Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01 im Test – „Handmade in Germany“ trifft russischen Stilbruch

Alexander wer? wird vielleicht der eine oder andere Leser dieses Artikels denken. Tatsächlich ist die Marke Alexander Shorokhoff seit immerhin 13 Jahren am Markt und die Qualität der Uhren genießt unter Kennern einen sehr guten Ruf.

Was alle Modelle von Alexander Shorokhoff auf jeden Fall gemein haben ist das ausgefallene Design. Soviel vorweg: Die hier getestete Alexander Shorokhoff Regulator R01 (AS.R01-4) gehört zwar nicht zu den ausgefallensten Uhren im Portfolio der Marke, hebt sich aber dennoch deutlich von der breiten Masse ab…

Kooperation

Die Marke Alexander Shorokhoff

Alexander Shorokhoff – dieser leicht zungenbrecherisch anmutende Markenname ist gleichzeitig auch der Name des russischstämmigen Kopfes hinter der Marke mit Hauptsitz in der kleinen Stadt Alzenau in Bayern.

Der Moskauer Unternehmer und ausgebildete Ingenieur, der genau genommen eigentlich Alexander Shorokhov heißt, wurde 1991 aufgrund seiner Leistungen und seines Engagements vom damaligen russischen Ministerpräsidenten Michael Gorbatschow zusammen mit wenigen weiteren fortschrittlich denkenden Managern nach Deutschland geschickt. Dort sollte Shorokhov im Rahmen der von Gorbatschow initiierten Reformen in der Sowjetunion (Stichwort: Perestroika und Glasnost für Redefreiheit / Informationsfreiheit), die freie Marktwirtschaft beim hessischen Wirtschaftsministerium kennen lernen.

Nach Shorokhovs Umzug nach Deutschland stieg er nur 1 Jahr später in das Uhrengeschäft mit dem Vertrieb der russischen Uhrenmarke Poljot ein. Die Gründung der Marke Alexander Shorokhoff erfolgte dann im Jahre 2003 unter dem Motto

Kunst am Handgelenk

Unter diesem Leitgedanken soll ein ausgefallenes Uhren-Design, welches von russischer und internationaler Kunst inspiriert ist, mit „handmade in Germany“-Qualität vereint werden. Angesiedelt ist die Marke im im unteren bis mittleren Luxus-Segment, wodurch ein vergleichsweise breites Publikum erreicht werden soll. Gleichzeitig wird die Zielgruppe mit

Uhrenliebhaber, die sich nicht dem Mainstream anschließen wollen.

umschrieben.

Der Erfolg dieses Konzeptes gibt Alexander Shorokhoff bisher Recht: Seit 2010 hat sich der Umsatz des Herstellers jedes Jahr verdoppelt, im Jahre 2015 betrug das Umsatzwachstum sogar fast 150% – natürlich ist die absolute Zahlenbasis sicherlich deutlich kleiner als bei etablierten und alteingesessenen Marken wie Tissot. Die Wachstumsraten zeigen aber, dass ganz offensichtlich ein Markt für die ausgefallenen Uhren aus dem beschaulichen Alzenau existiert. Im Rahmen dieser Entwicklung wurde auch die Anzahl Distributoren und Fachgeschäfte über die Jahre weiter ausgebaut.

Herr Shorokhov ist nach wie vor auch stark in das operative Geschäft involviert: Jede Uhr wird komplett von ihm entworfen und per Hand gezeichnet:

Für alle Arbeitsschritte in der Produktion ist jeweils ein Uhrmachermeister verantwortlich. Dieser begleitet den Herstellungsprozess vom Anfang bis zur Endmontage. Viel Handarbeit fließt z.B. in die Gravur und Veredelung der russischen und Schweizer Uhrwerke, welche nach der Lieferung zunächst in ihre Bestandteile zerlegt und gereinigt werden…

(Diashow-Bilder: Alexander Shorokhoff / Frank May):

Neben der Handarbeit, die in der Produktion steckt, zeichnet die Modelle von Alexander Shorokhoff auch designtechnische Stilbrüche aus: So z.B. die Alexander Shorokhoff Barbara aus der Avantgarde-Modellreihe, welche 2016 den German Design Award „Special Mention“ gewonnen hat und zu Ehren der berühmten Jazzmusikerin Barbara Dennerlein designt wurde. Das sehr detailliert verarbeitete Ziffernblatt im Piano-Stil mit Notenschlüssel in der Mitte kann sich jedenfalls mehr als sehen lassen.

