte bei diesem Weltrekord natürlich nicht fehlen: Niemand geringeres als der Schweizer Uhren-Experte Rolex sponsorte den Ausflug in die Tiefe mit einer extra konstruierten Taucheruhr, der Rolex Deep Sea Special (auch bekannt als „The Old Lady“).

Das Engagement war natürlich kein Zufall: Rolex galt – wie oben beschrieben – damals als absoluter Experte für wasserdichte Uhren bzw. Taucheruhren. Die Rolex Deep Sea Special wurde an der Außenseite (!) der Trieste befestigt und somit rund 9 Stunden dem Tiefseedruck ausgesetzt.

Augenscheinlichstes Merkmal der Rolex-Sonderkonstruktion ist zum einen das massive Erscheinungsbild: Mit 36 mm war die „Old Lady“ so hoch wie die meisten Uhren damals „breit“ 😉 Mit 42,7 mm war der Durchmesser aber deutlich geringer als bei der Rolex, die im Jahre 2012 auf den Boden des Marianengrabens geschickt wurde (hierzu gleich mehr).

Auch das extrem gewölbte Plexiglas sticht ins Auge: Dieses hielt zwar – aufgrund der guten Verteilung des Drucks auf der großen Glas-Oberfläche – dem enormen Wasserdruck in 11 km Tiefe stand, das Ablesen der Uhrzeit hätte sich praktisch aber eher schwierig gestaltet (was allerdings ohnehin kein Thema war, da die Herren Walsh und Piccard es ja vorzogen im Trockenen zu verweilen 😉

Knapp daneben ist auch vorbei: Rolex Deepsea Challenge

Im März 2012, 52 Jahre nach dem Ausflug der Trieste, tauchte der Filmemacher und Hobbyforscher James Cameron (ja, genau: der James Cameron, der sich u.a. für die Blockbuster Titanic und Avatar verantwortlich zeichnet) in einem eigens hierfür entworfenen Tauchboot, der „Deepsea Challenger“, hinab zum Marianengraben – und zwar mutterseelenallein! Außen am Tiefseeboot, genauer am robotergesteuerten Greifarm, war erneut eine Rolex befestigt – eine experimentelle, satte 51 mm große Sonderanfertigung mit dem Namen „Deepsea Challenge“.

(Bilder / Video: Rolex)

Die Tiefe von 1960 hat Cameron allerdings knapp nicht geknackt – der Kanadier kam „nur“ bis zu einer Tiefe von 10.908 Meter und verfehlte den Rekord von Walsh und Piccard um 8 Meter.

Auch bei Camerons Tiefseeausflug hielt die Rolex Deepsea Challenge dem krassen Wasserdruck stand. Basis für das experimentelle Sonderanfertigung war die für Otto Normal-Verbraucher kaufbare und optisch ähnliche Rolex Sea-Dweller Deepsea, die immerhin eine Wasserdichtigkeit von 390 bar (3900 Meter) aufweist – wer auch immer solch eine extrem hohe Wasserdichtigkeit in der Praxis braucht… 😉 Die Rolex Sea-Dweller Deepsea und die Rolex Deepsea Challenge haben als technische Merkmale u.a. das Ring Lock System und die TRIPLOCK-Krone gemeinsam, um die Uhr vor dem Eindringen von Wasser zu schützen…

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(Bilder: Rolex)

Exkurs: Rolex Triplock und Ring Lock für Taucheruhren

Das von Rolex patentierte Ring Lock-System sorgt dafür, dass das Glas und der Gehäuseboden durch den Druck in großer Tiefe an einen innen im Gehäuse liegenden Ring gedrückt wird. Dieser Druck auf den Ring stärkt wiederum die Dichtungen von Innen heraus. Da der Ring natürlich eine Menge aushalten muss, ist er aus BioDur 108 gefertigt, einem sogenannten austenitischen Stahl, der eine besondere Gefügestruktur aufweist und dadurch eine deutlich höhere Beständigkeit gegen aggressive Umgebungsbedingungen, insbesondere eine Resistenz gegenüber Korrosion (Rost), aufweist. Der Stahl wird z.B. in der Raumfahrt oder in Implantaten eingesetzt wird. Auch die Taucheruhr SINN U1 beispielsweise besteht aus austenitischem U-Boot-Stahl.

