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Wenn es um die Hanhart 417 (ES) geht, fällt ziemlich schnell der Name der Schauspiel-Berühmtheit Steve McQueen. Doch die Geschichte dieses deutschen Chronographen ist alles andere als aus der Kategorie Hollywood-„Hochglanz“: Hier treffen einfach nur zwei Geschichten aufeinander, die meiner Meinung nach richtig gut zusammenpassen: die Geschichte eines funktionalen Flieger-Chronographen, der damals an die frisch gegründete Luftwaffe der Bundeswehr geliefert wurde, und die Geschichte eines Mannes, der alles liebte, was einen Motor und mindestens zwei Reifen hatte.

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Als der alteingesessene Gütenbacher Uhrenhersteller Hanhart anno 2020 die 417 ES erstmals in ihrer 42 mm großen Neuauflage auf den Markt brachte, hätten die Verantwortlichen vermutlich nicht mit diesem mehr als beachtlichen Erfolg gerechnet. Die Uhren-Community hat damals Hanhart ganz schön „die Bude eingerannt“, um es mal so auf den Punkt zu bringen. Konsequenterweise folgten über die Jahre einige neue Varianten, darunter insbesondere das kleinere 1954er-Gehäuse mit historisch korrektem Durchmesser von 39 mm sowie technisch spannende Upgrades wie ein Flyback-Kaliber von der Manufakturabteilung von Sellita (AMT).

Hanhart durfte dabei bisher nie offiziell mit Steve McQueen werben – die Erzählung rund um die vom „King of Cool“ getragene Uhr wurde vor allem von Uhrenfreunden auf der Grundlage historischer Bilder von McQueen befeuert. Nun gibt’s aber im Oktober 2026 tatsächlich die allererste offizielle McQueen-Kooperations-Uhr, gemeinsam erarbeitet mit Steve McQueens Enkeln Chase und Madison McQueen.

Der (meiner Meinung nach ziemlich passende) Ort für die Präsentation dieser Uhr, der ich auch beiwohnen durfte, war Hanharts Hauptsitz in Gütenbach im Schwarzwald. Hanhart sitzt hier nämlich nicht in einem gläsernen Luxuspalast, sondern in einer eher unscheinbaren Umgebung zwischen Wald und Wiesen und Schafen vor dem Fenster – in einem ziemlich alten historischen Gebäude, das Hanhart schon 1934 bezogen hat und dort seitdem durchgängig produziert (mit Ausnahme eines kurzen Zeitraums nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Maschinen von den Besatzungsmächten abtransportiert wurden). Heute finden sich hier alte Maschinen, die aber immer noch im Einsatz sind, direkt neben moderner Fertigungstechnik – und überall diese Mischung aus Schwarzwaldidylle und industrieller Realität. McQueen hätte sich vermutlich hier ziemlich wohl gefühlt, wie wir auch gleich mit kurzem Blick auf seine Vita sehen werden.

Und genau hier in Gütenbach wird eben auch die Uhr gefertigt, deren „Vorfahr“ ursprünglich für alles andere als den den roten Teppich gedacht war, sondern – wie eingangs kurz erwähnt – für einen ziemlich handfesten Zweck: Bekannt geworden war die 417 (ohne „ES“) ab Mitte der 1950er vor allem als erster offizieller Zeitmesser für die neu aufgestellte Luftwaffe der Bundeswehr – zuverlässig und ohne unnötigen Schnickschnack sollte sie entsprechend sein. Die Ausführung 417 ES mit Edelstahlgehäuse folgte später als robustere Variante. Fast baugleich war der antimagnetische Flyback-Fliegerchronograph für die französische Marke Vixa, der an die französische Luftwaffe (L’Armee de l’Air) ausgeliefert wurde – ebenfalls Mitte der 50er.