Ein weiteres irre aufwendiges Design hat die Alexander Shorokhoff Babylonian, die auch in der (etwas teureren) Neuauflage Babylonian II alles anderes als langweilig ist:

Alexander Shorokhoff Babylonia ASAS.BYL02
Bild: Alexander Shorokhoff

Die Avantgarde-Modellreihe wurde während der Weltwirtschaftskrise 2009 geboren, um mit günstigeren Modellen auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Ebenfalls aus der Avantgarde-Modellreihe stammt die hier getestete Alexander Shorokhoff Regulator R01 (AS.R01-4), die zwar ein nicht ganz so extrovertiertes Design wie andere Modelle der Marke hat, aber dennoch mehr als einen Blick Wert ist…

 

Test der Alexander Shorokhoff Regulator R01 (AS.R01-4)

Gehäuse und Krone

Die Gehäuseverarbeitung kann problemlos mit den großen bzw. etablierten Uhrenmarken mithalten: Polierte und gebürstete Flächen des 43mm großen Gehäuses sorgen für Abwechslung, die Kanten sind sehr sauber verarbeitet. Die Bauhöhe ist mit 12mm angemessen und wirkt stimmig. Alles in allem ist die Alexander Shorokhoff Regulator R01 optisch sehr präsent am Handgelenk:

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01 Alexander Shorokhoff Regulator R01

 

Auch die Krone ist sehr detailreich verarbeitet, hätte aber vielleicht einen Tick größer sein können, da ich mit meinen Wurstfingern doch ab und an beim Aufziehen abrutsche…

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01

 

Der verschraubte Saphirglasboden gibt den Blick auf das grandios per Hand verzierte und vergoldete Uhrwerk frei – insbesondere die gebläuten Schrauben, der Wolkenschliff und die Handgravur auf der Unruhbrücke sind ein echter Blickfang:

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Das Modell ist spritzwassergeschützt (5bar), was für diesen Uhrentyp in Ordnung ist. Das kratzfeste Saphirglas ist auf der Innenseite entspiegelt.

 

Ziffernblatt und Zeiger

Das Ziffernblatt ist (neben dem verzierten Werk) sicherlich das, was die Regulator R01 am ehesten von anderen Modellen unterscheidet. Der Name Regulator kommt dabei nicht von ungefähr: Das Prinzip des sogenannten wissenschaftlichen Regulators kommt auch bei der Alexander Shorokhoff Regulator R01 zum Einsatz, d.h. Stunden-, Minuten- und Sekundenanzeige werden separat dargestellt.

Konkret befindet sich bei der Regulator R01 der Minutenzeiger auf der zentralen Achse, während Stunden- und Sekundenzeiger dezentral angeordnet sind und sich überlappen. Das sorgt für einen abwechslungsreichen Look, das Ablesen der Uhrzeit verlangt aber gleichzeitig etwas Eingewöhnung.

Besonders ins Auge sticht natürlich die dominante 60 auf dem insgesamt sehr aufgeräumt wirkenden Ziffernblatt:

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Alexander Shorokhoff Regulator R01

 

Sehr schön sind auch die Zeiger, die allerdings ohne Leuchtmasse auskommen – eine gute Entscheidung wie ich finde, da die Zeiger dadurch filigraner rüberkommen und in Kombination mit dem Ziffernblatt ein sehr stimmiges Bild abgeben:

Alexander Shorokhoff Regulator R01

Sicherlich kein Zufall und sehr schön anzusehen: Der Stundenzeiger der Alexander Shorokhoff Regulator R01 erinnert an die Zwiebelturm-Architektur, welche man häufig in Russland antrifft, z.B. bei der weltberühmten Basilius-Kathedrale in Moskau, unweit des Kreml:

Zwiebelturm Architektur Moskau Basilius Kathedrale
Basilius-Kathedrale Moskau, Bild: Manfred Münzl, muenzl.net

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Armband und Schließe

Ich habe leider bei vielen Lederarmbändern die Erfahrung gemacht, dass diese recht steif und unflexibel sind – selbst nach längerem Tragen. In dieser Hinsicht hat mich das handmade in Germany Lederarmband der Regulator R01 positiv überrascht:  Es ist sehr weich und flexibel und schmiegt sich toll dem Arm an. Schön ist auch, dass der Federsteg gebogen ist und sich somit gut dem Gehäuse anpasst. Die recht massive Schließe rundet den sehr guten Gesamteindruck ab.

