Breitling Colt A17388 blau: Test der markanten Taucheruhr 6


Ungefähr ein halbes Jahr habe ich die aktuelle Breitling Colt in der Farbe blau (A17388) nun Gassi getragen. Ob Breitlings Einsteiger-Tauchermodell aus dem Schatten der Fliegeruhren wie z.B. der Breitling Navitimer heraustreten kann, zeigt dieser ausführliche Test.

 

Die Breitling Colt: Taucheruhr eines historischen Fliegeruhrenherstellers

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Breitling Vintage-Anzeige für Bordchronographen, Bild: Breitling

Wie so viele Erfolgsgeschichten begann auch die von Breitling in einer kleinen Werkstatt, welche 1884 von Léon Breitling im Schweizer Jura gegründet wurde, um sich der Fertigung von Chronographen und Zählern, Präzisionsinstrumenten für Sport, Wissenschaft und Industrie zu widmen.

Breitling weitet aber seinen Fokus schnell aus und hat seit je her etliche historische Verbindungen zur Luftfahrt, z.B. zur Royal Air Force, die in den 1940er-Jahren ihre berühmten Propellerjäger mit Breitling-Bordchronografen ausrüstete. Auch in der Nachkriegszeit stattete Breitling viele Airlines mit seinen Bordchronographen aus.

Auch wenn im heutigen Digitalzeitalter eine mechanische Uhr im Cockpit sicher nicht mehr nötig ist, pflegt Breitling nach wie vor sein historisches Fliegeruhren-Image. So hat Breitling bereits seit 2003 eine eigene Jet-Staffel mit sieben L-39 C Albatros – hier im Bilde mit dem Hollywood-Schauspieler, passionierten Piloten und Markenbotschafter John Travolta.

John Travolta Breitling Jet Team

John Travolta mit dem Breitling Jet-Team, Bild: Breitling

Heute ist Breitling mit ca. 400 Mitarbeitern für einen Uhrenhersteller vergleichsweise groß. Charmant finde ich, dass Breitling nach wie vor ein unabhängiges Familienunternehmen ist: Während bei den Konkurrenzmarken wie Omega (Swatch-Gruppe) oder TAG Heuer (LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE) große Konzerne dahinter stehen, ist die Breitling SA aus dem beschaulichen Grenchen immer noch sein eigener Herr.

Breitling Headquarter

Breitling HQ, Bild: Breitling

Auch wenn Breitling natürlich unter Zuhilfenahme moderner Werkzeugmaschinen etc. produziert, verdient der Uhrenhersteller meiner Meinung nach auf jeden Fall den (eher dehnbaren) Titel Uhrenmanufaktur: So hat Breitling in La Chaux-de-Fonds für die Konzeption und die Fertigung mechanischer Chronografenwerke die supermoderne Fabrik Breitling Chronométrie gebaut.

 

 

 

Hier ein paar Impressionen in der Gallerie (alle Bilder: Breitling):

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Die Geschichte von Breitling ist auch noch mal kompakt in diesem sehr kurzweiligen Video zusammengefasst – unbedingt anschauen!

 

Test der Breitling Colt A17388 blau am Kautschuk-Armband mit Faltschließe (2016)

Obwohl die Taucheruhren von Breitling vielleicht ein wenig im Schatten der Fliegermodelle, wie z.B. den 1952 lancierten Klassiker Breitling Navitimer, stehen, hat auch die Breitling Colt einen interessanten geschichtlichen Hintergrund, da das Modell ursprünglich in den 80ern für das Militär konzipiert wurde. Die Breitling Colt erfreute sich aber schnell großer Beliebtheit beim Otto Normal Verbraucher, weshalb die Modellreihe auch heute noch existiert.

Interessant: Breitling versucht das Taucheruhrenmodell Colt gar nicht erst image-technisch im maritimen Bereich zu positionieren. Der Hersteller bleibt seiner Linie treu und bewirbt die Colt ebenfalls im Rahmen seines Fliegeruhren-Images:

 

Kommen wir nun zum versprochenen Test…

 

Gehäuse, Krone und Lünette

Die Ähnlichkeit der 2016 erschienen Breitling Colt A17388 gegenüber der nicht mehr erhältlichen Breitling SuperOcean Steelfish, die ich mal mein Eigen nennen durfte, ist nicht von der Hand zu weisen:

Uhrengröße - Breitling Colt vs. Breitling Steelfish 1a

Dennoch wirkt die Breitling Colt mit der Referenz-Nr. A17388 meiner Meinung nach etwas moderner und frischer im Design…

Breitling Colt A17388 blau

Entscheidend ist aber der folgende Unterschied: Während die Breitling SuperOcean Steelfish aufgrund der Bauhöhe und des hohen Gewichts regelmäßig unangenehm an meinem Handgelenk rumbaumelte, ist die Breitling Colt trotz gleichen Durchmessers (44mm) ein echtes Komfortwunder: Mit nur 11mm Bauhöhe und einem deutlich niedrigeren Gewicht fühlt sie sich (subjektiv) zwar nicht ganz so hochwertig an wie der schwere Steelfish-Stahlklotz, trägt sich dafür aber wunderbar angenehm im Alltag.

