LACO Faro B-Muster Beobachtungsuhr: Test der historischen Fliegeruhr 8


Mehrere Tausend Euro für einen 55mm großen, über 70 Jahre alten Beobachtungsuhren-Brummer – das ist wohl nur für Sammler eine wirklich gute Idee. Zum Glück sind noch alle Hersteller der original Beobachtungsuhren im Geschäft, darunter auch die Firma Laco aus Pforzheim.

Neben einem ausführlichen Test mit vielen Bildern zur B-Muster Beobachtungsuhr von Laco, Modell Faro, stelle ich in diesem Artikel ausführlich die Geschichte von Laco und der historischen Beobachtungsuhren vor. Wie gewohnt gibt’s von mir natürlich auch Alternativen anderer Hersteller.

Kooperation

Laco: Geschichte mit Höhen und Tiefen

Die Anfangsjahre und 2. Weltkrieg.

Nach dem 1. Weltkrieg gab es einen Stillstand in der deutschen Luftfahrt: Der Versailler Vertrag untersagte jegliche deutsche Aktivitäten im Bereich der Luftfahrt. Erst viele Jahre später kam die deutsche Luftfahrt wieder in Schwung, wodurch der Bedarf an Bordinstrumenten und Fliegeruhren wieder stieg. In dieser Zeit wurde das Unternehmen Lacher & Co., aus dessen Anfangssilben sich der heutige Markenname LACO ableitet, von Frieda Lacher und Ludwig Hummel in Pforzheim gegründet.

Doch nur 7 Jahre nach der Gründung im Jahre 1925 trennten sich die beiden Geschäftspartner wieder: Ludwig Hummel führte das Unternehmen unter dem Namen Laco weiter und gründete parallel die Firma Deutsche Uhren-Roh-Werke (DuRoWe), um sich von Schweizer Uhrwerk-Herstellern unabhängig zu machen. Dabei belieferte Durowe nicht nur Laco, sondern auch viele weitere Hersteller mit Rohwerken.

Laco Werkstatt Historisch

Historische Laco-Werkstatt, Bild: Laco

Frieda Lacher wiederum fertigte mit ihrem Sohn Erich ab 1936 ebenfalls Uhren – die Erich Lacher Uhrenfabrik war geboren und existiert parallel zu den beiden von Hummel geführten Unternehmen Durowe und Laco. Ein entscheidendes Detail, welches in den 80ern noch eine wichtige Rolle spielt.

Kurz vor Ende des Krieges im Jahre 1945 haben alliierte Bomber die Stadt Pforzheim völlig zerstört – auch von den Fabrikgebäuden von Laco und Durowe ist nicht viel übrig geblieben…

Laco nach dem 2. Weltkrieg

Die damaligen Inhaber ließen sich aber nicht entmutigen und konnten nur 4 Jahre später den Betrieb wieder aufnehmen – in einem 5-stöckigen Gebäude, das bereits 1950 Platz für satte 1400 Mitarbeiter bot (Quelle: Auf SpUHRENsuche: zu Besuch in innovativen Manufakturen und Ateliers, von Michael Brückner).

Ludwig Hummel verkaufte im Jahre 1959 Laco und Durowe an die US-Time-Corporation (später Timex). Dabei wollte Hummel eigentlich gar nicht verkaufen – das überraschende Angebot der Amerikaner (50 Millionen D-Mark) war allerdings zu verlockend. Außerdem war die Unternehmensnachfolge des damals 69-Jährigen unklar.

In der Spiegel-Ausgabe 19/1959 heißt es:

In den drei ehemaligen Hummel -Betrieben stellen 1200 Mann ausschließlich Armbanduhren her. Damit ist er einer der Riesen in Süddeutschlands Uhrenindustrie: Von den etwa 200 Firmen, die Armbanduhren produzieren, haben 90 weniger als 20 Beschäftigte, die Durchschnittsgröße liegt bei 100 Beschäftigen.

Die US-Time-Corporation war damals der größte Uhrenhersteller der Welt, allein in den USA wurden jährlich fünf Millionen Armbanduhren produziert.

1965 kaufte die Schweizer Ebauches SA Durowe und Lacher Co., das Unternehmen wurde zum Massenhersteller: 1974 baute man in Pforzheim ca. 550.000 mechanische Uhrwerke.

