TUW Ruhla Interkosmos Remake Neuauflage 1978 Sigmund Jähn DDR UDSSR Sojus 31

TUW Ruhla Interkosmos: Remake der Uhr des ersten Deutschen im All, Sigmund Jähn (1978)

Meine Oma hat immer gesagt: Wenn du gute Noten mit nach Hause bringst, Junge, gibt es einen Taler! 

Georg und Christian Thiel müssen damals oft gute Noten mit nach Hause gebracht haben: im September 1862 gründeten die beiden Brüder mit einem Startkapital von 2452 preußischen Talern die Gebrüder Thiel GmbH, eine kleine, aber feine Metallwarenfabrik mit ein paar Maschinen (Wert: 7 Taler!) im schnuckeligen Städtchen Ruhla, in der Nähe von Erfurt.

Das Unternehmen entwickelte sich rasch und war der Startschuss für eine florierende Uhrenwirtschaft in Thüringen unter der Flagge des Thiel-Imperiums. Doch mit der Wende Anfang der 90er kam das Aus für die Uhrenfertigung in Ruhla.

Im Jahr 2016 bzw. 2017 wurde der Marke Ruhla nun wieder Leben eingehaucht – eines der ersten Modelle: Eine Neuauflage der Ruhla Interkosmos, welche der erste Deutsche im Weltall, Sigmund Jähn, im Jahre 1978 während der Sojus 31-Mission am Handgelenk trug.

In diesem Artikel gehe ich zunächst auf die historische Marke Ruhla, deren Revival sowie Sigmund Jähn & die Sojus 31-Mission ein. Natürlich beleuchte ich auch intensiv die Neuauflage der Ruhla Interkosmos und dessen Unterschiede zum Original…

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TUW Ruhla Interkosmos Remake Neuauflage 1978 Sigmund Jähn DDR UDSSR Sojus 31

Uhren-Fertigung in Ruhla: Entstehung des Thiel-Imperiums

Das erste Uhrenmodell der Thiel-Brüder kam in den 1870ern raus und war (kein Scherz) eine Bieruhr als Zählwerk für Gastwirte (oder genervte Hausfrauen mit Nudelholz). Dieser Scherzartikel kam so gut an, dass man auf Basis der Bieruhr auch Kinderspieluhren baute (darunter eine besonders gruselige). Diese wurden in ersten zaghaften Schritten industriell gefertigt (Industrie 1.0 lässt grüßen) und in großen Mengen nach England und in die USA exportiert.

Wenige Jahre später kamen auch Ruhlaer Taschenuhren dazu. Das Kredo der Thiels: Eigenproduktion – von der selbst entwickelten (Spezial-)Maschine bis zur fertigen Uhr zu möglichst günstigen Preisen. So schaffte man es in Ruhla Taschenuhren für sagenhaft günstige 3 Mark anzubieten, während die Konkurrenz doppelt so teuer war. Auch wenn das Taschenuhren-Modell „Fearleß“ Anfangs unter Uhrmachern und im Einzelhandel viel Spott erntete (der Handaufzug benötigte satte 1211 Umdrehungen – den Tennisarm gab es gratis dazu), war die Taschenuhr auf Jahre hinweg ein Kassenschlager.

Ruhla Thiel
Alte Werbeanzeige, etwa 1920, Bild: Bruno Eppelin, Public domain, GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Die Thiels haben in Ruhla zeitweise bis zu 10.000 Mitarbeiter beschäftigt – Ruhla war damit (neben Glashütte) eine der Uhren-Zentren schlechthin. Auch nach dem zweiten Weltkrieg und der Verstaatlichung durch die Sowjets im Jahre 1952 ging die Erfolgsgeschichte weiter: Ab den 1960ern wurde das berühmte Ruhla-Handaufzugs-Kaliber 24 millionenfach produziert und in die ganze Welt verkauft.

