Longines HydroConquest Chronograph L3.644.4.56.6 im Test 3


Markennamen richtig auszusprechen ist schon eine Wissenschaft für sich – bei der Marke Longines dürfte der erste Reflex für einen Deutschen wahrscheinlich sein, den Markennamen exakt so auszusprechen wie er geschrieben wird. Dank meiner exzellenten Französischkenntnisse (ca. 6 Monate vor etwa 14 Jahren) und der Nachhilfe eines Juweliers (vielleicht eher letzteres), habe ich die Aussprache aber nun einigermaßen drauf. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch einen Blick in diesen Werbe-Spot von Longines werfen, wo der Markenname am Ende auch noch mal ausgesprochen wird: Longines offizieller Zeitnehmer der French Open 2016.

Weiterlesen sollte man aber so oder so: Der Longines HydroConquest Chronograph (L3.644.4.56.6) bietet nämlich ein ziemlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und wartet mit ein paar Besonderheiten auf…

 

Longines: Geschichte und Image-Ausrichtung

Seit 1832 im Schweizer Saint-Imier ansässig, besitzt Longines das älteste unveränderte und noch heute aktive Markenzeichen, das in den internationalen Registern der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) eingetragen ist. Die Kombination aus Markennamen und dem seit 1867 verwendeten Logo (die stilisierte fliegende Sanduhr) diente schon damals zur Abwehr von Replicas.

Die älteste eingetragene Uhrenmarke der Welt macht Longines allerdings nicht automatisch zum ältesten Uhrenhersteller der Welt: Der Titel gebührt dem 1735 gegründeten Uhrenhersteller Blancpain, der – wie Longines – heute unter dem Dach der Swatch-Gruppe haust.

Der Markenname Longines heißt frei übersetzt übrigens schlicht längliche Wiesen (Les Longines). Mit Blick auf das sehr grüne, beschauliche Saint-Imier durchaus treffend:

Longines zoomed view from railway station

Longines-Zentrale in Saint-Imier, von Reuben Mallaby, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Mehr zur Geschichte von Longines gibt’s hier: Geschichte von Longines im Zeitstrahl.

Die lange Tradition der Marke macht sich auf jeden Fall sehr positiv in der Markenbekanntheit und dem Markenwert von Longines bemerkbar – mehr dazu hier:

Uhrenmarken Liste: Die top Uhrenmarken im Ranking

Wie vielen anderen Uhrenherstellern auch hat die Quarzkrise Longines erheblich geschadet, weshalb Longines heute Teil des Markenportfolios der Swatch-Gruppe ist.

Die Image-Ausrichtung von Longines kommt recht klar rüber: Die Marke möchte v.a. mit Tradition und Uhrmacherkunst punkten, garniert mit einem Hauch Sportlichkeit. Offenbar sieht Longines im Reitsport genau das richtige *Achtung Wortwitz* Zugpferd für dieses Image – in sämtlichen Social Media-Kanälen von Longines (z.B. Twitter) springen einem jedenfalls unzählbar viele Hottehühs entgegen…

Heutzutage wird dem Reitsport ein durchgängig positives Image attestiert: Attribute wie Vertrauen, Dynamik und Ausdauer sowie Adjektive wie teuer und exklusiv können hier herangezogen werden (Quelle: Ahlert et al.: Exzellentes Sponsoring – Innovative Ansätze und Best Practices für das Markenmanagement). Longines dürfte hoffen, dass diverse Meldungen über Doping im Reitsport das nicht ändern (Jan Ullrich winkt von seinem Rennrad rüber)…

 

Test des Longines HydroConquest Chronograph L3.644.4.56.6

Gehäuse, Lünette und Krone

Schwer! Definitiv schwer! Knapp 210 Gramm Kampfgewicht bringt die mit 41mm Durchmesser eigentlich recht kompakte Longines HydroConquest Chronograph auf die Waage. Die Uhr fühlt sich dadurch sehr wertig an und anders als die TAG Heuer Carrera Cal. 16, die ich mal mein eigen nennen durfte, trägt sich der Longines HydroConquest Chronograph auch bei stundenlangem erstaunlich komfortabel…

Alles in allem wirkt das Gehäuse sehr präsent am Handgelenk und deutlich größer als die angegebenen 41mm Durchmesser, was sicher an der Bauhöhe (15mm) und den Chronographen-Drückern liegt, die das Gehäuse gewissermaßen optisch erweitern:

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

 

Hier auch noch einmal der Vergleich mit der nominell 42mm großen Omega Seamaster Planet Ocean:

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut noch in diesen Artikel, um abschätzen zu können, ob die Uhrengröße passt: Richtige Uhrengröße finden: Reicht der Durchmesser als Anhaltspunkt?

 

Die Gehäuseverarbeitung ist sehr sauber und alles in allem top. Auch der Gehäuseboden ist ein echter Blickfang:

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

 

Weniger schön: Die Lünette ist aus kratzempfindlichem Aluminium (statt aus kratzfester Keramik) – vermutlich, um einen gewissen Respekt-Abstand gegenüber der hochpreisigeren Konkurrenz aus eigenem (Swatch-) Hause (Omega, Glashütte Original, Blancpain etc.) zu lassen. In der Automobilindustrie, z.B. bei Volkswagen, ist das gang und gäbe und auf der einen Seite natürlich nachvollziehbar, da ja irgendwie der deutlich höhere Preis anderer Marken aus dem Hause Swatch gerechtfertigt werden muss.