Alexander Shorokhoff Regulator R01 Alexander Shorokhoff Regulator R01

 

Technik: Das Uhrwerk

Ausgestattet ist die Alexander Shorokhoff Regulator mit dem russischen Handaufzugskaliber Poljot 3105, welches als sehr zuverlässig gilt: In den 70er Jahren verkaufte der Schweizer Rohwerkehersteller Valjoux (heute Teil der Swatch-Gruppe / ETA) wegen der Quarz-Krise seine Maschinen, mit denen das Chronographenwerk 7734 produziert wurde, in die Sowjetunion. Dort wurden die Anlagen genutzt, um das fast baugleiche Chronographenwerk 3133 zu bauen. Das in der Alexander Shorokhoff Regulator R01 verbaute Kaliber 3105 wiederum ist eine Variante des Kalibers 3133 – nur eben ohne Chronographenfunktion. Mittlerweile werden die Werke von der russischen Firma MakTime hergestellt.

Der größte Nachteil des Werkes ist sicherlich die fehlende Datum-Schnellverstellung, d.h. das typische Ziehen der Krone in eine „Mittelstellung“ zum Verstellen der Uhrzeit fehlt komplett: Um das Datum einzustellen, muss man die Uhr zunächst auf 12 Uhr einstellen, damit dieses das erste mal umspringt. Dann wieder zurück auf 11 Uhr und wieder vor auf 12 Uhr usw. – so lange bis das gewünschte Datum eingestellt ist. Eine ziemliche Friemelei und definitiv ein recht großer Nervfaktor, insbesondere für ungeduldige Menschen wie mich, die gerne auch mal alle 1-2 Tage die Uhr wechseln. Außerdem schade: Das Werk hat keinen Sekundenstopp, was das präzise Einstellen der exakten Uhrzeit erschwert.

Lobend hervorheben möchte ich aber, dass die Alexander Shorokhoff Regulator R01 mit einer Abweichung von -3 Sekunden pro Tag gut einreguliert ist.

 

Box und Inhalt

Die Regulator R01 kommt in einer recht schicken Box in Klavierlack-Optik. Toll: Innen befindet sich neben einer Kurzanleitung auch ein handgeschriebenes Mess- bzw. Qualitätssicherungs-Protokoll zu den wichtigsten Parametern der Uhr (z.B. Amplitude, Wasserdichtigkeit etc.). Das unterstreicht auf jeden Fall, dass die Uhren aus Alzenau keine Massenware sind.

alexander-shorokhoff-regulator-r01-box

 

Regulator R01: Einschätzung und Preis

Der Regulator R01 markiert den Einstieg in die Welt der ausgefallenen Uhren der Marke Alexander Shorokhoff. Wie bei eigentlich allen anderen Uhrenmarken dreht sich aber auch bei Alexander Shorokhoff die Preisspirale nach oben: Auf der Baselworld 2012 ging der Regulator R01 noch mit 850€ an den Start. Mittlerweile liegt das Modell bei 1099€. Die neue Variante Regulator RED, die auf der Baselworld 2016 vorgestellt wurde, liegt sogar bei knapp über 1200€.

Auf der einen Seite ist der Preis in Anbetracht der gebotenen Qualität (insbesondere Gehäuse und Zeiger) und des ausgefallenen Designs nach wie vor fair. Insbesondere auch das aufwendig per Hand veredelte und vergoldete Werk ist in der Preisklasse normalerweise nicht anzutreffen – das kann man durchaus als Alleinstellungsmerkmal bezeichnen. Natürlich kann man aber auch einwenden, dass man beim alltäglichen Tragen der Regulator R01 nicht viel von dem schick dekorierten Werk hat – für etwas Abwechslung von den wenig bis gar nicht veredelten mechanischen Werken, die man sonst so in der Preisklasse antrifft, sorgt dies aber allemal.

Wie bereits oben beschrieben trüben auf der anderen Seite allerdings zwei fehlende Komfort-Eigenschaften etwas die Freude an dem schicken Werk (Sekundenstopp und Datum-Schnelleinstellung), was im Alltag durchaus nerven kann.