Am 1. März 1967 wuchs der Konzern noch weiter: Es folgte der Zusammenschluss der Uhrenfabriken Ruhla, Glashütte und VEB Uhrenwerk Weimar zum VEB Uhrenkombinat Ruhla (später: VEB Uhrenwerke Ruhla (UWR))

Doch mit der Wende Anfang der 90er kam das Aus: Durch Privatisierung wurde die VEB Ruhla von der sogenannten DDR-Treuhandanstalt wieder zerschlagen: etwa 40 einzelne Unternehmen entstanden, wovon sich in Ruhla nur noch die Betriebe Gardé Uhren und Feinmechanik Ruhla GmbH mit Uhren beschäftigten. Dennoch ist Ruhla auch heute noch vielen als Uhrenstadt geläufig…

 

Ruhla Reloaded: Die neue Marke TUW Ruhla (Thüringer Uhrenwerke)

Unter der neuen Marke TUW Ruhla (Thüringer Uhrenwerke Ruhla) haben die Geschäftsführer Gunther Beck und Alexander Lange den eigentlich für tot erklärten Thüringer Patienten wiederbelebt. Beck und Lange sind übrigens kein unbeschriebenes Blatt in der Uhrenbranche: Sie sind die Köpfe hinter dem Misch-Marken-Webshop Zeitlounge und wollen nun mit dem Ruhla-Remake einen noch etwas größeren Fußabdruck in der Uhrengeschichte hinterlassen.

Uhren der Marke TUW Ruhla sind ganz im Geiste der günstigen Thiel-Taschenuhren im Niedrig- bis Mittelpreissegment (bis ca. 300€) angesiedelt, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Auch, wenn die Fertigungstiefe der alten Ruhlaer Uhrenwerke (von der Maschine bis zur Uhr) natürlich nicht erreicht wird, schafft es TUW Ruhla trotz des geringen Preises das begehrte Made in Germany auf dem Ziffernblatt verewigen zu können.

Auffällig an vielen Modellen in der aktuellen Kollektion ist der sehr charakteristische Querbalken in der Mitte des Ziffernblattes. Bei meinen Recherchen sind mir zunächst keine alten Ruhla-Modelle mit diesem Design-Merkmal aufgefallen. Wenn man etwas tiefer in die Materie eintaucht, findet man aber das eine oder andere Vintage-Modell mit diesem Balken, darunter die Modellreihe Ruhla de Luxe. Hier eine Variante mit Ralley-Streifen:


TUW Ruhla hat dieses Design-Element in sehr viele Modelle integriert, um der Kollektion ein eigenes Marken-Gesicht zu geben. Auch weitere charakteristische Elemente alter Ruhla-Modelle wie die ungewöhnlichen, eckigen Ziffern finden sich z.B. im Modell Thuringia Vintage wieder und geben der Kollektion einen Retro-Charme. Die Köpfe hinter der neuen Ruhla-Marke wissen natürlich auch, dass Retro bzw. Vintage gut ankommt – das zeigen viele beliebte Neuauflagen wie die Oris Divers oder die Bulova Moonwatch.

 

Uhr aus Ruhla begleitet den ersten Deutschen im Weltall: Sigmund Jähn und die Sojus 31-Mission im Rahmen des Interkosmos-Programms

Am 26. August 1978 schreibt der im russischen Sternenstädtchen (Swjosdny Gorodok) in der Nähe von Moskau ausgebildete studierte Physiker und NVA-Offizier Sigmund Jähn Geschichte: Zusammen mit Oberst Bykowski startete der geborene Sachse Jähn mit der sowjetischen Rakete Sojus 31 ins All, die einen Tag später an die Raumstation Saljut 6 andockte.

Die Mission fand im Rahmen des Interkosmos-Programms statt, welches von der Sowjetunion ins Leben gerufen wurde, um die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren und befreundete sozialistische Nationen ins eigene Weltraumprogramm einzubinden. Das Programm war natürlich auch im immer noch andauernden Kalten Krieg eine hervorragende Möglichkeit für die Sowjetunion, mit eigenen Erfolgsgeschichten den USA zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat.