Tipp: Die Inhalte dieses Beitrages gibt’s auch bei uns auf YouTube:

Über Steve McQueen – und wie eine Hanhart an sein Handgelenk kam

Bevor wir uns näher mit der neuen McQueen-Edition von Hanhart beschäftigen, schauen wir uns noch kurz das Leben von Steve McQueen an: Bevor der nämlich zum Hollywoodstar wurde, war sein Leben alles andere als geradlinig. Seine Kindheit verlief schwierig, mit 14 Jahren lebt er noch im Heim für schwer erziehbare Jungen, als 17-Jähriger meldet er sich zum Dienst bei den Panzerfahrern der US Marines.

Im Alter von 22 Jahren bewirbt er sich erfolgreich um einen der raren Plätze am berühmtem Actors Studio in New York – in den 1950er-Jahren die Schauspielschule überhaupt. Finanziell hielt er sich mit Gelegenheitsjobs, z.B. als LKW-Fahrer, über Wasser. Seine erste Hauptrolle hatte er in „The Blob“. Die Gage: 3.000 Dollar. Es ist der vergleichsweise bescheidene Beginn eines unfassbaren Aufstiegs, der mit Filmen wie „Die glorreichen Sieben“, „Gesprengte Ketten“, „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ und schließlich „Bullitt“ gelang.

McQueen war zeitweise der bestbezahlte Schauspieler der Welt. Wobei er dabei nie ausschließlich Schauspieler war. Vielleicht war er das auf dem Papier. In seinem Leben war er mindestens genauso sehr Rennfahrer, Tüftler und Fan von Motoren und Mechanik. Zitat McQueen: „Ich bin nicht sicher, ob ich ein Schauspieler bin, der Rennen fährt, oder ein Rennfahrer, der schauspielert.“

Hier im Bild sieht man McQueen beim Baja 1000, eines der längsten und härtesten Offroad-Wettrennen der Welt. McQueen nahm dort 1969 teil. Am Handgelenk: Sein Hanhart-Chronograph.

McQueen und sein Teamkollege hatten insbesondere auch bei dem Langstreckenklassiker, das Zwölfstundenrennen von Sebring, Florida, für einen echten Coup gesorgt: Obwohl das Duo in einem Auto von McQueens Lieblingsmarke Porsche, ein 908er, der Konkurrenz leistungsmäßig auf dem Papier klar unterlegen waren, führten sie in der Schlussphase des Rennens und wurden erst in der letzten Runde überholt. Am Ende trennten die beiden weniger als eine halbe Minute vom Sieg – nach zwölf Stunden kaum mehr als ein Wimpernschlag. Steve McQueen hasste es eigentlich, Zweiter zu sein, aber dieser zweite Platz war dann vielleicht doch ganz akzeptabel für ihn, denn die Rahmenbedingungen waren alles andere als optimal: Zum Rennen in Sebring erscheint er auf Krücken und mit Gips – Diagnose: Fußbruch. McQueen erklärte aber nüchtern den wartenden Fernsehreportern: „Wir mussten das linke Pedal im Auto kürzen und Sandpapier auf meine Fußsohle kleben, damit ich die Kupplung bedienen kann.“ Auch in Steve McQueens Filmen wird nur nach seinen Regeln gespielt – und er treibt dadurch regelmäßig Regisseure in den Wahnsinn, wie man so liest.

Die Sebring-Geschichte steht ein Stück weit sinnbildlich für den roten Faden in McQueens Biografie: Er wollte auf der Rennstrecke nicht nur so aussehen, als könne er etwas. Er wollte es tatsächlich können. Später bei den Dreharbeiten von „Le Mans“ wurde daraus beinahe eine Obsession. „Le Mans“ war schließlich ja auch kein klassischer Hollywoodfilm, bei dem ein Stuntman ein paar Runden dreht und der Hauptakteur dann wieder ins klimatisierte Studio fährt.

