Plötzlich tauchten sie auf in den 60ern, die Taucheruhren-Zifferblätter in der Farbe Orange. Nicht dezent, sondern richtig schön knallig Karotten-orange. Und das muss damals doch ziemlich irritierend gewirkt haben, denn die klassische Taucheruhr war damals einfach schwarz – das wirkte professionell, nüchtern, seriös und irgendwie nach ernsthafter Arbeit unter Wasser. Aber genau deshalb funktionierte die Farbe Orange vermutlich so gut und findet sich heute noch in vielen Taucheruhren wieder – Orange als Signalfarbe sticht einfach heraus. Aber was ist der historische Hintergrund bzw. der konkrete Nutzen? Oder handelt es sich „nur“ um geschicktes Marketing?


Nun, Doxa gehörte Ende der 1960er zu den ersten Herstellern, die das Thema erstmalig aufgriffen. Zur Einordnung: Der Tauchsporte erlebte ab den 1950er Jahren einen massiven Aufschwung. Jedenfalls bekam die Doxa SUB-Serie mit der SUB300 damals kurzerhand ein knalloranges Blatt verpasst, und das wurde vordergründig über (angebliche) praktische Vorteile verkauft: Man habe verschiedene Farben unter Wasser getestet, im trüben Neuenburgersee, um die optimale Ablesbarkeit zu finden. Türkis, Gelb, Rot – am Ende blieb Orange übrig. Klingt ziemlich wissenschaftlich, oder? Fast vielleicht ein bisschen zu wissenschaftlich. Und nun ja, wenn man ehrlich ist, war das Ganze am Ende des Tages auch ein Stück weit cleveres Marketing.

Denn damals war der Markt für Taucheruhren plötzlich voll von ehrgeizigen Herstellern. Rolex hatte die Submariner längst etabliert, andere Marken wollten natürlich ebenfalls ein Stück vom professionellen Taucheruhrenkuchen abhaben und drängten in den Markt. Und während viele Konkurrenten auf das klassische Schwarz setzten (nach dem Motto „lieber auf der sicheren Seite“), stand da plötzlich diese Uhr in Orange in der Auslage. Nicht beim Juwelier zwischen Goldkettchen und Manschettenknöpfen übrigens, sondern tatsächlich in der Regel im Tauchshop zwischen Atemreglern und Neoprenanzügen. Denn wer so ein Ding am Handgelenk hatte, wollte damit meistens wirklich ins tiefe Wasser – anders als Bürostuhlakrobaten wie ich heutzutage.


Das Argument mit der besseren Ablesbarkeit, das Doxa damals vorbrachte, klingt zunächst plausibel: Am Arm, vor auf einem schwarzen Neoprenanzug getragen, sticht eine orange Uhr beim Tauchen sofort heraus und ist somit schnell erfassbar. Der Blick bleibt sofort daran hängen – ähnlich wie bei Warnwesten oder Rettungsbojen.
Aber: Unter Wasser wird Licht bekanntlich gefiltert. Die Wahrnehmung von Farben durch das menschliche Auge verringert sich mit zunehmender Tauchtiefe, da unter Wasser Farben mit großer Wellenlänge schon nach wenigen Metern absorbiert werden. Zuerst „verschwindet“ dabei die Farbe Rot. Orange, mit einer Wellenlänge von rund 600 nm, schwindet ebenfalls bereits recht früh, in rund 15 Metern Tiefe (zum Vergleich: 40 Meter ist die Grenze für Sporttaucher – nur bis zu dieser Grenze gilt das Tauchen mit normaler Pressluft ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen als sicher). Oder kurz gesagt: Von der knalligen Farbe nimmt der Taucher ab rund 15 Metern Tiefe nur noch ein mattes Grau wahr. Die Zifferblattfarbe Orange bietet also mit zunehmender Tauchtiefe keinen nennenswerten Nutzen mehr beim Tauchgang bzw. verbessert in größeren Tiefen auch nicht die Ablesbarkeit.