Bitter: Eine neue Technologie, die auch heute noch Standard ist, verdrängte die mechanischen Uhrwerke in den 70ern und 80ern fast komplett: Die batteriebetriebenen Quarz-Werke. Wie viele andere Uhrenhersteller litt auch Lacher Co. extrem unter der Quarzkrise.

Doch das war nicht das Ende: Horst Günther erwirbt in den 80ern alle Anteile der Firma Erich Lacher Uhrenfabrik GmbH & Co.KG, welche parallel zu Laco und Durowe bestand. Einige Jahre später sicherte Günther sich auch noch die Namensrechte und die Wortbildmarke Laco – der Grundstein für das heutige Unternehmen Laco war gelegt.

Die Weltwirtschaftskrise 2009 hat Laco nicht aus eigener Kraft überstehen können, das Unternehmen musste wie viele andere Unternehmen Insolvenz anmelden. Daraufhin hat der Uhrenhersteller Kienzle Laco übernommen, wenig später musste Kienzle allerdings selbst Insolvenz anmelden. Letztendlich fand sich aber ein Investor, der Laco zur heutigen Laco Uhrenmanufaktur GmbH formte.

Laco heute

Heute ist Laco mit unter 20 Mitarbeitern ein ziemlich kleines Unternehmen und damit auf etwa einem Level mit Wettbewerber Stowa.

Bei Laco kommen eine Reihe von Uhrmachern zum Einsatz, die von der Idee bis zum letzten Schliff auch viel Handarbeit in die Produktion einfließen lassen, darunter z.B. die Einstellung der Datumsanzeige.

Laco Uhrmacher

Laco-Uhrmacher bei der Arbeit, Bild: Laco

Neben dem Online-Direktvertrieb via shop.laco.de, arbeitet Laco auch noch mit 40 Distributoren weltweit zusammen. 2013 verließen ca. 40.000 Uhren die Produktion in Pforzheim. Dass Laco mit so wenig Mitarbeitern diesen hohen Output nur mit dem Zukauf von Komponenten schafft, dürfte klar sein. So kommen die Laco-Uhrwerke z.B. ausschließlich aus der Schweiz (Swatch-Gruppe, ETA) und Japan (Citizen-Gruppe, Miyota). Auch Komponenten wie z.B. Zeiger oder Ziffernblätter kommen bei Uhrenmarken im Niedrig- und Mittelpreissegment typischerweise aus dem Ausland – aber auch selbst bei hochpreisigeren Uhren ist dies eine durchaus gängige Praxis. Insbesondere China und Hong Kong sind große Exporteure von Uhrenbestandteilen:

[…] eine bedeutende Position auf dem Weltuhrenmarkt hat Hongkong inne. Die ehemalige britische Kronkolonie ist mengenmässig nach Festlandchina und wertmässig nach der Schweiz das zweitgrösste Exportland für Uhren und Uhrenbestandteile.

Alles in allem erreicht die Marke Laco durch viel Handarbeit in der Produktion den entscheidenden Wertschöpfungsanteil in Deutschland, um das begehrte „Made in Germany“ auf seine Uhren drucken zu können.

Laco Zentrale Pforzheim

Laco-Hauptgebäude in Pforzheim, Bild: Laco

Die Image-Ausrichtung von Laco ist klar: „Back to the roots“ lautet die Devise, was durch die sehr breite Auswahl an historischen Beobachtungsuhren unterstrichen wird. Darüber hinaus schwimmt Laco auch auf der Retro-Welle und brachte kürzlich das Modell Laco Erbstück heraus. Mehr dazu in dieser Vorstellung:

LACO Erbstück Beobachtungsuhr: Extremer Used Look – gut gemeint oder gut gemacht?

 

Die Beobachtungsuhren von Laco und weiteren Herstellern

Auf Basis der vom Reichsluftfahrtministerium in der Fl. 23883 formulierten Anforderungen an Beobachtungsuhren für die Deutsche Luftwaffe, wurden 1940 verschiedene Hersteller per Beschluss in die Pflicht genommen, die Produktion nach strengen Vorgaben aufzunehmen.