Im Rahmen seiner Passion sammelte McQueen wie besessen alles, was einen Motor und mindestens zwei Reifen hatte, wie Steve McQueens Enkel Chase in einer Liveschalte in Gütenbach im Rahmen der Vorstellung der neuen 417 ES Steve McQueen Limited Edition mit einem Augenzwinkern sagte – nicht nur Autos, auch Motorräder und sogar Flugzeuge. Und auch Uhren gehörten offenbar zu seiner Sammelleidenschaft: es gibt Bilder von ihm mit der Rolex Submariner Ref. 5512, der Rolex Explorer II mit der Referenz 1655, der Heuer Monaco (Le Mans 1971) und – na klar – der Hanhart 417, die sich Steve McQueen laut Enkelsohn Chase vermutlich anno 1961 gekauft hat – übrigens privat, weil sie ihm einfach gefallen hat, und nicht im Rahmen eines Markenbotschaftervertrages oder dergleichen. So existieren von Steve McQueen ziemlich viele Bilder mit der 417, darunter eines von ihm bei der Internationalen Sechstagefahrt (International Six Days Trial – ISDT) im Jahre 1964 in Erfurt, wo er die Vereinigten Staaten von Amerika dank seiner Rennsportlizenz FIM offiziell vertreten hat.

Er hat die Uhr sogar in seiner Rolle als der Boeing B-17-Bomberpilot Captain Buzz Rickson im Film „The War Lover“ (1962) getragen (was streng genommen historisch nicht korrekt war, da der Film während des Zweiten Weltkriegs spielt und die 417 ja erst in den Nachkriegsjahren kreiert wurde).

Hier an meinem Handgelenk sieht man auch die original 417, die als Vorlage für die Neuauflage diente (rechts im Vergleich die aktuelle, nicht-limitierte Flyback-417 ES in 42 mm):

Eine McQueen-Uhr ohne Holzhammer

Die Präsentation der Steve McQueen-Edition der 417 ES am 1.10.2026 fand wie bereits eingangs erwähnt am absolut passenden Ort statt – am Gütenbacher Hauptsitz: Schon bei meinem ersten Besuch vor ein paar Jahren war ich einfach nur beeindruckt wie viel Fertigungstiefe und Wertschöpfung hier vor Ort stattfindet. Einen so großen, hauseigenen Maschinenpark habe ich noch nicht mal ansatzweise bei einem unabhängigen Uhrenhersteller in der Größe von Hanhart gesehen. Im Erdgeschoss des Gütenbacher Firmengebäudes riecht es herrlich nach alten Maschinen und Öl – hier wird gestanzt, gefräst, gebohrt, gesenkt, gewindet, geschliffen und gehärtet – an etlichen Jahrzehnte alten Maschinen und in einem modernen CNC-Bearbeitungszentrum. Und anstatt immer mehr auszulagern, versucht Hanhart sogar zunehmend Wertschöpfung und damit größere Unabhängigkeit ins Haus zu holen, wie uns vor Ort bestätigt wurde. Hier geht mir als Uhrennerd einfach nur das Herz auf, wenn ich sehe, wie es in unserer globalisierten Welt ein kleinerer Uhrenhersteller noch schafft so viel im eigenen Hause zu fertigen. Mittlerweile hat Hanhart übrigens neben Stoppuhren und Armbanduhren sogar Kuckucksuhren von der alteingesessenen Schwarzwälder Manufaktur Anton Schneider unter ihrem Dach – mehr dazu und zum Hanhart-Museum aber in einem separaten Video 🙂

Hanhart Produktionsgebäude in Gütenbach, 1939
Hanhart Produktionsgebäude in Gütenbach, 1939, Bild: Hanhart

Auch Steve McQueen hätte sich zwischen all den alten Maschinen vermutlich pudelwohl gefühlt – genauso wie er sich mit der kleinen Flotte an Oldtimern wohl gefühlt hätte, die Hanhart extra für die Vorstellung der Uhr aufgefahren hat. Auch ich durfte mich für rund 1,5 Stunden wie der „King Of Cool“ fühlen als ich einen 1967er Ford Mustang ausführen und durch die wunderschöne Schwarzwaldlandschaft fahren durfte. Damit ging für mich auch ein kleiner Kindheitstraum in Erfüllung – in meinem Kinderzimmer hing schon ein Poster eines Ford Mustang und ich wurde definitiv nicht enttäuscht… allein schon der Sound des V8-Motors… ein Träumchen.

Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited Edition im Hands-On

Bevor wir aber allzu sehr abschweifen, kommen wir nun natürlich zur Uhr, die ich auch schon im Vorfeld der offiziellen Präsentation in Gütenbach in meinem Fotostudio ablichten konnte.

