Private Label Uhren

Private Label Uhren von Grovana, POINTtec & Co. – was ist das eigentlich? [Wissenshäppchen]

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Sie sind aus dem Markt kaum wegzudenken: Hersteller von Private Label-Uhren– zu deutsch Handelsmarken. Doch was ist das eigentlich? Im allgemeinen handelt es sich bei Handelsmarken um Produkte, die von einem Hersteller für einen bestimmten Händler produziert werden und unter dem Markennamen des Händlers vertrieben werden. Jeder von uns hat sicherlich schon solche Private Label-Produkte gekauft – es ist ein offenes Geheimnis, dass Discounter wie Lidl, Aldi, Penny & Co. ihre Eigenmarken häufig von namhaften Herstellern produzieren lassen. So steht im Supermarkt-Regal beispielsweise der original Müller Milchreis genau neben dem Aldi-Milchreis – Hersteller ist in beiden Fällen die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG. Auch in der Uhren-Industrie ist Private Labeling Gang und Gäbe: Design, Entwicklung, Prototyping, die eigentliche Produktion, Qualitätssicherung und sogar Versand/Rechnungsstellung an den Endkunden sowie After Sales Service sind typische Dienstleistungen, die eine Uhrenmarke an einen Private Label-Hersteller auslagern kann. Bekannte Private Label-Uhrenhersteller sind beispielsweise Grovana oder POINTtec.

Auch das Design mit 3D-CAD gehört zu den Dienstleistungen eines Private Label-Uhren-Herstellers, Bild: Straton

Eine Vielzahl an Uhrenmarken lässt ihre Modelle bei Private Label-Herstellern produzieren, insbesondere kleinere Micro-Brands, die sich über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo finanzieren. Diese haben in aller Regel also keine eigene Uhrenproduktion, sondern greifen auf erfahrene Hersteller in der Schweiz, Deutschland oder in Asien (China, Hong Kong) zurück. Die Uhrenmarke hat durch die Beauftragung eines Private Label-Herstellers den großen Vorteil auf dessen bestehenden Maschinenpark zurückgreifen zu können. Denn: Maschinen und Geräte, um beispielsweise …

  • Gehäuse zu fräsen,
  • Zifferblätter aus einem Rohling zu stanzen, die Oberfläche zu bearbeiten und die Indizes über das Tampon-Verfahren zu drucken,
  • Wasserdichtigkeit zu prüfen,
  • Zeiger zu bläuen,
  • und und und

… sind natürlich teuer. Solche Investitionen, die schnell in die Millionen gehen können, wagen die allerwenigsten Micro-Brands. Das unternehmerische Risiko, nach bestimmten Vorgaben über Private Label-Firmen produzieren zu lassen, ist ungleich kleiner.

Auch eigenes Know-How in der Uhrenproduktion sowie Personal ist logischerweise nicht erforderlich – die Uhrenmarke bzw. die Micro-Brand kann sich auf Dinge wie Markenaufbau, Vertrieb, Service und häufig auch Design konzentrieren. Und der Private Label-Hersteller freut sich gleichzeitig über eine bessere Auslastung der Produktion, neben den eigenen Hausmarken (sogenannte Herstellermarken, hierzu gleich mehr).

Uhren-Design aus der Feder von Sergio Di Renzo

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte kann man festhalten, dass die Micro Brand-Landschaft wie wir sie kennen, ohne die professionell arbeitenden Private Label-Uhrenhersteller schlicht und ergreifend nicht möglich wäre.

Klingt alles super, oder? Jetzt kommt das „Aber„: Wenn Uhrenmarken keinerlei eigene Produktions-Kompetenz haben und Private Label-Hersteller beauftragen, birgt das natürlich auch Gefahren – Micro-Brands werden beispielsweise manchmal dafür kritisiert ihre Modelle lieblos im „Baukausten-Design“ zusammenschustern zu lassen – ohne echte eigene Ideen. Da gleicht ein Design häufig dem anderen. Ganz zu schweigen von der Abhängigkeit vom Private Label-Hersteller: Bei der nächsten saftigen Preiserhöhung schaut die Micro-Brand ggf. in die Röhre und muss sich einen neuen Lieferanten suchen. Und noch ein Beispiel: Durch den Coronavirus-Ausbruch 2020 hatten einige Produktionsstätten in China länger geschlossen als ursprünglich geplant – dadurch kam es bei vielen Micro-Brands, die in Asien produzieren lassen, zu unvorhergesehenen und nicht beeinflussbaren Verzögerungen.

Kapten & Son – einer der Vorreiter des Hypes um „minimalistische Uhren“. Nachahmer schießen bis heute wie Pilze aus dem Boden, die meisten davon greifen ungeniert in den „China-Baukasten“.