Sigmund Jähns Ausflug macht ihn zum ersten Deutsche im Weltraum. Zu den Aufgaben des Forschungskosmonauten an Bord der Raumstation gehörten meteorologische Beobachtungen, die Erprobung technischer Prozesse in der Schwerelosigkeit und gesundheitliche Checks

Jähn war allerdings kein Langzeit-Kosmonaut: Sein persönliches Weltraum-Abenteuer war schon nach 8 Tagen beendet, in denen er die Erde 125 mal umkreiste. Trotz Verletzung an der Wirbelsäule bei der Landung, ist ihm die Erleichterung in diesem Archivbild deutlich anzusehen (Randnotiz: Das Bild ist keine Autogrammkarte – nach der Landung einer Raumkapsel war es üblich, dass die Kosmonauten sich mit ihrer Unterschrift verewigten):

Bundesarchiv Bild 183-T0905-107, Landung der Kosmonauten Bykowski und Jähn
Glücklich zur Erde zurückgekehrt: Die beiden Kosmonauten Walery Bykowski (links) und Siegmund Jähn, die die dritte Interkosmos-Mannschaft gebildet hatten, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-T0905-107 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
In der DDR blieb der Ausflug von Sigmund Jähn nicht unbeachtet: Er wurde gefeiert wie ein Volksheld. Es folgten Orden, Ehrenbürgerschaften, Jubelrundreisen und Empfänge. Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen in der DDR wurden nach Jähn benannt.

Bundesarchiv Bild 183-T0922-132, Berlin, Forum mit Bykowski und Jähn
Gefeiert wie ein Held: Egon Krenz, Kandidat des Politbüros des ZK der SED und 1. Sekretär des Zentralrats der FDJ (M.), zeichnet den ersten DDR-Kosmonauten mit der Ehrenmitgliedschaft in der Jugendorganisation der DDR aus, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-T0922-132 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Natürlich durfte auch eine Gedenk-Briefmarke nicht fehlen:

Sojus31BriefmarkenblockDDR
Gedenkbriefmarke zur Sojus 31-Mission, Bild: Deutsche Post der DDR scanned by amras wi [Public domain], via Wikimedia Commons

Einige spannende bewegte Bilder inklusive Interview mit dem etwas schüchtern wirkenden jungen Jähn zum Interkosmos-Programm gibt es in diesem Original-Film von der NVA:

Trotz allen Medienrummels blieb Jähn bodenständig und antwortete vor einigen Jahren sogar persönlich auf die Nachfrage eines Uhrenfans an das Sigmund Jähn-Museum (die Deutsche Raumfahrtausstellung der Morgenröthe-Rautenkranz e.V. im Geburtstort Jähns) bezüglich der Uhr, die Jähn während seines Weltraumausflugs getragen hat:

Während des Startes trug ich meine „normale“ Armbanduhr. Zu meinem Gepäck gehörten allerdings 4 Armbanduhren, die als spezielles Souvenir im Ruhlaer Uhrenwerk gefertigt worden waren. Es war vorgesehen, dass ich jedem der drei russischen Kosmonauten (die vierte war für mich) eine Uhr an Bord der Raumstation SALUT-6 überreichen sollte. Das ist auch so geschehen. Wie viele dieser Uhren hergestellt wurden entzieht sich meiner Kenntnis. Sie wurden jedenfalls auch nach dem Raumflug als Souvenir vergeben. Ich gehe davon aus, dass zu einem vorhandenen Werk nur das Zifferblatt neu gestaltet wurde.

Ein Beweisfoto gibt es natürlich auch – leider ist die Ruhla Interkosmos dezent unscharf 😉
Sigmund Jaehn Space 1978 Ruhla Interkosmos Watch Original
Bild: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Seine Ruhla-Uhr bewahrt Jähn auch heute noch als Andenken an seinen ersten und einzigen Ausflug ins Weltall auf.