Hanhart wagt bei der McQueen-Edition der 417 ES designtechnisch keine Experimente – die Basis ist die 39 mm große 417 ES 1954 in der Flyback-Variante, mit all ihren charakteristischen Merkmalen wie den kannelierten, stufenlos-bidrektionalen Drehring und dem Bicompax-Stil (alles andere hätte mich auch gewundert) – es kommt aber ein entscheidendes Detail dazu, das die Uhr von der nicht-limitierten Variante der 417 ES 1954 unterscheidet: Bei 6 Uhr sitzt der dezente Print der Steve McQueen-Signatur, direkt unter dem „SHOCKPROOF“-Schriftzug – ein ziemlich passendes Plätzchen, wie ich finde. Dabei hat Hanhart nicht „irgendeine“ Unterschrift genommen, sondern eine, die Steve McQueen tatsächlich in seinen späteren Jahren durchgängig benutzte, wie sein Enkel Chase McQueen in der Liveschalte zur Vorstellung der Uhr erwähnte.

Neu ist ferner das – finde ich optisch perfekt passende – braune Cuff Strap aus Shell Cordovan der italienischen Gerberei Comipel. Fotos von McQueen belegen, dass er die 417 ES gerne an einem solchen Band getragen hat. Das Leder wird aus einer dichten Faserschicht im Hinterteil des Pferdes gewonnen und traditionell pflanzlich gegerbt. Das Verfahren ergibt ein besonders strapazierfähiges Leder mit auffällig glatter Oberfläche und natürlichem Glanz.

Das Band erinnert an die sogenannten BUND Straps, bei denen die Uhr nicht direkt auf der Haut liegt, sondern auf einer zusätzlichen Lederunterlage getragen wird. Im Vergleich zu einem BUND Strap werden beim Cuff Strap allerdings die beiden Seiten jeweils doppelt durch die Unterlage gefädelt. Historisch betrachtet diente die Leder-Unterlage übrigens zum Schutz vor Schweiß, Staub und dergleichen bzw., um bei damals üblichen verchromten Messinggehäusen keine Flecken auf der Haut vom Messing zu bekommen, sobald die Chromschicht mal runtergerubbelt war – funktional eben. Es kursieren auch Gerüchte, dass Piloten die Lederunterlage früher zu schätzen wussten, da es an Bord in luftigen Höhen gerne mal „schweinekalt“ wurde – und das Metall der Uhr gleich mit. So oder so: Die Uhr bekommt durch das Band nicht nur mehr Präsenz am Handgelenk, sondern wirkt auch nochmal eigenständiger.

Hier übrigens auch noch ein direkter Vergleich mit der 42 mm großen 417 ES Flyback (hier getragen an einem FKM Rubber NATO von einem Drittanbieter) – man sieht hier nochmal gut, was 3 Millimeter ausmachen können:

Auch der Rest bleibt typisch 417 ES: Das stark gewölbte Saphirglas, das kontrastreiche, perfekt ablesbare, mattschwarze Zifferblatt mit seinen zwei Totalisatoren in symmetrischer Bicompax-Anordnung und die insgesamt sehr funktionale Gestaltung wirken weiterhin wie das, was sie historisch sind: ein Instrument. Der historische Charakter wird dabei nicht übertrieben auf „Retro“ gebürstet, eine dezente bräunliche Färbung der Super-LumiNova in „Old Radium“ im Sinne einer „Faux Patina“ hat sich Hanhart aber nicht nehmen lassen. Zu dieser Limited Edition, insbesondere in Verbindung mit dem braunen Cuff Strap, passt das meiner Meinung nach ganz wunderbar.

Mit 39 mm Gehäusedurchmesser, also dem Durchmesser, den wir wie gesagt schon von der 417 ES 1954-Variante kennen – greift die McQueen-Edition originalgetreu die Proportionen des historischen Vorbilds auf. Trotz des stark gewölbten Saphirglases beträgt die Bauhöhe nur 13,3 Millimeter – schön zu sehen, dass Hanhart hier auch den Vorteil des Handaufzugskalibers, eine flachere Bauhöhe dank Abwesenheit eines Rotors, effektiv zu nutzen weiß. Naturgemäß trägt aber auch die Lederunterlage des Cuff Straps etwas auf – wem das nicht gefällt, der kann die Unterlage aber auch jederzeit entnehmen.