Breitling Colt A17388 blau

 

Das Gehäuse ist an sich eher schlicht, durch die vielen polierten Flächen aber dennoch recht auffällig. Im Kontrast dazu steht das „Markengesicht“ von Breitling: Die markante, satinierte Lünette, die sich in dieser oder ähnlicher Form durch die ganze Breitling-Kollektion zieht:

Breitling Colt A17388 blau

 

Auch die griffige, verschraubte Krone mit dem typischen Marken-„B“ kann sich sehen lassen:

Breitling Colt A17388 blau

 

Alles in allem wäre eine Breitling natürlich nicht eine Breitling, wenn sie nicht ziemlich präsent am Handgelenk wäre – trotz der geringen Bauhöhe:

Breitling Colt A17388 blau

 

Etwas schade: Im Vergleich zur SuperOcean Steelfish ist der Gehäuseboden der Breitling Colt sehr schlicht gehalten:

Breitling Colt A17388 blau

Breitling Colt A17388 blau

Nichtsdestotrotz ist der Gesamteindruck des Gehäuses sehr gut. Dass man mit der Breitling Colt auch auf Tauchgänge gehen kann, versteht sich für eine Taucheruhr in der Preisregion von selbst (20bar Wasserdichtigkeit).

Ziffernblatt

Das blau-graue Ziffernblatt mit den applizierten Indizes ist zwar eher klassisch, kommt aber durch das massive, beidseitig entspiegelte Saphirglas extrem gut zur Geltung – je nach Lichteinfall könnte man auch denken, dass gar kein Glas verbaut ist. Ich bin ohnehin Fan beidseitig entspiegelter Uhrengläser: Eine Uhr wirkt dadurch einfach noch hochwertiger. Einzig der manchmal zu sehende blaue Schimmer weist auf die Entspiegelungsschicht hin.

So toll beidseitig entspiegeltes Saphirglas auch aussieht – als Käufer muss einem bewusst sein, dass die Entspiegelungsschicht kratzanfälliger ist als das Saphirglas selbst. Das ist eigentlich ein Widerspruch in sich, da Saphirglas ja verbaut wird, um Kratzer zu vermeiden. Aus diesem Grunde setzen die meisten Hersteller auf Saphirglas, das nur auf der Innenseite eine Entspiegelungsschicht hat. Eine ziemliche Zwickmühle, da ich aber nur Bürotäter bin und meine Uhren daher kaum strapaziere, tendiere ich bei der Modellsuche meistens zu Modellen mit beidseitig entspiegeltem Saphirglas.

Bei der Breitling Colt ist die kratzempfindlichere Entspiegelungsschicht an der Außenseite ohnehin weniger ein Problem: Die erhobene Lünette ist nicht nur schön griffig, sondern schützen auch das Glas:

Breitling Colt A17388 blau

Hier und da liest man kritische Stimmen, dass das Breitling-Logo nur gedruckt ist und nicht appliziert. Das ist aufgrund der sehr hohen Qualität des Drucks meiner Meinung nach nicht weiter schlimm. Außerdem sinkt die Verwechslungsgefahr mit dem auf Distanz doch sehr ähnlichen Invicta-Logo 😉

Toll ist auch das feine, kreisförmige Reliefdekor, welches das Ziffernblatt belebt:

Breitling Colt A17388 blau

 

Die Zeiger sind qualitativ auf demselben hohen Level wie die Konkurrenz, z.B. von Omega oder Longines, lassen mit ihrer sehr schlichten Form aber vielleicht ein wenig das „Besondere“ vermissen:

Breitling Colt A17388 blau

 

Uhrwerk

In der Breitling Colt A17388 tickt ein Kaliber auf Basis des ETA 2824, welches von der offiziellen Schweizer Chronometerprüfstelle COSC (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres) zertifiziert ist. Die COSC vergibt die Chronometer-Auszeichnung auf der Basis der internationalen Norm ISO 3159. Die Prüfung einer mechanischen Uhr bei der COSC dauert satte 15 Tage, die genutzt werden, um die Ganggenauigkeit jeder einzelnen Uhr in verschiedenen Lagen und bei verschiedenen Temperaturen zu prüfen. Es verwundert also nicht, dass das Werk der vorliegenden Breitling Colt mit einem Vorgang von +1 Sekunde pro Tag hervorragend einreguliert ist.