Nach der Wiedervereinigung wurde Jähn zwar aus der Armee entlassen, sein Wissen über die russische Raumfahrt war aber weiter gefragt, weshalb er später zum Beispiel für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die europäische Raumfahrtagentur (ESA) arbeitete. Auch als Buchautor war Jähn aktiv.

Natürlich durfte Sigmund Jähn auch nicht bei der Neuauflage der Ruhla Interkosmos beim Marken-Relaunch von TUW Ruhla fehlen…

Das Remake: Test und Eindrücke von der TUW Ruhla Interkosmos

In der 2017 neu aufgelegten TUW Ruhla Interkosmos fließen nun alle Fäden zusammen: Für knapp 250€ bietet TUW Ruhla das Remake der von Sigmund Jähn & Kollegen getragenen Interkosmos-Uhr an. Das Ergebnis kann sich auf den ersten Blick mehr als sehen lassen – zunächst gibt es was für’s Auge:

Was relativ schnell klar wird: Die Neuauflage der Ruhla Interkosmos wurde recht frei interpretiert, hierzu aber mehr im nächsten Abschnitt.

Qualitativ gibt sich die Made in Germany-Uhr keine Blöße: Auf Basis des einzigen (computergenerierten) Bildes auf der Website von TUW Ruhla konnte ich die echte Optik und Haptik der Interkosmos vorab kaum einschätzen. Bei einem Preis von knapp 250€ waren meine Erwartungen auch nicht allzu hoch.

Umso überraschter war ich aber beim Auspacken: Die Haptik der Uhr ist mit seinem durchgängig satinierten bzw. sandgestrahlten Gehäuse/Armband und sehr sauberer Verarbeitung ohne Fehl und Tadel.

Die größte Überraschung war allerdings der wirklich hervorragend gelungene Gehäuseboden der TUW Ruhla Interkosmos: Dieser punktet mit sehr detaillierter Gravur der Saljut 6-Raumstation, Datum des Missionsstartes, Schriftzug First German in Space und der Unterschrift von Sigmund Jähn:

Ruhla Interkosmos Remake Neuauflage 1978 Sigmund Jähn DDR UDSSR Gehäuseboden Caseback

Beim Tragen der Uhr habe ich mich des öfteren erwischt, wie ich die Uhr abgenommen habe, nur um den Gehäuseboden zu bewundern. Umso erstaunlicher finde ich es aber, dass auf der TUW Ruhla-Website kein Bild vom Gehäuseboden gezeigt wird (Stand Anfang Februar 2017).

In der Summe hat sich der Gehäuseboden definitiv das Prädikat Daumen hoch verdient! Man sollte nur etwas vorsichtig sein: Der hochglanzpolierte Gehäuseboden ist ziemlich empfänglich für Kratzer.

Armband und Schließe reißen zwar qualitativ keine Bäume aus, sind aber (unter Berücksichtigung des Preises) ordentlich umgesetzt: Es quietscht nix, die Schließe rastet sauber und Haptik/Optik passen hervorragend zum Gehäuse. Alles in allem habe ich bei der TUW Ruhla Interkosmos nicht das Bedürfnis das Edelstahlband gegen ein Lederband oder Nato auszutauschen (auch, wenn ich mir z.B. ein braunes Leder-Nato sehr gut vorstellen könnte, hmmm!).

 

Die gute Qualität setzt sich auch auf dem Ziffernblatt fort: Insbesondere die Verarbeitung der polierten Zeiger, die applizierten polierten Indizes mit Leuchtmasse sowie den genialen Sonnenschliff möchte ich positiv hervorheben. Aber seht selbst (zum Vergrößern bitte klicken):

Und was tickt in der Interkosmos? Ein eher unspektakuläres Quarzwerk aus dem Hause Ronda (Kaliber 505). Das ist aber auch gut so: In der originalen Interkosmos, die Jähn und seine russischen Kosmonauten-Kollegen trugen, tickte ebenfalls ein Quarz-Kaliber: Das damals nagelneue Ruhla-Kaliber 28-40, welches vom Aufbau her größtenteils auf dem millionenfach gebautem Kaliber 24 beruhte. Für Detailverliebte empfehle ich einen Blick in die original Ruhla-Reparaturanleitung des Kalibers 28-40.