Flyback-Kaliber AMT5100 M an Bord

Unter der Haube arbeitet das Handaufzugswerk AMT5100 M, das im Gegensatz zu den nicht-limitierten Standard-Varianten der 417ES 1954 hier auch durch einen Glasboden begutachtet werden kann. Da das Kaliber auch optisch mit seinen Genfer Streifen und den gebläuten Elementen durchaus was her macht, ist das ein absolut nennenswerter „Bonus“ gegenüber der nicht-limitierten 1954er. Wie die Kaliberbezeichnung schon andeutet, handelt es sich nicht um ein Kaliber „von der Stange“ – das AMT5100 M basiert zwar (mit Blick auf den Namen wenig überraschend) auf dem Sellita-Standardkaliber SW 510 M, der Zusatz „AMT“ weist dabei auf die Herkunft aus der Manufakturabteilung „Manufacture AMT“ von Sellita an.

Das AMT 5100 M hat gegenüber dem 510 M eine Flyback-Funktion an Bord. Ein Flyback-Chrono adressiert die Herausforderung, wenn die Länge von mehreren, unmittelbar aufeinander folgenden Zeitintervallen separat gemessen werden muss. So muss ein Pilot beispielsweise mit einer bestimmten Geschwindigkeit zunächst 20 Sekunden in eine bestimmte Richtung fliegen und anschließend 45 Sekunden lang in eine andere. Das spielt beispielsweise beim Blindflug oder bei Kursänderungen über dem Meer eine große Rolle, denn da kann sich ein Pilot schließlich an keinen visuellen Anhaltspunkten am Boden orientieren (Fliegen „auf Sicht“, z.B. anhand des Küstenverlaufs).

Mit einem gewöhnlichen Chronograph ohne Flyback-Funktion müsste man für die oben beispielhaft genannte Messaufgabe eine laufende Zeitmessung nach 20 Sekunden stoppen (oberer Drücker), dann die Stoppzeiger wieder auf Null zurückstellen (über den unteren Reset-Drücker) und eine neue Messung über 45 Sekunden starten (wieder oberer Drücker). Das erfordert also drei Drückerbetätigungen, was auf Dauer recht aufwendig ist. Und während der Bedienung entsteht naturgemäß zwischen dem Ende der ersten und dem Beginn der nächsten Messung eine zeitliche Lücke (also die Bedienzeit), was für das exakte Verfolgen des Kurses hinderlich sein kann.

Eine Flyback-Funktion (auch: Temposchaltung) erlaubt hingegen das sofortige, verzögerungsfreie Messen eines neuen Zeitintervalls durch die einfache Betätigung des Reset-Drückers (bei einem „normalen“ Chronographen ohne Flyback-Funktion passiert beim Betätigen des Reset-Drückers einfach gar nichts, solange die Zeitmessung läuft). Kurzum: das Stoppen der laufenden Messung, die Rückstellung des zentralen Chronographen-Zeigers und das erneute Auslösen einer neuen Messung lassen sich „in einem Abwasch“ erledigen.

Natürlich gilt, dass für die meisten Uhrenfreunde eine Flyback-Uhr vor allem eine horologische Besonderheit mit spannender Historie ist. Der praktische Nutzen im Alltag ist eher gering, weil Smartphone und Smartwatch dieselbe Aufgabe komfortabler erledigen. Im Alltag von Otto-Normalos, der sich nicht in den Lüften dieser Welt abspielt, kann eine solche analoge Flyback-Funktion aber auch heute noch beispielsweise bei der Messung von Rundenzeiten (z.B. Leichtathletik, Kartfahren) oder beim Kochen (z.B. erst Nudeln 8 Minuten, dann Gemüse 4 Minuten etc.) von Nutzen sein, wenn das Smartphone einfach mal in der Tasche bleiben soll.