Alles in allem ist der Alexander Shorokhoff Regulator R01 ein sehr empfehlenswertes Modell für alle, die das gewisse Etwas suchen. Wer im oftmals vorherrschenden Einheitsbrei der Uhrenwelt (Stichwort: Taucheruhren-Design) etwas Abwechslung sucht und auffallen will, der findet in der Alexander Shorokhoff Regulator R01 ein Modell mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, welches langfristig Freude bereiten kann.

Hier noch die wichtigsten Eigenschaften der Alexander Shorokhoff Regulator R01 in der Übersicht:

Werk:

  • Uhrwerk-Basis: Russisches Handaufzugkaliber 3105, Regulator
  • veredelt, einzelne Brücken handgraviert

Gehäuse:

  • Edelstahl, gebürstet mit polierter Lünette
  • Ø 43,5 mm; H: 11,55 mm
  • Saphirglas mit Antireflektionsbeschichtung (innen)
  • 5 bar Wasserdichtigkeit
  • Lederband
  • Saphirglasboden
  • Gewicht 94g

Alternative zur Alexander Shorokhoff Regulator R01

Normalerweise suche ich bei meinen Reviews oder News auch immer Alternativen zu den vorgestellten Uhren. Bei Taucheruhren oder der zuletzt von mir getesteten Laco B-Muster Beobachtungsuhr ist das in der Regel recht gut machbar. Eine Alternative zur Alexander Shorokhoff Regulator R01 zu finden war nicht ganz so leicht. Unter dem Stichwort Regulator lassen sich allerdings ein paar Alternativen finden, die zwar in der Gesamterscheinung deutlich schlichter rüberkommen als die Alexander Shorokhoff Regulator R01, aber dennoch die Regulator-typische Anordnung der Zeiger haben.

Die naheliegenste Alternative kommt aus dem Hause Poljot International, bei der Herr Shorokhov ebenfalls federführend ist. Die Uhren der Marke Poljot International sind niedrigpreisiger angesiedelt als die Marke Alexander Shorokoff, die Produktion findet aber ebenfalls in Alzenau, Bayern statt.

Für ca. 770€ bekommt man ein optisch der Regulator R01 ähnelndes Modell, welches ebenfalls schlicht Regulator getauft wurde. Das Made in Germany Paket besteht bei der Poljot International Regulator ebenfalls aus 5bar Wasserdichtigkeit, Saphirglas und Handaufzugwerk.

Größter Unterschied zur Alexander Shorokhoff Regulator R01 ist sicherlich die deutlich schlichter ausfallende Veredelung des Handaufzugkalibers, d.h. ohne aufwendige Gravuren und Schliffe. Auch die Gehäuseverarbeitung und insbesondere die Zeiger fallen sichtbar einfacher aus. Alles in allem würde ich persönlich aufgrund der nicht allzu großen Preisdifferenz dann doch lieber noch ein paar Euro drauf packen und zur Alexander Shorokhoff Regulator R01 greifen.

Ebenfalls Made in Germany aus dem Uhren-Cluster in Glashütte, Sachsen, kommt der 41mm große Union Glashütte 1893 Regulator, welcher durch die römischen Zahlen und die gebläuten Zeiger eher klassisch-schlicht wirkt. Außerdem an Bord: Ein Schweizer ETA 2899 Automatikwerk und beidseitig entspiegeltes Saphirglas, wodurch das Ziffernblatt noch besser zur Geltung kommt.

Mit ca. 1800€ ist der Union Glashütte 1893 Regulator allerdings kein Schnäppchen…

 

Günstiger und mit gutem Swiss Made-Paket ist der Hamilton Jazzmaster Regulator mit 42mm Gehäusedurchmesser, Saphirglas und Schweizer ETA 2824 Automatikwerk. Das Modell ist sicherlich nicht so ausgefallen wie der Alexander Shorokhoff Regulator R01, mit knapp über 800€ ist der Preis aber ziemlich fair.

Hamilton Jazzmaster Regulator H42615553
Bild: Hamilton

 

Wer nicht genug von ausgefallenen Uhren kriegen kann, dem empfehle ich abschließend noch einen Blick in diesen Artikel von mir zu werfen:

Ausgefallene Uhren: Modelle mit Blickfang-Garantie

 

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