Der eigentliche Schlüssel zur Ablesbarkeit liegt woanders – beim Kontrast. Helle Zeiger und Indexe auf dunklem Blatt funktionieren unter schwierigen Bedingungen grundsätzlich am besten. Deshalb sehen klassische Taucheruhren oft so aus, wie sie aussehen: schwarzes Blatt, kräftige weiße Leuchtmasse, klare Formen wie beispielsweise der Pfeilzeiger der Omega Planet Ocean oder der Mercedes-Zeiger der Rolex Submariner, wenig bis kein Schnickschnack. Nicht unerwähnt bleiben soll dabei, dass moderne Leuchtmasse wie Super-LumiNova heute sehr leuchtstark ist und so der Kontrast in schwierigen Lichtverhältnissen ohnehin besser ist als früher.
Trotz allem sprangen damals einige Profis auf den orangefarbenen Hypetrain auf: Zwischen 1968 und 1979 wurden weniger als 150 Taucheruhren an die Schweizer Kampfschwimmer ausgegeben, bevor die Einheit aufgelöst wurde. Die ausgegebenen Standard-Doxa Sub 300T Professional-Uhren wurden von der Waffenkammer mit einer individuellen vierstelligen Nummer (beginnend mit der Nummer 5000) graviert sowie einem Schweizer Kreuz und den Buchstaben ‚EMD‘ (Abkürzung für Eidgenössisches Militärdepartment, damals der Name des Bundesmilitäramtes). Wenn ein Kampfschwimmer die Einheit verließ, wurde seine Uhr automatisch an den nächsten Kollegen weitergegeben, sodass im Laufe der Jahre bis zu drei Taucher dieselbe Sub 300T verwendeten. Am Ende erhielten Taucher, die von ihrer Dienstpflicht entbunden waren, meistens auch die Möglichkeit, ihre Taucheruhr für 30 Schweizer Franken zu kaufen, und so wurde diese Uhr für viele Mitglieder der Einheit zu einem wertvollen Erinnerungsstück.
Und noch ein Beispiel: Unter den Uhren, die, die am 03. September 1968 im Rahmen der SEALAB III-Mission, ein wissenschaftliches Unterwasserhabitat-Forschungsprogramm der U.S. Marine, herausgegeben wurden, waren ebenfalls zwei Doxa-Modelle mit orangem Blatt.

Auf jeden Fall kann man festhalten: Orangene Taucheruhren haben bis heute überlebt. Vielleicht gerade weil sie nicht den allergrößten praktischen Nutzen haben. Denn analoge Uhren leben heute natürlich nicht nur von rationalen Argumenten. Niemand braucht heute ernsthaft eine mechanische Taucheruhr. Moderne Tauchcomputer erledigen den Job präziser und zuverlässiger. Trotzdem kaufen Menschen weiterhin analoge Uhren mit drehbarer Lünette und Wasserdichtigkeiten, die man im Alltag vermutlich nie erleben wird. Das ist kein Widerspruch – eher Teil des Reizes.
Orange bringt dabei etwas ins Spiel, das vielen modernen Luxusuhren fehlt: eine gewisse Lockerheit. Sie wirkt weniger wie „Ich habe nachher einen wichtigen Geschäftstermin“ und mehr wie „Vielleicht springe ich gleich spontan ins Meer“. Selbst wenn das Meer am Ende nur der Badesee um die Ecke ist. Viele Sammler verbinden die Farbe außerdem den Siebzigern – kein Wunder, denn die „schrillen“ oder „wilden“ Siebziger waren bekannt für mutige Farbkombinationen, Plateauschuhe, Tapetenmuster und extravagantes Design. Und Retro funktioniert bekanntermaßen heutzutage sowieso ziemlich gut.
So oder so: Zwischen all den schwarzen Divern sticht ein kräftig oranges Zifferblatt bis heute auf jeden Fall deutlich heraus. Kleiner Tipp: Solche Uhren passen ganz wunderbar zum olivgrünen Shirt.

Aktuelle Taucheruhren mit orangem Zifferblatt – von günstig bis teuer
Abschließend hier auch noch eine kleine Übersicht über aktuell erhältliche Taucheruhren mit orangem Blatt in allen Preisklassen, die einen Blick wert sind (Stand Mai 2026):
- Doxa SUB 300T
- Certina DS Super PH500M
- HEINRICH Taucher Sport
- Fortis Marinemaster M-40
- traser P67 Diver Orange – 109380
- Seiko 5 SRPD59K1
- Citizen NY0120-01ZC
- TAG Heuer Aquaracer (erhältlich bei TAG Heuer im Outlet Roermond)
- Breitling SuperOcean Automatic 36
- Circula AquaSport II
- Vulcain Skindiver Nautique Orange 660170A67
- Squale 2001 Reverse Orange 2001BKOR
- Nivada Grenchen Depthmaster – Black Pumpkin 14131A
- Isotope Hydrium The Orange One
- Bulova 96B350 Oceanographer
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Ich denke, dass auch die Certina PH500 erwähnenswert ist
Absolut, danke für die Ergänzung!
Die Doxa ist auch heute noch der absolute Hingucker.