Für die Ganggenauigkeit gelten bei Hanhart die Vorgaben, dass jedes Werk im Durchschnitt über sechs Lagen bei einer täglichen Gangabweichung zwischen 0 und +8 Sekunden liegen muss (d.h. es ist kein Nachgang erlaubt). Die maximale Abweichung zwischen den einzelnen Lagen beträgt zehn Sekunden. Sorge dafür trägt einer der Hanhart-Uhrmacher in Gütenbach.

Bei den „Addons“ der Limited Edition lässt es Hanhart richtig krachen: In der schwarzen Holzbox mit einem stilisiertem McQueen auf der Oberseite finden wir insbesondere eine von den Enkeln Chase und Madison McQueen von Hand signierte Limitierungskarte, die gestalterisch an Steve McQueens internationale Renn-Lizenz von 1964 erinnert, die 2009 bei Bonhams für 42.700 US-Dollar inklusive Aufgeld versteigert wurde. Auf der Rückseite befindet sich zusätzlich die Unterschrift des Uhrmachers, der den Chronographen in Gütenbach fertigt. Die Box enthält ferner ein Booklet, eine nummerierte, massive Plakette (x von 300 Stück) und … roter Nagellack.

Roter Nagellack? Wie hat der sich denn da reinverirrt? Nun, der ist einfach als kleines Easter Egg zu seien in Anspielung auf die Erzählung, dass früher die Frauen ihren Piloten-Männern den Drücker ihres Hanhart-Chronographen mit Nagellack markiert haben – quasi im Sinne eines Erinnerungsstückes. Historisch betrachtet hatte die Signalfarbe aber sicherlich vor allem keinen sentimentalen, sondern einen praktischen Zweck: Sie sollte Piloten davor bewahren, den Drücker versehentlich zu betätigen und die gestoppte Zeit zurückzusetzen. So oder so wurde der rote Drücker zu einem charakteristischen Design-Merkmal der Hanhart-Chronographen, das natürlich heute nicht mit Nagellack umgesetzt wird, sondern mit HyCeram, einer Hybridkeramik von einem österreichischen Lieferanten Imit 60% Keramikanteil, hitze- und druckgehärtet bei 120°C bzw. bei 4 bar. Die vom Lieferanten Invicon genannten Vorteile lesen sich auf jeden Fall mal sehr gut was die Robustheit angeht: UV-stabil, chemisch resistent und temperaturresistent bis 200 °C. In jedem Fall gehe ich davon aus, dass die HyCeram-Lösung deutlich robuster ist als eine einfache Lackierung.

Abschließende Gedanken

McQueen war in den späten 1960er- und 1970er-Jahren zeitweise der bestbezahlte Schauspieler der Welt und hatte irgendwann alles, was Hollywood zu bieten hatte. Trotzdem (oder vielleicht grade deswegen) zog es ihn immer wieder aus der Komfortzone zurück auf die Rennstrecken dieser Welt. Selbst als er längst ein gefeierter Filmstar war, suchte er sich Situationen, in denen sein Name nicht automatisch einen Vorteil brachte. Auf seinem Helm beispielsweise stand bei Motorradrennen eben nicht „Steve McQueen“. Dort stand „Harvey Mushman“, um Undercover zu bleiben und Rennverbote der Filmproduzenten (Unfallgefahr!) zu umgehen. Das ist eigentlich eine ziemlich gute Pointe für eine Uhr, die seinen Namen trägt: Der Mann, der sich beim Rennen einen anderen Namen gab, bekommt Jahrzehnte später eine Uhr mit seiner Unterschrift.

McQueen-Fans werden sicherlich ihre helle Freude an der Limited Edition haben. Gleichzeitig sollte man die 417 ES auch nicht auf Steve McQueen reduzieren. Das wäre historisch sogar ein bisschen unfair. Ihre Geschichte beginnt schließlich rund ein Jahrzehnt vor McQueens großen Hollywood-Erfolgen als offizielle Luftwaffen-Uhr für die frisch gegründete Bundeswehr. McQueen bringt deshalb eher ein zusätzliches Kapitel in die Geschichte der 417, die in ihrer heutigen Form zweifellos auch ohne seinen (offiziellen) Namen eine tolle Uhr ist.