Private Label-Hersteller produzieren aber natürlich nicht nur für Uhrenmarken. Auch andere Firmen oder Organisationen, die ihre Kernkompetenz in einem ganz anderen Bereich haben, greifen bei Bedarf auf diese zurück, zum Beispiel, wenn zum Firmenjubiläum eine Uhr an alle Mitarbeiter ausgegeben werden soll. Der Private Label-Uhrenhersteller POINTtec wirbt beispielsweise mit diesen Referenzen aus dem Bereich Industrie und Militär:

Beispiele von Private Label Uhren-Herstellern: Grovana, POINTtec, Roventa-Henex & Co.

Private Label-Hersteller können sich überall auf der Welt befinden – viele sitzen in Asien (Hong Kong, China), einige aber auch in der Schweiz oder in Deutschland. Logisch, dass auch Swiss Made oder Made in Germany von Private Label-Uhrenherstellern für andere Marken ermöglicht wird, egal wo diese ihren Hauptsitz haben.

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Die größten Schweizer Private Label-Uhrenhersteller mit ca. 20 bis 100 Mitarbeitern sind:

  • Roventa-Henex,
  • Walca,
  • Grovana,
  • Timestar,
  • Blanchefontaine und
  • Xantia

Ein bekannter Name, über den man in einschlägigen Uhren-Communities häufig stolpert, ist Grovana, was zum einen an der gleichnamigen Uhrenmarke und zum anderen an der Verbindung zum Traditionsunternehmen Revue Thommen liegt.

Hauptsitz von (Revue) Thommen in Waldenburg, Schweiz – 12 km vom Sitz der Grovana AG entfernt, Bild: KusiD [CC BY-SA]
Grovana, Tenniken (Schweiz), Bild: Kusenberg Dieter

Mit einem etwas kleineren Schweizer Private Label-Hersteller habe ich mich bereits ausführlicher beschäftigt: Die Cattin & Cie SA kann auf eine 160-jährige Geschichte zurückblicken – das Familienunternehmen war aber selbst mir als hartgesottenem Uhrenfreak bisher völlig unbekannt, da es schon sehr lange hauptsächlich für andere Uhrenmarken tätig ist. Erst seit kurzem will Cattin & Cie die hauseigene Marke CATOREX stärker pushen (hier gibt’s mein Review zum CATOREX Krono Classic und ein Interview mit dem Geschäftsführer Guy Albert Cattin).

Catorex – die hauseigene Marke von Cattin & Cie

In Deutschland konnte ich die folgenden Private Label-Hersteller von Uhren recherchieren:

Private Label-Uhrenhersteller in China bzw. Hong Kong sind beispielsweise:

  • 3 Wells
  • Montrichard
  • Bolong
  • Meigeer
  • Chrono China
  • Fiyta

Private Label Uhren: Wer beliefert wen?

Welche Uhrenmarke aus welcher Produktionsstätte purzelt dringt in den seltensten Fällen an die Öffentlichkeit – Diskretion ist im Private Label-Bereich das A und O. Das ist ja auch irgendwo logisch: Warum sollte eine Uhrenmarke offen kommunizieren wollen, dass sich eigentlich eine ganz andere Firma für die Produktion verantwortlich zeichnet? Viele Kunden machen sich einfach keine Gedanken darüber, wo eine Uhr produziert wird – sie sehen in der Regel nur die Uhrenmarke.

Ausnahmen bestätigen die Regel – Roventa-Henex bekam zuletzt in den Medien eine ordentliche Portion Aufmerksamkeit spendiert: Die junge Schweizer Marke NORQAIN, gegründet von einem Ex-Breitling Brand Manager und dessen Vater, der jahrelang Chef und Anteilseigner von Roventa-Henex war, nutzte seine Kontakte für eine dortige Produktion und kommuniziert das offen.

NORQAIN Adventure Sport, Bild: NORQAIN

Hier gibt es ein paar spannende Einblicke in die Arbeit bei Roventa-Henex:

Ein weiteres Beispiel:Der Private Label-Hersteller Mitschele aus Pforzheim kommuniziert die Uhrenmarken Danish Design, CHRIST und M&M Germany als Kunden.

Viele Private Label-Uhrenhersteller positionieren auch ihre eigenen Marken (sogenannte Herstellermarken) am Markt und treten damit als Konkurrenten zu ihren eigenen Kunden auf – das ist im Private Label-Bereich allgemein nicht unüblich, eine Koexistenz ist normalerweise unkritisch. Beispiele sind Laco mit ihrer gleichnamigen Traditionsmarke mit Schwerpunkt auf Fliegeruhren und POINTtec mit den beliebten eigenen Herstellermarken Iron Annie und Zeppelin.

Laco Frankfurt GMT

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