Ein COSC-Zertifikat ist übrigens in der Preisklasse absolut keine Selbstverständlichkeit, was die unten angegebenen Modell-Alternativen zeigen. Alles in allem gibt es also einen fetten Daumen nach oben für das Werk.

 

Armband und Faltschließe

Der Abwechslung halber habe ich mich bei der Breitling Colt mal nicht für ein Edelstahlarmband, sondern für das blaue Kautschuk-Armband mit dezentem (*hust*) BREITLING-Schriftzug entschieden, von dem man nach der Kürzung allerdings nur noch „BREITLI“ sieht 😉

Breitling Colt A17388 blau

Die Kürzung des Kautschukarmbandes war übrigens ganz einfach: Mit einem Teppichmesser kann man einfach schrittweise einzelne Elemente abschneiden (okay, zugegeben: Etwas nervös war ich schon, als meine Frau am Armband rumgedoktort hat).

Ich rate dringend dazu die Faltschließe anstelle der Dornschließe zu nehmen: Allein die Schnellverstellung („PUSH“) ist es Wert den Aufpreis gegenüber der Dornschließe zu zahlen (beim Kürzen unbedingt berücksichtigen!). Aber auch die Optik ist äußerst lecker:

Breitling Colt A17388 blau

 

Breitling Colt A17388 blau

Breitling Colt A17388 blau

 

Fazit zur Breitling Colt A17388 und Alternativen

Mit einem effektiven Marktpreis, z.B. bei Watchdeal, ab ca. 2000€ (UVP: 2690€) für die Automatik-Variante am Kautschuk-Armband (mit Dornschließe) ist die Breitling Colt der günstigste Einstieg in die Breitling-Markenwelt – nur die Breitling Colt als Quartz-Version ist günstiger (ab ca. 1750€). Aufgrund der vergleichsweise geringen Differenz von ca. 250€ rate ich aber eher zur Variante mit Automatikwerk.

Leider neige ich dazu, meine Uhren öfters mal zu „flippern“, d.h. ein Modell zu verkaufen, und mir dafür ein anderes zuzulegen. Bei der Breitling Colt hatte ich diese Anflüge zum Glück noch nicht: Breitling hat mit einer tollen, markanten Optik und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ein Gesamtpaket geschnürt, das definitiv einen Blick wert ist! Kaufempfehlung!

 

Nichtsdestotrotz habe ich natürlich wie immer nach Alternativen zur hier getesteten Breitling Colt gesucht. Da es Taucheruhren gefühlt wie Sand am Meer gibt, habe ich mich auf Modelle beschränkt, die nicht die typische schwarze Taucher-Lünette haben (wie z.B. die Omega Seamaster Planer Ocean), sondern eine markante, ungefärbte Edelstahllünette wie die Breitling Colt.

Mit der TAG Heuer Aquaracer Calibre 5 Automatik z.B. bekommt man sogar noch eine etwas günstigere Alternative (ca. 1500€) in einem sehr ähnlichen Look wie die Breitling Colt. Die TAG Heuer Aquaracer (mit der Referenz-Nr. WAY2012.BA0927) ist ebenfalls mit einem schicken blauen Ziffernblatt erhältlich – dadurch, dass das Saphirglas allerdings nicht beidseitig entspiegelt ist, kommt das blau nicht ganz so gut rüber wie bei der Breitling Colt.

Das Automatikwerk basiert wie bei der Breitling Colt auf dem Schweizer ETA 2824. Breitling hat aber mit dem Chronometer-Zertifikat der COSC ganz klar die Nase vorn. 30bar Wasserdichtigkeit und ein Durchmesser von 43mm runden das Swiss Made-Paket von TAG Heuer ab. Das sportliche Image der Marke TAG Heuer gibt’s obendrauf.

Noch günstiger kommt man mit der Longines HydroConquest Chronograph weg. Ich habe bereits ein Review zum Modell mit der Referenz-Nr. L3.644.4.56.6 verfasst, welches allerdings mit der typischen schwarzen Taucherlünette kommt:

Longines HydroConquest Chronograph L3.644.4.56.6 im Test

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei der Schweizer Traditionsmarke wirklich gut und wenn man die Augen aufhält, kann man vielleicht ein Schnäppchen machen und das Auslaufmodell der Longines HydroConquest mit einer ungefärbten Edelstahllünette bekommen. Für den 42mm großen Chronographen mit Saphirglas sind zum Stand 10/2016 knapp über 1100€ bei Chrono24.de fällig.

 

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