In den Kriegsjahren waren es die folgenden Hersteller, die Beobachtungsuhren produzierten:

  • IWC, Schaffhausen
  • Stowa, Engelsbrand
  • Wempe, Glashütte
  • Lange & Söhne, Glashütte
  • Laco, Pforzheim

Laco produzierte neben den Beobachtungsuhren in den 1940er Jahren auch Taschenuhren für die Marine. Die Flieger- und Marineuhren waren beide mit dem hochwertigen DUROWE D5 Handaufzugskaliber ausgestattet:

Oftmals wird überliefert, dass die historischen Beobachtungsuhren von Piloten getragen wurden. Das ist schlicht falsch: Es waren die Navigatoren an Bord, die in Kombination mit einem Oktanten (Winkelmesser) die genaue Position des Flugzeugs bestimmen konnten. Die genaue Funktionsweise ist sehr schön vom Sammler und Experten Konrad Knirim zusammengefasst. Die Piloten selbst trugen i.d.R. Chronographen, z.B. von Hanhart oder Tutima, als Reserve falls eine Borduhr ausfallen sollte.

Beobachtungsuhren hatten einige typische Merkmale: Die exakten Vorgaben der B-Uhren gemäß Bauanweisung Fl. 23883 des Reichsluftfahrtministerium (RLM) sahen z.B. einen riesigen Durchmesser von 55mm und eine große zwiebelförmige Krone vor, damit die Navigatoren die Uhren auch mit Handschuhen bedienen konnten. Bei den Beobachtungsuhren gibt es zwei Baumuster: Das Baumuster A hatte statt der arabischen „12“ ein Dreieck mit zwei Punkten. Dies ist auch beim Baumuster B der Fall, nur dass statt der arabischen Zahlen 1 bis 11 die Sekunden in 5er Schritten aufgedruckt sind. Die klassische Stunden-Einteilung von 1 bis 12 wiederum befindet sich in einem zusätzlichen Innenring.

Hier zwei Modelle von Laco (Baumuster A links, Baumuster B rechts; Bilder: Laco):

Laco Erbstück A-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Vorne Laco Erbstück B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr vorne

 

B-Uhr

Original-Foto einer Beobachtungsuhr (A-Muster) im zweiten Weltkrieg

Die Nummer der Bauanweisung (Fl 23883) befindet sich bei den historischen Beobachtungsuhren am Rand des Gehäuses sowie auf dem Boden eingraviert. Auch Hersteller, Bauart, Gerät-Nr. und Werk-Bezeichnung fanden auf dem Stahlboden Platz:

Laco Erbstück Beobachtugnsuhr Gehäuseboden

Bild: Laco

Laco Erbstück FL 23883

Bild: Laco

 

Test der Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr (Ref. 861891)

Geschichte- oder Fliegerei-Interessierte haben sich möglicherweise schon einmal damit auseinandergesetzt, eine original Beobachtungsuhr bei ebay zu ersteigern. Je nach Zustand wechseln diese aber auch schon mal für deutlich über 3000€ den Besitzer. Außerdem: Wirklich tragbar sind diese mit ihren 55mm Gehäusedurchmesser kaum und die über 70 Jahre alten Uhrwerke gleichen teilweise einem Überraschungsei.

Die Original-Hersteller wie z.B. Stowa, Laco und Wempe produzieren daher auch heute noch die historischen Beobachtungsuhren mit mehr oder weniger viel Interpretationsspielraum in tragbaren Größen. Während z.B. IWC seine Beobachtungsuhren-Modelle gerne auch modern interpretiert (z.B. mit Chronographen-Funktionen und einem vergoldeten Gehäuse (Bild: IWC)), besinnt sich die Laco Uhrenmanufaktur GmbH eher auf das klassisch-historische Design.

Kommen wir nun also zur Laco Beobachtungsuhr Modell „Faro“, die ich über 1 Woche lang Gassi getragen habe, um diesen Test zu verfassen.

Alle Flieger-Modelle von Laco sind nach Städten benannt, die einen Flughafen haben. So entstand auch der Name Faro, eine Stadt in Portugal mit ca. 50.000 Einwohnern und einem Flughafen, der z.B. von Eurowings angeflogen wird.

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Die Laco Faro ist für 348€ direkt bei Laco bestellbar und markiert somit den Einstieg in die Welt der Laco-Beobachtungsuhren: Die Preisspanne von Lacos B-Muster Beobachtungsuhren reicht von knapp 200€ für das Modell Zürich mit Quarzwerk und Mineralglas bis hin zu knapp 1800€ für die Laco Erbstück. Neben A-, B- und C-Muster Beobachtungsuhren hat Laco auch noch Marine-Uhren, Classics-ModelleChronographen und Einsatzuhren im Portfolio.