Durch das in der Neuauflage verbaute Ronda Quarzwerk (Batterielaufzeit fast 4 Jahre) ist die Bauhöhe mit recht schlanken 12mm dazu geeignet, die Uhr auch mal unter dem Sakko verschwinden zu lassen. Auch die 40mm Durchmesser und das geringe Gewicht von nur 137 Gramm sorgen dafür, dass sich die TUW Ruhla Interkosmos im Alltag sehr angenehm trägt. Dennoch wirkt sie etwas größer am Handgelenk – ich hätte spontan auf 41mm oder 42mm getippt…

 

 

TUW Ruhla Interkosmos-Remake: Unterschiede zum Original aus 1978

Obwohl die Bulova Moonwatch ein ziemlicher Erfolg sein dürfte, liest man hier und da kritische Stimmen, dass der Charme des Originals nicht so gut eingefangen wird wie z.B. bei der Omega Speedmaster Moonwatch: Das liege nicht nur an dem Einsatz eines Quarzwerkes statt eines mechanischen Werkes, sondern auch an der Änderung einiger optischer Details wie das Aufpumpen der Größe auf 45mm, während die Omega Speedmaster Moonwatch schon seit Jahrzehnten ohne allzu große Veränderungen gebaut wird.

Ich kann das Argument einerseits gut nachvollziehen. Andererseits muss ich dennoch mal wieder den Marketing-Fuzzi raushängen lassen: Ich bin der Meinung, dass ein Remake einer historischen Modell-Vorlage durchaus in Details verändert werden darf, um es an heutige Kundenbedürfnisse anzupassen, insbesondere, wenn die Original-Vorlage eine nicht mehr zeitgemäße Optik bietet. Man muss einfach betonen, dass die Omega Speedmaster Moonwatch ein absolut zeitloses Design und eine massenkompatible Größe hat – es gibt und gab also keinen Grund für Omega Anpassungen vorzunehmen.

Schauen wir mal auf die Änderungen der TUW Ruhla Interkosmos: Rein technisch ist man beim Quarz-Antrieb geblieben, was ich persönlich natürlich passend finde. Optisch sieht die Sache aber etwas anders aus: Um Veränderungen beim Remake kam man allein schon mit Blick auf das Ziffernblatt kaum herum (Stichwort: Schriftzug Bemannter Weltraumflug UDSSR/DDR). Allerdings ging der Designer des Remakes der Interkosmos noch ein paar Schritte weiter. Die wesentlichen Veränderungen gegenüber dem Original sind:

  • TUW Ruhla-Logo anstelle des Schriftzuges Bemannter Weltraumflug UDSSR/DDR
  • Integration des in früheren Modellen hier und da angewandten Ruhla-Querbalkens
  • … und dadurch hängendes Datum auf 4 Uhr
  • Datum-Farbe schwarz statt rot
  • „scharfe“ Kanten am Original-Bandanstoß sind einem eher „gewöhnlichen“ Bandanstoß gewichen
  • Roter Sekundenzeiger statt des ursprünglichem weißen
  • Glas ist ein kratzunempfindliches Saphirglas statt ein gewölbtes Plexiglas
  • Gehäuse ist komplett satiniert