Ring Lock System, Bild: Rolex

Auch die 1970 eingeführte und auch heute noch eingesetzte Triplock-Technologie trägt seinen Teil dazu bei, dass Rolex-Taucheruhren wasserdicht sind – und hoffentlich lange bleiben: Die Triplock-Krone verfügt über zwei Dichtungsbereiche im Inneren des Kronentubus und einen dritten Dichtungsbereich in der Aufzugskrone selbst. Rolex-Uhren mit Triplock-System haben als Erkennungsmerkmal drei Punkte unterhalb des Logos:

Rolex Submariner mit Triplock-Krone, gut zu erkennen an den drei Punkten unterhalb des Rolex-Logos

„Omega taucht tiefer“: Omega Seamaster Ultra Deep und die Five Deeps Mission

Walsh, Piccard und Cameron waren die einzigen Menschen, die bis auf den Grund des Challengertiefs getaucht sind – bis zum Jahre 2019 jedenfalls: Im Mai 2019 stellte Victor Vescovo im Rahmen der „Five Deeps“-Expedition in seinem Tiefseeboot DSV (Deep Submergence Vehicle) Limiting Factor vom Hersteller Triton einen neuen Weltrekord auf: Er gelang in eine Tiefe von 10.928 Meter und damit 12 Meter tiefer als Walsh und Piccard im Jahre 1960. Die Vorarbeit für den Tauchgang hat übrigens die DSSV Pressure Drop gemacht – ein Schiff, ausgerüstet mit moderner Sonar-Technik, um die tiefste Stelle im Marianengraben zu finden…

DSSV Pressure Drop, Bild: Omega

An sich ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – wen interessieren popelige 12 Meter bei einer Gesamttiefe von fast 11 km? Ah, Moment, da fällt mir doch jemand ein – Rolex dürfte das interessieren 😉 Denn: Victor Vescovo schnallte sich eine Sonderkonstruktion aus dem Hause des Schweizer Uhrenherstellers Omega an sein Tiefseeboot. Dabei dachte sich Omega wohl doppelt, dreifach, hält besser: Gleich drei Zeitmesser des Typs Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep waren beim Tauchgang dabei: Zwei waren an den Greifarmen des Tauchboots fixiert, eine an einem Lander.

Die drei Exemplare haben den Tauchgang nicht nur unbeschadet überstanden, sondern sogar noch direkt nach dem Marianengraben-Ausflug die Master-Chronometer-Zertifikate für eine besonders hohe Ganggenauigkeit von der METAS verliehen bekommen. In der Marketingkommunikations-Abteilung bei Omega dürfte der eine oder andere Sektkorken durch’s Büro gezischt sein.

Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep am Greifarm der DSV Limiting Factor, Bild: Omega

Mit Taucheruhren-Ikonen wie beispielsweise der Omega Seamaster 300 (1957) oder der Omega Ploprof (1970) ist Omega kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um besonders wasserdichte Uhren geht – marketingtechnisch ist Omegas Ausflug in den Marianengraben im Rahmen des neu aufgestellten Weltrekordes nicht nur passend, sondern auch mehr als geschickt: „Omega taucht tiefer“ schreibt der Schweizer Hersteller selbstbewusst in einer Pressemittelung und schickt damit einen kleinen Seitenhieb Richtung Erzrivale Rolex.

Vintage-Anzeige der Omega Seamaster

Alle drei Sonderkonstruktionen wurden im Werk von Triton in Barcelona unter Anwesenheit eines DNV-GL-Experten druckgeprüft – um auf Nummer sicher zu gehen wurde die Konzeptuhr sogar bis 1500 bar getestet. Vielleicht gräbt ja mal irgendwann jemand ein Loch im Challengertief, um die Uhr in noch größerer Tiefe zu testen – theoretisch sollte sie das ja aushalten… oder vielleicht wäre das ja eine Idee für Rolex, um den alten Rekord wiederherzustellen? 😉

Witziges Detail: Lünette, Gehäuse, Gehäuseboden und Krone bestehen aus Ausschussteilen vom Rumpf des Tauchboots „Limiting Factor“. Konkret handelt es sich um Titan Grade 5. Um die Belastung auf das Uhrglas möglichst breit zu verteilen, hat Omega eine recht starke, Bullaugen-artige Wölbung berücksichtigt. Außerdem wurde Liquidmetal verwendet, um eine robuste und flexible Verbindung von Saphirglas und Gehäuse sicherzustellen. Dank dieser zum Patent angemeldeten Heissformbindung konnte auf den Einsatz von klassischen Kunststoff-Dichtungen verzichtet und die Dicke des Saphirglases reduziert werden. Mit einer Gehäusehöhe von satten 28 mm ist die Omega Seamaster Ultra Deep aber immer noch ein ziemlicher Brummer, den man wohl kaum gerne im Alltag am Handgelenk haben will…

Ein ganz schöner Brocken: Die 28 mm hoch bauende Omega Seamaster Ultra Deep, Bild: Omega

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