Ausgeliefert wird die Laco Faro in einer schlichten, zweckmäßigen Box mit Garantiekarte und Anleitung:

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

 

Gehäuse und Krone

Mit einem Gehäusedurchmesser von 42 mm und einer Höhe von 13 mm hat die Laco Faro für die meisten Männerhandgelenke sicher eine gute Uhrengröße – nicht zu klein und nicht zu groß. Auch die Proportion von Durchmesser zu Höhe ist meiner Meinung nach gut.

Optik und Haptik des Edelstahlgehäuses ist bei der Laco Faro positiv hervorzuheben: Es ist rundherum top verarbeitet, toll satiniert und ohne scharfe Kanten – ich habe schon einige Uhren verschiedenster Hersteller in meinen Händen gehabt und für den aufgerufenen Preis ist die Gehäuseverarbeitung auf jeden Fall deutlich über dem Durchschnitt.

Das Uhrenglas und auch der Sichtboden sind aus kratzfestem Saphirglas. Schade: Die Gravur „FL23883“ (Nummer der Bauanweisung des Reichsluftfahrtministeriums) ist nicht vorhanden. Eine schöne Ergänzung wäre es vielleicht, dies beim Kauf als Option im Shop gegen Aufpreis anzubieten.

Auch die Krone ist sehr sauber verarbeitet und griffig, entspricht aber auch nicht der etwas „herausstehenden“ Form der original Beobachtungsuhren.

Die Laco Faro bietet 5bar Wasserdichtigkeit, d.h. sie ist spritzwassergeschützt. Das ist für eine Fliegeruhr im üblichen Rahmen – auch die mehrere Tausend Euro kostenden Pilotenuhren von IWC bieten in der Regel nur 6bar.

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

 

Ziffernblatt und Zeiger

Das im B-Muster Design gehaltene Ziffernblatt ist historisch fast korrekt – vom dezenten Laco 1925-Logo mal abgesehen. Nicht ganz nachvollziehen kann ich aber, warum der Innenring (Stundenanzeige) nicht die Punkte bei jeder Zahl hat wie dies bei den original B-Muster Beobachtungsuhren der Fall ist (siehe oben) – wahrscheinlich wären dann aber die Stunden-Zahlen weiter nach innen gerutscht, wodurch kein Platz mehr für das Logo gewesen wäre. Für mich persönlich ein verschmerzbares (aber erwähnenswertes) Detail.

Ziffern und Indizes sind komplett gedruckt. Die Ablesbarkeit ist dadurch sehr gut, auch im Dunkeln:

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Nightshot Lumen Luminova

Der eine oder andere mag vielleicht die Plastizität von aufgesetzten Indizes vermissen, Langeweile kommt auf dem Ziffernblatt aber nicht auf.

Ziffernblatt und Zeiger setzen jedenfalls die sehr saubere Verarbeitung des Gehäuses fort – hier gibt es nichts zu beanstanden. Schade aber ist, dass die Zeiger nicht gebläut sind – das ist vermutlich dem vergleichsweise geringen Einstiegspreis von 348€ geschuldet.

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

 

Edelstahlarmband und Schließe

Das Modell Faro ist eher eine Ausnahme im Laco-Portfolio: Die Beobachtungsuhren von Laco haben in aller Regel ein Lederband montiert, was natürlich auch die historisch korrekte Variante ist. Umso spannender fand ich es aber das Edelstahlarmband genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kurios: Beim ersten Anlegen der Uhr musste ich feststellen, dass die Schließe anders herum montiert war, als ich es gewohnt bin (der Laco-Schriftzug auf der Schließe stand beim Tragen der Uhr auf dem Kopf). Ich war mir zunächst sicher ein „Montagsmodell“ bekommen zu haben, da mir kein Uhrenhersteller bekannt ist, der die Schließen so herum montiert. Auf Nachfrage bei Laco bestätigte man mir aber, dass alle Schließen so herum montiert werden. Kein Problem: Ich habe die Schließe ratz-fatz ummontiert.