Auf der anderen Seite fehlt mir hier allerdings etwas die Konsistenz: Die Neuauflage der Tissot PRS 516 ist preisgünstiger als der Longines HydroConquest Chronograph, hat aber dennoch eine kratzfeste Keramiklünette spendiert bekommen – fairerweise muss man aber sagen, dass die Tissot PRS 516 nach der hier getesteten Longines HydroConquest Chronograph auf den Markt gebracht wurde. Logisch wäre es also, wenn eine Neuauflage des hier getesteten Modells ebenfalls eine Keramiklünette spendiert bekommt.

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

 

Die verschraubte Krone trägt das Longines-Logo und hat eine gute Größe für Wurstfinger-Träger wie mich. Interessant ist die eher untypische Anordnung der Chronographen-Drücker, welche toll mit dem Kronenschutz abschließen:

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

Der Longines HydroConquest Chronograph bringt es auf satte 30bar Wasserdichtigkeit, ist also auch für professionelle Tauchgänge mit Ausrüstung brauchbar.

 

Ziffernblatt und Zeiger

Taucheruhren-typische runde Markierungen bei den Stunden, kleine Zusatzzifferblätter (Totalisatoren), Datum, Swiss Made-Schriftzug und Logo geben ein stimmiges Gesamtbild ab. So weit, so normal für eine gute Taucheruhr. Ein kleiner Blickfang ist aber auf jeden Fall die überproportional große 12, die die Uhr etwas aus der Masse herausstechen lässt. Alles in allem ist das Ziffernblatt-Design aber eher klassisch und ohne allzu große Experimente.

Die Zeiger des Longines HydroConquest Chronographen sind von hervorragender Qualität und können problemlos mit den Zeigern deutlich teurerer Modelle, wie z.B. die oben abgebildete Omega Seamaster Planet Ocean, mithalten.

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

Armband und Schließe

Das Edelstahl-Armband mit Taucherverlängerung macht einen recht massiven Eindruck, was auch an der vergleichsweise großen Breite liegt: Mit 21mm Breite und der Mischung aus polierter und satinierter Oberfläche macht das Armband durchaus was am Arm her. Gut auch: Meine Ohren bleiben Gott sei dank von Quietschen und Knarzen verschont, wenn man die Armband-Glieder bewegt.

An das Armband hochpreisigerer Uhren wie z.B. die Omega Seamaster Planet Ocean, kommt es allerdings nicht ran, was insbesondere aber auch an der Schließe liegt, die sich (insbesondere am Anfang) extrem bockig gezeigt hat, wenn es um das Öffnen ging (zu großer Widerstand). In solchen Momenten dachte ich zwangsläufig immer an die perfekte und massive Drückerfaltschließe meiner Omega Seamaster Planet Ocean. Hier besteht definitiv Nachholbedarf.

(sorry für die Kratzer auf der Schließe ;-))

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L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

L3.744.4.56.6 Longines HydroConquest Chronograph

Technik: Das Uhrwerk

Longines tauft das Innere des HydroConquest Chronographen Kaliber L667, welches auf dem als sehr zuverlässig geltenden ETA 7750 basiert und auch in deutlich teureren Modellen der Konkurrenz zum Einsatz kommt. Das Gangverhalten ist mit +3 Sekunden pro Tag wirklich gut.

 

Fazit zum Longines HydroConquest Chronograph

Der UVP des Longines HydroConquest Chronograph beträgt 1800€, ich habe das Modell aber mit einem äußerst interessanten Rabatt beim Juwelier bekommen können, wodurch das Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich sehr charmant wurde. Mit etwas Recherche im Netz findet man aber ebenfalls ziemlich gute Preise: Googelt man die Modell-Nr. L3.644.4.56.6, landet man z.B. bei Chrono24, wo die Uhr derzeit für ca. 1300€ zu bekommen ist. Das ist in Anbetracht der wirklich guten Qualität des Modells (insbesondere Zeiger und Gehäuse), gepaart mit einem guten Imagefaktor, ein vergleichsweise fairer Deal.

Noch ein mal alle Fakten des Longines HydroConquest Chronograph im Überblick:

Material : Edelstahl
Glas: Kratzresistentes Saphirglas mit mehreren Antireflektionsbeschichtungen auf der Innenseite
Gehäuseboden: Schraubboden
Durchmesser: Ø 41mm (wirkt deutlich größer)
Wasserdichtigkeit: 30bar
Sonstiges: Verschraubte Krone, verschraubter Gehäuseboden

Alternativen zum Longines HydroConquest Chronograph

Das Gesamtpaket des Longines HydroConquest Chronograph ist wirklich gut, dennoch gibt es ein paar interessante Alternativen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Eine sportlichere Alternative kommt ebenfalls aus dem Hause Swatch, von der Marke Certina: Der Certina DS Action Diver Chronograph (C013.427.11.051.00) hat wie die getestete Longines ein Automatikwerk auf Basis des ETA 7753 (allerdings nicht modifiziert und mit weniger Gangreserve). Mit 45mm Durchmesser ist der Taucher-Chronograph deutlich größer, Lünette und Chronographen-Drücker wirken deutlich markanter. Saphirglas und eine Aluminium-Lünette runden das Swiss Made-Paket ab. Mit ca. 1500€ liegt das Modell in einer ähnlichen Preisregion wie die hier getestete Longines.

Deutlich günstiger kommt man mit einer solarbetriebenen Alternative aus dem Hause Seiko zu einem ähnlich aussehenden Taucher-Chronographen mit guter Qualität: Der Seiko Taucher Solar Chronograph (Ref. SSC015P1) wirkt ebenfalls eher klassisch, ist mit 43mm Durchmesser aber größer als die hier getestete Longines. Für ca. 270€ muss man allerdings auf Saphirglas und ein Automatikwerk verzichten. Stattdessen spendiert Seiko dem Modell ein solarbetriebenes Werk mit bis zu 6 Monaten Gangreserve. Preis-Leistung ist auf jeden Fall einen Blick wert!


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