Man muss zugeben: Die Liste der Änderungen ist (auch z.B. im Vergleich zur Bulova Moonwatch) recht lang. Ob sie zu lang und daher ein (N)Ostalgie-Charme-Killer ist, muss jeder selbst entscheiden. Meine persönliche Meinung: Die Neuinterpretation fängt den Charme des Originals gut ein, was insbesondere am charakteristischen Interkosmos-Logo, der schräg unten angeordneten Krone und den genialen Reflexionen des Sonnenschliff-Ziffernblattes liegt, die das Ziffernblatt in unterschiedlichen Farbtönen erscheinen lässt – dies alles findet man im Original wieder (Bilder: TUW Ruhla):

Ich muss allerdings noch den Dippelschisser raushängen lassen – ein kleineres Detail kann ich nämlich nicht so ganz verzeihen: Warum hat TUW Ruhla nicht die rote Schriftfarbe des Original-Datums beibehalten? Meiner Meinung nach hätte sich dies wunderbar mit dem (neuen) roten Zeiger ergänzt.

Vielleicht hätte auch ein gewölbtes Plexiglas den Charme des Vorbildes etwas besser eingefangen (die Omega Speedmaster Moonwatch z.B. ist in der Basis-Variante auch mit gewölbtem Plexi ausgestattet). Plexiglas ist aber natürlich deutlich anfälliger für Kratzer, insbesondere, wenn es aus dem Gehäuse herausragt. Die Köpfe hinter TUW Ruhla haben die Interkosmos aber als Einsatzuhr interpretiert, weshalb es natürlich der Robustheit eines Saphirglases bedarf. Aus diesem Grund ist auch die Entscheidung für ein durchgängig sandgestrahltes Gehäuse und Band gefallen: Die Oberfläche bleibt in einer rauen Umgebung einfach optisch länger „sauber“, d.h. frei von Verschmutzungen und Fingerabdrücken.

TUW Ruhla hat übrigens noch einige noch freiere Interpretationen der Interkosmos im Portfolio: Verschiedene Kombinationen aus hellem Ziffernblatt und gold- bzw. schwarz-beschichtetem Gehäuse sind verfügbar. Auf der Website noch nicht zu finden, aber offenbar in Planung, ist auch eine limitierte Sonderedition – gut zu sehen auf diesen Bildern (Bilder: TUW Ruhla):

Abschließende Gedanken zur TUW Ruhla Interkosmos

Seien wir realistisch: Natürlich bekommt man mit der neuen Ruhla-Marke nicht die Fertigungstiefe aus alten Thieler Zeiten – das ist in einer globalisierten Welt auch schlicht nicht mehr zeitgemäß und wird in der Form auch nicht (mehr) von deutlich höherpreisigen Uhrenmarken praktiziert.

Der eine oder andere mag natürlich noch das Argument anbringen, dass man für den Preis der TUW Ruhla Interkosmos locker auch eine Uhr mit mechanischem Werk und mehr als ordentlicher Qualität bekommt (z.B. von Seiko oder Orient). Das stimmt natürlich. Auf der anderen Seite gibt es aber auch genug Marken, bei denen im Preisbereich von ca. 300€ nicht mal Saphirglas verbaut wird (z.B. Junkers). Und, um es noch einmal klar auf den Punkt zu bringen: Den qualitativen Vergleich mit anderen historisch angehauchten Modellen in einer ähnlichen Preisklasse wie z.B. die Laco Faro Beobachtungsuhr (UVP 348€) muss die TUW Ruhla Interkosmos keinesfalls scheuen.

Alles in allem steht auf der Haben-Seite bei der TUW Ruhla Interkosmos – unter Berücksichtigung des Preises – eine sehr gute Qualität (insbesondere Gehäuse, Zeiger, Ziffernblatt) und ein Modell-Design, das zwar vergleichsweise weit weg vom Original ist, aber dennoch einen gewissen Wiedererkennungswert hat. Auch der sehr schicke Gehäuseboden lässt die Herzen von Raumfahrt-Fans höher schlagen. Kurzum bietet TUW Ruhla mit der Interkosmos viel Uhr für’s Geld und einen spannenden historischen Hintergrund, den die Köpfe hinter dem Marken-Relaunch wieder aufleben lassen wollen…

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