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK Schließe

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK Schließe

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass zwischen den Edelstahlarmbändern von hochpreisigen Marken wie Breitling, Omega & Co. und günstigeren Modellen in der Regel Welten liegen – keine allzu große Überraschung bei einem Preisunterschied von Faktor 10 oder mehr.

In dieser Hinsicht ist auch die Laco Faro keine Ausnahme: Band und Schließe sind nicht sehr massiv, was sich auch im Gewicht bemerkbar macht: Mit 150g ist die Laco Faro z.B. 50g leichter als die ebenfalls 42mm große Omega Seamaster Planet Ocean. 50g klingt nicht nach viel, das Gewicht macht sich bei stundenlangem Tragen aber durchaus bemerkbar.

Dem Tragekomfort kommt das vergleichsweise geringe Gewicht der Laco Faro also durchaus zu Gute, wenngleich die Wertigkeit (Haptik, Optik) eines massiveren Armbandes natürlich nicht erreicht wird.

Die einzelnen Glieder des Edelstahlarmbandes sind gestiftet (nicht geschraubt), was für eine Uhr in der Preisklasse nicht unüblich ist. Positiv ist, dass das Armband kaum quietscht und knarzt wie so manch anderes in der Preiskategorie. Der Verschluss funktioniert tadellos.

In Anbetracht des Preises ist die Qualität des Edelstahlarmbandes alles in allem in Ordnung.

 

Das Uhrwerk

Bei der Laco Faro kommt das Automatikwerk Laco 21 zum Einsatz, welches auf dem japanischen Miyota 821A beruht. Im Uhrforum gab es bereits einige kritische Stimmen bezüglich dieses Werkes, welches auch in günstigeren Modellen wie der Fliegeruhr Junkers Cockpit JU 52 (199€) zum Einsatz kommt.

Grundsätzlich spricht erst einmal überhaupt nichts gegen japanische Automatikwerke aus dem Hause Miyota (Citizen-Gruppe). Die Werke gelten als zuverlässig, insbesondere das Werk Miyota 9015 ist recht beliebt.

Der größte Nachteil des in der Laco Faro verbauten Miyota 821A gegenüber dem 9015 ist v.a. der fehlende Sekundenstopp: Zieht man die Krone der Laco Faro heraus, läuft der Sekundenzeiger weiter. Das erschwert das präzise Einstellen nach einer Funkuhr oder dergleichen – für pingelige Leute wie mich ist dies auf jeden Fall ein kleiner Nervfaktor.

Lobend hervorheben muss man aber, dass das Miyota 821A bei meiner vorliegenden Test-Uhr wirklich hervorragend einreguliert ist: Ein Vorgang von +2 Sekunden pro Tag ist ein Spitzenwert, den so manches meiner Schweizer ETA-Uhren nicht schafft.

Das Automatikwerk bei der Laco Faro lässt sich durch den Saphirglas-Boden bei der Arbeit begutachten. Die Dekoration ist nicht sehr aufwendig, aber immerhin ist Platz für Laco und Made in Germany Schriftzüge. Für den Blick auf das Werk muss man aber auf den originalgetreuen Gehäuseboden der Beobachtungsuhren verzichten (siehe oben).

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

 

Test der Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr – Fazit und Alternativen

Die größte Schwachstelle der Laco Faro ist sicherlich das Edelstahlarmband, welches nicht schlecht ist, mich aber auch nicht vom Hocker gehauen hat. Man merkt einfach, dass Lacos Fokus eher auf Lederarmbändern liegt. Im Zweifelsfalls sollte man also ggf. lieber zur sehr ähnlich ausssehenden Laco Aachen greifen, die am Lederband auch noch 50€ günstiger ist als die Laco Faro.

Das verbaute Miyota-Automatikwerk ist zwar auf den ersten Blick auch kein Grund für Jubelstürme (fehlender Sekundenstop!), macht aber im Alltag mit seiner Ganggenauigkeit eine sehr gute Figur.

Alles in allem ist die Laco Faro ein sehr empfehlenswerter Einstieg in die Welt der Beobachtungsuhren zu einem fairen Preis – insbesondere die Verarbeitung von Gehäuse, Krone, Ziffernblatt und Zeigern möchte ich lobend hervorheben.