Der Preis für die McQueen-Edition liegt bei 2840€ am Cuff Strap – fast so viel wie die nicht-limitierte 417 ES 1954 (2890€) am Stahlband bzw. 200€ mehr als die nicht-limitierte 417 ES 1954 Flyback am BUND Strap (2640€). Letztere unterscheidet sich im Wesentlichen durch das Zifferblatt (Old Radium-Leuchtmasse, Unterschrift-Print), das höherwertigere Band (Shell Cordovan) und den (aufwändiger zu produzierenden) Glasboden von der McQueen Limited Edition. Mit Blick auf dies und in Anbetracht der vielen, durchdachten und liebevoll gestalteten Goodies („Autogrammkarte“ der McQueen-Enkelkinder, Plakette, Booklet, spezielle Box…) ist das ein absolut vertretbarer bzw. nicht abgehobener Aufpreis, wie ich finde.

Eckdaten Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited:

  • Sellita AMT5100 M Handaufzug, 58 Stunden Gangreserve, Flyback, Reglage 0 bis +8 Sekunden pro Tag als Durchschnitt über alle Lagen
  • Durchmesser: 39 mm
  • Höhe: 13,30 mm (11,55 mm ohne Glas)
  • Lug-to-Lug: 46 mm
  • Cuff Strap aus Shell Cordovan
  • Roter Drücker aus HyCeram
  • Gehäuse aus Edelstahl
  • Kannelierte Lünette mit rotem Einsatz, beidseitig stufenlos drehbar
  • Geschraubter Gehäuseboden mit Saphirglas (innen entspiegelt)
  • Hoch gewölbtes Saphirglas
  • Bis 10 bar/10 ATM nach DIN 8310
  • Super-LumiNova® Light Old Radium GL beschichtete Ziffern und Zeiger
  • Dunkelbraunes Shell Cordovan Lederarmband mit Unterband, 20 mm
  • Limitiert auf 300 Stück
  • Im Set mit „Autogrammkarte“ der McQueen-Enkelkinder, Plakette, Booklet, spezielle Box
  • Listenpreis 2.890 Euro, direkt über hanhart.com oder verschiedene Fachhändler

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4 Kommentare
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Hans
4 Tage zurück

Einmal gefällt mir das Original besser, zum anderen habe ich grundsätzlich Probleme mit künstlicher Verknappung.

Chris
4 Tage zurück

Schöne Uhr, authentischer für mich aber ohne Meckes Autogramm…dachte ich mir und besuchte den Hanhart Onlineshop mit spontaner Kaufabsicht. Augenscheinlich will Hanhart aber zunächst diese Variante abverkaufen, denn um die Version ohne Marketing- und Limitierungsbrimborium zu erwerben, darf ich mich auf eine Warteliste setzen. Was solls, um hier mit einem Filmzitat aus der Zeit von McQueenfilmen zu antworten: „Irgendeiner wartet immer“.

Lars
7 Tage zurück

Dem Vorredner kann ich mich uneingeschränkt anschliessen, ging aber bisher davon aus, dass das Storytelling eine Domäne der Schweizer Hersteller und Konzerne ist. Mich stören die „23 Jewels“ unter dem Firmennamen, wirken da völlig albern – hätte man doch wunderbar irgendwo aufs Werk platzieren können – von mir aus gerne ins Blickfeld😉
Das Band ist nicht meines, genau so wenig wie der Handaufzug.

Dlanor Lepov
8 Tage zurück

Wenn sich ein Schauspieler eine Uhr zulegt, wird er nicht zum Experten für Uhren. Genauso wenig wie ein Uhrmacher zum Cineasten wird, wenn er sich einen Film anschaut.
Mir geht dieses Marketing ziemlich auf den Zeiger (!). Und wem das die Kaufentscheidung erleichtert, hat vielleicht noch andere Probleme.
Schöne Uhr, ohne die alberne Unterschrift würde ich sie sogar kaufen.