Mehrwertsteuer

Wumms!? Ein Kommentar zur reduzierten Corona-Mehrwertsteuer bei Uhren

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Der Coronavirus bestimmt seit vielen Monaten unseren Alltag. Die Wirtschaft hat einen massiven Dämpfer bekommen. Um den Schaden zumindest ein Stück weit einzudämmen, verteilt unsere Bundesregierung ordentlich Geldgeschenke. Eines davon war bei der Ankündigung Anfang Juni 2020 eine echte Überraschung: Die Mehrwertsteuer wird im Zeitraum 1.7.2020 bis 31.12.2020 von 19% auf 16% (bzw. von 7% auf 5%) abgesenkt.

Das Ziel: Der Konsum soll angekurbelt und der Wirtschaft damit ein Schub gegeben werden. Oder mit den Worten von Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz: Die Mehrwertsteuersenkung soll dazu beitragen mit Wumms aus der Krise zu kommen.

Nun, der volkswirtschaftliche Nutzen der Mehrwertsteuerabsenkung darf grundsätzlich kritisch gesehen werden – wird der Konsum tatsächlich angekurbelt? Kaufen die Leute tatsächlich mehr?

Der Knackpunkt ist aber auch: Die Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet die Mehrwertsteuersenkung weiterzugeben und die Preise für die Endkunden damit effektiv zu reduzieren. Und tatsächlich ist es Fakt, dass viele Unternehmen den eindringlichen Appell der Bundesregierung schlichtweg ignorieren.

Wir erwarten dringend, dass die Unternehmen diese Gelegenheit jetzt nicht nutzen für erhebliche Preissteigerungen. […] Oder dafür, dass man diese Senkung der Mehrwertsteuer für sich selber nutzt. Sondern es geht darum, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher diesen Vorteil unmittelbar haben. Das muss auch sein.

Olaf Scholz, Finanzminister

Der Kaffeeröster Starbucks beispielsweise hat sich schnell positioniert und streicht die reduzierte Mehrwertsteuer lieber selbst ein. Douglas wollte zunächst nur Rabatt-Coupons für den nächsten Einkauf mitgeben, anstelle die Mehrwertsteuersenkung sofort an der Kasse abzuziehen – der Duft-Riese ruderte nach einem Shitstorm allerdings zurück. Versuchen kann man’s ja mal!

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Mehrwertsteuersenkung bei Uhren?

Und im Uhrenbereich? Die gute Nachricht: Der Großteil der Uhrenmarken und -Händler folgt dem Aufruf der Bundesregierung. Aber dennoch gibt es leider auch Anbieter, die offensichtlich nicht viel von der Endkunden-orientierten Konjunkturmaßnahme der Bundesregierung halten und sich die Mehrwertsteuer lieber als zusätzliche Marge einverleiben.

Die gestandenen Uhrenmarken Steinhart, Laco und Marc & Sons beispielsweise nennen zwar den korrekten Mehrwertsteuersatz (16%), geben die Absenkung allerdings effektiv nicht in ihren eigenen Online-Shops weiter – die Endpreise sind gleichgeblieben.

(Screenshots Stand 23.08.2020)

Steinhart
Marc & Sons
Laco

Ist das vielleicht auf technische Gründe zurückzuführen? Nun, dafür fehlt mir die Fantasie, denn in professionell aufgesetzten Shop-Systemen (Woocommerce, Shopify etc.) ist es nun wirklich kein Problem die Mehrwertsteuer abzusenken oder einen pauschalen Rabatt an der virtuellen Kasse zu gewähren.

Dass es auch kundenorientiert geht, zeigen viele andere Uhrenmarken – die Branchengrößen Fortis, NOMOS, Junghans oder Sinn Spezialuhren beispielsweise geben die Mehrwertsteuersenkung weiter, auch wenn dies teilweise erst im Warenkorb in Form eines Pauschal-Rabattes ersichtlich ist.

Junghans
NOMOS
Fortis-Preisnachlass in Höhe von 3% – rechnerisch ist das sogar etwas mehr als würde die Mehrwertsteuer direkt abgesenkt werden (2,5%)
Sinn Spezialuhren mit einem Pauschalrabatt in Höhe von 2,5%, was der um 3% reduzierten Mehrwertsteuer entspricht

Selbst kleinere deutsche Uhrenmarken und Microbrands kriegen es offensichtlich hin die Mehrwertsteuersenkung an die Endkunden weiterzugeben – so zum Beispiel Damasko, Stowa, Hanhart oder Archimede.

Auch bei Uhren-Händlern zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild: Wempe und Christ beispielsweise geben die Mehrwertsteuerreduzierung im vollen Umfang an die Endkunden weiter. Bei Rüschenbeck hingegen ist alles beim Alten…

NOMOS-Uhr bei Rüschenbeck – im NOMOS Online-Shop günstiger dank weitergegebener Mehrwertsteuersenkung

Natürlich ist es so, dass man eine hochpreisige Uhr faktisch nicht braucht. Eine Casio für ’nen Zehner oder das Smartphone tun es auch. Ob nun eine Uhr 1160€ oder 1190€ kostet – der nicht besonders hohe Preisunterschied dürfte echte Uhren-Enthusiasten wohl kaum vom Kauf abhalten. Und dennoch: Sollte es hier nicht ums Prinzip gehen? Darf man als Endkunde nicht erwarten, dass sich eine Maßnahme wie die Mehrwertsteuersenkung auch bei einem Luxusgut wie einer Uhr im Geldbeutel bemerkbar macht? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

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4 Gedanken zu “Wumms!? Ein Kommentar zur reduzierten Corona-Mehrwertsteuer bei Uhren”