Wer allerdings die beschriebenen Abweichungen von den historischen Beobachtungsuhren nicht verschmerzen kann und etwas mehr Authentizität will, kann z.B. zur Laco Leipzig greifen, die anders als die Faro ein korrektes historisches Ziffernblatt (ohne Logo, Made in Germany-Schriftzug und mit Punkten bei den Stundenzahlen), gebläute Zeiger, die FL23883-Gravur, einen massiven Edelstahlboden mit original Gravur und ein Schweizer ETA-Handaufzugwerk an Bord hat.

Diese Details haben allerdings ihren Preis: Mit 850€ ist die Laco Leipzip deutlich teurer als die Laco Faro.

Laco Leipzig B-Uhr Beobachtungsuhr Fliegeruhr

Laco Leipzig, Bild: Laco

Wie immer bei meinen Artikeln möchte ich euch natürlich noch Alternativen zur getesteten Laco-Beobachtungsuhr vorstellen. Dafür werfen wir einen Blick in das Pforzheimer Uhren-Cluster, wo sich neben Laco auch noch Stowa, Aristo und Archimede tummeln:

Eine „Made in Germany“ Beobachtungsuhr im B-Muster findet sich z.B. beim Hersteller Aristo mit Schweizer ETA 2824-2 Automatikwerk. Auch wenn die Gehäuseverarbeitung der Laco Faro in der Preisklasse schwer zu toppen sein dürfte, ist es natürlich verlockend für einen humanen Aufpreis (UVP = 425€) für die Aristo ein Schweizer Automatikwerk zu bekommen. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wo seine Prioritäten liegen.

Ähnlich wie Laco stellt auch Stowa im nur 10km entfernten Engelsbrand die Beobachtungsuhren-Klassiker nach altem Baumuster her. Der Einstiegspreis für die Beobachtungsuhren von Stowa ist aber deutlich höher: Für 930€ bekommt man im Gegenzug allerdings z.B. sehr schicke temperaturgebläute Stahlzeiger, ein Schweizer ETA 2824-2 Automatikwerk und eine coole Idee für den Rotor, der durch den Sichtboden erblickt werden kann – ein guter Kompromiss zwischen Glas-Sichtboden und historisch korrektem Gravur-Stahlboden:

Ein direkter Vergleich zwischen dem Stowa-Einstiegsmodell und der getesteten Laco Faro ist an dieser Stelle natürlich nicht fair, da die Faro deutlich niedrigpreisiger postioniert ist: Die bereits oben erwähnte Laco Leipzig (mit Schweizer Handaufzugwerk) weist aber fast dieselben Eigenschaften wie das Stowa-Modell auf und kostet sogar 80€ weniger.

Eine weitere Alternative kommt aus dem Hause Archimede – nur 5km von Laco in Pforzheim entfernt: Ab 620€ bekommt man dort die B-Muster Beobachtungsuhr Modell PILOT 42 B mit ETA 2824-2 Automatikwerk, gebläuten Zeigern und authentischem Design. Archimede hebt sich von anderen Herstellern mit (aufpreispflichtigen) Optionen ab, mit der man die Uhr nach seinen Wünschen individuell gestalten kann (z.B. beidseitig entspiegeltes und gewölbtes Saphirglas, FL 23883-Gravur, Milanaise-Edelstahlarmband etc.). Archimede gehört zum Uhrengehäusebauer Ickler, welcher unter Uhrenfans einen sehr guten Ruf genießt.

Abschließend noch ein paar Schnappschüsse der Laco Faro am Handgelenk und alle technischen Details in der Übersicht:

Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK
Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK
Laco Faro B-Muster Beobachtungsuhr Fliegeruhr Pilotenuhr 2. WK

Gehäuse: Edelstahl satiniert

Bandanstoß 20 mm, wasserdicht bis 5 ATM, Saphirglas, Boden mit Saphirglas, gewölbte Krone

Uhrwerk: Automatikwerk Laco 21, 21 Steine, 3 Zeiger

Zeiger: Stunde, Minute und Sekunde schwarz matt mit Leuchtmasse Superluminova C3

Armband: Edelstahlband mit Alligatorendstück, Edelstahlfaltschliesse mit Logo „Laco 1925“

Zifferblatt: Schwarz matt, arabische Zahlen und Indexe mit Leuchtmasse Superluminova C3, Gestaltung wie B-Uhr Baumuster B

Gewicht: 150 g

Preis: 348,-€ inkl. schwarzes Geschenketui und Umkarton

 

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